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Lumetri Color ist das integrierte, mehrschichtige Color-Grading-Panel in Adobe Premiere Pro, das primäre und sekundäre Farbkorrekturen, LUT-Import, Kurven und HSL-Targeting in einem einzigen, nicht-destruktiven Workflow vereint.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Adobe Premiere Pro · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Lumetri Color Panel, Farbkorrektur-Panel, Color Workspace; Menüpfad: Fenster > Lumetri Color; Shortcut: kein Standard-Shortcut; Workspace: Farbe (oben in der Menüleiste)


Was ist Lumetri Color?

Lumetri Color ist Premiere Pros All-in-one-Werkzeug für Farbkorrektur und Color Grading. Es wurde mit Premiere Pro CC 2015 eingeführt und ersetzt seitdem weitgehend den Einsatz von Drittanbieter-Plug-ins für grundlegende bis mittlere Grading-Aufgaben. Das Panel gliedert sich in sechs Sektionen, die von der Belichtungskorrektur über Kurven bis hin zur sekundären HSL-Qualifizierung reichen. Lumetri arbeitet nicht-destruktiv: Alle Anpassungen werden als Effekt auf dem Clip gespeichert und können jederzeit geändert oder entfernt werden.


Erklärung

Aktivierung und Workspace

Um Lumetri Color zu öffnen, wechselt man in den Workspace Farbe (Klick auf „Farbe" in der oberen Leiste oder Fensterlayout > Farbe). Alternativ öffnet man das Panel über Fenster > Lumetri Color. Gleichzeitig empfiehlt es sich, das Lumetri Scopes-Panel zu öffnen (Fenster > Lumetri-Scopes), das Waveform, Parade, Vektorskop und Histogramm in Echtzeit anzeigt.

Die sechs Sektionen

1. Einfache Korrekturen (Basic Correction) Hier befinden sich Regler für Weißabgleich (Farbtemperatur in Kelvin, Farbton), Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Weiß- und Schwarzwert sowie Sättigung. Der Weißabgleich kann auch per Pipette auf einer neutral-grauen Fläche im Bild gesetzt werden. Unter „Eingabe-LUT" lässt sich eine technische LUT (z. B. eine Kamerahersteller-LUT für Log-Material) laden, die als Grundlage für das weitere Grading dient.

2. Creative Diese Sektion erlaubt das Einladen einer „Look"-LUT (künstlerische LUTs aus dem Adobe-Preset-Ordner oder eigene .cube/.3dl-Dateien), das Anpassen von Schärfe, Verblassung (Fading) sowie Split-Toning für Lichter und Tiefen getrennt.

3. Kurven (Curves) Premiere bietet eine RGB-Masterkurve sowie drei separate Kanalkurven (Rot, Grün, Blau). Daneben gibt es die Hue Saturation Curves mit sechs Untervarianten: Hue vs. Saturation, Hue vs. Hue, Hue vs. Luminance, Luminance vs. Saturation, Saturation vs. Saturation und Luma vs. Saturation. Diese ermöglichen sehr präzise Farbmanipulationen, z. B. die gezielte Entsättigung eines bestimmten Farbtons.

4. Farbradzonen (Color Wheels & Match) Drei Farbräder für Tiefen (Shadows), Mitteltöne (Midtones) und Lichter (Highlights) erlauben klassisches dreizoniges Grading. Die Funktion Auto Match analysiert einen Referenzframe und gleicht Farbe und Helligkeit automatisch an – hilfreich beim Matching mehrerer Kameras.

5. HSL-Sekundär Über eine Farbpipette wird ein bestimmter Farbbereich im Bild ausgewählt (z. B. Hauttöne oder ein bestimmtes Objekt). Der ausgewählte Bereich lässt sich mit Farbrädern separat korrigieren, ohne den Rest des Bildes zu beeinflussen. Eine Maske zeigt an, welche Pixel qualifiziert wurden.

6. Vignette Einfaches, kreisförmiges Vignetten-Werkzeug mit Reglern für Betrag, Mittelpunkt, Rundheit und Weichheit.

Mehrere Lumetri-Instanzen

Einem Clip können mehrere Lumetri-Color-Instanzen zugewiesen werden (über den Effekte-Browser mehrfach anwenden). Dies ist nützlich, um z. B. technische LUT-Korrektur von der künstlerischen Korrektur zu trennen, oder um Anpassungen mit Effektmasken räumlich zu begrenzen.

Lumetri Scopes

Das Scopes-Panel zeigt in Echtzeit den Waveform Monitor (Helligkeitsverteilung), die Parade (RGB-Kanäle getrennt), das Vektorskop (Farbsättigung und -winkel) und das Histogramm. Diese Instrumente sind unverzichtbar für kalibrierte, broadcastkonforme Farbkorrektur.


