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Dodge & Burn (deutsch: Abwedeln & Nachbelichten) sind aus der Filmdunkelkammer stammende Techniken zur gezielten lokalen Aufhellung und Abdunkelung von Bildbereichen, die in Adobe Photoshop sowohl mit dedizierten Werkzeugen als auch in professionellen, vollständig nicht-destruktiven Methoden umgesetzt werden können.

Was ist Dodge & Burn?

Der Begriff stammt aus der analogen Dunkelkammerarbeit: Beim Dodgen (Abwedeln) hält man während der Belichtung des Fotopapiers eine Hand oder eine Schablone zwischen Vergrößerer und Papier, um einen Bereich weniger zu belichten – dieser Bereich wird heller. Beim Burnen (Nachbelichten) lässt man mehr Licht auf einen bestimmten Bereich fallen – dieser Bereich wird dunkler.

In Photoshop gibt es diese Werkzeuge als Abwedeln-Werkzeug (O) und Nachbelichten-Werkzeug (O) in der Werkzeugpalette. Für professionelle Anwendungen werden diese direkten Werkzeuge jedoch oft durch nicht-destruktive Methoden ersetzt, die mehr Kontrolle und Korrigierbarkeit bieten.

Erklärung

Das direkte Abwedeln- und Nachbelichten-Werkzeug

Beide Werkzeuge befinden sich unter dem Tastaturkürzel O (mehrfach drücken, um zu wechseln) in der Werkzeugpalette.

Optionsleiste:

  • Bereich: Lichter, Mitteltöne oder Schatten – definiert, welchen Tonbereich das Werkzeug primär beeinflusst. Für natürliches Ergebnis: Lichter im Licht-Bereich aufhellen, Schatten im Schatten-Bereich abdunkeln.
  • Belichtung: Stärke des Effekts (empfohlen: 10–20 % für subtile Korrekturen).
  • Airbrush: Aktiviert aufbauendes Auftragen bei gedrückter Maustaste.
  • Farbtöne schützen (Protect Tones): Verhindert unnatürliche Farbverschiebungen beim Aufhellen (hält Sättigungsinformation stabiler).

Nachteil der direkten Werkzeuge: Sie arbeiten destruktiv auf dem Pixel-Layer. Fehler lassen sich nur über das Protokoll rückgängig machen; nach dem Speichern sind die Änderungen permanent.

Nicht-destruktive Methode 1: Grau-Ebene auf Weiches Licht

Dies ist die am häufigsten empfohlene professionelle Methode:

  1. Neue leere Ebene erstellen: Ebene → Neue Ebene (oder Strg/Cmd+Shift+N).
  2. Im Dialog: Modus auf Weiches Licht, dann „Mit weiches Licht neutraler Farbe füllen (50 % Grau)" aktivieren.
  3. Das erzeugt eine mit 50 % Grau gefüllte Ebene im Modus Weiches Licht – unsichtbar auf dem Bild, da 50 % Grau in diesem Modus neutral ist.
  4. Auf dieser Ebene mit einem weichen, weißen Pinsel (niedrige Deckkraft, 10–30 %) Bereiche aufhellen (Abwedeln) und mit schwarzem Pinsel Bereiche abdunkeln (Nachbelichten).

Vorteile: Vollständig nicht-destruktiv; jederzeit rückgängig zu machen; Ebene kann ausgeblendet, dupliziert oder gelöscht werden; mit Photoshop: Ebenenmasken – Nicht-destruktives Freistellen und Ausblenden kombinierbar.

Nicht-destruktive Methode 2: Einstellungsebene Kurven

Eine elegante Variante nutzt Photoshop: Gradationskurven – Präzise Tonal- und Farbkorrektur als Einstellungsebenen:

Für Dodge (Aufhellen):

  1. Neue Kurven-Einstellungsebene anlegen.
  2. Kurve nach oben ziehen (Aufhellung).
  3. Ebenenmaske der Einstellungsebene mit Schwarz füllen (Wirkung versteckt).
  4. Mit weißem Pinsel auf der Maske die Bereiche freimalen, die heller werden sollen.

Für Burn (Abdunkeln):

  1. Neue Kurven-Einstellungsebene anlegen.
  2. Kurve nach unten ziehen (Abdunkelung).
  3. Gleiche Maskentechnik.

Vorteil: Die Kurvenkurven können jederzeit feinjustiert werden; die Maske lässt sich präzise nachbessern.

Nicht-destruktive Methode 3: Luminosity Dodge & Burn

Die präziseste Methode für Porträtretusche, verhindert jede Farbverschiebung:

  1. Zwei Einstellungsebenen (Kurven) wie oben beschrieben erstellen.
  2. Die Füllmethode beider Ebenen auf Luminanz stellen.
  3. Masken mit dem Pinsel bearbeiten.

Da der Luminanz-Modus nur Helligkeit beeinflusst und Farbe ignoriert, entstehen keine Farbsäume an hellen oder dunklen Bereichen.

Dodge & Burn in der Porträtretusche

In der High-End-Porträtretusche dient Dodge & Burn der dreidimensionalen Formgebung des Gesichts:

  • Erhöhungen (Nase, Wangenknochen, Stirn, Kinn) werden abgedunkelt an den Seiten und aufgehellt an den Hochlichtern.
  • Vertiefungen (Augenringe, Nasolabialfalten) werden mit subtiler Aufhellung gemildert.
  • Lichtführung und Schatten des Originallichts werden betont und harmonisiert.

