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Fachabitur nachholen bedeutet, die Fachhochschulreife nach der regulären Schulzeit zu erwerben, meist über eine Fachoberschule, ein Berufskolleg, Zusatzunterricht während der Ausbildung oder eine Fachschule. Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem praktischen Teil und berechtigt vor allem zum Studium an Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Einstieg und Berufswahl · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Fachhochschulreife nachholen, Fachabi nachholen, FHR, Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg, Fachhochschulreife über berufliche Bildungsgänge

Was ist das Fachabitur?

Das Fachabitur heißt offiziell Fachhochschulreife. Es ist ein Schulabschluss oberhalb des mittleren Abschlusses, aber unterhalb der allgemeinen Hochschulreife. Mit ihm kannst du an Fachhochschulen studieren, in einigen Ländern auch Bachelorstudiengänge an Universitäten. Viele holen das Fachabitur nach einer Ausbildung oder parallel dazu nach, weil Schule und Praxis sich dabei gut verbinden lassen.

Erklärung

Zwei Teile: Nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz über den Erwerb der Fachhochschulreife in beruflichen Bildungsgängen (1998, Fassung 2001) setzt sich die Fachhochschulreife aus einem schulischen und einem praktischen Teil zusammen. Den praktischen Teil weist du über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Praktikum nach. Wer die gymnasiale Oberstufe vorzeitig verlässt, kann in vielen Ländern den schulischen Teil bescheinigt bekommen und muss den praktischen Teil dann noch ergänzen.

Länderunterschiede: Laut Deutschem Bildungsserver sehen 14 Länder eine Regelung zum schulischen Teil der Fachhochschulreife vor. Bayern und Sachsen vergeben den schulischen Teil nicht und erkennen ihn deshalb auch nicht an. Wer umzieht oder in einem anderen Land studieren will, sollte das vorher prüfen.

Allgemein oder fachgebunden: Die allgemeine Fachhochschulreife gilt für alle Fachrichtungen an Fachhochschulen. Die fachgebundene Fachhochschulreife gilt nur für bestimmte Fächer. In Bayern kann sie über eine Ergänzungsprüfung zur allgemeinen Fachhochschulreife erweitert werden.

Wege in Baden-Württemberg laut Kultusministerium:

  • Zusatzprogramm in der Berufsschule: Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss können parallel zur dualen Ausbildung über Zusatzunterricht die Fachhochschulreife erwerben.
  • Einjähriges Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife (BKFH): Voraussetzung sind ein mittlerer Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Mindestens zweijährige Berufskollegs: Sie bauen auf dem mittleren Abschluss auf und können neben einer beruflichen Qualifikation die Fachhochschulreife vermitteln.
  • Zweijährige Fachschulen: etwa für Techniker/innen, auch hier kann die Fachhochschulreife erworben werden.
  • Bestimmte dreijährige Berufsfachschulen mit Zusatzprüfung, zum Beispiel in der Pflege.

Wege in Bayern: Die Fachoberschule beginnt mit der Jahrgangsstufe 11 und setzt einen mittleren Schulabschluss voraus (§ 5 FOBOSO). Wer bereits eine Ausbildung hat, kann die Berufsoberschule besuchen.

Beispiele

  • Tim, 18, Ausbildung zum Industriekaufmann: belegt in Baden-Württemberg das Zusatzprogramm in der Berufsschule und hat am Ende Berufsabschluss und Fachhochschulreife.
  • Selin, 21, fertige Mediengestalterin: besucht das einjährige Berufskolleg zur Fachhochschulreife und bewirbt sich danach für Kommunikationsdesign.
  • Paul, 16, Realschulabschluss in Bayern: geht an die Fachoberschule, Ausbildungsrichtung Gestaltung, siehe Fachabitur Gestaltung: Wege, Aufnahme und Anschluss.
  • Nina, 19, Abgang aus der Oberstufe ohne Abitur: hat den schulischen Teil und ergänzt ihn mit einem gelenkten Praktikum nach den Regeln ihres Landes.
  • Kai, 28, Elektroniker: macht berufsbegleitend die Fachschule für Technik und erwirbt dabei zusätzlich die Fachhochschulreife.

