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Influencer werden heißt, in sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok oder YouTube eine Community aufzubauen und mit der eigenen Reichweite Geld zu verdienen, vor allem über bezahlte Kooperationen mit Marken. Einen Ausbildungsweg oder Berufstitel gibt es nicht, und nur ein kleiner Teil der Creator/innen lebt davon.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Einstieg & Berufswahl · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Creator, Content Creator (teilweise), Social-Media-Star, Sinnfluencer (gesellschaftliche Themen), TikToker, Instagrammer

Was heißt Influencer werden?

Influencer/innen beeinflussen mit ihren Beiträgen Meinungen, Trends und Kaufentscheidungen ihrer Follower. Der Beruf ist frei zugänglich, jeder kann einen Kanal starten. Gerade deshalb ist der Wettbewerb groß. Wer Influencer werden will, sollte den Unterschied zwischen Hobby, Nebenverdienst und Beruf kennen und von Anfang an einige Regeln beachten.

Der Wunsch ist weit verbreitet: In einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von 2023 unter 503 Schüler/innen mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren wollte mehr als ein Fünftel selbst Influencer sein. Die Befragung ist nicht repräsentativ, die Autorin betont aber, dass eine realistische Einschätzung der Erfolgschancen zentral sei.

Erklärung

Was Influencer verdienen. Für Deutschland gibt es keine amtliche Statistik zum Einkommen von Influencer/innen. Die meistzitierte internationale Schätzung stammt von Goldman Sachs Research (2023): Von weltweit rund 50 Millionen Creator/innen gelten nur etwa 4 Prozent als Profis, die mehr als 100.000 US-Dollar im Jahr einnehmen. Wichtigste Einnahmequelle sind laut der dort zitierten Umfragedaten Markenkooperationen mit etwa 70 Prozent. Die große Mehrheit liegt also deutlich darunter. Seriöse Versprechen über Einkommen gibt es nicht.

Wie Influencer bezahlt werden.

  • Kooperationen: Marken zahlen für Beiträge, Stories oder Videos, in denen Produkte vorkommen. Die Höhe hängt von Reichweite, Zielgruppe und Aufwand ab.
  • Plattformprogramme: YouTube beteiligt Kanäle im Partnerprogramm an den Werbeeinnahmen. Voraussetzung sind laut YouTube-Hilfe unter anderem 1.000 Abonnent/innen und entweder 4.000 Stunden öffentliche Wiedergabezeit in den letzten zwölf Monaten oder 10 Millionen gültige Shorts-Aufrufe in 90 Tagen (Stand: November 2026, ab 1. Februar 2027 gelten geänderte Bedingungen). TikTok und Instagram haben eigene Programme, deren Bedingungen in der jeweiligen App stehen.
  • Affiliate-Links: Für Käufe über einen persönlichen Link gibt es eine Provision.
  • Eigene Produkte: Merchandise, Kurse oder digitale Produkte.

Regeln für Werbung (Stand: November 2026). Wer für einen Beitrag Geld, Produkte oder eine andere Gegenleistung bekommt, muss den kommerziellen Zweck kenntlich machen (§ 5a Abs. 4 UWG). Eine Gegenleistung wird nach dem Gesetz vermutet, solange man nicht glaubhaft macht, dass man keine bekommen hat. Auch das Digitale-Dienste-Gesetz verlangt, dass kommerzielle Kommunikation klar erkennbar ist (§ 6 DDG). Praktische Hinweise gibt der Leitfaden der Medienanstalten zur Werbekennzeichnung. Wer geschäftsmäßig, in der Regel gegen Entgelt, einen digitalen Dienst anbietet, braucht außerdem ein Impressum (§ 5 DDG).

