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Avid Cloud Collaboration ist Avids integriertes Cloud-basiertes Kollaborationssystem in Pro Tools, das es mehreren Toningenieuren, Produzenten und Musikern ermöglicht, gleichzeitig oder asynchron an derselben Pro-Tools-Session über verschiedene Standorte hinweg zu arbeiten.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Pro Tools · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Cloud Collaboration, Avid Cloud Sessions; erreichbar über: Datei → Share → Send to Avid Cloud / Pro Tools → Cloud Collaboration

Was ist Avid Cloud Collaboration?

Avid Cloud Collaboration (ACC) ist Avids Antwort auf die zunehmend dezentrale Arbeitswelt in der Audioproduktion: Remote-Recording, verteilte Produktionsteams, internationale Kooperationen zwischen Studios auf verschiedenen Kontinenten. Mit ACC kann eine Pro-Tools-Session in die Avid-eigene Cloud hochgeladen werden. Berechtigte Contributor (Mitarbeiter) können diese Session herunterladen, daran arbeiten und ihre Änderungen (neue Audio-Dateien, Track-Änderungen, Mix-Settings) synchronisieren. Das System funktioniert ähnlich wie Git für Code-Entwicklung – mit Versionskontrolle, Merge-Funktionen und Contributor-Management. ACC ist besonders relevant geworden durch die COVID-Pandemie, die Remote-Produktion von einem Nischenwerkzeug zu einem Standard der Industrie gemacht hat.

Erklärung

Avid Cloud-Konto und Collaboration Hub

Um Avid Cloud Collaboration zu nutzen, benötigt jeder Beteiligte:

  1. Ein Avid-Konto (kostenlos)
  2. Eine aktive Pro-Tools-Lizenz (Intro, Artist, Studio oder Ultimate)
  3. Internetzugang

Der Hauptzugang zu ACC erfolgt über den Avid Collaboration Hub – eine webbasierte Oberfläche (my.avid.com) sowie direkt aus Pro Tools heraus über File → Cloud Collaboration.

Session hochladen und teilen

Upload einer Session:

  1. File → Share → Send to Avid Cloud
  2. Session-Name vergeben, Beschreibung hinzufügen
  3. Session wird inkl. aller Audio-Dateien in die Cloud hochgeladen
  4. Statusanzeige: Upload-Fortschritt sichtbar in Pro Tools

Contributors einladen: Im Avid Collaboration Hub oder direkt aus Pro Tools können andere Nutzer per E-Mail als Contributors eingeladen werden. Rollen können definiert werden: Owner (volle Kontrolle), Contributor (kann Tracks hinzufügen/bearbeiten), Viewer (nur Lesen/Hören).

Synchronisation und Versionskontrolle

Checkout-System: Jede Session wird mit einem Checkout-System verwaltet. Nur ein Nutzer kann die Session gleichzeitig „ausgecheckt" haben (Owner oder Contributor mit Schreibrecht). Andere können in dieser Zeit hören, aber nicht aktiv bearbeiten.

Alternativ: Asynchrones Arbeiten: Die häufigere Anwendung in der Praxis ist asynchron: Musiker A lädt Session hoch → Produzent B lädt Session herunter, fügt Beats hinzu → Produzent B lädt überarbeitete Session hoch → Musiker A lädt neue Version herunter. Pro Tools zeigt an, was sich zwischen den Versionen geändert hat.

Merge-Dialog: Wenn zwei Contributors gleichzeitig Änderungen an verschiedenen Tracks gemacht haben, zeigt Pro Tools beim Synchronisieren einen Merge-Dialog. Neu hinzugefügte Tracks werden automatisch übernommen, konfliktbehaftete Änderungen (beide haben denselben Track bearbeitet) müssen manuell aufgelöst werden.

Audio-Dateien und Bandbreite

Eine der praktischen Herausforderungen von Cloud Collaboration ist das Übertragen großer Audiodateien. ACC optimiert dies durch:

  • Inkrementelle Synchronisation: Nur geänderte oder neue Dateien werden hochgeladen, nicht die gesamte Session
  • Kompression: Audio-Dateien werden für den Transfer komprimiert (verlustfrei oder verlustbehaftet, wählbar)
  • Background Upload: Uploads laufen im Hintergrund, ohne Pro Tools zu blockieren

Für professionelle Anwendungen mit vielen Hochqualitäts-Audiodateien (24 Bit/96 kHz, viele Spuren) kann die Upload-Zeit je nach Internetanbindung mehrere Stunden betragen. Gigabit-Internetanschluss ist empfohlen.

Cloud-Session und lokales Backup

Jede Cloud-Session existiert parallel lokal und in der Cloud. Pro Tools zeigt deutlich an, wenn lokale und Cloud-Session voneinander abweichen (nicht synchronisiert). Wichtig: Cloud-Sessions werden nicht automatisch als vollständige Backup-Lösung empfohlen – lokale Backups (externe Festplatte, Time Machine) bleiben essenziell.

Avid Cloud Collaboration vs. Audio-File-Sharing

Nicht zu verwechseln: ACC ist nicht dasselbe wie einfaches Dateiaustauschen via Dropbox oder WeTransfer. ACC synchronisiert die vollständige Session-Struktur (Track-Layout, Mix-Einstellungen, Routing, Automation, Clip-Positionen) – nicht nur einzelne Audiodateien. Contributors sehen beim Öffnen einer Cloud-Session exakt dasselbe Session-Layout wie der Owner.