In der Praxis

Ist die Fachhochschulreife das richtige Ziel? Sie lohnt sich, wenn du an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften studieren willst. In gestalterischen Fächern wie Kommunikationsdesign entscheidet dort meist zusätzlich eine Eignungsprüfung mit Mappe, siehe Portfolio für die Aufnahme. Für ein Studium ganz ohne Schulabschluss oberhalb der Mittleren Reife gibt es außerdem den Weg über die berufliche Qualifikation, siehe Studium ohne Abitur: Voraussetzungen und Wege.

Förderung (Stand: November 2026):

  • Fachoberschulklassen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen, sind nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 BAföG förderfähig.
  • Fachoberschulklassen ohne vorausgesetzte Ausbildung werden nur gefördert, wenn du aus den in § 2 Abs. 1a BAföG genannten Gründen nicht bei den Eltern wohnst.
  • Wer das Fachabitur parallel zur dualen Ausbildung macht, bekommt weiter die Ausbildungsvergütung.

Einzelheiten zu Höhe und Antrag klärt das Amt für Ausbildungsförderung. Zu Schulplätzen und Fristen beraten die beruflichen Schulen und die Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

Wenn du gestalten willst, ohne vorher das Fachabitur zu machen: Für eine schulische Ausbildung in Gestaltung brauchst du keine Fachhochschulreife. Die Lazi Akademie in Esslingen am Neckar, eine gemeinnützige, staatlich anerkannte Berufsfachschule für Gestaltung, nimmt ohne Abitur auf. Gelernt wird in sechs Fachbereichen an echten Projekten mit Dozent/innen aus der Praxis, drei davon mit staatlich anerkanntem Berufsabschluss. Die Fachbereiche zeigt Ausbildung an der Lazi Akademie.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalFachhochschulreifeFachgebundene HochschulreifeAllgemeine Hochschulreife
StudienberechtigungFachhochschulen, in einigen Ländern auch Bachelor an Universitätenbestimmte Fachrichtungen an allen Hochschulenalle Fächer an allen Hochschulen
Typischer WegFachoberschule, Berufskolleg, ZusatzunterrichtBerufsoberschuleGymnasium, Berufliches Gymnasium, Kolleg
Praktischer Teilja, über Ausbildung oder Praktikumneinnein
Anerkennungländerübergreifend nach KMK-Vereinbarung, schulischer Teil allein nicht überallländerübergreifendbundesweit

Mit dem Abitur nachholen beschäftigt sich ein eigener Eintrag: Abitur nachholen: Wege, Voraussetzungen und Förderung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Fachabitur und Fachhochschulreife? Es gibt keinen. „Fachabitur“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung, offiziell heißt der Abschluss Fachhochschulreife. Davon zu unterscheiden ist die fachgebundene Hochschulreife, die zu bestimmten Fächern an allen Hochschulen berechtigt.

Kann ich das Fachabitur während der Ausbildung machen? Ja, in mehreren Ländern über Zusatzunterricht an der Berufsschule. In Baden-Württemberg steht dieser Weg Auszubildenden mit mittlerem Bildungsabschluss offen.

Wie lange dauert es, das Fachabitur nachzuholen? Nach einer abgeschlossenen Ausbildung reicht in Baden-Württemberg das einjährige Berufskolleg. Ohne Ausbildung führen in der Regel zweijährige Bildungsgänge wie die Fachoberschule oder ein zweijähriges Berufskolleg zum Ziel.

Gilt der schulische Teil der Fachhochschulreife überall? Nein. Bayern und Sachsen vergeben den schulischen Teil nicht und erkennen ihn auch nicht an. In den übrigen Ländern wird er mit einem nachgewiesenen praktischen Teil zur vollen Fachhochschulreife.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kultusministerkonferenz (2001): Vereinbarung über den Erwerb der Fachhochschulreife in beruflichen Bildungsgängen, Beschluss vom 05.06.1998 i. d. F. vom 09.03.2001. kmk.org
  • Deutscher Bildungsserver / DIPF (2022): Fachabitur: Erwerb der Fachhochschulreife in den einzelnen Bundesländern. bildungsserver.de
  • Kultusministerium Baden-Württemberg (2026): Bildungswege in Baden-Württemberg, Schuljahr 2027/2028. km.baden-wuerttemberg.de
  • Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2017, gültig ab 01.08.2026): Fachober- und Berufsoberschulordnung (FOBOSO), § 5. gesetze-bayern.de
  • Bundesministerium der Justiz (2026): Bundesausbildungsförderungsgesetz, § 2. gesetze-im-internet.de, abgerufen November 2026
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