Minderjährige. YouTube erlaubt die Nutzung laut Nutzungsbedingungen ab 16 Jahren, unter 18 nur mit Erlaubnis der Eltern; für AdSense, über das YouTube Werbeeinnahmen auszahlt, nennt Google ein Mindestalter von 18 Jahren. Verträge mit Marken, die nicht nur Vorteile bringen, brauchen bei Minderjährigen die Einwilligung der Eltern (§ 107 BGB). Ein eigenes Geschäft dürfen Minderjährige nur führen, wenn die Eltern sie mit Genehmigung des Familiengerichts dazu ermächtigen (§ 112 BGB).

Steuern. Einnahmen aus Kooperationen, Werbung und Geschenken mit Gegenleistung sind grundsätzlich steuerpflichtig. Wer regelmäßig verdient, sollte früh klären, ob ein Gewerbe anzumelden ist, und die Einnahmen in der Steuererklärung angeben. Die Kleinunternehmerregelung befreit von der Umsatzsteuer, wenn der Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet (§ 19 UStG). Für den Einzelfall ist eine Steuerberatung der richtige Weg.

Beispiele

  • Beispiel 1, Nische Handwerk: Ein Jugendlicher zeigt auf TikTok, wie er alte Fahrräder restauriert. Die klare Nische macht den Kanal für Fahrradläden als Kooperationspartner interessant.
  • Beispiel 2, ohne Gesicht: Eine Creatorin filmt nur ihre Hände beim Zeichnen und spricht aus dem Off. Gesicht und Privatleben bleiben privat, die Inhalte stehen im Mittelpunkt.
  • Beispiel 3, Bildungskanal: Ein Abiturient erklärt Mathe in kurzen Videos. Einnahmen kommen später eher aus Nachhilfe und eigenen Lernmaterialien als aus Werbung.
  • Beispiel 4, erste Kooperation: Eine Creatorin bekommt Kosmetik zugeschickt und stellt sie vor. Weil sie das Produkt behalten darf, kennzeichnet sie den Beitrag als Werbung.
  • Beispiel 5, Kanal als Portfolio: Ein junger Fotograf nutzt Instagram nicht für Werbedeals, sondern um Auftraggeber/innen zu gewinnen.

In der Praxis

Nische finden. Ein Thema, über das man lange und gern Inhalte machen kann, ist wichtiger als ein Trend. Je klarer die Zielgruppe, desto leichter wächst eine Community.

Plattform wählen. TikTok und Reels leben von kurzen Formaten, YouTube auch von längeren Videos, die lange gefunden werden. Es ist sinnvoll, mit einer Plattform zu beginnen und sie gut zu beherrschen.

Influencer ohne Gesicht. Hände, Voiceover, Animation, Illustration, Bildschirmaufnahmen oder Produktaufnahmen funktionieren ebenso. Das schützt die Privatsphäre, gerade bei Minderjährigen.

Handwerk lernen. Bildgestaltung, Licht, Ton, Schnitt und Storytelling machen den Unterschied zwischen Hobby und Profi. Analytics zeigen, was ankommt.

Regelmäßigkeit. Wer verlässlich veröffentlicht, baut eher Vertrauen auf. Gleichzeitig hilft ein fester Plan, nicht dauerhaft online sein zu müssen.

Schutz und Grenzen. Keine Adresse, keine Schule, keine Tagesabläufe preisgeben. Kommentare moderieren, Hass melden und mit Eltern oder Vertrauenspersonen über unangenehme Nachrichten sprechen.

Plan B. Weil nur wenige vom Influencen leben, ist eine solide Ausbildung oder ein Beruf daneben kein Widerspruch, sondern Absicherung. Viele Fähigkeiten, etwa Content-Strategie, Schnitt und Texten, sind auch in Agenturen und Unternehmen gefragt.

