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Podcaster produzieren und veröffentlichen regelmäßig Audio-Episoden zu einem Thema, bauen eine Hörer-Community auf und monetarisieren ihr Format über Sponsoring, Abonnements oder Exklusivdeals.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Karriere & Ausbildung · Niveau: Einsteiger


Was macht ein/eine Podcaster/in?

Podcasting ist eine der niedrigschwelligsten Formen des Content Creatings: Im Prinzip braucht man nur ein Mikrofon, eine Aufnahme-App und ein Thema. Die Hürde zum Start ist gering – aber die Hürde zum professionellen, einkommensträchtigen Podcast ist erheblich. Erfolgreiches Podcasting erfordert konstante Veröffentlichungsrythmen, hohes Produktionsniveau, ein klar definiertes Nischenthema, aktives Marketing und eine Monetarisierungsstrategie.

Podcaster sind in der Regel selbstständig. Manche werden fest von Sendern oder Netzwerken angestellt (z. B. ARD Audiothek, Spotify Studios), aber die Mehrheit der Podcast-Macher arbeitet auf eigene Rechnung – entweder als Hauptberuf oder Nebenprojekt.


Tätigkeiten und Aufgaben

  • Recherche und Konzeption: Episodenthemen recherchieren, Gesprächsleitfäden vorbereiten, Gäste akquirieren
  • Aufnahme: Interviews oder Solopodcasts aufnehmen (Zuhause-Studio oder Remote via Riverside.fm, Zencastr)
  • Postproduktion: Schnitt (Auditioning, GarageBand, Reaper, Hindenburg Journalist), Equalisierung, De-Noising
  • Publishing: Auf Hosting-Plattform hochladen (Podigee, Buzzsprout, Podbean), RSS-Feed für alle Plattformen (Spotify, Apple Podcasts, Deezer) pflegen
  • Marketing: Show Notes schreiben, Social-Media-Clips erstellen (Audiogramme), Newsletter an Hörer
  • Monetarisierung: Sponsoren-Deals managen, Exklusiv-Inhalte für Bezahlsegmente produzieren

Der Weg vom Hobby zum professionellen Podcast

Phase 1: Hobby-Phase (0–1 Jahr)

  • Nische definieren, Format und Länge festlegen
  • Equipment auf Einstiegsniveau (Rode NT-USB Mini, ca. 100 €; oder Shure MV7, ca. 250 €)
  • Erste 10–20 Episoden veröffentlichen, Feedback sammeln
  • Hörerzahlen: typisch 100–2.000 Downloads/Episode am Anfang

Phase 2: Wachstumsphase (1–3 Jahre)

  • Konsistenter Veröffentlichungsrhythmus (wöchentlich oder zweiwöchentlich)
  • Newsletter-Liste aufbauen (Mailchimp, Mailerlite – kostenlos bis 1.000 Abonnenten)
  • Erste Kooperationen mit anderen Podcasts (Cross-Promotion)
  • Hörerzahlen: 2.000–20.000 Downloads/Episode

Phase 3: Monetarisierungsphase (ab ca. 5.000 Downloads/Episode)

Sponsoren werden auf Podcasts mit nachweisbaren Download-Zahlen aufmerksam. Dieser Schwellenwert ermöglicht erste kommerzielle Deals.


Monetarisierungsquellen für Podcaster

1. Podcast-Sponsoring (Haupteinnahme für größere Podcasts)

Werbespots im Podcast-Format: Pre-Roll (vor Beginn), Mid-Roll (in der Mitte), Post-Roll (am Ende).

Marktübliche CPM-Sätze (Cost per Mille = pro 1.000 Downloads):

  • Pre-Roll (30 Sek.): 15–25 € CPM
  • Mid-Roll (60 Sek.): 25–40 € CPM
  • Exklusiv-Werbespot (Host-Read, persönlich eingesprochen): 30–60 € CPM

Beispielrechnung: Podcast mit 10.000 Downloads/Episode × 2 Episoden/Monat × 1 Mid-Roll à 30 € CPM = 600 €/Monat

Erste Sponsoren finden:

  • Direkte Anfrage bei passenden Marken
  • Podcast-Vermarktungsagenturen: Podstars (Hamburg), Acast Marketplace, Spotify Audience Network
  • Eigene Media Kit erstellen (Hörerzahlen, Demografik, Engagementwerte)

