← Zurück zu Berufsfelder
Medienarchivarin ist eine Fachkraft für die systematische Erfassung, Erschließung, Konservierung und Bereitstellung audiovisueller Medienbestände in Rundfunk, Film und Medienhäusern.

Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Medientechnik & Broadcast · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Medienarchivarin, Rundfunkarchivarin, AV-Archivarin, Filmarchivar, Mediendokumentarin (teilweise synonym)

Was ist eine Medienarchivarin?

Die Medienarchivarin ist die Hüterin des audiovisuellen Gedächtnisses eines Medienhauses. Sie sorgt dafür, dass historische Beiträge, Sendungen, Fotos, Musikstücke und Dokumente korrekt beschlagwortet, strukturiert gespeichert und für Redakteure, Journalisten und die Öffentlichkeit auffindbar gemacht werden. Gleichzeitig kümmert sie sich um die Langzeitarchivierung und den Schutz von Medieninhalten vor Datenverlust und physischem Zerfall.

Erklärung

Medienarchive sind das institutionelle Gedächtnis eines Senders oder Medienhauses. Die Arbeit der Medienarchivarin umfasst:

  • Erschließung und Katalogisierung: Inhaltliche Beschreibung und formale Erfassung von Video-, Audio-, Foto- und Textmaterial nach kontrollierten Vokabularien und Normdaten (z. B. GND – Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek).
  • Digitalisierung: Überführung analoger Bestände (VHS, Betamax, U-Matic, Film) in digitale Formate zur Sicherung und besseren Zugänglichkeit.
  • Langzeitarchivierung: Sicherstellung technischer Stabilität digitaler Bestände durch Migrationsprojekte, OAIS-konforme Archivsysteme und Redundanzkonzepte.
  • Recherche-Service: Beantwortung von Rechercheanfragen aus Redaktionen, Produktion und externen Nutzern; Bereitstellung von Archivmaterial mit Lizenzkontrolle.
  • Rights Management: Verwaltung von Nutzungsrechten und Lizenzen für Archivmaterial, enge Zusammenarbeit mit juristischen Abteilungen.
  • Bestandspflege: Regelmäßige Kontrolle und Wartung physischer und digitaler Bestände.

Typische Arbeitgeber: ARD/ZDF-Archive (z. B. ARD-Archivverbund, ZDF-Archiv), Filmarchive (Bundesarchiv-Filmarchiv, Deutsche Kinemathek), Nachrichtenagenturen, Verlage mit AV-Archiven, Bundesarchiv.

Beispiele

  1. Rundfunkarchiv ARD: Eine Archivarin beim WDR erschließt täglich Sendemitschnitte aus dem Aktuellbetrieb – sie vergibt Schlagworte nach dem ARD-Schlagwortkatalog, transkribiert Personennamen und stellt Beiträge für die redaktionelle Wiederverwendung bereit.
  2. Digitalisierungsprojekt: Im Bundesarchiv koordiniert sie ein Projekt zur Digitalisierung von 10.000 Filmrollen aus den 1950er–1970er Jahren, erstellt Workflow-Protokolle und Qualitätssicherungsrichtlinien.
  3. Recherche-Dienstleistung: Eine Nachrichtenagentur-Archivarin beantwortet täglich Anfragen von Redaktionen nach historischem Bildmaterial (z. B. Archivfotos zu Nachrichtenthemen) und prüft Nutzungsrechte.
  4. Musikarchiv: Im Archiv einer Rundfunkanstalt katalogisiert sie Eigenproduktionen der Rundfunkorchester und stellt Material für Musikprogramme mit GEMA-Abrechnung bereit.
  5. Karriere: Nach dem Masterstudium Archivwissenschaft und ersten Berufsjahren übernimmt sie die Abteilungsleitung eines mittelgroßen Medienarchivs und entwickelt Digitalisierungsstrategien.

In der Praxis

Ausbildungswege: Bachelor/Master Archivwissenschaft (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Marburg), Informationswissenschaft oder Bibliothekswissenschaft. Alternativ: Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) mit Fachrichtung Archiv (IHK/BAföG-Abschluss, 3 Jahre). Wichtige Systeme: Dalet Galaxy, AVID Interplay, EBU CCDM, MAM-Systeme (Media Asset Management). Verbände: VDA (Verband deutscher Archivarinnen und Archivare), FIAT/IFTA (internationaler Rundfunkarchiv-Verband).

Vergleich & Abgrenzung

Die Mediendokumentarin arbeitet ähnlich, mit stärkerem Fokus auf die inhaltliche Recherche und Dokumentation für journalistische Zwecke. Die Bibliothekarin erschließt vorwiegend textuelle Bestände. Der Systemadministrator Medien verantwortet die technische Infrastruktur, auf der die Archivdaten liegen, während die Medienarchivarin die inhaltliche Erschließung verantwortet.

Häufige Fragen (FAQ)

Was verdient eine Medienarchivarin in Deutschland? Berufseinsteiger mit FaMI-Ausbildung verdienen 2.200–2.700 € brutto monatlich. Mit Hochschulabschluss und im öffentlich-rechtlichen Bereich (Tarifvertrag TVöD/TVÖD-VKA) sind 3.000–4.200 € brutto realistisch. Leitende Archivare können bis zu 5.000 € brutto und mehr erreichen. Im Bundesarchiv gelten Beamtenlaufbahnen mit eigenen Besoldungsstufen.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in der Medienarchivarbeit? KI-gestützte Transkription, automatische Schlagwortvergabe und Gesichtserkennung verändern die Branche erheblich. Medienachivarinnen werden KI-Systeme zunehmend überwachen, korrigieren und kuratieren – das Berufsbild bleibt bestehen, verschiebt sich aber von manueller Erschließung zur KI-Supervision und Qualitätskontrolle.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bundesagentur für Arbeit – berufenet.arbeitsagentur.de
  • VDA Verband deutscher Archivarinnen und Archivare – vda.archiv.net
  • FIAT/IFTA (International Federation of Television Archives) – fiatifta.org
  • Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Archivwissenschaft) – htw-berlin.de
← Zurück zu Berufsfelder
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Medienarchivarin – Aufgaben und Karriere — Wiki | Lazi Akademie Esslingen