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RAW-Formate sind proprietäre, kamerahersteller-spezifische Rohdatenformate, die unverarbeitete Sensordaten speichern und maximale Kontrolle über Entwicklung und Bildqualität bieten – jede Kameramarke nutzt ihr eigenes Format mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Bild-Dateiformate · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Kamera-RAW, Digital Negative, Rohdaten, unentwickeltes Bild


Was sind RAW-Formate?

RAW-Dateien enthalten die nahezu unverarbeiteten Rohdaten des Kamerasensors – als wäre das Bild noch „unentwickelt". Im Gegensatz zu JPEG, bei dem die Kamera das Bild intern verarbeitet (Weißabgleich, Rauschreduzierung, Schärfung, Kompression) und dann speichert, werden bei RAW alle Rohdaten gespeichert und die Entwicklung auf den Computer verlagert.

Das bringt entscheidende Vorteile: Weißabgleich kann nachträglich ohne Qualitätsverlust geändert werden, die Belichtung kann in Grenzen korrigiert werden, und 14-Bit-Daten bieten mehr Spielraum für Tonwertkorrekturen als 8-Bit-JPEG. Der Nachteil: RAW-Dateien sind 3–10× größer als JPEGs und müssen erst in einem RAW-Konverter entwickelt werden.

Jeder Kamerahersteller nutzt ein eigenes, oft proprietäres RAW-Format. Diese Vielzahl führt zu Kompatibilitätsproblemen und Langzeitrisiken (wenn die Hersteller-Software nicht mehr gepflegt wird). Als Alternative wurde das offene DNG-Format entwickelt.


Übersicht aller wichtigen RAW-Formate

HerstellerFormatDateiendungFarbtiefeKompressionBesonderheiten
CanonCR2 (alt).cr214 BitVerlustfreiBis EOS 90D/M6 II (2019)
CanonCR3.cr314 BitVerlustfrei + Lossy C-RAWSeit EOS M50 (2018), HEIF-Container
NikonNEF.nef12–14 BitVerlustfrei, verlustbehaftet, komprimiertProprietärer TIFF-Wrapper
SonyARW.arw14 BitVerlustfrei (uncompressed, lossless compressed, compressed)Mehrere ARW-Unterversionen (ARW 1–4)
FujifilmRAF.raf14 BitVerlustfreiX-Trans-Sensor (6×6-Pattern statt Bayer)
Olympus/OMORF.orf12 BitVerlustfreiMicro Four Thirds
PanasonicRW2.rw212 BitVerlustfreiL-Mount-Kameras ab GH5 II
LeicaDNG.dng14–16 BitVerlustfreiNativ DNG (kein proprietäres Format)
Ricoh/PentaxPEF.pef14 BitVerlustfreiAlternativ DNG möglich
SigmaX3F.x3f14 BitVerlustfreiFoveon-Sensor (3-Schicht-Technologie)
Hasselblad3FR.3fr16 BitVerlustfreiMittelformat
Phase OneIIQ.iiq16 BitVerlustfreiMittelformat-Kameras
Ricoh/PentaxDNG.dng14 BitVerlustfreiNativ DNG

Die wichtigsten RAW-Formate im Detail

Canon CR3

CR3 wurde 2018 mit der EOS M50 eingeführt und ersetzt das ältere CR2. Technisch basiert CR3 auf dem ISO-Standard ISOBMFF (ISO Base Media File Format) – demselben Container wie HEIC und MP4. CR3 unterstützt sowohl verlustfreie RAW-Aufnahmen als auch C-RAW (Compact RAW), eine verlustbehaftet komprimierte Variante, die ca. 40% kleiner ist.

  • Auflösung: Bis zu 45 MP (EOS R5)
  • Farbtiefe: 14 Bit
  • C-RAW: Verlustbehaftet komprimiert, ca. 40% kleiner
  • CRAW Dateigröße: EOS R5, 45 MP: RAW ca. 85 MB, C-RAW ca. 35 MB
  • Software: Canon Digital Photo Professional (DPP), Lightroom, Capture One

Sony ARW

Sony ARW ist in mehreren Unterversionen erschienen (ARW 1.0 bis ARW 4.0), die jeweils neue Funktionen für aktuelle Sensor-Generationen einführen. ARW 4.0 (ab Alpha 7R V und ZV-E1) unterstützt verlustfreie komprimierte RAW-Aufnahmen, die zuvor nicht verfügbar waren.

