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"Belong Anywhere" ist der globale Markenclaim von Airbnb, entwickelt 2014 intern (mit Unterstützung von DesignStudio London für das visuelle System), bekannt als eine der klarsten Brand-Strategy-Formulierungen der Sharing Economy und als Beispiel, wie ein digitales Startup durch emotionale Positionierung zur Weltmarke wurde.

Marke: Airbnb · Markenstrategie und Design: DesignStudio London (visuelles System); intern Brian Chesky / Jonathan Mildenhall (Marketing) · Jahr: 2014 · Medium: Digital, OOH, TV, Social Media, Brand Design System


Hintergrund & Entstehung

Airbnb war 2014 operativ erfolgreich – die Plattform vermittelte Übernachtungen in Privatwohnungen weltweit – aber strategisch unklar positioniert. Nutzer sahen Airbnb primär als günstige Hotel-Alternative: eine Transaktionsplattform, nicht eine Marke mit emotionalem Profil.

CEO Brian Chesky erkannte, dass Airbnbs Differenzierung nicht Preis oder Verfügbarkeit sein konnte (Hotels können diese Parameter kopieren), sondern das Erlebnis des Reisens als kultureller Austausch. Airbnb-Nutzer schlafen nicht in einem anonymen Zimmer – sie schlafen im Zuhause eines anderen Menschen, in einem Viertel, nicht in einer Touristenzone.

Jonathan Mildenhall, der 2014 als CMO zu Airbnb kam (zuvor bei Coca-Cola, wo er an der "Open Happiness"-Kampagne gearbeitet hatte), entwickelte gemeinsam mit Chesky die These: Was macht Airbnb wirklich einzigartig? Die Antwort: Zugehörigkeit. Das Gefühl, irgendwo hinzugehören – auch als Fremder.


Kreative Idee & Strategie

"Belong Anywhere" ist eine Markenstrategie, die auf einem tiefen menschlichen Bedürfnis basiert: dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Maslow platziert Zugehörigkeit auf der dritten Ebene seiner Bedürfnispyramide – nach Sicherheit und vor Anerkennung. Es ist ein fundamentales menschliches Bedürfnis.

Die strategische These: Reisen ist traditionell mit Fremdheit verbunden. Hotels sind funktionale Orte für Durchreisende. Airbnb positioniert sich als Gegenprogramm: Mit Airbnb gehörst du dazu, egal wo du bist. Du schläfst in einem Zuhause, in einem Viertel, mit einem echten Menschen. Das ist nicht Tourismus – das ist Zugehörigkeit.

Diese Positionierung hebt Airbnb aus dem Wettbewerb mit Hotels (Preis, Komfort, Service) heraus und schafft eine eigene Kategorie: "Belong Anywhere" ist kein Hotel-Konkurrent, sondern eine neue Art zu reisen.

Das Logo-Redesign 2014 (The Bélo) – ein Symbol, das gleichzeitig ein A, ein Herz, eine Person und ein Standort-Pin darstellt – war Teil dieser Neupositionierung. Das Bélo sollte das Konzept der Zugehörigkeit visuell verdichten.


Umsetzung & Medien

Brand Campaign "Is Mankind?" (2014): Der erste große Brand-Spot zur "Belong Anywhere"-Ära stellte eine globale Frage: "Is mankind good? Yes." Die Antwort: Wenn 800.000 Menschen weltweit ihr Zuhause für Fremde öffnen, ist das ein Beweis für menschliche Güte. Die Kampagne rahmte Airbnb nicht als Technologieprodukt, sondern als gesellschaftliches Experiment.

"We Accept" (2017): Im Kontext von Donald Trumps Einreisestopp (Executive Order 13769) veröffentlichte Airbnb einen Super-Bowl-Spot, der mit den Worten begann: "We believe no matter who you are, where you're from, who you love, or who you worship, we all belong. The world is more beautiful the more you accept." Radikale Politisierung einer Marke in einem polarisierten Moment. Der Spot gewann mehrere Cannes Lions.

"Experiences" als Produkterweiterung: "Belong Anywhere" wurde nicht nur zur Marketingbotschaft, sondern zum Produktdesign-Leitprinzip. Airbnb Experiences (lokale Aktivitäten mit Gastgebern) entstand direkt aus der "Zugehörigkeit"-Logik: Um wirklich dazuzugehören, braucht man nicht nur ein Bett, sondern eine gemeinsame Erfahrung mit lokalen Menschen.

Social Media: Airbnb nutzte Host- und Gäste-Geschichten als primären Content – User Generated Content auf Instagram, Twitter und Facebook. Der Claim "Belong Anywhere" gab diesen Geschichten einen narrativen Rahmen.


Wirkung & Ergebnisse

Wachstum:

  • 2014: Airbnb in über 190 Ländern mit 800.000 Listings.
  • 2019 (pre-COVID): Über 7 Millionen Listings weltweit, bewertet mit über 35 Milliarden Dollar.
  • IPO November 2020 zu einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar – trotz COVID-Einbruch.

