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"Will It Blend?" ist eine laufende Video-Content-Serie von Blendtec, gestartet 2006 von Marketingdirektor George Wright und dem CEO Tom Dickson, bekannt als frühestes und erfolgreichstes Beispiel für YouTube-basiertes Product-Demonstration Content Marketing mit einem Budget von 50 Dollar für die erste Episode.

Marke: Blendtec · Umsetzung: Intern (George Wright, Marketing Director; Tom Dickson, CEO/Performer) · Jahr: ab 2006 (laufend) · Medium: YouTube (primär), Social Media


Hintergrund & Entstehung

Blendtec ist ein amerikanischer Hersteller von Hochleistungsmixern, primär für den gewerblichen Bereich (Cafés, Smoothie-Bars) bekannt. 2006 war Blendtec kaum als Konsumentenmarke bekannt – ein solider B2B-Anbieter mit starker Produktqualität, aber ohne öffentliches Profil.

George Wright, damals neu als Marketingdirektor eingestellt, entdeckte in der Blendtec-Fabrik Sägemehl am Boden – neben einem Mixer. Er fragte nach und erfuhr, dass CEO Tom Dickson regelmäßig Holzbalken in die Mixer gab, um die Belastungsgrenze zu testen. Wright erkannte sofort: Das ist das Video.

Mit einem Budget von 50 Dollar für Requisiten (Murmeln, Rake-Stiele, Chicken Rotisserie), Blendtec-Firmen-Schürzen und einer günstigen Videokamera begann Wright, Dickson beim Zerblenden verschiedenster Objekte zu filmen. Das Konzept war einfach: CEO stellt sich vor die Kamera, fragt "Will it blend?", stopft das Objekt in den Mixer, und der Mixer erledigt den Rest.


Kreative Idee & Strategie

Die Kernidee ist eine radikale Produktdemonstration: Statt zu sagen "Unser Mixer ist leistungsstark", zeigen sie es – durch das Zerblenden von Dingen, die kein Mixer zerblenden sollte.

Das strategische Prinzip: Die stärkste Produktkommunikation ist, das Produkt bei einer unmöglichen Aufgabe zu zeigen. Die Frage "Will it blend?" ist keine rheturische – sie erzeugt echte Spannung. Wird der Mixer kaputt gehen? Wird das Objekt wirklich zerstört? Diese Spannung ist das dramatische Grundelement jeder Episode.

Gleichzeitig ist die Chemie zwischen dem Requisit (iPhone, Nokia-Handy, Golf-Bälle) und dem stoischen, ernsthaften Tom Dickson humoristisch: Dickson agiert völlig ernst, fast wissenschaftlich – während er lächerlich wertvolle oder symbolträchtige Objekte vernichtet. Das Deadpan-Komik ist der eigentliche Entertainment-Wert.


Umsetzung & Medien

Erste Episode (2006): Die erste Folge der Serie "Marbles" (Murmeln) wurde auf YouTube hochgeladen – damals noch ein junges Plattform mit kleiner Nutzerzahl. Innerhalb von weniger als einer Woche: über 6 Millionen Views. Zu diesem Zeitpunkt war virales YouTube-Marketing nahezu unbekannt.

Regelmäßige Episoden: Die Serie entwickelte sich zu einem wöchentlichen Format. Jede Episode folgt derselben Struktur: Dickson tritt auf, hält das Objekt vor die Kamera, stellt die Frage "Will it blend?", blendet, zieht Pulver oder Trümmer aus dem Behälter, und sagt entweder "Yes, it blends" oder (selten) "No, it doesn't blend."

Meilenstein-Episoden:

  • iPhone (2007): Die erste iPhone-Blending-Episode kurz nach Apples iPhone-Launch wurde über 10 Millionen Mal angesehen – ein Rekord für YouTube 2007. Das iPhone zerblendete zu schwarzem Pulver. Dickson empfahl, den Atem nicht anzuhalten.
  • Chuck Norris-Figur: Eine Running-Gag-Episode, bei der die Figur des Kulturphänomens "Chuck Norris" getestet wurde – dies nicht mal blendete.
  • Golf-Bälle, Murmeln, Glow Sticks: Frühe Episoden mit unerwartet spektakulären visuellen Ergebnissen (glühende Sticks platzen im Mixer).

Produkttrennlinie: Die Serie unterschied explizit zwischen "Don't try this at home" (die meisten Episoden) und regulären Blending-Videos mit Smoothies und Rezepten. Letztere demonstrierten die Praxistauglichkeit für Heimnutzer.


Wirkung & Ergebnisse

Umsatzergebnisse:

  • Blendtec Konsumentenmarkt-Umsatz stieg um 700 % in den 18 Monaten nach Start der Videoserie.
  • Die Marke wuchs von einem B2B-Only-Anbieter zu einem relevanten Konsumenten-Küchengeräte-Hersteller.

YouTube-Performance:

  • Über 250 Millionen gesamte Views auf dem Blendtec YouTube-Kanal (Stand 2020).
  • Über 900.000 Abonnenten auf YouTube.
  • Die Serie läuft weiterhin sporadisch.