Beispiele

  1. Log-Material graden: Log-Footage einer Sony FX3 erhält zunächst unter „Einfache Korrekturen > Eingabe-LUT" die passende S-Log3-zu-Rec.709-Konvertierungs-LUT. Danach werden Kontrast und Sättigung über die Farbräder feinjustiert.
  2. Hautton-Korrektur: Mit dem HSL-Sekundär-Tool werden die Hauttöne qualifiziert und gezielt in Farbton und Helligkeit angepasst, ohne andere Farben zu verändern.
  3. Kamera-Matching: Zwei Kameras einer Multicam-Produktion werden mit „Auto Match" aneinander angeglichen, dann manuell über die Farbräder verfeinert.
  4. Split-Toning: Im Creative-Bereich werden die Tiefen leicht bläulich und die Lichter leicht warm eingefärbt, um einen cinematischen Blockbuster-Look zu erzeugen.
  5. LUT-Paket anwenden: Eine kommerzielle .cube-LUT wird über „Creative > Look" geladen und die Intensität auf 60 % reduziert, um einen subtilen Filmstil zu erzielen.

In der Praxis

  • Scope immer offen halten: Niemals nach Augenmaß graden, wenn Scopes vorhanden sind. Waveform und Parade zeigen objektiv, ob Tiefen und Lichter im legalen Bereich (0–100 IRE) liegen.
  • Shortcut für Effektregler: Mit Shift+5 öffnet man den Effektregler-Panel, wo alle Lumetri-Werte als numerische Felder sichtbar und anpassbar sind.
  • Anpassungsebenen nutzen: Lumetri Color auf eine Anpassungsebene legen (Neu > Anpassungsebene), um mehrere Clips gleichzeitig zu graden, ohne jeden Clip einzeln anzufassen.
  • Rendering: Lumetri-Effekte können GPU-beschleunigt gerendert werden (Mercury Playback Engine). Bei sehr komplexen Gradings empfiehlt sich ein Proxy-Workflow.
  • Vergleichsansicht: Der „Vergleich"-Modus im Programmmonitor (Symbol mit zwei Halbkreisen) zeigt Before/After nebeneinander.
  • Reset einzelner Sektionen: Jede Sektion hat ein Reset-Symbol (geschwungener Pfeil), das nur diesen Abschnitt zurücksetzt, ohne andere Korrekturen zu löschen.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalLumetri Color (Premiere)Color Page (DaVinci Resolve)
WorkflowEffekt-basiert, im Schnitt-KontextDedizierte Seite, node-basiert
SekundärkorrekturenHSL-QualifierPowerWindows + Qualifier
LUT-ImportJa (.cube, .3dl)Ja (.cube, .3dl, .davlut)
ScopesLumetri Scopes PanelSeparate Scope-Anzeigen
RoundtripDynamic Link zu After EffectsKein nativer Roundtrip zu Premiere
StärkeIntegration im SchnittworkflowProfessionelle Kino-Grading-Tiefe

Für einfache bis mittlere Produktionen ist Lumetri Color vollständig ausreichend. Für High-End-Kinogranding oder komplexe sekundäre Korrekturen bietet DaVinci Resolve die überlegene Toolset-Tiefe.


Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich LUTs von Drittanbietern verwenden? Ja. LUT-Dateien im Format .cube oder .3dl können in beiden Bereichen (Eingabe-LUT und Creative Look) geladen werden. Die Dateien müssen dazu in den Ordner Dokumente/Adobe/Common/LUTs/ kopiert oder direkt per „Durchsuchen" ausgewählt werden. Adobe liefert eine Auswahl an mitgelieferten Looks, eigene LUTs können jedoch frei importiert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Eingabe-LUT und Creative Look? Die Eingabe-LUT dient der technischen Transformation des Kamerasignals (z. B. Log zu Rec.709) und wird zuerst in der Pipeline angewendet. Die Creative Look ist eine künstlerische LUT, die auf das bereits technisch korrigierte Bild aufgebracht wird. Beide können kombiniert werden, wobei die Reihenfolge (technisch zuerst, kreativ danach) einzuhalten ist.

Warum ist mein Lumetri-Panel ausgegraut? Das Lumetri-Panel ist nur aktiv, wenn im Schnitt-Panel ein Clip ausgewählt oder der Abspielkopf auf einem Clip positioniert ist. Außerdem muss der entsprechende Track nicht stummgeschaltet (sichtbar) sein. Bei Anpassungsebenen muss die Anpassungsebene selbst markiert sein.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Inc.: Premiere Pro Benutzerhandbuch – Farbkorrektur und Color Grading. (2024)
  • Hullfish, Steve: Color Correction Look Book: Creative Grading Techniques from Film to Digital. Focal Press, 2013.
  • Bain, Robbie: Adobe Premiere Pro Classroom in a Book. Adobe Press, 2024.
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