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Großformat-Digitaldruck bezeichnet digitale Tintenstrahldruckverfahren für Formate über 60 cm Breite – eingesetzt für Werbeflächen, Messe-Displays, Beschilderungen, Innendekorationen und Verpackungsprototypen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Spezialverfahren · Niveau: Fortgeschritten

Was ist Großformat-Digitaldruck?

Großformat-Digitaldruck (auch Wide-Format-Print oder Large-Format-Printing) ist der Oberbegriff für digitale Druckverfahren, die über das Standarddokumentenformat (A3 / Letter) hinausgehen. Die Untergrenze liegt bei 60–70 cm Druckbreite; Druckbreiten von 1,60 m, 3,20 m und mehr sind Standard. Drucklängen sind bei Rollendruckern theoretisch unbegrenzt.

Der Markt ist in zwei Hauptsegmente aufgeteilt:

  1. Rollendruck (Roll-to-Roll): Flexible Substrate (Vinyl, Bannergewebe, Textilrollenware, Papier) werden von einer Vorratsrolle abgewickelt, bedruckt und auf eine Aufnahmerolle aufgewickelt.
  2. UV-Flatbed-Druck: Starre Substrate (Alu-Dibond, Acrylglas, Forex/PVC-Hartschaum, Holz, Fliesen) liegen auf einem Flachbett und werden von oben bedruckt.

Erklärung

Drucktechnologien im Großformat

#### Solvent-Tintenstrahldruck

Lösemittelbasierte (solventhaltige) Tinten haften auf Kunststofffolien ohne Vorbehandlung. Hohe Witterungsbeständigkeit (bis 5 Jahre im Freien), gute Flexibilität auch bei Kälte.

Eco-Solvent: Schwächere Lösemittelkonzentration, geringere Emissionen, weniger Lüftungsanforderungen. Standard für kleinere Produktionsbetriebe (Roland, Mimaki, Mutoh Eco-Solvent-Drucker).

Aggressive Solvent: Höhere Beständigkeit und Substratradhäsion, aber mehr VOC-Emissionen und strenge Lüftungsvorschriften.

#### Latex-Tintenstrahldruck

HP Latex-Technologie: Wasserbasisige Tinten mit Latex-Polymer-Bindemittel. Aushärtung durch Heißlufttrocknung (ca. 100–120 °C). Vorteile: geruchsarm, sofort fertig nach Druckende (kein Ausgasen), breite Substratpalette, OEKO-TEX-zertifizierte Tinten verfügbar. Nachteil: höhere Energiekosten.

#### UV-Tintenstrahldruck

UV-härtende Tinten werden durch UV-LED-Lampen sofort ausgehärtet. Kein Lösemittel, nahezu keine VOC-Emissionen.

Roll-to-Roll UV: Für flexible Substrate (Folie, Textil) mit UV-Tinten. Sehr gute Haftung auch auf glatten Kunststoffoberflächen.

UV-Flatbed: Starre Medien bis 50 mm Dicke auf Vakuumtisch. Drucker druckt über liegendes Substrat. Ermöglicht Druck auf nahezu jeder ebenen, UV-stabilen Oberfläche.

UV-Hybrid: Kombiniert Roll-to-Roll und Flatbed in einem Gerät (z. B. Agfa Anapurna, swissQprint Oryx, Durst P5).

UV-Flatbed-Druck: Besonderheiten

UV-Flatbed-Drucker ermöglichen besondere Effekte:

White-Ink-Printing: Weißtintenkanal für Druck auf transparenten oder farbigen Substraten. Strategien: Weiß als Unterlegung (für Opazität auf Klarsicht-Acryl), Weiß als Überlegung (für Lichtdurchleuchtungseffekte bei Leuchtdisplays).

Varnish / Klarlack-Kanal: Viele UV-Flatbeds bieten einen Lack-Kanal für partiellen Glanz- oder Matt-Auftrag – vergleichbar mit Spot-UV-Lack & Sondereffekte im Offset, aber digital und ohne Klischee.

Reliefeffekte (3D-Print): Mehrfacher Tintenstrahldurchlauf baut Lack-Schichten auf – für tastbare 3D-Texturen (Holzmaserung, Ledertextur, Braille-Schrift).

Direktdruck auf Holz, Fliesen, Glas: UV-Flatbeds ermöglichen personalisierte Auftragsarbeiten auf Massivmöbeln, Fliesen, Glasscheiben, Metall – ohne Vorbehandlung (materialabhängig).