Awards und Anerkennung:

  • Preis für "Best Viral Marketing Campaign" von mehreren Fachmedien (2007/2008).
  • Aufnahme in Fallstudiensammlungen der Harvard Business School.
  • George Wright wurde zu einem gefragten Speaker auf Marketingkonferenzen weltweit.

Mediale Reichweite:

  • Features in The New York Times, The Wall Street Journal, Time Magazine, Tonight Show mit Jay Leno (Dickson trat als Gast auf).

Lernpunkte für Kreative

  1. Das Produkt ist der Held: Keine Schauspieler, keine externen Testimonials, keine aufwendige Story. Blendtec platzierte sein Produkt in den Mittelpunkt und ließ es für sich sprechen. Die beste Produktkommunikation ist manchmal die direkteste.
  2. Span dramatische Spannung mit echten Fragen: "Will it blend?" ist eine offene Frage mit ungewissem Ausgang. Diese Spannung – wird der Mixer kaputt gehen? – ist der Grund, warum man diese Videos zu Ende schaut.
  3. Deadpan-Humor als Markenstimme: Tom Dicksons stoische Ernsthaftigkeit, mit der er Iphones zerstört, ist der humoristische Kontrast, der die Videos entertaining macht. Die Komik entsteht aus dem Missverhältnis zwischen Ernsthaftigkeit des Performers und Absurdität der Situation.
  4. Consistency schlägt Perfektion: Die Videos sind nicht hochwertig produziert. Sie sind konsistent in Format und Qualität. Die Zuverlässigkeit der wöchentlichen Episode schuf eine Publikums-Beziehung, die hochwertigere, aber irregulärere Content-Produkte nicht erreichen.
  5. Produktleistung ist der Treibstoff: "Will it blend?" funktioniert nur, weil der Mixer tatsächlich funktioniert. Kein Marketing-Trick kann ein schwaches Produkt ersetzen. Hier ist das Produkt die Pointe.

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Dollar Shave Club (2012) sind beide Beispiele für Startup/KMU-Marketing mit minimalem Budget. Dollar Shave Club nutzte einen einmaligen Vireo für den Launch; Blendtec baute eine kontinuierliche Serie auf. Beide bewiesen, dass Kreativität Media-Budget substituieren kann – aber auf unterschiedliche Arten: Launch-Impact vs. langfristiger Beziehungsaufbau.

Im Vergleich zu großen FMCG-Content-Marketing-Strategien (Red Bull Media House, GoPro) ist Blendtec bescheidener und fokussierter: Eine Idee, ein Format, ein Performer. Diese Reduktions-Stärke ist ein Modell für mittelständische Unternehmen.

Kritische Einordnung: "Will it blend?" demonstriert Produktleistung im Extremtest – aber für den alltäglichen Nutzer (Smoothie, Suppe, Saft) ist das irrelevant. Die Videoserie zeigt nicht, wie der Mixer im Alltag funktioniert. Das Marktingziel war Aufmerksamkeit und Markenbekanntheit – was beides erreicht wurde. Aber für Kaufentscheidungsberatung im Alltag musste Blendtec andere Kommunikation leisten.


Häufige Fragen (FAQ)

Hat Blendtec tatsächlich jede Ausgabe/jeden Gegenstand selbst bezahlt, der zerstört wurde? Ja, in den Anfangsjahren – iPhones, Spielzeug, Sportgeräte wurden regulär gekauft. Später erhielt Blendtec Sachspenden von Firmen, die Publicity durch die Zerstörung ihrer Produkte suchten. Das iPhone-Video war besonders teuer: Das erste iPhone kostete 2007 ca. 600 Dollar, und Blendtec kaufte mehrere Einheiten für verschiedene Takes.

Wie lange dauert die Produktion einer "Will it blend?"-Episode? Sehr kurz. Die Setup-Zeit beträgt ca. 15–30 Minuten, der eigentliche Dreh oft unter einer Stunde. George Wright hat beschrieben, dass die erste Episode spontan entstand und der gesamte Produktionsprozess nie professionalisiert wurde – was zur Authentizität der Videos beiträgt.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • YouTube: Blendtec Kanal (youtube.com/blendtec) – vollständiges Archiv aller "Will It Blend?"-Episoden.
  • Artikel: George Wright: "The Story Behind 'Will It Blend?'" – mehrere Interview-Features in Fast Company und Adweek.
  • Case Study: Harvard Business School: "Blendtec and the 'Will It Blend?' Campaign" – Lehrmaterial für Marketing-Kurse.
  • Buch: Andy Sernovitz: Word of Mouth Marketing (2006, 2012) – Blendtec als frühem Beispiel für WOMM.
  • Podcast: "Marketing Over Coffee" – Interview mit George Wright über den Entstehungsprozess.
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Blendtec \"Will It Blend?\" – virales Content Marketing (ab 2006) — Wiki | Lazi Akademie Esslingen