Grenzen und Kosten

ACC ist in bestimmten Pro-Tools-Editionen kostenlos enthalten (Storage begrenzt), für größere Storage-Anforderungen bietet Avid kostenpflichtige Cloud-Storage-Pläne. Die Datenmenge für professionelle Film- und Musikproduktionen kann schnell mehrere GB bis Hunderte GB erreichen.

Latenz-Einschränkung: ACC ermöglicht kein simultanees Real-Time-Co-Editing (beide schreiben gleichzeitig am gleichen Track zur gleichen Zeit). Es ist ein asynchrones System, kein Echtzeit-Kollaborationssystem wie Google Docs.

Beispiele

  1. Internationales Musik-Projekt: Produzent in Berlin erstellt Beat-Session → via ACC hochgeladen → US-amerikanische Sängerin in Los Angeles lädt Session, nimmt Gesang auf → lädt neue Tracks hoch → Berliner Produzent synchronisiert, macht Mix.
  2. Film-Postproduktion Remote: Dialogschnitt in München fertig → Geräusche-Editeur in Wien ergänzt SFX-Spuren via ACC → Mischtonmeister in Hamburg lädt finale Version für Kinomischung.
  3. Asynchrone Band-Produktion: Schlagzeug aufgenommen (Studio A) → Session via ACC an Bassisten (Heimstudio B) → Bassisten nimmt Bass auf → Session weiter an Gitarristen (Studio C) → Gesang als letztes aufgenommen.
  4. Tutor-Student-Workflow: Toningenieur-Student lädt Session hoch → Lehrer (an Lazi-Akademie) lädt Session, macht Mix-Korrekturen und Annotationen (Track-Kommentare), lädt zurück → Student synchronisiert und lernt aus Korrekturen.
  5. Backup-Workflow: Session wird nach jeder Sitzung automatisiert via ACC in die Cloud gesichert (manueller Trigger: File → Sync to Cloud).

In der Praxis

Wichtige Shortcuts / Schritte:

  • File → Share → Send to Avid Cloud → Session hochladen
  • my.avid.com → Contributors einladen per E-Mail
  • File → Open → Cloud → Avid Cloud Session öffnen
  • Im Edit Window: Sync-Symbol → Status der Synchronisation anzeigen

Best Practices: Vereinbare klare Workflow-Regeln im Team: Wer checkt wann aus? Wann wird die Session synchronisiert? Nutze Track-Kommentare (Rechtsklick auf Track → Add Track Comment) für Anmerkungen an den nächsten Bearbeiter. Halte lokale Backups immer aktuell – verlasse dich nicht ausschließlich auf die Cloud. Komprimiere Sessions vor dem Upload (File → Save Copy In → Komprimiert).

Vergleich & Abgrenzung

Dropbox/Google Drive (Datei-Sharing): Nur rohe Dateiübertragung, keine Session-Synchronisation. Funktioniert für einfache Projektsharing, aber ohne Merge-Funktionen und Session-Awareness. SPLICE (für Beats und Samples): Spezifisch für Sample-/Beat-basierte Kollaboration. Keine Pro-Tools-Session-Kompatibilität, aber beliebt in der Hip-Hop/EDM-Szene. Ableton Cloud (kein direktes Äquivalent): Ableton hat keine integrierte Cloud-Collaboration. Drittanbieter-Lösungen (Splice + Ableton) übernehmen ähnliche Funktionen. Logic Pro Collaboration (AppleID): Apple bietet rudimentäres Session-Sharing für GarageBand/Logic über iCloud, deutlich weniger professionell als ACC.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich in Echtzeit gleichzeitig mit einem anderen Nutzer an der gleichen Session arbeiten? Nicht gleichzeitig im traditionellen Sinne. Das Checkout-System erlaubt immer nur einen aktiven Bearbeiter. Simultanes Arbeiten funktioniert nur asynchron (einer lädt hoch, der andere lädt runter, bearbeitet, lädt hoch). Echter Real-Time-Co-Edit ist nicht Teil von ACC.

Wie sicher sind meine Projektsessions in der Avid Cloud? Avid verwendet verschlüsselte Übertragung (SSL/TLS) und serverseitige Verschlüsselung. Für sehr vertrauliche Produktionen (unreleased Musik, unveröffentlichte Filmton) empfehlen manche Studios eigene NAS-basierte Sharing-Lösungen statt Cloud-Dienste.

Welche Dateigröße kann eine Cloud-Session haben? Theoretisch unbegrenzt – praktisch durch Cloud-Storage-Plan begrenzt. Kostenlose Pläne haben Grenzen (einige GB), professionelle Pläne erlauben Hunderte GB.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Avid: Cloud Collaboration in Pro Tools – Getting Started Guide, (2024)
  • Avid: Pro Tools 2024 Benutzerhandbuch, Kapitel „Cloud Collaboration", (2024)
  • Warren Huart: Remote Recording and Collaboration with Pro Tools, Produce Like A Pro, YouTube, 2023
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