Pixar Animation Studios ist ein US-amerikanisches Animationsstudio mit Sitz in Emeryville, Kalifornien, gegründet 1986, bekannt für bahnbrechende computeranimierte Spielfilme wie Toy Story, Finding Nemo und The Incredibles.
Rubrik: Animation & VFX · Unterrubrik: Studios & Firmen · Niveau: Einsteiger
Gegründet: 1986 · Hauptsitz: Emeryville, Kalifornien, USA · Mitarbeiter: ca. 1.200
Geschichte & Gründung
Pixar entstand 1986 aus einer Abteilung von Lucasfilm, die Steve Jobs für 10 Millionen US-Dollar erwarb. Ursprünglich als Hersteller der leistungsstarken Pixar Image Computer gegründet, erkannte das Team um Ed Catmull und John Lasseter bald das kreative Potenzial computergenerierter Bilder für die Unterhaltungsindustrie. Frühe Kurzfilme wie Luxo Jr. (1986) und Tin Toy (1988), der den ersten Oscar für einen computeranimierten Kurzfilm gewann, machten das Studio bekannt und sicherten den Vertrag mit Disney.
Der Durchbruch kam 1995 mit Toy Story, dem weltweit ersten vollständig computeranimierten Spielfilm. Damit läutete Pixar eine neue Ära des Kinos ein. 2006 übernahm Disney das Studio für 7,4 Milliarden US-Dollar; Ed Catmull und John Lasseter behielten zunächst die kreative und technische Führung.
Über die Jahrzehnte entwickelte Pixar eine einzigartige Produktionskultur, die technische Exzellenz und emotionales Storytelling als gleichwertig betrachtet. Das sogenannte Braintrust-Konzept, bei dem Kreativdirektoren regelmäßig Feedback zu laufenden Projekten geben, gilt in der Branche als Vorbild für kollaborative Filmproduktion.
Spezialisierungen & Technologien
RenderMan: Der von Pixar entwickelte und seit 1989 kommerziell vertriebene Renderer RenderMan gilt als Industrie-Standard für hochwertige Filmproduktionen. Er wurde für Jahrzehnte in nahezu allen Oscar-nominierten visuellen Effekten eingesetzt.
Simulation & Cloth: Mit Filmen wie Brave (2012) trieb Pixar die Simulation von Haaren und Stoffen auf ein bis dahin unerreichtes Niveau. Das Haar der Protagonistin Merida umfasste über 100.000 einzelne Locken mit eigenem Simulationsverhalten.
Physically Based Rendering (PBR): Pixar war Wegbereiter der physikalisch basierten Beleuchtung im Animationsfilm, die heute Standard in Echtzeit-Engines wie Unreal Engine und Unity ist.
USD (Universal Scene Description): Das von Pixar entwickelte und als Open Source freigegebene Dateiformat USD hat sich als Interoperabilitätsstandard in der gesamten VFX- und Animationsbranche durchgesetzt und ist zentrales Fundament moderner Pipeline-Architekturen.
Wichtige Projekte
- Toy Story (1995) – Erster vollständig computeranimierter Spielfilm; revolutionierte die Animationsbranche und spielte weltweit über 373 Millionen US-Dollar ein.
- Finding Nemo (2003) – Wegweisende Simulation von Unterwasser-Kaustik und transparenten Flüssigkeiten; Oscar für den besten Animationsfilm.
- The Incredibles (2004) – Technischer Durchbruch bei der Darstellung menschlicher Charaktere und Kleidungssimulation; Oscar für den besten Animationsfilm.
- WALL-E (2008) – Visuell an Realfilm orientierter Animationsfilm mit komplexer Partikel- und Atmosphärensimulation; Oscar für den besten Animationsfilm.
- Coco (2017) – Aufwendige prozedurale Weltengenerierung für das Land der Toten mit über 800 vollständig animierten einzigartigen Charakteren.
