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Script Supervisors – traditionell auch „Continuity" oder „Script Girl" genannt – sind die wichtigste dokumentarische Instanz am Filmset: Sie protokollieren jeden Take, sichern die Continuity und sind das entscheidende Bindeglied zwischen Dreh und Postproduktion.

Was macht ein:e Script Supervisor?

Der oder die Script Supervisor ist das Gedächtnis des Sets. Da Filme selten in chronologischer Reihenfolge gedreht werden, entsteht sonst ein chaotisches Bild: Ein Glas Wein, das in Szene 7 halb voll ist, muss beim Dreh von Szene 8 (die vielleicht drei Wochen später gedreht wird) exakt gleich voll sein. Die Jacke einer Figur, die von rechts ins Bild kommt, muss aus demselben Winkel wieder erscheinen, wenn der Schnitt zwischen zwei Einstellungen funktionieren soll.

All diese Details – Kostüm, Requisiten, Frisur, Körperposition, Belichtung, Handachsen, Seitenverhältnisse, Dialoge – werden vom Script Supervisor in Echtzeit dokumentiert. Dazu kommen technische Daten: Kameranummer, Objektiv, Einstellungsgröße, Take-Empfehlung für den Editor.

Die Script Supervisorin ist neben der Regie die Person am Set, die immer das Gesamtbild im Blick hat.


Aufgaben am Set / in der Postproduktion

Vorproduktion:

  • Intensives Drehbuchlesen und Szenenanalyse
  • Erstellen des „breakdown": Zeitliche Struktur der Geschichte (Wochentage, Tageszeiten)
  • Einstellungsliste vorbereiten, klärendes Gespräch mit der Regie

Am Set:

  • Take-Protokollierung: Jeder Dreh-Take wird mit Angaben zu Kamera, Objektiv, Einstellungsgröße, Timecode und Qualitätsbewertung dokumentiert
  • Continuity-Kontrolle: Fotos und Notizen zu Kostüm, Haaren, Requisiten, Position von Personen und Objekten
  • Achsenregel: Kontrolle der filmischen Achsen (Blickachse, Bewegungsachse), damit Schnitte funktionieren
  • Dialog-Kontrolle: Abweichungen vom Drehbuch festhalten
  • Empfehlungen: Dem Editor mitteilen, welche Takes besonders gelungen sind

Postproduktion:

  • Übergabe der Protokolle (Continuity-Sheets) an die Schnittabteilung
  • Gelegentliche Konsultation bei Fragen aus der Postproduktion

Ausbildung & Einstieg

Es gibt in Deutschland keinen eigenen Studiengang für Script Supervisors. Typische Einstiegswege:

Über Filmhochschulen:

  • HFF München, DFFB Berlin, ifs Köln, Filmakademie Ludwigsburg – Script Supervision wird im Rahmen von Regie- oder Produktionsstudiengängen als Funktion gelehrt; erfahrene Student:innen übernehmen diese Rolle in Studienprojekten

Assistent:innen-Weg:

  • Volontariat / Hospitanz am Set → Protokollassistenz → Script Supervisor

Internationale Ausbildung:

  • CILECT-Mitgliedshochschulen (z. B. London Film School) bieten spezifischere Ausbildungen an
  • IATSE Local 871 (USA) – Script Supervisors Guild (für internationale Orientierung)

Wichtigste Voraussetzungen:

  • Hervorragendes Gedächtnis und Aufmerksamkeit für Details
  • Gründlichkeit und Schnelligkeit unter Druck
  • Technisches Filmverständnis (Einstellungsgrößen, Achsensystem, Schnittlogik)
  • Kommunikationsstärke (täglicher Kontakt mit Regie, Kamera, Kostüm, Maske)

Gehalt & Markt

BereichTagessatz (ca.)
Spielfilm350 – 700 € / Tag
TV-Serie / TV-Film300 – 600 € / Tag
Werbefilm350 – 700 € / Tag
Protokollassistenz120 – 250 € / Tag

Der Beruf ist sehr nischenspezifisch, jedoch auf jeder ernsthaften Produktion unverzichtbar. In Deutschland ist der Tarifvertrag für Film (ver.di) Grundlage für tarifgebundene Produktionen.


Tools & Ausrüstung

  • Protokoll-Software: ScriptE (iOS, Branchenstandard), Scriptation, Movie Slate 8
  • Drehbuch-App: Final Draft Reader, Highland 2
  • Fotodokumentation: Smartphone oder Digitalkamera für Continuity-Fotos
  • Notizbuch und Stoppuhr: Klassische Werkzeuge, immer noch im Einsatz
  • iPad/Tablet: Für digitale Protokollführung (ScriptE läuft auf iPad)

Vergleich & Abgrenzung

RolleUnterschied zum Script Supervisor
1st ADSetzt Drehplan um und führt das Set-Team; gibt Arbeitsrahmen vor
Regieassistenz (2nd AD)Verwaltet Call-Sheets und Cast-Logistik; kein dramaturgisches Protokoll
Aufnahmeleiter:inExterne Logistik; kein Continuity-Bezug
Filmeditor:inEmpfängt die Protokolle; nutzt sie zur Orientierung im Material

Häufige Fragen (FAQ)

Warum heißt es „Script Girl", wenn der Beruf geschlechtsneutral ist? Historisch war der Beruf in der frühen Filmgeschichte fast ausschließlich von Frauen besetzt – ein Relikt der Aufgabenteilung am Set. Heute sind alle Geschlechter vertreten, und der Begriff „Script Supervisor" hat sich international durchgesetzt. In Deutschland wird oft einfach „Continuity" verwendet.

Ist Script Supervision auch für kleinere Produktionen relevant? Ja – auch für Kurzfilme und kleinere Produktionen ist eine Form der Continuity-Dokumentation wichtig. Ohne sie entstehen im Schnitt oft gravierende Fehler, die teuer zu beheben sind. Für sehr kleine Projekte übernimmt oft die Regieassistenz diese Aufgabe.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Script Supervisors Association (UK): Berufsverband mit Ressourcen und Mentoring
  • Pat P. Miller: Script Supervising and Film Continuity, Focal Press
  • Continuity Toolbox (Online-Ressource für Script Supervisors)
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