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EPS (Encapsulated PostScript) ist ein 1987 von Adobe entwickeltes Vektorgrafik-Format basierend auf der PostScript-Seitenbeschreibungssprache, das jahrzehntelang als Hauptformat für den professionellen Druckaustausch galt und auch heute noch in bestehenden Print-Workflows verbreitet ist.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Bild-Dateiformate · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: .eps, .epsf, Encapsulated PostScript


Was ist EPS?

EPS wurde 1987 als Erweiterung der PostScript-Seitenbeschreibungssprache von Adobe eingeführt. PostScript (PS) beschreibt Druckseiten als Programmcode, den ein PostScript-fähiger Drucker oder RIP (Raster Image Processor) ausführt, um das Druckbild zu erzeugen. EPS ist gewissermaßen eine „eingeschlossene" PostScript-Seite – eine in sich geschlossene Einheit, die als Grafik in andere Dokumente eingebettet werden kann.

EPS war von den späten 1980ern bis in die 2000er-Jahre der Industriestandard für den Austausch von Vektorgrafiken zwischen Designern und Druckereien. Logos, Illustrationen und technische Zeichnungen wurden als EPS-Dateien geliefert und in QuarkXPress oder PageMaker-Layouts eingebettet. Mit dem Aufstieg von PDF/X als Druckstandard und SVG für das Web hat EPS an Bedeutung verloren, ist aber in vielen Legacy-Workflows noch präsent.

Besonderheit des EPS-Formats: Eine EPS-Datei enthält neben dem PostScript-Code optional eine eingebettete Vorschaugrafik (in TIFF oder PICT-Format), die in Layoutprogrammen angezeigt wird, auch wenn die Software den PostScript-Code nicht direkt interpretieren kann. Der eigentliche Druck erfolgt dann aus dem PostScript-Code.


Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
DateiformatPostScript-Programmcode (ASCII oder Binär)
KompressionUnkomprimiert oder binär kodiert
FarbmodelleRGB, CMYK, Graustufen, Spot Colors (Sonderfarben)
TransparenzEingeschränkt (PostScript Level 2 unterstützt keine echte Transparenz; Level 3 teilweise)
VektorgrafikJa (beliebig skalierbar)
RastergrafikenEingebettet möglich (in Grenzen)
EbenenNein
SchriftenEinbettbar (Type 1, TrueType)
SonderfarbenJa (Pantone, HKS als Spot Colors)
Browser-SupportNein (kein Web-Format)

EPS und Transparenz: Dies ist die kritische Schwäche von EPS. PostScript (die Grundlage von EPS) unterstützt keine echte Transparenz – alle Elemente werden vollflächig ohne Durchsichtigkeit gerendert. Objekte mit Transparenz in Illustrator werden beim EPS-Export zu opaken Flächen gerastert. Für transparente Elemente muss auf PDF (mit PostScript Level 3 oder PDF/X-4) ausgewichen werden.

Sonderfarben (Spot Colors): EPS unterstützt Pantone- und HKS-Sonderfarben vollständig. Für Druckprodukte mit Sonderfarben (z. B. Corporate-Logos mit definiertem Pantone-Farbton) ist EPS nach wie vor ein übliches Lieferformat.

Dateigröße-Vergleich:

  • EPS (einfaches Vektro-Logo): ca. 50–500 KB
  • SVG (gleiches Logo): ca. 5–50 KB
  • PDF (gleiches Logo): ca. 20–200 KB

