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Kameramann (ENG) ist eine Fachkraft für elektronische Nachrichtentechnik, die mit mobiler Schulter- oder kompakter Kamera im Außendienst für TV-Nachrichtenbeiträge, Reportagen und Dokumentationen dreht.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Medientechnik & Broadcast · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: ENG Cameraman, News Cameraman, Videojournalist (VJ, wenn solo), Kamerafrau (genderneutral), Bildreporter

Was ist ein Kameramann (ENG)?

ENG steht für „Electronic News Gathering" – die elektronische Nachrichtenbeschaffung mit tragbarer Kameratechnik. Der ENG-Kameramann ist das bildgebende Auge des TV-Journalismus: Er begleitet Reporter zu Pressekonferenzen, Unfallorten, Interviews und Kriegsgebieten und liefert das Rohmaterial, aus dem TV-Beiträge geschnitten werden. Oft arbeitet er unter extremem Zeitdruck und in schwierigen Lichtverhältnissen.

Erklärung

Der ENG-Kameramann kombiniert bildgestalterisches Talent mit technischem Know-how und physischer Belastbarkeit. Er muss in Sekundenbruchteilen über Belichtung, Weißabgleich, Tiefenschärfe und Bildausschnitt entscheiden – und das unter den unvorhersehbaren Bedingungen des Außendienstes.

Kernaufgaben:

  • Drehen: Produktion von Einzel- und Mehrkamera-Material für Nachrichtenbeiträge, Reportagen, Dokumentationen und Live-Schaltungen.
  • Lichtsetzen: Aufbau und Bedienung mobiler Lichtsets für Interviews oder Außenplätze, auch improvisiertes Lichtsetzen mit verfügbaren Lichtquellen.
  • Tonaufnahme: Häufig übernimmt der ENG-Kameramann auch die Tonaufnahme (Richtmikrofon, Ansteckmikrofon), zumindest als primäre Sicherung neben einem Tontechniker.
  • Technische Qualitätssicherung: Sicherstellung korrekter Belichtung, Fokus, Farbtemperatur und Signalqualität, inklusive täglichem Equipment-Check.
  • Live-Schalten: Einrichten mobiler Sendepositionen via Satellit (SNG), Bonding-Gerät (LiveU) oder 5G für Live-Übertragungen aus dem Feld.
  • Zusammenarbeit: Enge Abstimmung mit dem Reporter oder Korrespondenten über Drehinhalte, Bildauswahl und Timing.

Typische Arbeitgeber: ARD, ZDF und ihre Regionalanstalten, RTL, n-tv, Nachrichtenagenturen (dpa-Video, Reuters TV, AP Video). Viele ENG-Kameramänner arbeiten als Freelancer.

Beispiele

  1. Tagesschau-Außendienst: Ein ENG-Kameramann begleitet eine ARD-Korrespondentin zu einer Bundesminister-Pressekonferenz, dreht Statements und O-Töne und überträgt das Material per FTP zur Sendeanstalt.
  2. Katastropheneinsatz: Bei einer Überschwemmungskatastrophe arbeitet er unter widrigen Bedingungen (Schlamm, schlechtes Licht), liefert Bildmaterial aus dem Schadensgebiet und schaltet einen Live-Report via LiveU.
  3. Sportreportage: Er begleitet die deutsche Nationalmannschaft auf einer Asien-Tour, dreht Training, Interviews und Matchausschnitte und sendet Material täglich an die Redaktion in Deutschland.
  4. Dokumentarfilm: Als Kameramann einer Sozial-Dokumentation dreht er über mehrere Monate cineastisch mit einer Filmsensorka und entwickelt eine intensive erzählerische Bildsprache.
  5. Videojournalist: In einer kleinen Regionalredaktion übernimmt er als VJ alle Aufgaben: Drehen, Texten und Schnitt – und liefert täglich fertige Beiträge.

In der Praxis

Ausbildungswege: Mediengestaltung Bild und Ton (IHK-Ausbildung, 3 Jahre), Volontariate mit Kamera-Spezialisierung, Medien-/Filmhochschulen (ifs Köln, HFF München, DFFB Berlin). Viele ENG-Kameramänner sind Autodidakten mit langjähriger Praxis. Wichtige Kamerasysteme: Sony XDCAM (z. B. PXW-Z750), Canon C700, Panasonic Varicam; Codecs: XAVC, MXF, H.265. Verbände: BVFK (Bundesverband Filmkameras), Verdi (für Festangestellte).

Vergleich & Abgrenzung

Der Kameramann/Kamerafrau (Spielfilm/Fiktion) – oft auch Cinematographer oder DoP (Director of Photography) – arbeitet mit deutlich mehr Vorbereitungszeit und künstlerischer Kontrolle. Der Videojournalist (VJ) arbeitet allein und übernimmt auch Schnitt und Text. Der Studio-Kameramann bedient fest installierte Studio-Kameras und ist nicht mobil eingesetzt.

Häufige Fragen (FAQ)

Was verdient ein ENG-Kameramann in Deutschland? Festangestellte ENG-Kameramänner bei ARD/ZDF verdienen nach Tarifvertrag 3.200–5.000 € brutto monatlich je nach Einstufung und Dienstalter. Freelancer berechnen je nach Produktionstyp und Gerätschaft (ob mit eigenem Equipment) 400–900 € pro Drehtag. In Krisengebiets-Einsätzen kommen Risikoprämien und Sonderzulagen dazu.

Ist der ENG-Kameraberuf gefährlich? Bei internationalen Einsätzen in Konfliktgebieten ja – zahlreiche Journalisten und Kameraleute werden weltweit bei der Arbeit verletzt oder getötet. In Deutschland ist die Arbeit körperlich fordernd (schweres Equipment, lange Stehzeiten), aber wenig gefährlich. Für Auslandseinsätze bieten ARD und ZDF Sicherheitsschulungen an.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bundesagentur für Arbeit – berufenet.arbeitsagentur.de
  • BVFK Bundesverband Filmkameras – bvfk.de
  • Medienfachschule Hamburg – diverse Ausbildungsanbieter
  • Fachzeitschrift Film & TV Kameramann – filmundtvkameramann.de
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Kameramann (ENG) – Aufgaben und Karriere — Wiki | Lazi Akademie Esslingen