Substratpalette

Starre Substrate (Flatbed):

  • Alu-Dibond (Aluminium-Verbundplatte): Standard für Außenbeschilderung, Messebau
  • Forex / PVC-Hartschaum: Innenbereich, leicht, kostengünstig
  • Acrylglas (PMMA): Hochwertige Leuchtreklamen, Innenausstattung
  • Gastronomie-Tischlerplatten, Holzfurnier: Personalisierung
  • Naturstein, Keramik: Dekorationsbereich

Flexible Substrate (Rollendruck):

  • Glanzvinyl / Matt-Vinyl: Standardfolierung, Plakate
  • Bannergewebe (PVC-Mesh): Fassadennetze, Messebanner
  • Backlit-Folie: Hintergrundbeleuchtete Displays (Lightboxen)
  • Polyestergewebe: Messedrucke, Fahnen, Textil-Pop-ups
  • Canvas: Kunstdrucke, Innendekor

Beispiele

  • Außenwerbung: City-Light-Poster (Backlit), Großflächen-Plakate, Fassadennetze.
  • Messebau: Roll-up-Banner, Faltwände, Messestand-Rückwände.
  • POS (Point of Sale): Aufsteller, Thekendisplays, Bodenaufkleber.
  • Innenausstattung: Fototapeten, Dekordrucke, Akustikpaneele.
  • Fahrzeugfolierung: Foliendrucke für Werbetechnik: Folierung & Fahrzeugbeschriftung.
  • Beschilderung: Türschilder, Wandbeschriftungen, Hinweisschilder in Unternehmen.

In der Praxis

Datenvorbereitung

Auflösung: 72–150 dpi im Endformat (Betrachtungsabstand ≥ 1 m). Für Nahsicht (≤ 0,5 m): 200–300 dpi. Wichtigste Einstellungen:

  • Farbprofil: ISO Coated v2 (CMYK), alternativ sRGB für Latex
  • Anschnitt: 5–10 mm (Plakate); bei Rollup-Displays nach Hersteller-Template
  • Schriftgröße: bei Außenmedien ≥ 30 pt (lesbar aus Entfernung)
  • Sonderfarben (Weiß, Metallic): als eigene Sonderfarb-Channel anlegen

Kalkulation

Typische Marktpreise Großformatdruck (2024):

  • Außenplakat (120 × 180 cm, Vinyl): 15–35 €/m²
  • UV-Flatbed Alu-Dibond (5 mm): 50–90 €/m²
  • Rollup-Banner (85 × 200 cm, inkl. Gestell): 80–150 €
  • Fototapete Einzelstück (10 m²): 180–350 €

Maschinenhersteller

Rollendrucker (Eco-/Solvent/Latex): Roland DGA (VersaCAMM, TrueVIS), Mimaki (JV300, CJV), HP (Latex 630, 800-Serie), Mutoh, Epson SureColor SC-S-Serie.

UV-Flatbed: Agfa (Anapurna, Jeti), swissQprint (Nyala, Oryx), Durst (P5, Rho), EFI (Vutek QS-Serie), Fujifilm (Acuity), Roland (VersaUV LEF).

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalUV-FlatbedRoll-to-RollOffsetdruck
Starre MedienJaNeinNein
Flexible MedienEingeschränktJaJa (Bogen)
Mindestauflage11≥ 500
Maximalgröße2,5 × 1,5 m (typ.)5 m Breite × unbegrenztBogen-/Rollenformat
SpezialeffekteWeiß, Lack, ReliefWeißBegrenzt
Auflösung (Nahsicht)720–1440 dpi720–1440 dpi2.400–5.080 dpi

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Eco-Solvent und Latex? Eco-Solvent verwendet organische Lösemittel und erfordert Abluft; Latex ist wasserbasiert, geruchsarm und benötigt keine Sonderbelüftung. Beide sind für Außenanwendungen geeignet, Latex ist umweltfreundlicher.

Kann man auf jedem Material UV-flatbed drucken? Grundsätzlich auf jeder ebenen, UV-stabilen Fläche. Kritisch: sehr glatte, nicht vorbehandelte Metallverbundplatten (Primer empfohlen), poröse Naturmaterialien (Tinte dringt ein). Test auf kleiner Fläche immer empfehlenswert.

Welche Auflösung ist für Außenwerbung ausreichend? 72–100 dpi im Endformat bei Betrachtungsabstand ≥ 2 m. Für Nahsichtanwendungen (Messe-Backdrop, POS) 150–200 dpi. Höhere Auflösungen steigern Datenmenge, kaum aber wahrnehmbare Qualität.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • FESPA (Hrsg.): Wide-Format Digital Printing: Technology and Application Guide. London 2021.
  • Adams, J. Michael; Dolin, Penny Ann: Printing Technology. 5. Aufl. Delmar Learning, Clifton Park 2002. S. 380–415.
  • HP Inc.: HP Latex Printing Technology White Paper. Palo Alto 2022.
  • Goldschmidt, Armin: Fachwissen Druck. Europa-Lehrmittel, Haan 2021. S. 260–295.
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