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DTG (Direct to Garment) ist ein digitales Tintenstrahldruckverfahren, das Textilartikel – insbesondere Baumwoll-T-Shirts – direkt auf einer planaren Druckplattform ohne Transfermedien bedruckt, vergleichbar mit einem konventionellen Tintenstrahldrucker, jedoch optimiert für Textilsubstrate.

Was ist DTG?

DTG-Druck entstand in den späten 1990er Jahren als Alternative zu Siebdruck für kleine Auflagen und individualisierte Einzelstücke. Erste kommerzielle Geräte (z. B. Brother GT-541, 2005) machten das Verfahren Druckdienstleistern zugänglich. Heute ist DTG ein etabliertes On-Demand-Verfahren für Print-on-Demand-Plattformen (Printful, Printify, Spreadshirt) und lokale Textilveredelungsdienstleister.

Das Verfahren druckt mit wasserbasierten Pigmenttinten direkt auf das Gewebe. Auf weißen oder hellen Stoffen gelingt dies unmittelbar; auf dunklen Stoffen muss zuvor eine weiße Grundierungsschicht (Pretreatment) aufgetragen werden, die als Druckbasis dient.

Erklärung

Prozesskette

  1. Pretreatment (nur auf dunklem Stoff): Eine wässrige Lösung (Vorbehandlungsmittel, meist aluminiumsalzhaltig) wird auf das Gewebe gesprüht oder gerollt und in einer Wärmepresse fixiert. Sie bewirkt, dass die weißen Tinten nicht in die Faser versickern, sondern als Deckschicht erhalten bleiben.
  2. Laden des Textils: Das T-Shirt wird flach auf eine Druckpalette (Platen) gespannt; ein positionierendes Gerüst (Hoop oder Rahmen) hält es eben.
  3. Digitaldruck: Der DTG-Drucker fährt mit Tintenstrahldüsen über das Textil und druckt das Motiv in CMYK + White (auf dunklen Stoffen).
  4. Fixierung: Nach dem Druck wird das Shirt in einem Tunnelofen oder einer Wärmepresse bei 150–165 °C für 90–120 Sekunden fixiert, damit die Pigmente dauerhaft haften.

Technologie

DTG-Drucker nutzen piezoelektrische Tintenstrahlköpfe (ähnlich Epson DX5/i3200-Druckköpfe). Bekannte Geräte:

  • Brother GTX Pro: Industriestandard, bis 20 Shirts/Stunde (Dark), 45 Shirts/Stunde (Light).
  • Kornit Atlas/Avalanche: Hochvolumen-Inline-Maschinen für große Print-on-Demand-Farmen.
  • Epson SureColor F3070: Kompaktes, zuverlässiges Einstiegsmodell.
  • Ricoh Ri 2000 / Ri 4000: Populäre Mittelklasse-DTG-Drucker.

Farbqualität

DTG ermöglicht fotografische Qualität mit Millionen von Farbnuancen, weichen Verläufen und komplexen Motiven ohne Aufpreis. Auf weißen Stoffen ist die Qualität sehr hoch; auf dunklen Stoffen ist die Farbbrillanz geringer als auf hellen (Pretreatment-Weiß als Untergrund ist nie so rein wie Papier).

Beispiele

  • Print-on-Demand-Plattformen: Printful, Printify, Spreadshirt und Redbubble nutzen DTG für Einzel- und Kleinstauflagenbestellungen.
  • Personalisierung: Individuell bedruckte Hochzeits-T-Shirts, Geburtstagsshirts, Teamkleidung.
  • Kunstdrucke auf Textil: Illustratoren und Fotografen verkaufen limitierte Auflagen via DTG-Produzenten.
  • Fashion & Streetwear: Kleine Labels testen Motive in Kleinserien (5–50 Stück) vor Serienproduktion via Siebdruck.
  • On-Demand-Sortiment: E-Commerce-Shops ohne Lagerrisiko.

In der Praxis

Dateiaufbereitung: PNG mit Transparenz (kein weißer Hintergrund) bevorzugt; RGB-Farbraum; 150–300 dpi bei Endgröße. Transparente Bereiche auf hellem Stoff: kein Druck (Stoff sichtbar). Auf dunklem Stoff: transparente Stellen = kein Weißdruck = Stoff durchscheint.

Stoffe: Ideal sind 100 % Baumwolle mit 165–200 g/m² und ringgesponnenem Garn. Hoher Synthetikanteil reduziert Farbhaftung. Polyester-T-Shirts → lieber Sublimationsdruck oder DTF – Direct to Film.

Stückkosten: DTG hat keine Rüstkosten für Druckformen, aber hohe Tintenkosten. Typisch: Helles T-Shirt, Brust-Print A4 = 3–7 Euro Druckkosten netto (ohne Shirt). Dunkles T-Shirt (mit Pretreatment) = 5–12 Euro.

Waschbeständigkeit: Schlechter als Siebdruck und DTF. Empfehlung: 30–40 °C, links waschen, kein Wäschetrockner. Nach 25–50 Wäschen kann Ausblassen einsetzen, insbesondere auf dunklen Stoffen.

Pretreatment-Management: Falsch aufgetragenes Pretreatment verursacht Flecken, ungleichmäßigen Druck oder Orangetöne. Pretreatment-Maschinen (z. B. M&R Passport) sind in professionellen Setups unverzichtbar.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalDTGSiebdruckDTF
Mindestauflage1 Stück12–25 Stück1 Stück
StoffBaumwolle optimalViele TextilienFast alle Textilien
Dunkel-SubstratMöglich (Pretreatment)MöglichSehr gut
FotoqualitätSehr gutEingeschränktGut
WaschbeständigkeitMittelHochHoch
GriffgefühlLeicht spürbarSpürbar (Plastisol)Folienartig (leicht)

DTF – Direct to Film überträgt im Gegensatz zu DTG eine fertige Folienschicht – robuster auf dunklem Stoff und unempfindlicher beim Waschen, aber mit leicht anderem Griffgefühl.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum sieht mein DTG-Druck auf dem Hemd anders aus als am Bildschirm? Baumwolle ist kein kalibriertes Druckmedium. Stichprobentests und ICC-Profile für das jeweilige Shirt/Drucker-Kombination reduzieren Abweichungen. Farben auf dunklem Stoff sind grundsätzlich matter.

Kann man DTG auf Polyester drucken? Mit speziellen DTG-Geräten und -Tinten (z. B. Kornit PolyPro) ist es möglich, aber Qualität und Haltbarkeit sind auf Baumwolle erheblich besser.

Was ist der Unterschied zwischen DTG und Transferdruck? Transferdruck druckt auf Trägerpapier und überträgt dann per Presse. DTG druckt direkt auf das Textil ohne Träger.

Lohnt sich ein DTG-Gerät für ein kleines Studio? Break-even-Analyse: Ein Einstiegsgerät (ca. 15.000–20.000 Euro) amortisiert sich bei ca. 500–800 Shirts/Monat. Alternativen für niedrigeres Volumen: DTF-Folie kaufen oder Print-on-Demand-Dienstleister nutzen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Impressions Magazine: DTG Printing Buyer's Guide (impressionsmag.com, 2023).
  • Kornit Digital: Sustainable DTG Whitepaper (kornit.com, 2022).
  • Brother Industries: GTX Pro Product Manual (brother.com, 2021).
  • Wills, Colin: Print Make Wear. Laurence King Publishing, 2016.
  • Röder, Heidrun: Druckverfahren Kompakt. Fachschriften-Verlag, 2017.
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