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Der Proxy-Workflow in Adobe Premiere Pro bezeichnet die Arbeitsmethode, bei der hochauflösendes Originalmaterial (4K, 6K, 8K, RAW) durch kleinere, komprimierte Stellvertreter-Dateien (Proxys) während des Schnitts ersetzt wird, um die Schnittperformance zu verbessern, ohne die Ausgabequalität zu beeinflussen.

Was ist der Proxy-Workflow?

Hochauflösendes Videomaterial – insbesondere RAW-Formate von Kinokameras (ARRI ALEXA, RED, Blackmagic), Mirrorless-Kameras (Sony FX3/FX6/FX9 in S-Log, Fujifilm X-H2) oder Drohnen (DJI Inspire 3) – erzeugt sehr große Dateimengen mit hoher Rechenlast für die Wiedergabe. Selbst auf modernen Workstations kann die Echtzeit-Wiedergabe von 6K RAW-Material mit mehreren Effekten ruckeln oder die Hardware überfordern.

Proxys lösen dieses Problem: Sie sind komprimierte, kleinere Kopien der Originaldateien (z. B. H.264 oder Apple ProRes Proxy in 1/4 der Originalauflösung), die für den Schnitt verwendet werden. Beim Export wechselt Premiere Pro automatisch zurück zu den Original-Hochqualitäts-Dateien – der Editor schneidet in niedriger Auflösung, exportiert in voller Qualität.

Erklärung

Proxy-Erstellung

Methode 1 – Ingest-Einstellungen: In den Projekteinstellungen unter „Ingest-Einstellungen" → „Proxys erstellen" wird definiert, dass beim Import neuer Medien automatisch Proxys erzeugt werden. Premiere Pro schickt die Aufgabe an Adobe Media Encoder, der die Proxys im Hintergrund erstellt.

Methode 2 – Nachträgliche Proxy-Erstellung: Im Projektfenster können Clips markiert und über Rechtsklick → „Proxys" → „Proxys erstellen" an Adobe Media Encoder weitergegeben werden.

Methode 3 – Eigene Proxys anfügen: Bereits extern erstellte Proxy-Dateien (z. B. durch Kamera-Hersteller-Software oder DaVinci Resolve) können über Rechtsklick → „Proxys" → „Proxy anfügen/neu verknüpfen" mit den Originalclips verknüpft werden.

Empfohlene Proxy-Formate

Premiere Pro bietet verschiedene Proxy-Vorgaben:

FormatVerwendungQualitätDateigröße
Apple ProRes ProxyMac-Workflows, hochwertige ProxysSehr gutMittel
Apple ProRes 422 LTLeistungsstarke Mac-SystemeSehr gutGrößer
H.264 (niedrige Auflösung)Plattformübergreifend, minimalGutSehr klein
GoPro CineFormWindows-WorkflowsGutMittel
DNxHR LBAvid-kompatible WorkflowsGutMittel

Für die meisten Workflows empfiehlt Adobe Apple ProRes Proxy (Mac) oder H.264 mit 1/4 Auflösung (Windows/Mac).

Proxy aktivieren und deaktivieren

In der Timeline-Steuerleiste (Schraubenschlüssel-Icon → Timeline-Schaltflächen hinzufügen/entfernen) kann die Schaltfläche „Proxy umschalten" hinzugefügt werden. Sie schaltet bei aktivem Proxy-Modus zwischen Proxy und Originalfilm hin und her – ohne die Schnittpunkte oder Effekte zu verändern. Der aktuelle Modus (Proxy oder Hochqualität) ist im Programmmonitor als Textüberlagerung sichtbar.

Automatisches Proxy-Toggling beim Export

Beim Export über „Datei" → „Exportieren" → „Medien" oder über Media Encoder erkennt Premiere Pro automatisch, ob Proxys aktiv sind, und exportiert immer aus dem Originalmaterial – nicht aus den Proxys. Der Editor muss nicht manuell umschalten.

Productions Workflow

Im Kontext von Adobe Productions (dem Projektverwaltungssystem für Großprojekte, relevant für Team Projects & Collaboration in Premiere Pro) können Proxys auf einem gemeinsamen Netzwerkspeicher abgelegt werden, sodass alle Team-Mitglieder auf dieselben Proxys zugreifen können.

