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Regisseur:innen sind die künstlerischen Gesamtverantwortlichen einer Film- oder Fernsehproduktion. Sie übersetzen das Drehbuch in eine audiovisuelle Sprache – und führen dabei das gesamte kreative Team, von der Kamera über das Schauspiel bis zur Postproduktion.

Was macht ein:e Regisseur:in?

Die Regie ist das Herzstück jeder narrativen Film- oder Fernsehproduktion. Regisseur:innen definieren die dramaturgische Lesart eines Stoffs, arbeiten mit den Schauspieler:innen an den Figuren und ihren Motivationen, entwickeln gemeinsam mit dem DoP die visuelle Sprache und begleiten das Projekt von der ersten Drehbuchbesprechung bis zum finalen Schnitt.

In der Praxis ist die Rolle eine Mischung aus künstlerischer Vision und pragmatischer Führungsarbeit: Auf dem Set müssen täglich hunderte von Entscheidungen getroffen werden – unter Zeitdruck und Budgetlimits. Gleichzeitig tragen Regisseur:innen die Verantwortung für die künstlerische Kohärenz des Gesamtwerks.

Regisseur:innen arbeiten in allen Formaten: Kinofilm, TV-Movie, Serie, Dokumentarfilm, Werbefilm, Musikvideo, Kurzfilm und zunehmend in Streamingformaten (Netflix, Amazon, Disney+).


Aufgaben am Set / in der Postproduktion

Entwicklungsphase:

  • Einarbeitung in das Drehbuch, dramaturische Analyse
  • Zusammenarbeit mit Autor:in und Produzent:in bei Stoffentwicklung
  • Casting-Entscheidungen (gemeinsam mit Casting Director)
  • Besetzung der Hauptgewerke (DoP, Produktionsdesign, Ton)

Vorproduktion:

  • Drehkonzept entwickeln, Storyboards und Shotlists erstellen
  • Proben mit Schauspieler:innen
  • Motivation und Analyse der Figuren mit dem Ensemble

Am Set:

  • Leitung der Dreharbeiten, Schauspielerführung
  • Kommunikation mit allen Gewerken (Kamera, Ton, Licht, Set-Dressing)
  • Freigabe von Einstellungen und Takes
  • Zeitmanagement und Tagesplan im Blick behalten

Postproduktion:

  • Schnittkontrolle im Rohschnitt und Director's Cut
  • Abnahme von Musik, Sounddesign und Mischung
  • Abnahme von Farbkorrektur und VFX
  • Presse- und Festivalarbeit

Ausbildung & Einstieg

Filmhochschulen in Deutschland:

  • HFF München – einer der traditionsreichsten Regie-Studiengänge; sehr selektiver Aufnahmeprozess mit Mappe, Selbstpräsentation und praktischer Prüfung
  • DFFB Berlin – stark praxisorientiert, Regiestudium mit Kurzfilmprojekten ab dem ersten Jahr; Studienplätze extrem begrenzt
  • ifs Köln – praxisorientierter Studiengang Regie; enge Vernetzung mit der deutschen Serienproduktion
  • Filmakademie Baden-Württemberg – gilt als besonders gut vernetzt mit der Werbefilm- und Spielfilmindustrie
  • Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf – einzige Filmuniversität in Deutschland mit Promotionsrecht; starke Forschungskomponente

Einstieg ohne Filmhochschule: Der sogenannte „Weg durch das Gewerk" ist möglich: Als Regie-Hospitant:in → Regieassistent:in (2nd AD → 1st AD → Regisseur:in). Dieser Weg ist lang (10–15 Jahre) und erfordert ein sehr aktives Netzwerk.

Kurzfilme im Selbst-Initiativbereich sind entscheidend: Viele Regisseur:innen debütieren mit unabhängigen Kurzfilmen bei Festivals (Kurzfilmfestival Hamburg, Filmfest München, Oberhausen).


Gehalt & Markt

Das Einkommen schwankt enorm zwischen Berufsanfänger:innen und etablierten Namen.

BereichTagessatz (ca.)
TV-Film / ARD-ZDF-Produktion1.200 – 2.500 € / Drehtag
Spielfilm (mittleres Budget)1.500 – 5.000 € / Drehtag
Werbefilm2.000 – 10.000 € / Drehtag
Serienregie (Episode)pauschale Episodengage, 8.000 – 50.000 €
Kurzfilm / Debütoft Mindestgage oder symbolisch

Grundlage ist häufig der Normalvertrag Film (NVF) bzw. Tarifvereinbarungen mit ver.di. Für Regie im öffentlich-rechtlichen Bereich gibt es Gagenrahmenvereinbarungen.

Der Verband Deutscher Filmregisseure (BVR) vertritt die beruflichen Interessen.


Tools & Ausrüstung

  • Storyboard-Software: Shot Designer, Storyboarder, Toon Boom Storyboard Pro
  • Drehbuch-Software: Final Draft, WriterDuet, Celtx
  • Set-Management: Movie Magic Scheduling, Setkeeper
  • Kommunikation am Set: Walkie-Talkie, Monitor-Stationen, Talkback-Anlage
  • Referenzbilder & Moodboards: Pinterest, Behance, spezialisierte Cinematography-Datenbanken

Vergleich & Abgrenzung

RolleUnterschied zur Regie
Produzent:inVerantwortet Budget und Finanzierung, gibt Regie den Rahmen vor
1st AD (1st Assistant Director)Setzt Drehplan um, verantwortet Ablauf am Set – entlastet die Regie
DoPSetzt die visuelle Vision der Regie in Bilder um
Script SupervisorÜberwacht Kontinuität, ist direkte Unterstützung der Regie

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich unbedingt eine Filmhochschule, um Regie zu führen? Formal nein. Viele Filmemacher:innen haben sich autodidaktisch entwickelt. In der deutschen Kinolandschaft gilt jedoch ein Hochschulabschluss als wichtiges Signal – und vor allem das Netzwerk aus der Filmhochschule ist für den Berufseinstieg entscheidend.

Wie lange dauert es, bis man als Regisseur:in leben kann? Realistisch 8–15 Jahre nach dem Studium, bis stabile Auftragslagen entstehen. Die meisten Regisseur:innen kombinieren in der Anfangsphase Auftragsarbeiten (Werbung, Musikvideo, Imagefilm) mit eigenen Projekten.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Bundesverband Regie (BVR): bundesverband-regie.de
  • Judith Weston: Directing Actors, Michael Wiese Productions
  • Kerstin Stutterheim / Silke Kaiser: Handbuch der Filmdramaturgie, Springer VS
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