Auszeichnungen & Einfluss
Pixar hat bis 2025 zehn Oscars für den besten Animationsfilm gewonnen – mehr als jedes andere Studio. Drei technische Oscars wurden für RenderMan und verwandte Rendering-Technologien vergeben. Die Visual Effects Society (VES) hat Pixar-Produktionen mit zahlreichen VES Awards ausgezeichnet, darunter mehrfach die Kategorie Outstanding Animated Character.
Der gesellschaftliche Einfluss des Studios reicht weit über die Kinokasse hinaus: Pixar-Filme werden in Universitäten weltweit als Fallstudien für Storytelling, Unternehmenskultur und technische Innovation eingesetzt. Ed Catmulls Buch Creativity, Inc. (2014) gilt als Standardlektüre in Kreativunternehmen.
In der Praxis
Karriere & Bewerbung: Pixar veröffentlicht Stellenanzeigen unter jobs.lever.co/pixar. Gesucht werden vor allem Animator:innen, Technical Directors (TD), Software Engineers und Rendering-Spezialist:innen. Ein Portfolio mit eigenem Kurzfilm oder herausragenden 3D-Arbeiten ist Pflichtbestandteil jeder Bewerbung.
Ausbildungswege: Das Pixar in a Box-Programm (in Kooperation mit Khan Academy) bietet kostenlose Online-Kurse zur Mathematik und Technik hinter Animationsfilmen. Für Hochschulabsolvent:innen gibt es das Pixar Undergraduate Program (PUP) als bezahltes Sommerpraktikum.
Unternehmenskultur: Pixar ist bekannt für flache Hierarchien in der kreativen Arbeit, großzügige Sozialleistungen und eine stark kollaborative Atmosphäre. Der Campus in Emeryville, von Steve Jobs entworfen, ist auf zufällige Begegnungen und Austausch ausgelegt.
Vergleich & Abgrenzung
Im Vergleich zu DreamWorks Animation setzt Pixar stärker auf emotionale Tiefe und originelle Stoffe statt auf Sequel-Franchises. Gegenüber Illumination liegt der Fokus weniger auf Massenkompatibilität und Kosten-Effizienz, sondern auf technischer und narrativer Exzellenz. Anders als Studio Ghibli arbeitet Pixar ausschließlich mit digitalen Techniken; eine Handgezeichnet-Tradition existiert nicht. Gegenüber reinen VFX-Dienstleistern wie ILM oder Framestore ist Pixar ein vollständig integriertes Kreativstudio, das eigene Stoffe entwickelt und produziert.
Häufige Fragen (FAQ)
Gehört Pixar zu Disney? Ja. Disney übernahm Pixar 2006 für 7,4 Milliarden US-Dollar. Pixar operiert seitdem als eigenständige Tochtergesellschaft unter dem Dach von Walt Disney Studios, behält aber seinen eigenen Campus, seine Marke und weitgehend seine eigene Produktionskultur.
Wie viele Oscars hat Pixar gewonnen? Stand 2025 hat Pixar zehn Oscars für den besten Animationsfilm gewonnen sowie drei Ehren-Oscars für technische Entwicklungen, darunter RenderMan. Damit ist Pixar das erfolgreichste Animationsstudio in der Oscar-Geschichte.
Verwandte Einträge
- DreamWorks Animation
- Illumination
- RenderMan (Software)
Weiterführend
- Catmull, Ed / Wallace, Amy: Creativity, Inc. – Erfolg durch wahre Führung. Hanser, 2014.
- Price, David A.: The Pixar Touch: The Making of a Company. Vintage Books, 2009.
- fxguide.com: „The Art of Pixar's RenderMan" (2022) –
- Animation Magazine, Ausgaben 1995–2024 (Retrospektiven zu Toy Story-Jahrestagen)
- Visual Effects Society: VES Handbook of Visual Effects, 2. Aufl. Focal Press, 2015, S. 44–67.