2. Exklusive Plattform-Deals

Podimo (dänisch-europäische Plattform):

  • Podimo ist ein Bezahl-Podcast-Dienst, der exklusive oder simultane Podcast-Inhalte lizenziert
  • Creator-Programm: Podimo bezahlt für Exklusivrechte oder Windowing-Rechte; Bedingungen projektabhängig
  • Reichweite in Deutschland wächst; gut für News, True Crime, Education-Nischen

Audible Originals (Amazon):

  • Amazon Audible produziert und vertreibt exklusive Audio-Inhalte
  • Bewerbung über das Audible Originals Programm möglich; strenge Auswahl
  • Vergütung: projektbasiert, keine öffentlich bekannten fixen Sätze

Spotify Exclusive Deals:

  • Spotify hat zwischen 2019–2024 stark in Exklusiv-Deals investiert (z. B. Joe Rogan für ~200 Mio. USD); Markt für unbekannte Podcaster aber kaum zugänglich

3. Patreon / Steady / Memberful (Community-Finanzierung)

  • Hörer zahlen monatliche Beträge (2–15 €/Monat) für Extras: Bonus-Episoden, werbefreie Version, Early Access, Merch
  • Steady.de ist die deutsche Alternative zu Patreon und für deutsche Datenschutz-Anforderungen optimiert
  • Realistische Einnahmen: 50 Zahler à 7 € = 350 €/Monat netto nach Plattformgebühren

4. Live-Events und Meetups

Beliebte Podcasts können Live-Aufnahmen vor Publikum organisieren (ab ca. 20.000 Downloads/Episode realistisch).


Equipment und Kosten

SetupEquipmentKosten
EinsteigerRode NT-USB Mini + GarageBand (Mac)~100 €
Semi-ProShure MV7 + Focusrite Scarlett Solo + Reaper~400 €
ProfessionellElectro-Voice RE20 + RodeCaster Pro II~900 €
Studio-LevelNeumann BCM 705 + professionelle Dämmungab 2.500 €

Gehalt / Einnahmen

Podcast-GrößeDownloads/EpisodeMonatliche Einnahmen (Schätzung)Quelle
Micro Podcast200–1.0000–50 €Podstars-Marktbericht 2024
Klein1.000–5.00050–300 €Podstars-Marktbericht 2024
Mittel5.000–25.000300–2.500 €Podstars-Marktbericht 2024
Groß25.000–100.0002.500–12.000 €Stepstone / Podstars 2024
Top 1 %100.000+12.000–100.000+ €Podstars-Marktbericht 2024

Ausbildungswege und relevante Hintergründe

Podcasting ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Relevante Ausbildungshintergründe:

  • Journalismus (Volontariat oder Studium) – Recherche, Interviewführung, Faktensicherheit
  • Tontechnik / Audio Engineering – Produktionsqualität, Schnitt, Mastering
  • Moderation / Schauspiel – Stimme, Sprechtechnik, Wirkung
  • Marketing/BWL – Monetarisierung, Sponsoring-Verhandlungen

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Downloads brauche ich, bevor ich Sponsoren ansprechen kann? Es gibt keine feste Schwelle, aber die meisten Sponsoren wollen mindestens 2.000–5.000 Downloads pro Episode sehen. Nischenpodcasts mit sehr spitzer Zielgruppe (z. B. B2B-Themen, medizinische Fachgruppen) können auch mit kleineren Zahlen attraktiv sein, wenn die Hörer gut zur Marke passen.

Ist Podimo eine gute Einnahmequelle für neue Podcaster? Podimo ist aktuell für establierte Podcasts mit bestehender Hörerschaft zugänglicher. Neulinge haben kaum Chancen auf einen Podimo-Deal. Besser ist es, zunächst organisch auf offenen Plattformen (Spotify, Apple Podcasts) zu wachsen und Podimo als optionale Monetarisierungsstufe nach 1–2 Jahren zu erwägen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Podstars by OMR: Deutschlands führende Podcast-Vermarktungsagentur mit Marktberichten (podstars.de)
  • Podcast.de Community – Deutschsprachiges Forum für Podcaster
  • Podcast Insights – Branchenstatistiken und Wachstumstrends (podcastinsights.com)
  • Riverside.fm – Remote-Aufnahme in Studioqualität; beliebt für Interview-Podcasts
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