Wer Content professionell lernen will, statt nur Follower zu sammeln, findet an der Lazi Akademie in Esslingen am Neckar den neuen Fachbereich GenAI und Content Creation, eine dreijährige schulische Berufsausbildung mit Schwerpunkten wie Content-Strategie und Social Media, Storytelling für Short-Form, Analytics sowie KI-gestützter Bild-, Video- und Postproduktion; Module zu Ethik und Urheberrecht gehören dazu. Der Abschluss GenAI Designer/in ist ein Abschluss der Lazi Akademie, der Bildungsgang ist nicht staatlich anerkannt, beim Regierungspräsidium Stuttgart angezeigt, anders als die drei staatlich anerkannten Fachbereiche Fotodesign und Digital Imaging, Film und Mediendesign sowie Grafik- und Kommunikationsdesign. Voraussetzung ist Mittlere Reife, Abitur oder eine Ausbildung, ein Portfolio braucht es nicht.

Vergleich & Abgrenzung

Influencer und Content Creator überschneiden sich stark. Der Unterschied liegt im Schwerpunkt: Influencer/innen verdienen vor allem mit ihrer Reichweite und Persönlichkeit, Content Creator mit der Produktion von Inhalten, auch für andere. Mehr dazu im Eintrag Content Creator.

MerkmalInfluencer/inContent CreatorInfluencer Marketing Manager/in
Arbeiteigene Reichweite, KooperationenInhalte für eigene oder fremde Kanäleplant Kampagnen mit Influencer/innen
Einkommenstark schwankendAufträge, Anstellung oder eigene KanäleGehalt in Agentur oder Unternehmen
Einstiegfreifrei, oft mit Ausbildungmeist Ausbildung oder Berufserfahrung im Marketing
Risikohochmittelgering

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Influencer? Das lässt sich nicht pauschal sagen. Laut Goldman Sachs Research (2023) nehmen nur etwa 4 Prozent der Creator/innen weltweit mehr als 100.000 US-Dollar im Jahr ein, die große Mehrheit deutlich weniger. Eine amtliche Statistik für Deutschland gibt es nicht.

Wie werden Influencer bezahlt? Vor allem durch Markenkooperationen, daneben über Werbeprogramme der Plattformen, Affiliate-Provisionen und eigene Produkte. Jede bezahlte oder mit Gegenleistung verbundene Zusammenarbeit muss als Werbung gekennzeichnet werden.

Kann man Influencer ohne Gesicht werden? Ja. Kanäle mit Händen, Stimme, Animation oder Produkten im Bild funktionieren, wenn die Inhalte stark sind. Das schützt die Privatsphäre, besonders für Jugendliche.

Ab welchem Alter darf man Influencer werden? Das Mindestalter legt jede Plattform selbst fest. YouTube nennt in seinen Nutzungsbedingungen 16 Jahre, unter 18 nur mit Erlaubnis der Eltern. Für Verträge und Auszahlungen brauchen Minderjährige ihre Eltern.

Wie fange ich als Influencer an? Mit einem Thema, das dich langfristig begeistert, einer Plattform, regelmäßigen Beiträgen und dem Willen, Bild, Ton und Schnitt zu lernen. Kennzeichnungspflicht und Privatsphäre von Anfang an ernst nehmen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Goldman Sachs Research (2023): The creator economy could approach half-a-trillion dollars by 2027. goldmansachs.com/insights
  • Engels, Barbara (2023): Wie Jugendliche in Deutschland die Creator Economy wahrnehmen, IW-Report Nr. 46. Institut der deutschen Wirtschaft, iwkoeln.de
  • Bundesministerium der Justiz (2026): UWG § 5a; Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) §§ 5, 6; BGB §§ 107, 112; UStG § 19. gesetze-im-internet.de
  • Google (2026): YouTube-Partnerprogramm: Überblick und Voraussetzungen. support.google.com/youtube/answer/72851
  • Google (2026): Altersanforderungen für Google-Konten. support.google.com/accounts/answer/1350409
  • Die Medienanstalten (abgerufen 2026): Leitfaden zur Werbekennzeichnung bei Online-Medien. die-medienanstalten.de
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