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Laserschnitt und Lasergravur sind berührungslose Bearbeitungsverfahren, bei denen ein fokussierter Laserstrahl Material entweder vollständig durchtrennt (Schneiden) oder oberflächlich abträgt (Gravieren), um Printprodukte mit präzisen Konturen, Mustern und Texturen zu versehen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Spezialverfahren · Niveau: Fortgeschritten

Was ist Laserschnitt & -gravur für Print?

Lasertechnologie ist im Printbereich seit den 1980er-Jahren im Einsatz – zunächst für Druckplatten und Zylinderherstellung, heute zunehmend als direktes Veredlungsinstrument. Laserscanner und CO₂-Laser ermöglichen es, Papier, Karton, Fotokarton, Holzfurnier, Acrylglas, Leder und viele weitere Materialien mit einer Präzision von wenigen Hundertstel Millimetern zu bearbeiten.

Für Printprodukte unterscheidet man zwei Hauptanwendungen:

  1. Laserschnitt (Cutting): Der Laserstrahl trennt das Material vollständig durch. Ergebnis: filigrane Ausschnitte, Verzierungen, dekorative Öffnungen.
  2. Lasergravur (Engraving): Der Laser trägt das Material nur oberflächlich ab. Ergebnis: vertieft eingravierte Muster, Schriften oder Texturen auf der Oberfläche.

Erklärung

Lasertypen in der Printveredelung

CO₂-Laser (Kohlendioxid-Laser): Wellenlänge 10,6 µm. Besonders geeignet für organische Materialien: Papier, Karton, Holz, Textil, Acrylglas. Leistungsklassen von 30 W (Hobbybereich) bis > 400 W (Industrieproduktion). Weitaus verbreitetster Lasertyp im Printbereich.

Faserlaser (Fiber Laser): Wellenlänge 1,06 µm. Vor allem für Metalle und Kunststoffe. Im Printbereich selten, aber für metallische Komponenten (Typenschilder, Gravurplatten) relevant.

UV-Laser: Wellenlänge 355 nm. Extrem präzise, minimale Wärmeeinflusszone. Geeignet für sehr dünne Papiere, Folien und empfindliche Materialien.

Maschinentechnik

Laseranlagen für den Printbereich bestehen aus:

  • Laserquelle (CO₂-Röhre oder -Modul)
  • Scanhead / Galvo-Scanner (für Gravuren, sehr schnell)
  • Flatbed-Achssystem (für Schnitte, XY-Tisch)
  • Absauganlage (Rauch- und Partikelabsaugung, zwingend erforderlich)
  • Steuerungssoftware (Lightburn, RDWorks, CorelDraw mit Laser-Plugin)

Für Printprodukte werden häufig kombinierte Schneid-Gravur-Maschinen eingesetzt (z. B. Trotec Speedy, Epilog Fusion, Laserstar).

Materialverhalten

Papier und Karton:

  • Schnittqualität abhängig von Grammatur und Beschichtung
  • Ungestrichene Naturpapiere schneiden cleaner als gestrichene
  • Dunkle Kraftpapiere nehmen Gravuren besonders gut an (hoher Kontrast)
  • Brandgefahr bei Überbelichtung / zu langsamem Vorschub → immer mit Absaugung arbeiten

Holzfurnier und Sperrholz:

  • CO₂-Laser sehr gut geeignet
  • Harze und Leime können Qualitätsprobleme verursachen
  • Gravurtiefen von 0,1–3 mm möglich

Acryl und Kunststoffe:

  • Klares Acrylglas ergibt milchig-satinierte Gravuren (Lichtleitereffekt)
  • PVC-haltige Materialien sind aufgrund chlorhaltiger Dämpfe verboten

Beispiele

  • Hochzeits- und Einladungskarten: Lasergravierte Spitzenmuster auf Pergament oder Baumwollpapier; durchbrochene Rahmen.
  • Verpackungsbögen: Kartonschachteln mit Laserperforationen, die als Abreißöffnungen oder Designmuster dienen.
  • Buchcover: Holzfurnier-Cover mit eingravierten Titeln und Mustern (z. B. für Notizbücher, Hochzeitsalben).
  • Pop-up-Karten: Geometrische Schnitte für dreidimensionale Faltkonstruktionen.
  • Menükarten: Restaurants nutzen lasergravierte Holz- oder Acrylkarten als permanente Speisekarten.
  • Etiketten: Schneideplotter und Laserschneider als Alternative für komplexe Etikettenformen.

