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Audio-Journalist:in bezeichnet Medienfachleute, die journalistische Inhalte – Berichte, Features, Reportagen, Interviews und Kommentare – für Hörfunk, Podcast und digitale Audio-Plattformen recherchieren, produzieren und präsentieren.

Was macht ein:e Audio-Journalist:in?

Audio-Journalismus ist eine der ältesten Formen des Rundfunkjournalismus und erlebt durch den Podcast-Boom eine Renaissance. Radio-Journalist:innen und Audio-Journalist:innen unterscheiden sich in ihrem Arbeitsumfeld: Erstere sind überwiegend im klassischen Hörfunk (ARD, Deutschlandradio, private Radiostationen) tätig, Letztere arbeiten zunehmend auch für digitale Plattformen und Podcast-Formate.

Kernaufgaben:

  • Recherche: Themenfindung, Quellenarbeit, Interview-Vorbereitung, Datenjournalismus im Audiokontext.
  • Skript und O-Ton-Arbeit: Verfassen von Beitragsmanuskripten, Einholen und Auswählen von O-Tönen (Original-Tönen/Interviewzitaten), Strukturierung für akustische Wirkung.
  • Moderation: Auftreten vor dem Mikrofon, Moderation von Sendungen, Interviews und Live-Berichterstattung.
  • Produktion: Eigenständiger Schnitt und Mix von Beiträgen in Adobe Audition oder Radioman; bei größeren Sendern Zusammenarbeit mit Cutter:in und Tontechniker:in.
  • Digitale Verlängerung: Shownotes, Social-Media-Posts, Newsletter-Integration für Online-Audio-Formate.
  • Teamarbeit: In Redaktionen enge Zusammenarbeit mit Redaktionsleitung, Moderator:innen, Chefredaktion.

Spezialisierungen:

  • Nachrichtenredakteur:in (tagesaktuell, stressintensiv, Schritthalten mit Nachrichtenlage)
  • Feature-Redakteur:in (längere, erzählende Formate bis zu 45 Minuten, hohe journalistische Tiefe)
  • Correspondent:in (Auslandskorrespondenz, spezialisiert auf Regionen)
  • Moderator:in (Morgenshow, Abendprogramm, Sportmoderation)
  • Data-Audio-Journalist:in (Aufbereitung von Datensätzen als hörbare Reportage)

Ausbildung & Einstieg

Für Audio-Journalismus gibt es mehrere anerkannte Ausbildungswege:

Journalistenschulen:

  • Deutsche Journalistenschule (DJS) München: Eines der renommiertesten Institute; kombiniert praktische Medienausbildung mit Hörfunk-Spezialmodulen. Aufnahme über strenges Auswahlverfahren.
  • Burda Journalistenschule: Fokus auf multimediale Produktion mit Radioanteil.
  • Axel Springer Akademie (Berlin): Digitaljournalismus mit Audio-Elementen.

Hochschulen:

  • Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT): Journalismus und Medienwissenschaften als Begleitung zu Audio-Fachkenntnissen.
  • Universität Hamburg, Freie Universität Berlin, LMU München: Kommunikationswissenschaft/Journalistik als akademische Basis.
  • Macromedia Hochschule: Journalismus mit Multimedia-Schwerpunkt.
  • SAE Institute: Nicht primär journalistisch, aber Audio-Production-Kompetenzen als Ergänzung.

Volontariat: Das Volontariat bei ARD-Rundfunkanstalten (BR, WDR, NDR, SWR, MDR, RBB, Radio Bremen, SR, HR) ist der klassische Einstiegsweg. Bewerbungen erfolgen über die offiziellen Karriereseiten der Anstalten; Bewerbungsfristen und Anforderungen variieren je nach Sender.

Quereinstieg: Über eigene Podcasts, Blog-Artikel mit Audio-Elementen, Mitarbeit bei lokalen Bürgerradios oder Community-Radios (z. B. Radio LORA München, Radio Z Nürnberg, Orange 94.0 Wien) ist ein organischer Einstieg möglich.

