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TIFF (Tagged Image File Format) ist ein flexibles, verlustfreies Rasterbildformat, das 1986 von Aldus Corporation (heute Adobe) entwickelt wurde und als Industriestandard für Print-Workflows, digitale Archivierung, Scans und professionelle Bildbearbeitung gilt.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Bild-Dateiformate · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: .tif, .tiff, Tagged Image File Format, Tagged Interchange File Format


Was ist TIFF?

TIFF wurde 1986 von Aldus Corporation entwickelt, um einen einheitlichen Standard für Scans und Bildbearbeitung zu schaffen. Adobe übernahm die Verantwortung für die Spezifikation nach der Übernahme von Aldus 1994. Die letzte offizielle Revision ist TIFF 6.0 (1992), die bis heute gültig ist. Ergänzend gibt es das BigTIFF-Format (2007), das Dateien über 4 GB unterstützt.

TIFF ist kein einzelnes Format, sondern ein Container: Er kann verschiedene Kompressionsverfahren (LZW, ZIP/DEFLATE, JPEG, Packbits, unkomprimiert), Farbräume (RGB, CMYK, LAB, Graustufen), Farbtiefen (1 bis 32 Bit) und Metadaten in einer standardisierten Struktur kapseln. Diese Flexibilität macht TIFF universell einsetzbar, aber auch potenziell inkompatibel zwischen verschiedenen Implementierungen.

In der Druckvorstufe und im Archivwesen ist TIFF der unangefochtene Standard für nicht-destruktive Bildverarbeitung: Jede Bearbeitung bleibt vollständig reversibel, Farbinformationen gehen nicht verloren, und die Dateien sind in 50 Jahren noch lesbar.


Technische Eigenschaften

EigenschaftWert
KompressionstypUnkomprimiert, LZW (verlustfrei), ZIP/DEFLATE (verlustfrei), JPEG (verlustbehaftet)
Farbtiefe1, 8, 16, 32 Bit pro Kanal
FarbmodelleRGB, CMYK, LAB, Graustufen, Duoton, Indiziert
TransparenzJa (Alpha-Kanal, ab TIFF 6.0)
AnimationNein (Multi-Page-TIFF möglich, aber kein Standard)
EbenenJa (Photoshop-erweitertes TIFF mit PSB-Daten)
Maximale AuflösungStandard: 4 GB-Limit; BigTIFF: unbegrenzt
ICC-FarbprofileJa
EXIF/IPTC-MetadatenJa
XMPJa
Browser-SupportKeiner der gängigen Browser (kein Web-Format)

Farbtiefe-Vergleich:

  • 8 Bit/Kanal (24-Bit RGB): 256 Abstufungen pro Kanal, ausreichend für Standard-Print
  • 16 Bit/Kanal (48-Bit RGB): 65.536 Abstufungen pro Kanal, ideal für Retusche ohne Posterisierung
  • 32 Bit/Kanal (96-Bit RGB): HDR-Floatingpoint, für VFX und High-Dynamic-Range-Compositing (auch OpenEXR bevorzugt)

Kompressionsvergleich (A4-Scan bei 300 dpi, RGB):

  • TIFF unkomprimiert: ca. 25 MB
  • TIFF LZW: ca. 12–18 MB (je nach Bildinhalt)
  • TIFF ZIP: ca. 10–15 MB
  • JPEG Q90 (zum Vergleich): ca. 2–4 MB (aber verlustbehaftet!)

CMYK und Druckvorstufe: TIFF ist eines der wenigen Formate, das CMYK nativ und vollständig unterstützt – einschließlich Sonderfarben (Spot Colors) im Duoton-Modus. Druckereien und Verlage akzeptieren TIFF-Dateien mit eingebettetem CMYK-Farbprofil als Standard-Lieferformat.


Einsatzgebiete

  1. Professionelle Druckvorstufe: Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Verpackungsdesign verwenden TIFF als primäres Format für druckfertige Bilder. TIFF mit eingebettetem CMYK-Profil ist das universell akzeptierte Lieferformat an Druckereien weltweit.
  2. Digitale Archivierung und Langzeitspeicherung: TIFF ist das von Bibliotheken, Museen und Archiven empfohlene Langzeitformat für digitale Primärkopien. Die Library of Congress und das Bundesarchiv nutzen TIFF als primäres Archivformat.
  3. Hochauflösende Scans: Scanner-Software gibt als Standard TIFF aus. Für Buchscans, Kunstwerke, Negative und Dias ist TIFF das bevorzugte Format, da kein Qualitätsverlust akzeptierbar ist.
  4. Bildbearbeitungs-Zwischenformat: In professionellen Retouche-Workflows dient TIFF als Zwischenformat zwischen verschiedenen Bearbeitungsschritten und Programmen – verlustfrei, mit Ebenenunterstützung (Photoshop-TIFF) und 16-Bit-Farbtiefe.
  5. Medizinische und wissenschaftliche Bildgebung: Röntgenbilder, Mikroskopie-Aufnahmen und medizinische Scans werden häufig als TIFF gespeichert, da es die vollständige Bildinformation ohne Kompressionsartefakte bewahrt.