In der Praxis

Datenvorbereitung

Laserdaten werden als Vektordateien angeliefert (AI, EPS, SVG, DXF):

  • Rote Linien/Pfade = Schnittkontur (Cut)
  • Blaue Linien/Pfade = Ritz-/Perforationslinien
  • Schwarze oder graue Flächen = Gravurbereich (Rasterung)

Schriftgröße für Gravur: mindestens 8 pt, besser 12 pt aufwärts. Sehr feine Schriften verlieren durch den Laserspot (Kerf: 0,1–0,3 mm) an Schärfe.

Prozessparameter

Für 300 g/m²-Karton CO₂ 60 W typisch:

  • Schneiden: Geschwindigkeit 15 mm/s, Leistung 85 %
  • Gravieren: Geschwindigkeit 300 mm/s, Leistung 30 %
  • Dpi Gravurraster: 300–600 dpi je nach Detailgrad

Diese Werte variieren stark je nach Material und Maschine – immer mit Testmaterial kalibrieren.

Kombination mit Druckverfahren

Laserschnitt und -gravur lassen sich gut mit Digitaldrucken kombinieren: Zuerst bedrucken (Großformat-Digitaldruck: UV-Flatbed & Rollendruck oder Digitaldruckmaschine), dann Laser-Nachbearbeitung. Die Kombination ermöglicht z. B. farbige Karten mit durchbrochenen Mustern.

Wirtschaftlichkeit

  • Keine Klischees oder Stanzwerkzeuge nötig → wirtschaftlich schon ab 1 Stück
  • Sehr kurze Rüstzeiten (< 5 Minuten)
  • Maschinenlaufzeit: je nach Komplexität 10 Sekunden bis 30 Minuten pro Stück
  • Bearbeitungsgebühr: 1–5 €/Minute Maschinenzeit (typische Marktpreise 2024)

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalLaserschnittStanzenWasserstrahlschnitt
PräzisionSehr hoch (< 0,1 mm)Hoch (0,2 mm)Sehr hoch
RüstkostenKeine (keine Werkzeuge)Hoch (Stanzform)Keine
GeschwindigkeitMittelSehr hoch (Auflage)Langsam
MaterialbeschädigungWärme (Sengspuren)KeineFeuchtigkeit
Eignung KleinauflagenIdealUngeeignetGeeignet

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Materialien dürfen keinesfalls gelasert werden? PVC und chlorhaltige Kunststoffe erzeugen hochgiftige Chlorgase. Auch beschichtete Metalle und bestimmte Verbundwerkstoffe sind problematisch. Immer Materialdatenblatt konsultieren.

Entstehen Brandspuren beim Laserschnitt? Bei Papier und Karton können an Schnittkanten leichte Bräunungen entstehen. Diese lassen sich durch Masking Tape auf der Materialoberfläche minimieren oder als ästhetisches Merkmal einsetzen.

Kann man bereits fertig gedruckte Bögen lasern? Ja, prinzipiell schon. UV-Druckfarben und Lacke können jedoch die Schnittkanten beeinflussen. Testmuster empfohlen.

Ist Laserschnitt umweltfreundlich? Der Prozess erzeugt Rauch und Partikel, die abgesaugt und gefiltert werden müssen. Der Energieverbrauch ist für Kleinanlagen gering; verglichen mit Stanzwerkzeugherstellung ist der Ressourcenverbrauch deutlich niedriger.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Goldschmidt, Armin; Fachmann Mediengestaltung (Hrsg.): Fachwissen Druck. Europa-Lehrmittel, Haan 2021. S. 287–295.
  • Ready, Laser: The Laser User's Handbook. Coherent Publishing, Santa Clara 2019.
  • Trotec Laser GmbH: Materials Processing Guide for CO₂ Lasers. Marchtrenk 2023.
  • Bäumer, Stefan: Digitalfertigung und Rapid Prototyping im Medienbereich. Springer Vieweg, Wiesbaden 2020.
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