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Type Designer/in ist ein hochspezialisierter Beruf, der auf die Entwicklung von Schriften, Schriftfamilien und Schriftsystemen für Print, Digital und Corporate-Anwendungen spezialisiert ist.

Rubrik: Berufsfelder · Unterrubrik: Design-Berufe · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Schriftgestalter/in, Schriftentwickler/in, Schriftdesigner/in, Lettering Artist (überlappend)

Was ist Type Design?

Type Design bezeichnet die systematische Entwicklung von Schriften – also vollständiger Buchstaben- und Zeichensätze, die in Texten und Kommunikationsmedien eingesetzt werden. Im Unterschied zu Lettering (der individuellen Handlettering- oder Illustrationstypografie) entstehen beim Type Design funktionale Schriften, die als Softwarefonts in vielen Kontexten wiederholbar und konsistent einsetzbar sind.

Erklärung

Markt und Anwendungsbereiche: Schriften sind kommerziell verwertbare digitale Produkte. Der Type-Design-Markt ist global und vergleichsweise klein – es gibt weltweit nur wenige Hundert professionelle Type Designer. Dennoch ist der wirtschaftliche Wert erheblich: Corporate-Schriften für Marken (Custom Typefaces) werden für fünf- bis sechsstellige Beträge entwickelt; Retail-Schriften (Verkauf über Plattformen wie MyFonts, Fonts.com, Google Fonts) erzeugen passive Einnahmen über Jahre.

Typische Auftragsarten:

  1. Custom Typeface für Marken: Unternehmen wie Deutsche Bahn (FF Transit), Deutsche Telekom (TeleNeo), BMW oder Porsche beauftragen exklusive Schriften, die nur intern genutzt werden dürfen.
  2. Retail Typeface: Eigenständig entwickelte Schriften, die über Schriftplattformen lizenziert werden.
  3. Schrifterweiterungen: Bestehende Schriften um weitere Schnitte (Bold, Italic, Condensed), Sprachunterstützung (Kyrillisch, Griechisch, Arabisch) oder Sonderzeichen erweitern.
  4. Revival / Digitalisierung: Historische Schriften scannen, analysieren und in digitale OpenType-Fonts umsetzen.

Tools:

  • Glyphs App (macOS): De-facto-Standard für professionelle Type Designer. Intuitive Oberfläche, starke OpenType-Feature-Unterstützung, aktive Community. glyphsapp.com
  • RoboFont (macOS): Scripting-freundlich, sehr flexibel, für technisch versierte Designer und Schriftingenieure bevorzugt.
  • FontLab 8 (macOS/Windows): Klassisches Tool mit langer Geschichte, besonders in der revivalen und multiscript-Schriftentwicklung verbreitet.
  • UFO (Unified Font Object): Offenes Dateiformat für Schriften, das von mehreren Tools verwendet wird und Kollaboration erleichtert.
  • Python-Scripting: In der professionellen Schriftentwicklung unerlässlich – Automatisierung repetitiver Aufgaben, Interpolation, Mastering.

OpenType-Features: Moderne Schriften nutzen OpenType-Features: Ligaturen (liga), Brüche (frac), Varianten (swsh, ss01–ss20), Kerning (kern), Tabellenzahlen (tnum), Kapitälchen (smcp) und Variable Font-Achsen (wght, wdth, ital). Ein vollständiges Feature-Set erhöht den Marktwert erheblich.

Variable Fonts: Seit ca. 2016 ermöglichen OpenType Variable Fonts kontinuierliche Interpolation zwischen Schnitten auf einer oder mehreren Achsen (z. B. Weight, Width, Slant). Dies revolutioniert Web-Performance (eine Fontdatei statt vieler) und eröffnet neue gestalterische Möglichkeiten.

Ausbildungsweg: Es gibt wenige spezialisierte Studiengänge. Relevante Programme: MA Type Design am Royal College of Art London, MA TypeMedia an der KABK Den Haag (Niederlande), die Type and Media-Programme in Den Haag und die Hochschulen für Gestaltung in Deutschland mit Typografieprofil (z. B. HfG Offenbach). Viele Type Designer kommen aus dem Grafikdesign und haben sich eigenständig auf Schrift spezialisiert.