"We Accept"-Spot:

  • Meistbesprochener Super Bowl-Spot 2017 laut USA Today Ad Meter und Social Media Analytics.
  • Cannes Lions Grand Prix in der Kategorie Glass (Gender Equality & Diversity).

Markeneffekte:

  • Airbnb NPS (Net Promoter Score) stieg nach Einführung der "Belong Anywhere"-Kampagne deutlich.
  • Markenwert-Studien zeigen, dass Airbnb-Nutzer die Marke stärker emotional wahrnehmen als vergleichbare Buchungsplattformen.

Lernpunkte für Kreative

  1. Kategorie neu definieren statt Kategorie beitreten: "Belong Anywhere" positioniert Airbnb nicht als Hotel-Konkurrent, sondern als neue Reisekategorie. Wer die Spielfeld-Definition kontrolliert, hat den strategischen Vorteil.
  2. Menschliches Grundbedürfnis als Markenidee: Zugehörigkeit ist ein universales Bedürfnis. Marken, die an fundamentale menschliche Motivationen andocken, haben eine nachhaltigere emotionale Verbindung als Marken, die funktionale Vorteile kommunizieren.
  3. CEO als Chief Storyteller: Brian Chesky verstand sich als Erzähler der Airbnb-Markenvision. Das "Belong Anywhere"-Konzept entstand nicht in einer Agentur, sondern in der strategischen Reflexion der Gründer. Markenstrategie ist Chefsache.
  4. Politische Haltung als Markenstärke: "We Accept" (2017) war riskant – aber Airbnb verfügte über eine Markenbasis und eine Zielgruppe (weltoffene Reisende), bei der diese Haltung Konsistenz schuf. Politisches Brand Messaging funktioniert nur, wenn es authentisch zur Kernzielgruppe passt.
  5. Design und Strategy als Einheit: Das Bélo-Logo war kein visuelles Update – es war die visuelle Codierung des "Belong Anywhere"-Konzepts. Design und Markenstrategie müssen aus derselben Quelle kommen.

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Apple "Think Different" arbeiten beide mit Identitäts-Positionierung: Apple definiert eine Gemeinschaft von Kreativen; Airbnb definiert eine Gemeinschaft von Weltbürgern. Beide vermeiden Produktfeature-Kommunikation vollständig und setzen auf Weltsicht.

Im Vergleich zu Booking.com – dem direkten Konkurrenten – ist die kommunikative Distanz maximal: Booking.com kommuniziert Preis, Verfügbarkeit und Funktionalität; Airbnb kommuniziert Emotion, Zugehörigkeit und Menschlichkeit. Beide sind erfolgreich – für unterschiedliche Nutzermotivationen.

Kritische Einordnung: "Belong Anywhere" steht in Spannung mit realen Problemen auf der Airbnb-Plattform: Diskriminierung von Gastgebern gegenüber Gästen aufgrund von Hautfarbe (studiert von Harvard-Forschern), Wohnungsnot in Touristenstädten durch Plattform-Effekte, und Fälle von mangelhafter Datensicherheit. Die emotionale Markenstrategie "Zugehörigkeit für alle" steht ökonomischen Realitäten gegenüber, die das Gegenteil bewirken. Studierende sollten das Gap zwischen Markenversprechen und Plattformrealität kennen.


Häufige Fragen (FAQ)

Woher kommt das Bélo-Symbol, und warum wurde es kontrovers? Das Bélo wurde von DesignStudio London (2014) als visuelles Symbol für "Belonging" entworfen – es kombiniert die Formen von A (Airbnb), einem Herz, einer Silhouette (Person) und einem Standort-Pin. Kurz nach der Veröffentlichung wurde das Symbol in sozialen Medien für seine angebliche Ähnlichkeit mit verschiedenen anatomischen Formen verspottet (der Bélo-Wars). Airbnb nahm es mit Humor und veröffentlichte ein Statement, das auf die multiplen Interpretationen einging. Das Symbol ist heute weltweit als Airbnb-Markenzeichen etabliert.

Wer ist Jonathan Mildenhall, und welche Rolle spielte er? Jonathan Mildenhall kam 2014 als CMO zu Airbnb, nachdem er bei The Coca-Cola Company als VP Marketing Communications die "Open Happiness"-Kampagne verantwortet hatte. Er brachte die Überzeugung mit, dass Marken Geschichten erzählen müssen, nicht Produkte verkaufen. Bei Airbnb übersetzte er diese Philosophie in "Belong Anywhere" – eine der konsistentesten Markenbotschaften in der Sharing Economy.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Buch: Brian Chesky & Leigh Gallagher: The Airbnb Story (2017) – Hintergrund der Markenentwicklung.
  • Artikel: Fast Company: "Airbnb's CMO Jonathan Mildenhall on Building a Brand Around 'Belonging'" (2014).
  • Design: DesignStudio London: "Airbnb Rebrand" – Case Study auf designstudio.co.uk.
  • Kritisch: Edelman, B. & Luca, M. (2014): "Digital Discrimination: The Case of Airbnb" – Harvard Business School, dokumentiert Diskriminierungsprobleme auf der Plattform.
  • Cannes Lions: "We Accept" – Grand Prix Glass 2017, vollständige Case Study im Cannes Archive.
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