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Laika ist ein US-amerikanisches Stop-Motion-Animationsstudio mit Sitz in Hillsboro, Oregon, gegründet 2005, bekannt für die Filme Coraline (2009), ParaNorman (2012), The Boxtrolls (2014) und Kubo and the Two Strings (2016) sowie als Vorreiter bei der Integration von 3D-Druck in Stop-Motion-Produktionen.

Rubrik: Animation & VFX · Unterrubrik: Studios & Firmen · Niveau: Einsteiger

Gegründet: 2005 · Hauptsitz: Hillsboro, Oregon, USA · Mitarbeiter: ca. 500


Geschichte & Gründung

Laika entstand 2005 als Nachfolger von Will Vinton Studios, einem Pionier des Claymation-Animationsformats. Travis Knight, Sohn des Nike-Gründers Phil Knight, übernahm das Studio und taufte es um. Will Vinton, der die Technik der Knetanimation in den USA maßgeblich geprägt hatte, schied bei der Umstrukturierung aus.

Unter Travis Knight als CEO und kreativem Kopf entwickelte Laika eine neue Ästhetik: dunklere, komplexere Geschichten für ein familienübergreifendes Publikum, produziert in Stop-Motion mit Puppenfiguren aus kunstvoll gefertigten Materialien. Der erste Film, Coraline (2009), basierend auf Neil Gaimans gleichnamigem Roman, wurde zu einem kritischen und kommerziellen Erfolg und etablierte Laika als wichtiges Studio in der Animationswelt.

Die eigentliche technologische Revolution vollzog sich mit der Integration von 3D-Druck (damals noch als Rapid Prototyping bezeichnet) in die Puppenpropduktion: Anstatt jede Gesichtsexpression einzeln von Hand zu formen, werden tausende verschiedene 3D-gedruckte Gesichtsparts produziert und während der Produktion ausgetauscht. Diese Technik ermöglicht eine nie dagewesene Ausdrucksvielfalt bei Stop-Motion-Charakteren.


Spezialisierungen & Technologien

3D-Druck im Stop-Motion: Laika ist weltweiter Vorreiter beim Einsatz von 3D-Druck für Stop-Motion-Figuren. Für Kubo and the Two Strings wurden über 44.000 verschiedene 3D-gedruckte Gesichtsparts produziert. Die Präzision und Ausdruckstiefe, die dadurch erreicht wird, übersteigt jede traditionelle Handarbeit.

Maßstabs-Bau & Miniatursets: Laika baut physische Sets von immenser Detaildichte. Für The Boxtrolls wurden zum Beispiel Kulissen in verschiedenen Maßstäben parallel gebaut, um die Illusion unterschiedlicher Raumgrößen zu erzeugen.

Hybridproduktion: Laika kombiniert Stop-Motion mit digitalen VFX für Hintergründe, Effekte und Erweiterungen, die mit Stop-Motion allein nicht realisierbar wären. Die Nahtlosigkeit dieser Hybridmethode ist ein Markenzeichen.

Fachmaterial: Laika verwendet eine Mischung aus Silikon, Metalldrähten (für die inneren Skelette der Puppen), 3D-gedruckten Kunststoffteilen und traditionellen Handwerksmaterialien.


Wichtige Projekte

  1. Coraline (2009) – Erster abendfüllender Stop-Motion-Film, der vollständig in stereoskopischem 3D gedreht wurde; Oscar-Nominierung für besten Animationsfilm.
  2. ParaNorman (2012) – Erstmals vollständiger Einsatz von 3D-Druck in der Figurenproduktion; Oscar-Nominierung für besten Animationsfilm.
  3. The Boxtrolls (2014) – Oscar-Nominierung für besten Animationsfilm; komplexe Bühnenbilder mit hunderten Miniatur-Props.
  4. Kubo and the Two Strings (2016) – Oscar-Nominierung für besten Animationsfilm und für Best Visual Effects (seltene VFX-Nominierung für einen Animationsfilm); größte Puppe in der Geschichte von Stop-Motion (fast zwei Meter).
  5. Missing Link (2019) – Oscar für besten Animationsfilm (Golden Globe); Travis Knights letzter Film als Regisseur vor Bumblebee (2018, Live-Action).