Einsatzgebiete

  1. Logo-Lieferung an Druckereien: Marken liefern Logos als EPS-Dateien an Druckereien, Werbeagenturen und Lieferanten – eine Praxis, die seit den 1990ern besteht und trotz modernerer Alternativen weitergeführt wird.
  2. Sonderfarben-Druck: Für Druckprodukte mit definierten Pantone-Farben (Briefpapier, Stempel, Beschriftungen) ist EPS mit Spot-Color-Definition noch immer in Verwendung.
  3. Import in Layoutprogramme: Adobe InDesign, QuarkXPress und ältere Layout-Software importieren EPS-Grafiken als platzierende Elemente. Bei PDF-Export des Layouts werden EPS-Grafiken automatisch in PDF-Elemente konvertiert.
  4. Legacy-Workflows: Viele Unternehmen haben seit Jahrzehnten EPS-Dateien ihrer Logos und Brand Assets und tauschen diese in bestehenden Workflows weiterhin aus, ohne auf neuere Formate umzustellen.
  5. Technische Zeichnungen und Illustrationen: Wissenschaftliche Publikationen, technische Handbücher und Fachzeitschriften haben EPS als Format für Abbildungen und Diagramme verwendet – besonders in LaTeX-Workflows.

In der Praxis

Adobe Illustrator:

  • Datei > Speichern als > EPS: Illustrator EPS-Optionen:
  • PostScript Level: Level 3 für moderne Workflows, Level 2 für maximale Kompatibilität
  • Vorschau: TIFF (8-Bit Farbe) für Windows-Kompatibilität
  • Schriften: „Schriften einschließen", wenn unter 100% der verwendeten Zeichen
  • Transparenz: Nicht verfügbar in EPS – Effekte werden gerastert
  • Farbmodell: CMYK für Druckvorstufe

Für Sonderfarben (Pantone):

  • Pantone-Farben als Spot-Color-Farbfeld definieren (nicht in Global Color konvertieren)
  • Fenster > Farbfelder > Farbfeldbibliotheken > Farbbücher > Pantone Solid Coated

Migration zu modernen Formaten:

  • EPS zu PDF: In Illustrator öffnen, als PDF/X-4 oder PDF/X-1a speichern
  • EPS zu SVG: In Illustrator öffnen, als SVG für Web-Verwendung exportieren
  • Batch-Konvertierung: inkscape --export-type=pdf *.eps (via Inkscape CLI)

Vergleich & Abgrenzung

KriteriumEPSSVGPDFAI (Illustrator)
TransparenzNein/EingeschränktJaJaJa
Web-NutzungNeinNativEingeschränktNein
SonderfarbenJaEingeschränktJaJa
StandardisierungVeraltetW3C-StandardISO-StandardProprietär
Werkzeug-SupportBreit (Legacy)ModernUniversalNur Adobe
EmpfehlungLegacy-WorkflowsWebDruck modernArbeitsformat

Wann noch EPS verwenden: Wenn Logos an ältere Druckdienstleister geliefert werden müssen, die explizit EPS verlangen, oder wenn Sonderfarben-Definitionen ohne neuere PDF-Unterstützung übergeben werden. Für alle neuen Projekte sollte PDF/X oder SVG bevorzugt werden.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist EPS besser als PDF für Logos? Nein – PDF (insbesondere PDF/X) ist moderner, unterstützt Transparenz vollständig und wird von allen professionellen Druckworkflows akzeptiert. EPS wird noch akzeptiert, ist aber der ältere Standard ohne die Fähigkeiten von PDF. Adobe selbst empfiehlt seit Jahren PDF als Nachfolger für EPS. Der Hauptgrund, warum EPS weiterhin existiert, ist Legacy-Kompatibilität.

Kann ich EPS in Microsoft Office verwenden? Neuere Microsoft-Office-Versionen (Office 365 / Microsoft 365) haben die native EPS-Unterstützung aus Sicherheitsgründen 2017 entfernt. EPS-Dateien können nicht mehr in Word, Excel oder PowerPoint eingebettet werden. Für Office-Workflows müssen Logos als PNG, SVG (Office 365) oder EMF bereitgestellt werden.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Systems (1992): Encapsulated PostScript File Format Specification, Version 3.0. Adobe Developer Relations.
  • Adobe Systems (1990): PostScript Language Reference Manual, Second Edition. Addison-Wesley.
  • Online: Adobe – EPS-Spezifikation –
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