  • Farbtiefe: 14 Bit (manche ältere Modelle: 12 Bit)
  • Kompression: Uncompressed, Compressed, Lossless Compressed (ab ARW 4.0)
  • Dateigröße: Sony A7R V (61 MP): Uncompressed ca. 120 MB, Lossless Compressed ca. 65 MB
  • Software: Imaging Edge Desktop (Sony), Lightroom, Capture One

Nikon NEF

NEF ist eines der am längsten bestehenden RAW-Formate (seit den frühen 2000ern). Es basiert auf einem erweiterten TIFF-Container und bietet verschiedene Kompressionsoptionen:

  • Verlustfrei komprimiert: Standard-Empfehlung
  • Verlustbehaftet komprimiert: Kleinere Dateien, geringer Qualitätsverlust
  • Unkomprimiert: Maximale Dateigröße
  • Farbtiefe: 12 oder 14 Bit
  • Dateigröße: Nikon Z9 (45 MP): NEF verlustfrei ca. 65–90 MB
  • Software: Nikon NX Studio, Lightroom, Capture One

Fujifilm RAF

RAF ist besonders wegen des einzigartigen X-Trans-Sensors interessant: Statt des üblichen Bayer-Patterns (RGGB) nutzt Fujifilm ein 6×6-Muster mit zufälligerer Farbfilteranordnung. Das erfordert spezielle Demosaicing-Algorithmen und macht RAF zu einem der rechenintensivsten RAW-Formate.

  • Farbtiefe: 14 Bit
  • X-Trans vs. Bayer: RAF-Dateien vom X-Trans-Sensor erfordern spezielle Entwicklung; einfache Algorithmen erzeugen typische „Wurm"-Artefakte bei Haaren und Texturen
  • Software: Fujifilm X RAW Studio, Lightroom (mit X-Trans-optimierten Einstellungen), Capture One (besonders empfohlen für X-Trans)
  • Dateigröße: Fujifilm X-H2S (26 MP): ca. 45–60 MB

Software-Kompatibilität

SoftwareCR3ARWNEFRAFORFRW2DNG
Adobe LightroomJaJaJaJaJaJaJa
Adobe Camera RawJaJaJaJaJaJaJa
Capture OneJaJaJaJa (gut)JaJaJa
Canon DPPJaNeinNeinNeinNeinNeinNein
Nikon NX StudioNeinNeinJaNeinNeinNeinNein
RawTherapeeJaJaJaJaJaJaJa
darktableJaJaJaJaJaJaJa
GIMP + UFRawEingeschr.Eingeschr.Eingeschr.Eingeschr.Eingeschr.Eingeschr.Ja

Einsatzgebiete

  1. Professionelle Fotografie und Photojournalismus: RAW ist der Standard für alle Fotografen, die maximale Bearbeitungsfreiheit benötigen. Weißabgleich, Belichtungskorrektur (-3 bis +3 EV) und Rauschreduzierung funktionieren verlustfrei.
  2. Studio- und Portrait-Fotografie: In kontrollierten Bedingungen ermöglicht RAW die präzise Hautretusche, Farbkorrektur und Tonseparation, die mit JPEG nicht möglich wäre.
  3. Landschafts- und Architekturfotografie: RAW bewahrt Dynamik in Highlights und Schatten; HDR-Merging aus mehreren RAW-Belichtungen ist die Standardtechnik.
  4. Langzeitarchivierung: Originale RAW-Dateien sind das „digitale Negativ" und sollten dauerhaft gespeichert werden. Konvertierung zu DNG für Langzeitstabilität empfohlen.
  5. Sportfotografie (bedingt): Hier spielt Dateigröße eine Rolle: Einige Fotografen wählen verlustbehaftet komprimierte RAW (C-RAW, komprimiertes NEF) für schnellere Puffer-Schreibgeschwindigkeit.

In der Praxis

Adobe Lightroom – Empfohlene Import-Einstellungen für RAW:

  • Dateibehandlung: Vorschauen „Standard" für gute Performance
  • Kopie erstellen: „DNG-Kopie erstellen" für Langzeitarchivierung
  • Entwickeln-Vorgabe beim Import: „Farbprofil Kamera-Standard" als Ausgangspunkt

Datei-Organisation für RAW:

  • Ordnerstruktur: Jahr/Monat/Shooting-Name/
  • RAW und JPEG getrennt verwalten (JPEG als schnelle Vorschau, RAW für Entwicklung)
  • Backup: 3-2-1-Regel: 3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 Off-Site

Häufige Fragen (FAQ)

Soll ich RAW oder JPEG aufnehmen? Für maximale Qualität und Bearbeitungsfreiheit: RAW. Für schnelles Teilen, Social Media und Situationen ohne nachträgliche Bearbeitung: JPEG oder RAW+JPEG gleichzeitig. Viele Kameras ermöglichen RAW+JPEG parallel – RAW für das Archiv, JPEG für sofortige Nutzung.

Verlieren RAW-Dateien Qualität beim Öffnen und Speichern? Das Öffnen eines RAW-Files verändert die Originaldatei nicht. RAW-Konverter wie Lightroom schreiben Entwicklungseinstellungen in Sidecar-Dateien (.xmp) oder eine Datenbank – das Original bleibt unberührt. „Speichern" in Lightroom bedeutet immer Export in ein anderes Format (JPEG, TIFF, DNG); das Original-RAW wird nie überschrieben.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Pogue, David (2012): Digital Photography: The Missing Manual. O'Reilly Media.
  • Evening, Martin (2018): Adobe Photoshop Lightroom Classic – The Missing FAQ. Photoshop Lightroom Gallery.
  • Online: Adobe Camera Raw Support –
  • Online: RawTherapee – Kostenloser RAW-Konverter –
  • Online: darktable – Quelloffener RAW-Konverter –
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