Informationsdesigner:in ist ein:e Gestalter:in, der oder die komplexe Daten, Fakten und Zusammenhänge durch visuell-grafische Mittel so aufbereitet, dass sie für ein breites Publikum schnell und korrekt verständlich werden.
Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Kreativberufe · Niveau: Einsteiger
Auch bekannt als: Information Designer, Data Visualization Designer, Dataviz Specialist, Infografik-Designer:in, Visual Journalist
Was macht ein:e Informationsdesigner:in?
Informationsdesign steht an der Schnittstelle von Gestaltung, Kommunikation und Datenanalyse. Informationsdesigner:innen nehmen komplexe Sachverhalte – Statistiken, Forschungsergebnisse, Prozessabläufe, geografische Daten – und verwandeln sie in Diagramme, Infografiken, Karten und interaktive Visualisierungen, die auf einen Blick verstanden werden können.
Einsatzfelder: Journalismus (Datenjournalismus, Nachrichteninfografiken), Corporate Publishing (Jahresberichte, Geschäftsdaten), NGOs (Policy-Visualisierungen), Beratungsunternehmen, Tech-Unternehmen (Dashboards, Analytics-Produkte) und öffentliche Verwaltung.
Aufgaben & Verantwortlichkeiten
- Analyse und Aufbereitung von Rohdaten (CSV, Excel, API-Daten)
- Konzeption der visuellen Darstellungsform (Diagrammtyp, Karte, Zeitleiste, Flowchart)
- Gestaltung von Print-Infografiken, animierten Infografiken und interaktiven Dashboards
- Zusammenarbeit mit Redaktionen, Datenwissenschaftler:innen und Statistiker:innen
- Qualitätssicherung: Daten korrekt und unverzerrend darstellen
- Responsives Design für multimediale Infografiken (Web, Mobile)
- Erstellung von Standard-Visualisierungs-Templates für Redaktionen oder Unternehmen
- Dokumentation von Datenquellen und Methodik
Typischer Arbeitstag
Informationsdesigner:innen wechseln zwischen Datensichtung und -bereinigung, konzeptioneller Arbeit (welche Darstellungsform passt zu diesen Daten?) und visueller Ausarbeitung. In Redaktionen herrscht oft Zeitdruck – Infografiken für aktuelle Nachrichten müssen schnell entstehen. In Agenturen oder Unternehmenskontexten sind die Zyklen länger und konzeptionell tiefer.
Ausbildung & Einstieg
Studium
- Informationsdesign: HS Hannover (einer der wenigen spezifischen Studiengänge in DE)
- Kommunikationsdesign mit Visualisierungsschwerpunkt: HAW Hamburg, HS Augsburg
- Daten- und Informationsvisualisierung: Royal College of Art London (MA), Parsons NYC (international führend)
- Datenjournalismus: HS Macromedia, Georg-von-Vollmar-Akademie (Weiterbildung)
Quereinstieg
- Übergang aus Journalismus, Statistik, Sozialwissenschaften oder Grafikdesign
- Kurse: Alberto Cairo (Datajournalismus, online), Datawrapper Academy, Observable (D3.js)
- Kenntnisse in Datawrapper, Flourish oder Tableau öffnen viele Türen
- Für interaktive Visualisierungen: JavaScript (D3.js) sehr wertvoll
Gehalt & Markt
| Karrierestufe | Jahresgehalt (brutto) |
|---|---|
| Junior Informationsdesigner:in (0–2 J.) | 30.000–40.000 € |
| Mid-Level (2–5 Jahre) | 40.000–56.000 € |
| Senior (ab 5 Jahre) | 55.000–75.000 € |
| Lead Dataviz / Datenjournalismus | 65.000–90.000 € |
(Quelle: Gehalt.de, meedia.de Gehaltsreport – Stand 2024)
In großen Redaktionen (Spiegel, Zeit, SZ) sind Informationsdesigner:innen oft festangestellt. Unternehmensberatungen und Tech-Unternehmen zahlen besonders gut. Freelance-Tagessätze: 500–950 €.
Tools & Skills
Hard Skills / Software
- Grafikdesign: Adobe Illustrator, Photoshop
- Einfache Dataviz: Datawrapper (Standard in Redaktionen), Flourish, Tableau Public
- Komplexe Dataviz: D3.js (JavaScript-Bibliothek), Observable
- Karten: Mapbox, QGIS (GIS-Grundkenntnisse)
- Datenverarbeitung: Excel, Google Sheets, R, Python (Pandas) – je nach Spezialisierung
Soft Skills
- Statistische Grundkenntnisse und Datenkompetenz
- Fähigkeit, komplexe Inhalte vereinfacht zu kommunizieren
- Journalistisches Gespür für relevante Geschichten in Daten
- Sorgfalt bei Genauigkeit und Quellenangaben
Vergleich & Abgrenzung
Informationsdesigner:in vs. Grafikdesigner:in: Grafikdesigner:innen gestalten ohne Datenlogik; Informationsdesigner:innen haben eine datenzentrierte Perspektive und müssen statistische Korrektheit sicherstellen.
Informationsdesigner:in vs. Datenwissenschaftler:in: Data Scientists analysieren und modellieren Daten; Informationsdesigner:innen kommunizieren diese Ergebnisse visuell.
Informationsdesigner:in vs. UX Designer: UX Designer gestalten Interaktionen; Informationsdesigner:innen fokussieren auf die klare Kommunikation von Informationen und Daten.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich programmieren können, um Informationsdesigner:in zu werden? Nicht zwingend – viele Print- und einfache Web-Infografiken entstehen ohne Code (Datawrapper, Flourish, Illustrator). Für interaktive, datenbankgetriebene Visualisierungen (wie beim Spiegel oder der NYT) sind JavaScript-Kenntnisse (D3.js) jedoch ein großer Vorteil.
Was sind die häufigsten Fehler bei Datenvisualisierungen? Irreführende Achsenskalierungen (die Effekte vergrößern), falsche Diagrammtypen für den Datentyp, unklare Beschriftungen, fehlende Quellenangaben und zu viele Informationen in einer Grafik. Gutes Informationsdesign folgt dem Prinzip: so einfach wie möglich, so komplex wie nötig.
Verwandte Einträge
- UX/UI Designer – Nutzererlebnis und visuelle Oberflächen
- Design Researcher – Nutzungsforschung
- Visual Designer – visuelles Erscheinungsbild
Weiterführend
- Alberto Cairo – The Functional Art (Standardwerk): thefunctionalart.com
- Datawrapper Academy: academy.datawrapper.de
- Flourish (Datenvisualisierungstool): flourish.studio
- Observable (D3.js Community): observablehq.com
