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Kostümbildner:innen sind die Erzähler:innen über Kleidung: Sie entwerfen und realisieren die Kostüme aller Figuren eines Films – und machen damit Epoche, Schicht, Persönlichkeit und Entwicklung einer Figur für das Publikum unmittelbar erfahrbar.

Was macht ein:e Kostümbildner:in?

Kostüm im Film ist viel mehr als Kleidung – es ist Charaktersprache. Eine gebügelte Weste, eine zerrissene Jeans, ein Pelzmantel oder ein Militärmantel sagen mehr über eine Figur als mancher Monolog. Kostümbildner:innen verstehen dies zutiefst und arbeiten analytisch und künstlerisch: Sie lesen das Drehbuch, entwickeln Figurenprofile und übersetzen diese in Kleidung, Farben, Materialien und Accessoires.

Die Arbeit ist sehr vielschichtig: von historischer Recherche (für Periodenfilme) über die Organisation des Kostümfundus bis zur engen Zusammenarbeit mit Schauspieler:innen, Regie und Maskenbildner:innen. Im Team führen Kostümbildner:innen die Kostümabteilung (Gewandmeister:in, Kostümassistenz, Schneider:in, Ankleider:in).


Aufgaben am Set / in der Postproduktion

Vorproduktion:

  • Analyse des Drehbuchs: Figurenentwicklung, Epochen, Sozialmilieu
  • Konzept- und Mood-Board-Entwicklung
  • Kostümrecherche (historisch, kulturell, soziologisch)
  • Casting-Anproben und Fitting mit Schauspieler:innen
  • Beschaffung: Kauf, Leihgabe, Eigenanfertigung im Fundus oder bei Schneiderei
  • Budgetplanung und Kostümkalkulation

Am Set:

  • Tägliche Vorbereitung aller Kostüme (Bügeln, Zusammenstellen, Reparatur)
  • Ankleiden der Schauspieler:innen in Zusammenarbeit mit Ankleider:innen
  • Kontinuitätskontrolle (Welches Kostüm trägt welche Figur in welcher Szene?)
  • Schnelle Reparaturen und Ersatz bei Unfällen am Set

Postproduktion:

  • Gelegentliche Zusammenarbeit mit VFX (wenn digitale Kostüme ergänzt werden)
  • Archivierung und Rückgabe von Leihkostümen

Ausbildung & Einstieg

Studium und Ausbildung:

  • HFF München – Studiengang Kostüm (sehr selektiv, renommiert)
  • Filmakademie Baden-Württemberg – Kostümbild als Studienangebot
  • Kunsthochschulen – Modedesign oder Bühnen- und Kostümbild (z. B. Hochschule für Bildende Künste Berlin / Weißensee)
  • Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch – Bühnen- und Kostümbild-Studiengang

Alternativer Einstieg:

  • Schneider-Ausbildung (Maßschneider, Damenschneider) + Filmpraktikum
  • Modedesign-Studium + Wechsel in die Filmbranche über Kostümabteilungen
  • Assistent:innen-Weg: Kostümassistenz → Gewandmeisterin → Kostümbildnerin

Wichtige Institutionen:

  • Kostümfundus-Häuser wie Mosfilm Kostüm, König & Sohn (Berlin), Bavaria Film Kostümfundus

Gehalt & Markt

BereichTagessatz (ca.)
Spielfilm (Kostümbildner:in)500 – 1.500 € / Tag
TV-Produktion / Serienformat400 – 950 € / Tag
Werbefilm / Musikvideo500 – 1.200 € / Tag
Theatermeist Jahresgage, 2.800 – 5.000 € / Monat
Kostümassistenz150 – 350 € / Tag

Der Tarifvertrag Film und Fernsehen setzt Mindesthonorare. In tarifgebundenen Produktionen (ARD, ZDF, größere Kinoproduktionen) greifen die ver.di-Rahmenvereinbarungen.


Tools & Ausrüstung

  • Zeichnen / Entwurf: Procreate, Adobe Illustrator, traditionelles Zeichnen und Aquarell
  • Recherchedatenbanken: Pinterest, Europeana (historische Bildarchive), Getty Images
  • Kostümverwaltung: Filemaker Pro (Kostümliste), Excel/Google Sheets für Drehbuchabgleich
  • Set-Kommunikation: Walkie-Talkies, Kostüm-Call-Sheets
  • Nähmaschinen, Scheren, Schneiderzubehör am Set für Sofortreparaturen

Vergleich & Abgrenzung

RolleUnterschied zur Kostümbildnerin
Gewandmeister:inTechnische Umsetzung der Entwürfe; Leitung des Kostüm-Werkstattbereichs
KostümassistenzUnterstützung bei Organisation und Set-Logistik
Maskenbildner:inZuständig für Haare, Make-up und SFX-Make-up; komplementäre Rolle
Produktionsdesigner:inÜbergeordnete visuelle Verantwortung; Kostüm ist ein Teilgewerk

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich selbst schneidern können, um Kostümbildner:in zu werden? Grundkenntnisse im Schneidern sind sehr hilfreich und oft Bestandteil der Ausbildung. Auf höherem Karriereniveau geht es jedoch primär um Design, Konzept und Teamführung – die handwerkliche Ausführung übernehmen Gewandmeister:innen und Schneider:innen.

Wie unterscheidet sich Kostüm im Theater vom Filmkostüm? Im Theater müssen Kostüme von der Bühne und oft aus großer Distanz wirken – Materialien, Farben und Texturen werden daher anders gewählt. Im Film zählt die Nahaufnahme: Feine Details und Materialqualitäten treten stark in den Vordergrund. Außerdem muss Filmkostüm über Drehtage hinweg exakt reproduzierbar sein (Continuity).


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Filmkostüm Association Deutschland: Fachverband für Kostümbildner:innen
  • Deborah Nadoolman Landis: Dressed – A Century of Hollywood Costume Design, HarperCollins
  • Sandy Powell / Christopher Laverty: Cinema Chic: The Films That Inspired Fashion, Wellfleet Press
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Kostümbildner:in im Film – Kleidung als Charaktersprache — Wiki | Lazi Akademie Esslingen