Gehalt & Markt

  • Volontär:innen bei öffentlich-rechtlichen Sendern: 1.500 € bis 2.200 € brutto/Monat (tariflich geregelt, je nach Anstalt unterschiedlich).
  • Redakteur:innen (ARD/Deutschlandradio, fest): 3.200 € bis 5.500 € brutto/Monat nach Tarif; Dienstjahre spielen große Rolle.
  • Freie Journalist:innen (Hörfunk): Honorare nach Empfehlung des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV); 1-Minuten-Beitrag ca. 50–120 €; Feature bis zu 45 Min ca. 1.500–4.000 €.
  • Podcast-Journalist:innen: Sehr variabel – zwischen 500 € und 3.000 € pro Episode für narrative Formate (Quelle: Stepstone 2024).

Der Markt ist zweigeteilt: Der klassische Rundfunk schrumpft durch Budget- und Stellenkürzungen; gleichzeitig wächst der Bedarf an qualifizierten Audio-Journalist:innen für Corporate und Independent Podcasting erheblich.

Tools & Equipment

Schnitt und Produktion:

  • Adobe Audition (Standard in deutschen Rundfunkanstalten)
  • Radioman (WDR, NDR interne Systeme)
  • Reaper, Logic Pro als Freelancer:innen-Alternativen

Aufnahme vor Ort:

  • Zoom H6, Sound Devices MixPre-3 II (Außenaufnahmen/Interviews)
  • Sennheiser MKH 416 (Richtmikrofon für Outdoorinterviews)
  • Lautsprechertelefone und ISDN-Codecs (Telefon-O-Töne in Studioproduktionen)

Recherche-Tools:

  • CORRECTIV, NDR Datenjournalismus, WPK (Wissensgemeinschaft Publizistik und Kommunikation)
  • CrowdTangle (Social-Media-Monitoring), Wayback Machine, OpenStreetMap für Location-Recherche

Distribution:

  • DRADIO (Deutschlandradio-interne Ausspielung)
  • Alexa Flash Briefing, Google Podcasts, Apple Podcasts für digitale Formate

Vergleich & Abgrenzung

Audio-Journalist:in vs. Podcast-Produzent:in: Journalist:innen sind inhaltlich verantwortlich – Recherche, journalistische Sorgfaltspflicht und Redaktionsarbeit stehen im Vordergrund. Produzent:innen übernehmen primär die technische Umsetzung. Bei kleineren Podcastprojekten laufen beide Rollen zusammen.

Audio-Journalist:in vs. Moderator:in: Moderator:innen präsentieren und führen durch Sendungen; Journalist:innen produzieren die inhaltlichen Beiträge dahinter. Im Hörfunk arbeiten viele Radio-Journalist:innen in beiden Funktionen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie bewerbe ich mich auf ein Volontariat beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Die Bewerbungsprozesse unterscheiden sich je nach Anstalt. Typisch ist ein Onlineformular, gefolgt von einem schriftlichen Test (Allgemeinwissen, Nachrichtenverständnis), einem persönlichen Gespräch und einem praktischen Redaktionstag. Ein Portfolio mit eigenen Radio- oder Podcast-Produktionen ist sehr hilfreich.

Ist die Zukunft des Hörfunks gesichert? Klassisches UKW-Radio verliert Hörer, bleibt aber im Auto und bei älteren Zielgruppen stark. Öffentlich-rechtliche Sender investieren massiv in digitale Audiostrategie (DAB+, Podcasts, Streaming). Für gut ausgebildete Audio-Journalist:innen bleibt der Markt stabil – die Nachfrage verlagert sich aber von klassischem Rundfunk zu On-Demand- und Podcast-Formaten.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Deutscher Journalisten-Verband (DJV): www.djv.de
  • Deutsche Journalistenschule München: www.djs-online.de
  • ARD Volontariat-Übersicht: www.ard.de/karriere
  • Grimme-Preis Online (Audio-Kategorie): www.grimme-preis.de
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