Dabei wird oft mit sehr geringer Deckkraft (5–15 %) und sehr kleinen Pinselgrössen gearbeitet, um subtile Übergänge zu erzeugen.

Beispiele

Porträt-Retusche: Augenringe aufhellen (weißer Pinsel, 10 % Deckkraft, auf Grau-Ebene), Jochbein-Schatten verstärken (schwarzer Pinsel, 8 % Deckkraft), Haarhighlight aufhellen für Glanz.

Landschaftsfoto: Vordergrunddetails abdunkeln (Burn), um Tiefe zu erzeugen; Horizont leicht aufhellen (Dodge) für natürliches Licht-Gefälle.

Produktfoto: Reflexionen auf glänzenden Oberflächen modellieren – dunklere Schattenbereiche vertiefen, helle Highlights aufwerten für plastischere Wirkung.

Architektur-Innenraum: Ecken und Kanten abdunkeln (Vignettierung), Lichtschwerpunkte im Raum aufhellen.

In der Praxis

Schritt-für-Schritt (Grau-Ebene Methode):

  1. Ebene → Neue Ebene (Strg/Cmd+Shift+N).
  2. Modus: Weiches Licht; „Mit weiches Licht neutraler Farbe füllen" aktivieren; OK.
  3. Pinselwerkzeug (B), weiches Brush-Profil, Deckkraft 15 %.
  4. Vordergrundfarbe: Weiß → über Lichtern/erhöhten Bereichen malen (= Dodge).
  5. Vordergrundfarbe: Schwarz → über Schatten/vertieften Bereichen malen (= Burn).
  6. Im Ebenenbedienfeld lässt sich die Ebene jederzeit aus-/einblenden oder mit einem Weichzeichner (Gaußscher Weichzeichner) auf der Grau-Ebene glätten für weichere Übergänge.

Profi-Tipp: Eine separate Grau-Ebene für grobe Korrekturen (Abdunkeln großer Schattenbereiche) und eine zweite für Feinarbeit (Details in Augen, Haaren) führen zu besserer Kontrolle und ermöglichen unabhängige Stärkeanpassung.

Vergleich & Abgrenzung

MethodeDestruktivKontrolleFarbsicherheit
Direktes D&B-WerkzeugJaMittelMittel
Grau-Ebene (Weiches Licht)NeinHochGut
Kurven-MaskenNeinSehr hochSehr gut
Luminanz-KurvenNeinSehr hochPerfekt

Dodge & Burn vs. [Photoshop: Anpassungsebenen – Nicht-destruktive Farbkorrekturen](/wiki/software-tools/photoshop/ps-adjustment-layers/) Helligkeit/Kontrast: Einstellungsebenen wirken global; D&B ermöglicht pixelgenaue lokale Korrekturen, die der Lichtführung des Bildes folgen.

Dodge & Burn vs. Dodge-&-Burn in Camera Raw: Photoshop: Camera Raw Filter – RAW-Entwicklung direkt in Photoshop bietet Radial-Filter und Verlauf-Filter für ähnliche Effekte, aber ohne die Pinsel-Präzision der Photoshop-Methoden. Für grobes Dodgen und Burnen ist Camera Raw schneller; für präzise Retusche ist Photoshop überlegen.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum entstehen Farbflecken beim Abwedeln-Werkzeug? Das direkte Werkzeug kann Sättigungsverschiebungen verursachen. Lösung: „Farbtöne schützen" in der Optionsleiste aktivieren oder auf die nicht-destruktive Grau-Ebene-Methode wechseln.

Mit welcher Deckkraft sollte man arbeiten? 5–20 % Pinsel-Deckkraft für subtile Korrekturen; durch mehrfaches Überstreichen derselben Stelle lässt sich der Effekt aufbauen. Über 30 % Deckkraft entstehen schnell unnatürliche Übergänge.

Kann man Dodge & Burn auf RAW-Bildern anwenden? Ja, nach Öffnen in Photoshop. Für globale Licht-Schatten-Anpassungen ist Photoshop: Camera Raw Filter – RAW-Entwicklung direkt in Photoshop oft effizienter; für lokale Pinselarbeit ist die Photoshop-Grau-Ebene-Methode präziser.

Wie kann man die Wirkung einer D&B-Ebene kontrollieren? Einfach die Deckkraft der gesamten Grau-Ebene reduzieren oder erhöhen. Oder: Ebene ausblenden und einblenden für Vorher-Nachher-Vergleich.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Help Center: „Dodge or burn areas of an image" – helpx.adobe.com/photoshop
  • Kelby, Scott: The Adobe Photoshop Book for Digital Photographers. Rocky Nook, 2023, S. 345–360.
  • Evening, Martin: Adobe Photoshop for Photographers. Focal Press, 2022 – Kapitel zu Retusche und lokaler Belichtungskorrektur.
  • Schewe, Jeff: The Digital Negative. Peachpit Press, 2012 – Dodge & Burn im professionellen Retuschierprozess.
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