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Die 3D-Funktionen in Adobe Photoshop sind ein seit Photoshop CS3 (2007) integriertes System zur Erstellung, Texturierung und Beleuchtung einfacher 3D-Objekte direkt im Programm – seit Photoshop 23.3 (2022) als Legacy-Funktion markiert und nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

Was sind die 3D-Funktionen in Photoshop?

Photoshop ist primär ein 2D-Bildbearbeitungsprogramm; die 3D-Werkzeuge wurden als Erweiterung eingeführt, um Fotomontagen mit 3D-Elementen zu ermöglichen, ohne zwischen Programmen wechseln zu müssen. Die Funktion erlaubt das:

  • Importieren und Bearbeiten von 3D-Dateien (OBJ, 3DS, Collada, KMZ, U3D).
  • Erstellen einfacher 3D-Grundkörper aus 2D-Ebenen (Extrudieren von Text und Formen).
  • Texturieren mit Photoshop-eigenen Ebenen direkt auf dem 3D-Modell.
  • Beleuchten mit verschiedenen Lichttypen (unendlich, Punkt, Scheinwerfer).
  • Rendern mit Ray-Tracing für fotorealistische Ergebnisse.
  • Kombinieren von 3D-Objekten mit 2D-Fotoebenen.

Hinweis: Adobe hat die 3D-Funktionen mit Photoshop 23.3 (2022) als „Legacy" eingestuft. Sie sind weiterhin nutzbar (unter Photoshop → Weitere Einstellungen), werden jedoch nicht mehr weiterentwickelt. Adobe empfiehlt für 3D-Arbeit den Wechsel zu Adobe Substance 3D oder Adobe Dimension.

Erklärung

Aktivierung der 3D-Funktionen

Ab Photoshop 23.3 müssen Legacy-3D-Funktionen manuell aktiviert werden:

  • Photoshop → Weitere Einstellungen → Einstellungen für Technologievorschau
  • Haken bei „Legacy 3D aktivieren" setzen
  • Photoshop neu starten

Das 3D-Bedienfeld

Fenster → 3D öffnet das 3D-Bedienfeld, das in zwei Bereiche gegliedert ist:

  • Szene: Hierarchische Ansicht aller 3D-Elemente (Mesh, Materialien, Lichter, Kamera).
  • Eigenschaften: Kontextabhängige Einstellungen für das aktuell ausgewählte Element.

3D-Objekte erstellen

Aus vorhandener Ebene extrudieren:

  1. Textelayer oder Formebene markieren.
  2. 3D → Neue 3D-Extrusion aus ausgewählter Ebene.
  3. Im 3D-Bedienfeld → Mesh auswählen → Extrusion: Tiefe, Bevel, Inflation anpassen.

3D-Grundkörper:

  • 3D → Neues Mesh aus Ebene → diverse Formen: Kegel, Kugel, Zylinder, Donut, Hut, Flasche, Netz.
  • Aus Graustufen-Layer ein Reliefmesh erstellen (helle Stellen = hohe Bereiche).

3D-Datei importieren:

  • Datei → Öffnen oder Drag-and-Drop von .OBJ, .3DS, .DAE, .KMZ, .U3D-Dateien.
  • Das 3D-Objekt erscheint als 3D-Layer im Ebenenbedienfeld.

Texturierung

Materialien werden im 3D-Bedienfeld verwaltet. Jedes Material kann mit Photoshop-Ebenen texturiert werden:

  • Im 3D-Bedienfeld → Material auswählen.
  • In den Eigenschaften: Textur-Vorschaufeld anklicken → „Textur bearbeiten" öffnet die Textur als eigenes Photoshop-Dokument.
  • Alle Malwerkzeuge, Einstellungsebenen und Filter lassen sich direkt auf der 3D-Textur anwenden.
  • Speichern des Texturdokuments aktualisiert die Textur am 3D-Objekt sofort.

UV-Mapping: Die Textur wird nach UV-Koordinaten auf das Mesh projiziert. Photoshop zeigt UV-Overlays zur Orientierung (3D → Texturierungsoptionen → UV-Overlays anzeigen).

Beleuchtung

Drei Lichttypen stehen zur Verfügung:

  • Unendliches Licht (Infinite Light): Paralleles Licht ohne Ursprungspunkt; simuliert Sonnenlicht.
  • Punktlicht (Point Light): Strahlt in alle Richtungen; simuliert Glühbirne.
  • Scheinwerfer (Spot Light): Gerichtetes Kegellicht; simuliert Bühnenlicht oder Schreibtischlampe.

Lichter lassen sich im 3D-Bedienfeld hinzufügen, löschen und per 3D-Widgets im Bild positionieren. Jedes Licht besitzt Farbe, Intensität und (bei Spot) Kegel- und Halbschatten-Parameter.

IBL (Image-Based Lighting): Ein HDR-Bild als Umgebungslicht nutzen – für fotorealistische Relflexionen und Beleuchtung aus einer Panoramaaufnahme.