Beispiele

Dokumentarfilm mit Sony FX9 (4K S-Log3): Die Kamera liefert 4K XAVC-S-Material mit sehr flachem Log-Bild. Beim Import in Premiere Pro werden automatisch H.264-Proxys in 1080p erstellt. Der Editor schneidet flüssig in 1080p, mit Lumetri Color LUT für das Preview. Beim Export auf Full-4K-Auflösung wechselt Premiere automatisch auf die XAVC-S-Originale zurück.

RED RAW auf einem Laptop: Ein Kameramann dreht mit einer RED KOMODO (6K RAW). Die Proxys werden mit DaVinci Resolve auf dem Set-Laptop erstellt und auf einer SSD gespeichert. Im Schneideraum werden die Proxys mit den Originaldateien im Premiere-Projekt verknüpft. Der Schnitt läuft auf jedem Laptop flüssig.

In der Praxis

  • Proxy-Speicherort: Proxys sollten auf einem schnellen lokalen Laufwerk gespeichert werden, nicht am selben Ort wie die Originaldateien, um Verwechslungen zu vermeiden.
  • Proxy-Benennung: Premiere Pro verknüpft Proxys über den Dateinamen. Proxys müssen denselben Dateinamen wie die Originale tragen (mit einem Suffix wie „_proxy" ist die automatische Verknüpfung in einigen Workflows zuverlässiger).
  • Offline-Editing: Der Proxy-Workflow ermöglicht echtes Offline-Editing: Der Editor arbeitet ohne Zugang zu den teuren Originaldateien (z. B. auf dem Postproduktions-Server) und „konformiert" (Online-Edit) erst am Ende, wenn alle Originaldateien verfügbar sind.
  • Für Multicam-Editing (siehe Multicam Editing in Premiere Pro) sollten alle Kamera-Proxys erstellt werden, bevor die Multicam-Sequenz angelegt wird.
  • Bei Farbkorrektur mit Lumetri Color (siehe Lumetri Color – Farbkorrektur in Premiere Pro) auf Proxy-Material sollte die Input-LUT für Log-Material korrekt eingestellt sein, damit das Preview dem Finalergebnis entspricht.

Vergleich & Abgrenzung

AspektProxy-WorkflowOptimiertes Media (Transcode)
OriginaldateiUnverändertWird nicht genutzt
ExportqualitätOriginal-Datei (volle Qualität)Transcodiertes Material
Workflow-FlexibilitätHoch (umschaltbar)Gering
SpeicherbedarfProxys + OriginaleNur Transcodiertes
Typischer EinsatzHochauflösendes MaterialÄltere Workflows, spez. Codecs

Häufige Fragen (FAQ)

Werden Farbkorrekturen auf dem Proxy- oder dem Originalmaterial gespeichert? Alle Schnittpunkte, Effekte und Korrekturen werden als Metadaten in der Projektdatei gespeichert und sind unabhängig von Proxy oder Original. Beim Export werden sie auf das Originalmaterial angewendet.

Was passiert, wenn ich einen Clip exportiere, dessen Original-Datei nicht gefunden wird? Premiere Pro exportiert aus dem Proxy, wenn das Original nicht auffindbar ist. Die Ausgabe hat dann die Proxy-Qualität. Immer vor dem Export prüfen, ob alle Originale verknüpft sind.

Kann ich Proxys für Audio-Clips erstellen? Nein. Proxys werden nur für Videodateien erstellt. Audio-Performance ist in der Regel kein Problem.

Wie erkenne ich, ob Proxys für einen Clip vorhanden sind? Im Projektfenster kann die Spalte „Proxy" eingeblendet werden. Sie zeigt an, ob für jeden Clip ein Proxy verknüpft ist.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Help Center: „Proxy-Workflow in Premiere Pro" (Adobe Systems, 2024) – helpx.adobe.com/premiere-pro/using/proxy-workflow.html
  • Adobe Help Center: „Ingest-Einstellungen für Proxys" (Adobe Systems, 2024)
  • Geduld, Patrick: Adobe Premiere Pro CC – Das umfassende Handbuch. Rheinwerk Verlag, 2022, S. 83–115.
  • Weynand, Diana: Premiere Pro Classroom in a Book. Adobe Press, 2023, S. 441–465.
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