Verbände und Community:

  • ATypI (Association Typographique Internationale): Weltgrößte Fachkonferenz und Verband für Typografie und Type Design. atypi.org
  • Fonts In Use: Dokumentationsprojekt und Community-Ressource. fontsinuse.com
  • Type@Cooper: Bildungsprogramm des Cooper Union, NY. coopertype.org

Gehaltsspanne: Freiberufliche Type Designer mit nachgewiesenem Custom-Font-Portfolio: Projekthonorare 10.000–100.000+ Euro pro Custom-Typeface-Projekt. Junior Type Designer in Studios: 2.500–3.500 Euro brutto. Senior/Lead: 4.000–6.500 Euro. Passive Einnahmen aus Retail Fonts: 200–10.000+ Euro monatlich bei populären Schriften.

Beispiele

  • Entwicklung einer exklusiven Hausschrift für ein Finanzunternehmen (Latin + Kyrillisch, 6 Schnitte, 18 Monate Projektlaufzeit)
  • Retail-Serifenschrift für den digitalen und Print-Einsatz (Regular, Italic, Bold, Bold Italic), Vertrieb über MyFonts
  • Revival einer historischen Jugendstil-Schrift: Scannen, digitale Rekonstruktion, Erweiterung mit modernen OpenType-Features
  • Variable Font für ein Zeitungsprojekt: Weight-Achse von Thin bis Black, optimiert für Web-Performance

In der Praxis

Entwicklungsprozess einer Schrift:

  1. Konzept: Historische Recherche, Referenzen, Stilentscheidung (Serif, Sans, Display, Monospace)
  2. Probezeichen: n, o, H, O – aus diesen Grundzeichen werden alle anderen abgeleitet
  3. Vollständiger Zeichensatz: Minuskeln, Majuskeln, Ziffern, Satzzeichen, Diakritika, Sonderzeichen
  4. Spacing: Abstandsverhältnisse zwischen Zeichen (besonders wichtig für Lesbarkeit)
  5. Kerning: Individuelle Zeichenpaare anpassen (AV, We, Ta etc.)
  6. OpenType-Features implementieren (Ligaturen, Brüche, Kapitälchen)
  7. Mastering und Hinting (für Bildschirmqualität)
  8. Testen (in verschiedenen Größen, auf Screen, im Druck)

Vergleich & Abgrenzung

Type Design ist deutlich spezialisierter als allgemeines Grafikdesign oder Brand Design. Lettering (handgezeichnete Schriftzüge für spezifische Kontexte) ist kein Type Design, da keine wiederverwendbaren Font-Dateien entstehen. Im Vergleich zu Communication Design ist Type Design ein sehr enges technisches Handwerk.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich von Schriftverkäufen leben? Nur mit einem stark nachgefragten Portfolio. Die meisten Type Designer kombinieren Retail-Einnahmen mit Auftragsarbeiten (Custom Fonts, Erweiterungen) oder sind parallel in Studios tätig.

Wie lerne ich Type Design am besten? Hands-on: Glyphs installieren, einfache Schrift zeichnen, Feedback in der Community suchen. Literatur: Ames/Majoor, Bringhurst, Baines/Haslam. Kurse: TypeMedia Den Haag, Type@Cooper Extended, Coursera Type Design-Kurse.

Was kostet ein Custom Typeface? Je nach Umfang (Anzahl Schnitte, Sprachabdeckung, Nutzungslizenz) zwischen 15.000 und 200.000+ Euro. Die AGD-Honorarempfehlungen bieten Orientierung.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bringhurst, Robert: The Elements of Typographic Style. Hartley & Marks, 4. Aufl. 2012.
  • Hochuli, Jost: Das Detail in der Typografie. Niggli, 2008.
  • Ames, Steven; Majoor, Martin: Type: The Secret History of Letters. I.B. Tauris, 2003.
  • ATypI: Jahreskonferenzen und Publikationen. atypi.org.
  • Glyphs App Handbuch und Tutorials. glyphsapp.com/learn.
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