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Editorial- und Magazinfotograf/in ist ein Beruf, der auf die Produktion von Fotografien für Druckmedien und digitale Publikationen spezialisiert ist, von Modestrecken und Porträtreportagen bis zu Sachbildern und Illustrationsfotos.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Foto-Berufe · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Redaktionsfotograf/in, Magazinfotografin, Feature-Fotograf/in

Was ist Editorial-Fotografie?

Editorial-Fotografie bezeichnet alle Fotografien, die redaktionellen Inhalten dienen, also Bilder, die eine Geschichte erzählen oder einen Text illustrieren, ohne primär Werbezwecken zu dienen. Typische Auftraggeber sind Zeitschriften (z. B. Stern, Zeit Magazin, Spiegel), Onlinemedien, Verlagshäuser sowie Corporate-Publisher, die Kundenmagazine produzieren.

Erklärung

Editorial-Fotograf/innen arbeiten entweder direkt im Auftrag einer Redaktion (Auftragsfotografie) oder produzieren eigenständige Strecken, die sie Redaktionen anbieten. Ein weiterer Einkommenskanal ist der Vertrieb von Archivbildern über Stockfoto-Agenturen wie Getty Images, picture alliance oder laif.

Bildstrecken und Konzept: Ein klassischer Redaktionsauftrag beginnt mit einer Themenabsprache zwischen Fotoredaktion und Fotograf/in. Dann folgt Motiv-Recherche, Location-Scouting, Kasting (bei Menschen-Fotos) sowie die eigentliche Produktion. Bearbeitete Bilder werden in hoher Auflösung mit vollständigen IPTC-Metadaten geliefert.

Lizenzrecht: Editorial-Nutzungslizenzen sind günstiger als kommerzielle Lizenzen, erlauben aber keine Werbenutzung. Fotografen müssen Verträge sorgfältig prüfen: Buyout-Verträge (einmalige Pauschalzahlung für alle Rechte) sind für Urheber oft nachteilig. Empfehlenswert sind Verträge mit klarer Nutzungsart, -dauer und -region.

Stockfoto-Vertrieb: Neben Auftragsarbeiten produzieren viele Editorial-Fotograf/innen gezielt Bilder für Stockfoto-Plattformen. Redaktionell nutzbare Stockfotos (z. B. Politikerfotos, Veranstaltungsbilder) erzielen zwar geringere Einzellizenzgebühren als kommerzielle Stockfotos, bieten aber ein passives Einkommensmodell.

Ausbildungsweg: Üblicherweise Fotografenausbildung (IHK) oder Fotodesignstudium, ergänzt durch Volontariate bei Zeitschriften oder Bilddiensten. Hospitanzen in Redaktionen und der Aufbau eines Portfolios mit Strecken-Charakter sind entscheidend für den Berufseinstieg.

Gehaltsspanne: Tageshonorare für Redaktionsaufträge liegen je nach Publikation und Aufwand zwischen 400 und 1.200 Euro (zzgl. Spesen). Festangestellte Redaktionsfotograf/innen verdienen 2.500–3.800 Euro brutto monatlich. Stockfoto-Einnahmen variieren stark und bilden selten das alleinige Einkommen.

Beispiele

  • Bildstrecke über den Wandel einer deutschen Industriestadt (6-seitige Reportage im Magazin)
  • Modeshooting für ein Frauenmagazin (Look-Book-Stil, Model, Styling, Studio + Outdoor)
  • Wissenschaftliche Illustration: Abbildung von Laborarbeiten für ein Medizinmagazin
  • Lizenzfreies Stockfoto-Paket über nachhaltiges Stadtleben für Nachrichtenportale

In der Praxis

Typischer Produktionsprozess:

  1. Redaktionsbriefing: Thema, Format, Seitenzahl, Abgabetermin
  2. Recherche und Konzeptentwicklung (Motive, Personen, Orte)
  3. Produktion (1 Tag bis mehrere Wochen bei Reportageprojekten)
  4. Bildbearbeitung und Metadatenvergabe (IPTC: Titel, Caption, Copyright)
  5. Lieferung über FTP, WeTransfer oder redaktionseigenes Bildverwaltungssystem
  6. Abrechnung und Lizenzvertrag

Schlüsselkompetenzen: Erzählerisches Denken, Recherchefähigkeit, Kenntnis des Medienrechts (Bildrecht, Recht am eigenen Bild), sichere Beherrschung von Lightroom und Photoshop, Metadaten-Workflows (IPTC/XMP), Netzwerk in Redaktionen.

Vergleich & Abgrenzung

Editorial-Fotografie unterscheidet sich von Werbefotografie grundlegend durch den Verwendungszweck: Werbung zielt auf Absatz, Editorial auf Information und Unterhaltung. Rechtlich bedeutet das, dass Model-Releases bei rein redaktioneller Nutzung unter bestimmten Bedingungen nicht zwingend erforderlich sind, bei Werbung jedoch immer. Im Unterschied zum Fotojournalismus ist die Editorial-Fotografie weniger auf tagesaktuelles Geschehen ausgerichtet und erlaubt mehr inszenierte Bildsprache.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie unterscheidet sich editorial von kommerziell bei Stockfoto-Lizenzen? Editorial-Lizenzen erlauben Nutzung in redaktionellen Medien (Zeitungen, Bücher, Dokumentationen), aber nicht in Werbung, Verpackungen oder Produktkatalogen.

Kann ich als Editorial-Fotograf/in allein von Stockfotos leben? Nur in Ausnahmefällen. Die meisten Profis kombinieren Auftragsarbeit mit Stockfoto-Vertrieb.

Welche Metadaten müssen Bilder enthalten? Mindestens: Copyright-Vermerk, Name des Fotografen, Datum, kurze Caption, Stichwörter, idealerweise nach IPTC-Standard.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Langford, Michael; Fox, Anna; Sawdon Smith, Richard: Langford's Basic Photography. Focal Press, 10. Aufl. 2016.
  • Vereinigung der Deutschen Fotoagenturen (VDF): Honorarempfehlungen für redaktionelle Fotografie. vdf.de, 2022.
  • Getty Images: Editorial Content Guidelines. gettyimages.de, 2024.
  • Sächl, Jasmin: Bildrecht kompakt: Fotorecht für Fotografen und Redakteure. dpunkt.verlag, 2021.
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