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Game-Journalist:innen berichten redaktionell über die Spielebranche – sie verfassen Reviews, Reportagen, Interviews, Previews und Analysen für Printmagazine, Onlineportale, Podcasts und audiovisuelle Formate; Spielekritiker:innen nehmen dabei eine wertende Perspektive ein.

Was macht ein:e Game-Journalist:in?

Spielejournalismus ist ein Teilbereich des Kulturjournalismus mit eigenen Formaten, Geschwindigkeitsanforderungen und Ethikdebatten:

Review-Schreiben: Die klassischste Form des Spielejournalismus – ein vollständig oder weitgehend gespieltes Spiel wird analysiert und bewertet. Gute Reviews gehen über Beschreibung hinaus: Sie analysieren Designentscheidungen, verorten ein Spiel im kulturellen Kontext und begründen Wertungen argumentativ.

Nachrichtenberichterstattung: Game-Journalist:innen berichten über Branchennews: Ankündigungen, Firmenkäufe (Microsoft/Activision), Kontroversen, Messen (gamescom, E3/Summer Game Fest), Entwicklerinsolvenz. Schnelligkeit und Quellenkritik sind hier zentral.

Features und Reportagen: Tiefergehende Texte über Spieledesign, Entwicklerporträts, kulturelle Analysen (Darstellung von Frauen in Spielen, Toxizität in Multiplayer-Communitys) oder wirtschaftliche Hintergründe (Crunch-Kultur, Mikrotransaktionen).

Preview-Journalismus: Vor dem Release wird Presse oft zu exklusiven Vorschauen (Preview Events) eingeladen. Preview-Texte balancieren zwischen Informationsvermittlung und kritischer Distanz – eine journalistisch anspruchsvolle Situation.

Audiovisuelle Formate: Immer mehr Spielejournalismus findet auf YouTube, Twitch und in Podcasts statt. Videoessays, Kritik-Formate und analytische Streams sind eigenständige journalistische Ausdrucksformen.

Ausbildung & Einstieg

Der Einstieg in Spielejournalismus erfordert Hartnäckigkeit – die Branche ist klein und schlecht bezahlt:

  • Journalismusstudium: Universität Dortmund (Institut für Journalistik), Universität Leipzig, Hochschule Macromedia – Grundlage für methodisches Journalismus-Handwerk
  • Volontariat: Klassischer Weg in deutschen Medien; Computec Media (PC Games, GameStar), Webedia (IGN Deutschland), GamePro
  • Blog/Eigenpublikation: Viele Spielejournalist:innen starten mit eigenem Blog oder YouTube-Kanal als Portfolioaufbau
  • Freie Mitarbeit: Eingesendete Artikel an Redaktionen, oft ohne Bezahlung zu Beginn

Die GameStar und PC Games gehören zu den größten deutschen Spielemedien; internationale Ziele sind IGN, Eurogamer, Kotaku, Polygon. Das Netzwerk der Spielejournalist:innen ist klein – Kontakte auf der gamescom und Game-PR-Events sind wichtiger als anderswo.

Gehalt & Markt

Spielejournalismus ist schlecht bezahlt, mit Ausnahmen für etablierte Formate:

  • Freie:r Autor:in (Anfang): 30–100 € pro Artikel; viele Redaktionen zahlen unter Mindestlohn-Äquivalent
  • Festangestellte:r Redakteur:in: 28.000–40.000 € brutto/Jahr in Deutschland
  • Leitende Redakteur:in / Chefredakteur:in: 40.000–60.000 € brutto/Jahr
  • Erfolgreicher YouTube-Kanal / Podcast: Variabel; bei 100.000+ Abonnenten sind 50.000–200.000 €/Jahr möglich

Die wirtschaftliche Lage des Spielejournalismus ist seit 2015 unter Druck: Stellenabbau bei GameStar, GamesIndustry, Kotaku USA; viele journalistische Stimmen verlagern sich auf Substack, Patreon oder YouTube.

Tools & Skills

  • Schreiben: Exzellente deutsche Sprache, argumentative Textstruktur, Genrespezifisches Vokabular
  • Content-Management-Systeme: WordPress, TYPO3, Hubspot
  • Video/Audio: Final Cut Pro, Adobe Premiere, Audacity (für Podcast und YouTube-Formate)
  • SEO-Grundkenntnisse: Für Online-Publizistik fast unverzichtbar
  • Tiefes Spielewissen über Genres, Entwicklungsgeschichte und Marktkontext

Vergleich & Abgrenzung

Game-Journalist:in vs. Game-Influencer:in: Journalist:innen unterliegen redaktionellen Standards (Quellentransparenz, Interessenkonflikte offenlegen, Trennung von Werbung und Redaktion). Influencer produzieren Content ohne diese normativen Bindungen – aber auch ohne deren Schutz.

Game-Journalist:in vs. PR-Texter:in: Game-PR-Fachleute schreiben im Auftrag von Studios und Publishern – werbende Texte, keine journalistischen. Die Grenze ist in der Praxis manchmal verschwommen, was zu Ethikdebatten führt.

Häufige Fragen (FAQ)

Bekomme ich als Spielejournalist:in kostenlose Spiele? Review Keys (kostenlose Zugänge zu Spielen) sind gängige Praxis – aber sie sind keine Vergünstigung, sondern Arbeitsmaterial. Ethisch korrekter Spielejournalismus kennzeichnet, wie ein Spiel zur Verfügung gestellt wurde.

Wie baue ich mir eine Reputation als Spielejournalist:in auf? Konsequente Eigenpublikation (Blog, YouTube, Substack), aktive Vernetzung in der Community, Einreichungen bei bestehenden Redaktionen und Geduld. Reputation entsteht durch nachweislich qualitativ hochwertige Arbeit über Zeit.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Netzwerk Recherche (netzwerkrecherche.de) – Journalismusverband
  • Pressespiegel Spielejournalismus: GameStar (gamestar.de), IGN Deutschland (ign.com/de)
  • GDC Game Narrative Summit: Journalismus-Panels (gdcvault.com)
  • „Press Reset" von Jason Schreier – über die Instabilität der Spielebranche
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