In der Praxis

Adobe Photoshop:

  • Datei > Speichern als > TIFF: Kompression LZW für verlustfreie Kompression, Byte-Reihenfolge IBM PC (Windows-kompatibel)
  • Ebenen: „Ebenendaten speichern" aktivieren für bearbeitbare Ebenen (nur Photoshop-lesbar)
  • 16-Bit: Bild > Modus > 16 Bit/Kanal vor dem Speichern
  • CMYK: Bild > Modus > CMYK-Farbe, dann als TIFF mit eingebettetem CMYK-Profil speichern

Adobe Lightroom:

  • Datei > Exportieren > Format TIFF: 8 Bit für Standardexport, 16 Bit für maximale Qualität
  • Farbraum: AdobeRGB oder ProPhoto RGB für professionelle Nachbearbeitung; sRGB für E-Mail und Web
  • Kompression: ZIP empfohlen (kleiner als unkomprimiert, keine Qualitätsverluste)

GIMP:

  • Datei > Exportieren als > .tif: LZW-Kompression, 16-Bit-Unterstützung verfügbar
  • CMYK: Benötigt GIMP-CMYK-Plugin oder Separation-Plugin

Für Druckvorstufe:

  • Auflösung: Mindestens 300 dpi für Offsetdruck, 600+ dpi für Siebdruck und feine Details
  • Farbprofil: ISO Coated v2 (für europäischen Offsetdruck) oder FOGRA39 einbetten
  • Schriftarten: Nicht applicable (TIFF ist Rasterformat – Schriften müssen gerastert sein)

Vergleich & Abgrenzung

KriteriumTIFFJPEGPNGPDF/XPSD
KompressionVerlustfrei (opt.)VerlustbehaftetVerlustfreiBeidesVerlustfrei
CMYKJaEingeschränktNeinJaJa
FarbtiefeBis 32 Bit8 BitBis 16 BitBis 32 BitBis 32 Bit
EbenenJa (PS-Erw.)NeinNeinNeinJa
Web-NutzungNeinJaJaNeinNein
DateigrößeGroßKleinMittelVariabelSehr groß

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist TIFF so viel größer als JPEG? TIFF speichert bei verlustfreier Kompression alle Bildinformationen vollständig. Ein typisches 20-Megapixel-Foto ist als TIFF (LZW, 8 Bit) ca. 30–50 MB groß, als JPEG Q90 ca. 5–8 MB. Der Unterschied ist der Preis für Qualität ohne Kompromisse. Für Web und E-Mail ist TIFF daher ungeeignet; für professionellen Druck und Archiv ist der Mehraufwand gerechtfertigt.

Kann ich TIFF im Web verwenden? Nein. Kein gängiger Web-Browser unterstützt TIFF nativ. TIFF ist ausschließlich ein Desktop-Format für professionelle Workflows. Für Web-Ausgaben muss immer in JPEG, PNG, WebP oder AVIF konvertiert werden.

Was ist der Unterschied zwischen TIFF und PSD (Photoshop-Datei)? PSD (Photoshop Document) ist Adobes proprietäres Format mit vollständiger Ebenenunterstützung, Smart Objects, Einstellungsebenen und nicht-destruktiven Filtern. TIFF ist ein offener Standard, der von vielen Programmen gelesen werden kann. Für die Archivierung in professionellen Workflows wird TIFF gegenüber PSD bevorzugt, da TIFF langfristig lesbarer ist. Photoshop kann Ebenen in TIFF speichern, aber diese sind nur in Photoshop bearbeitbar.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Systems (1992): TIFF Revision 6.0. Adobe Specification.
  • Russ, John C. (2016): The Image Processing Handbook. 7. Aufl. CRC Press.
  • Online: Library of Congress – TIFF als Langzeitformat –
  • Online: Adobe TIFF Specification –
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