Auszeichnungen & Einfluss

Laika wurde fünfmal für den Oscar für den besten Animationsfilm nominiert und gewann ihn einmal mit Missing Link (2020, Golden Globe Award). Kubo and the Two Strings erhielt als seltene Ausnahme eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Best Visual Effects – ungewöhnlich für einen Animationsfilm. Das Studio hat mehrere Annie Awards und BAFTA-Nominierungen erhalten.

Der kulturelle Einfluss von Laika liegt in der Bewahrung und Modernisierung des Stop-Motion-Formats. In einer Zeit, in der CGI dominiert, beweist Laika, dass handwerkliche Animationsformen mit technologischer Innovation konkurrenzfähig bleiben können.


In der Praxis

Karriere & Bewerbung: Stellen unter laika.com/careers. Das Studio sucht Experten in traditionellen Handwerksbereichen (Puppenherstellung, Kostüm, Set-Bau) ebenso wie digitale Techniker:innen (3D-Druck, VFX, Compositing). Handwerkliche Ausbildungen – etwa in Bildhauerei, Textildesign oder Tischlerei – sind bei Laika ebenso wertvoll wie digitale Kompetenzen.

Einzigartigkeit des Standorts: Oregon ist bewusst abseits der großen Hollywood-Kreativzentren positioniert. Das Studio zieht Artists an, die Wert auf tiefes Handwerk, Geduld und physisches Arbeiten legen – ein profil, das in der zunehmend digitalen Animationsbranche selten ist.

Unternehmenskultur: Laika ist für seine intensive, handwerkliche Produktionskultur bekannt. Die langen Produktionszeiten (typisch fünf Jahre pro Film) erlauben eine Tiefe in der Entwicklung, die in kommerziellerem Animationsumfeld nicht möglich wäre.


Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Pixar oder DreamWorks Animation produziert Laika deutlich weniger Filme pro Jahrzehnt – dafür mit einem einzigartigen, unverwechselbaren handwerklichen Ansatz. Gegenüber Aardman Animations (ebenfalls Stop-Motion, aber primär Knetanimation) setzt Laika stärker auf Puppen und 3D-Druck. Anders als Studio Ghibli (handgezeichnet) arbeitet Laika physisch-dreidimensional. Gegenüber reinen CGI-Studios ist der physische Produktionsprozess und die damit verbundene handwerkliche Komplexität das eigentliche Alleinstellungsmerkmal.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Produktion eines Laika-Films? In der Regel etwa fünf bis sechs Jahre von der ersten Entwicklungsphase bis zum Kinostart. Allein die Produktionsphase (Dreh) dauert typischerweise zwei bis drei Jahre, da Stop-Motion-Animation extrem zeitaufwendig ist: Ein erfahrenes Animationsteam schafft pro Person und Tag oft nur wenige Sekunden fertiger Animation.

Was macht 3D-Druck so wichtig für Stop-Motion? Traditionell wurden Stop-Motion-Gesichtsausdrücke durch austauschbare Mund- und Augenformen aus Knet oder Silikon erzeugt – mit eng begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten. 3D-Druck ermöglicht die Produktion tausender verschiedener Micro-Expressions mit absoluter Wiederholbarkeit. Das Ergebnis ist eine emotionale Ausdrucksbandbreite, die an traditionellen CGI-Animationsfilm-Standards gemessen werden kann.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Selick, Henry / Knight, Travis: The Art of Coraline. Insight Editions, 2009.
  • fxguide.com: „Kubo and the Two Strings – Where Stop-Motion Meets VFX" (2016) –
  • Animation Magazine: „Laika's 3D Printing Revolution in Stop-Motion" (2012)
  • Visual Effects Society: VES Handbook of Visual Effects, 2. Aufl. Focal Press, 2015, S. 180–200.
  • laika.com: Behind-the-Scenes-Blog mit detaillierten Produktionsberichten zu allen Filmen.
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