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Kompressor-Parameter steuern, ab welcher Lautstärke und wie stark ein Audiosignal in der Dynamik reduziert wird, die wichtigsten sind Threshold, Ratio, Attack, Release, Knee und Make-up Gain.

Rubrik: Audio & Podcast · Unterrubrik: Audio-Effekte & Processing · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Compressor Settings, Dynamikprozessor-Parameter

Was sind Kompressor-Parameter?

Kompressor-Parameter sind die einstellbaren Werte eines Dynamikprozessors. Sie bestimmen, wie der Kompressor auf Pegelspitzen reagiert, wie aggressiv er regelt und wie das Ergebnis am Ausgang klingt. Wer Kompressor-Parameter beherrscht, kann nahezu jeden Sound in seiner Wirkung gezielt formen, von dezenter Stimm-Glättung bis zu massiver Drum-Wucht.

Erklärung

Ein Kompressor reduziert den Pegel eines Signals, sobald es einen definierten Schwellenwert überschreitet. Das macht laute Stellen leiser, leise bleiben unverändert, der Pegelbereich (die Dynamik) wird verdichtet. Klingt simpel, hat aber sechs entscheidende Stellschrauben:

Threshold (Schwelle): Ab welchem Pegel greift der Kompressor? Wird in dBFS angegeben (z. B. -20 dBFS). Alles darüber wird komprimiert, alles darunter bleibt unangetastet.

Ratio (Verhältnis): Wie stark wird über dem Threshold reduziert? Bei 4:1 wird ein Signal, das 4 dB über dem Threshold liegt, auf 1 dB darüber gedrückt. Werte: 1,5:1 (sanft) bis ∞:1 (Limiter).

Attack (Anstiegszeit): Wie schnell reagiert der Kompressor nach Überschreitung des Thresholds? Werte: 0,1 ms (sehr schnell) bis 100 ms (langsam). Schnelle Attack frisst Transienten weg und nimmt Drums den Punch; langsame Attack erhält Transienten und packt nur den Body.

Release (Abfallzeit): Wie schnell lässt der Kompressor wieder los, nachdem das Signal unter den Threshold gefallen ist? Werte: 10 ms bis mehrere Sekunden. Zu kurzes Release pumpt, zu langes Release lässt den Kompressor permanent regeln und das Signal stumpf werden.

Knee (Übergangskurve): Hard Knee greift schlagartig, Soft Knee weicher und musikalischer. Für Vocals meist Soft, für Drums oft Hard.

Make-up Gain (Ausgangsverstärkung): Da Kompression Lautstärke wegnimmt, hebt Make-up Gain das Gesamtsignal wieder an. Faustregel: Pegel-Match mit Bypass, sonst klingt komprimiert immer „besser", weil lauter.

Zusätzliche Parameter moderner Kompressoren: Sidechain Filter (HPF im Detektor), Mix/Parallel (Wet/Dry-Balance, Parallel-Kompression), Lookahead (vorausschauende Erkennung), RMS/Peak-Detection (mittelnde oder spitzenwertorientierte Messung).

Die Kunst liegt im Zusammenspiel: Für eine Vocal-Bus-Kompression sind 3:1 Ratio, 10 ms Attack, 80 ms Release und 2–4 dB Gain Reduction ein guter Startpunkt. Für eine knackige Snare: 6:1, 2 ms Attack, 60 ms Release. Es gibt keine universellen Werte, nur Strategien.

Beispiele

  • Beispiel 1, Lead Vocal: Threshold so, dass 3–6 dB GR, Ratio 3:1, Attack 10 ms, Release 80 ms, Soft Knee, geschmeidiger Vocal-Sound.
  • Beispiel 2, Snare: Threshold tief, Ratio 5:1, Attack 5–10 ms (Transient passt durch), Release 60 ms, Hard Knee, Punch und Body.
  • Beispiel 3, Bass-DI: Ratio 3:1, Attack 30 ms, Release 100 ms, 4–6 dB GR, gleichmäßiger Pegel ohne Pumpen.
  • Beispiel 4, Drum-Bus (Glue): Ratio 2:1, Attack 30 ms, Release auto, max. 2–3 dB GR, verbindet, ohne zu töten.
  • Beispiel 5, Podcast-Sprecherstimme: Ratio 4:1, Attack 5 ms, Release 60 ms, Make-up so, dass -16 LUFS getroffen wird.
  • Beispiel 6, Master-Bus (Glue-Komp): Ratio 1,5:1, Attack 30 ms, Release auto, 1–2 dB GR, sanfter Klebe-Effekt.

In der Praxis

Pegel-Match ist Pflicht: A/B vergleichen, ohne dass Lautstärke das Ergebnis verfälscht. Beginne immer mit hohem Threshold und ziehe ihn herunter, bis die VU/GR-Anzeige 3–6 dB Reduktion zeigt. Achte auf das Pumping: hörst du den Kompressor „atmen", ist Release zu kurz. Bei Drums: Attack so wählen, dass die Transienten durchgelassen werden, sonst wirkt der Mix tot. Tools: FabFilter Pro-C2 (visuell, transparent), Waves SSL G-Comp (analog-modeled), UAD 1176 (FET-Klassiker), Klanghelm DC1A (kostenlos, sehr musikalisch). Wichtigster Lerntipp: ein einzelnes Plugin tief verstehen, statt 30 oberflächlich. Parallel-Kompression (NY-Compression) ist ein Geheimtipp für Drums und Vocals, aggressive Kompression auf Send, dann beimischen.

Vergleich & Abgrenzung

ParameterWirkungTypische Werte
ThresholdAb wann greift-30 bis 0 dBFS
RatioWie stark1,5:1 bis ∞:1
AttackWie schnell rein0,1–100 ms
ReleaseWie schnell raus10 ms–2 s
KneeÜbergangHard / Soft
Make-upPegel-Ausgleich0–20 dB

Ein Limiter ist eine Sonderform des Kompressors mit ∞:1 Ratio und Lookahead, er erlaubt keine Überschreitung mehr.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel Gain Reduction ist normal? Für transparente Kompression 2–4 dB, für hörbaren Effekt 4–8 dB, für Drum-Bus auch mal 10+ dB. Wichtig ist nicht die Menge, sondern das Ergebnis: Klingt es besser oder nur lauter? Pegel-Match nicht vergessen.

Was ist der Unterschied zwischen Peak- und RMS-Detection? Peak reagiert auf einzelne Spitzen, RMS auf den Durchschnittspegel. Peak ist aggressiver und kontrolliert Transienten, RMS klingt musikalischer und ist gut für Bus-Kompression. Viele moderne Plugins kombinieren beides oder bieten Umschalter.

Soll Attack schnell oder langsam sein? Kommt aufs Material an: Snare-Punch behalten → 5–10 ms Attack (Transient passt durch). Vocal glätten → 10–20 ms. Bass kontrollieren → 20–50 ms. Sehr schnelle Attack (0,1–1 ms) frisst Transienten und macht den Sound stumpf.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Izhaki, Roey (2018): Mixing Audio: Concepts, Practices, and Tools. Routledge
  • Owsinski, Bobby (2017): The Mixing Engineer's Handbook. Bobby Owsinski Media
  • Universal Audio (laufend): UA Mastering Compressor Series Guides. uaudio.com
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