Rendern

3D → Raytrace starten startet das Ray-Tracing-Rendering. Dieser Prozess ist sehr rechenintensiv und kann bei komplexen Szenen Minuten bis Stunden dauern. Das Rendern kann pausiert und fortgesetzt werden.

Rendervoreinstellungen:

  • Standard: Schnelles Preview-Rendering.
  • Ray-Tracing-Entwurf: Mittlere Qualität.
  • Ray-Tracing-Endgültig: Höchste Qualität; Schatten, Reflexionen, Transparenz voll berechnet.

Ausgabe in 2D

Nach dem Rendern wird das 3D-Layer in eine 2D-Ebene gerastert: 3D → 3D-Layer rastern. Das Ergebnis lässt sich dann wie jede andere Ebene mit Füllmethoden (Blend Modes) in Photoshop, Photoshop: Anpassungsebenen – Nicht-destruktive Farbkorrekturen und Photoshop: Ebenenmasken – Nicht-destruktives Freistellen und Ausblenden kombinieren.

Beispiele

3D-Text für Buchcover: Schriftzug-Layer extrudieren, Tiefe und Bevel einstellen, goldene Metall-Textur auftragen, Scheinwerfer für dramatisches Licht, rendern und auf Buchmotiv-Hintergrund kombinieren.

Produktvisualisierung: OBJ-Datei einer Flasche importieren, eigene Etikettendesigns als UV-Textur auftragen, in realistischem Licht rendern und in Werbe-Compositing integrieren.

Reliefkarte: Höhenkarte (Graustufen-Heightmap) in ein 3D-Mesh konvertieren für Reliefvisualisierungen in der Druckvorbereitung (vgl. Druckvorbereitung in Photoshop (CMYK, Proof)).

In der Praxis

Schritt-für-Schritt (3D-Textextrusion):

  1. Textwerkzeug: Buchstaben eingeben, Schriftart wählen.
  2. 3D → Neue 3D-Extrusion aus ausgewählter Ebene.
  3. 3D-Bedienfeld: Mesh auswählen, Extrusion → Tiefe auf z. B. 50 einstellen.
  4. Bevel → Breite und Tiefe für abgeschrägte Kanten.
  5. Material: Vorderseite auswählen → Farbe, Glanz, Spiegelung anpassen.
  6. Licht hinzufügen: 3D-Bedienfeld → Licht-Symbol → Unendliches Licht.
  7. 3D → Raytrace starten für finale Qualität.
  8. 3D-Layer rastern, über Hintergrundebene platzieren.

Profi-Tipp: Das Ray-Tracing-Rendering in Photoshop ist deutlich langsamer als in spezialisierten 3D-Programmen. Für schnelle Iterationen im Workflow empfiehlt sich Adobe Dimension (jetzt Teil von Adobe Substance 3D Stager) für das Rendering und Photoshop nur für die finale Compositing-Stufe.

Vergleich & Abgrenzung

ProgrammStärkeSchwäche
Photoshop 3D (Legacy)Integration ins Foto-WorkflowLangsam, eingestellt
Adobe Dimension / Substance StagerEinfache 3D-ProduktvisualisierungEigenständiges Programm
Cinema 4DProfessionelle 3D-ProduktionSteil Lernkurve, Kosten
BlenderVollständige 3D-Suite, kostenlosKomplexe Oberfläche

Häufige Fragen (FAQ)

Warum sehe ich keine 3D-Optionen mehr in meinem Photoshop-Menü? Ab Photoshop 23.3 müssen Legacy-3D-Funktionen in den Einstellungen manuell aktiviert werden (Photoshop → Weitere Einstellungen → Einstellungen für Technologievorschau).

Kann ich .FBX-Dateien in Photoshop importieren? Nein – Photoshop unterstützt OBJ, 3DS, Collada (DAE), KMZ und U3D, nicht FBX. Für FBX bietet sich der Umweg über Blender (FBX → OBJ Export) an.

Warum stürzt Photoshop beim Ray-Tracing ab? Ray-Tracing erfordert erhebliche GPU- und RAM-Ressourcen. Empfehlung: Mindestens 16 GB RAM, dedizierte GPU mit OpenGL 4.0-Unterstützung. Große Texturen (>4096 px) reduzieren.

Gibt es eine Alternative für neue Projekte? Adobe Substance 3D Stager (früher Adobe Dimension) ist Adobes empfohlene Nachfolgelösung für 3D-Visualisierung im Kreativbereich, direkt in Creative Cloud integriert.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Help Center: „3D in Photoshop – overview" – helpx.adobe.com/photoshop (Legacy-Bereich)
  • Adobe Help: „3D FAQ – Photoshop 2022 and later" – aktuelle Informationen zur Legacy-Einstufung
  • Evening, Martin: Adobe Photoshop for Photographers. Focal Press, 2016 – Kapitel zu 3D in Photoshop (letzte vollständige Ausgabe vor Legacy-Einstufung).
  • Slater, Gary: Photoshop 3D for Animators. Focal Press, 2010 – Grundlagen 3D-Workflow.
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