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Letterpress ist ein Hochdruckverfahren, bei dem erhabene Druckformen (Lettern, Klischees, Photopolymerplatten) unter Druck direkt in das Papier eingedrückt werden und dabei eine charakteristische, taktil spürbare Prägevertiefung hinterlassen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Spezialverfahren · Niveau: Fortgeschritten

Was ist Letterpress?

Letterpress ist das älteste maschinelle Druckverfahren der westlichen Welt: Gutenbergs Druckmaschine von 1450 arbeitete nach diesem Prinzip. Bewegliche Lettern aus Metall (Blei-Antimon-Zinn-Legierung, der „Bleisatz") wurden in einen Setzrahmen komponiert, eingefärbt und auf Papier gepresst. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Letterpress das dominierende Druckverfahren – dann verdrängte der Offsetdruck es aus der Massenproduktion.

Was folgte, war kein Verschwinden, sondern eine Transformation. Seit den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren erlebt Letterpress ein bemerkenswertes Revival – nicht als Massenproduktionsverfahren, sondern als handwerkliche Kunstform und Premiumdrucktechnik. Die charakteristischen tiefen Einprägungen in hochwertige Baumwollpapiere, die unverwechselbaren Farbaufträge und der Charme des Handgemachten haben Letterpress zu einem begehrten Verfahren für Visitenkarten, Hochzeitseinladungen, Kunstdrucke und Buchstabenkunst gemacht.

Erklärung

Technisches Prinzip

Letterpress-Druck basiert auf dem Relief-Druckprinzip: Die druckenden Elemente liegen höher als die nicht-druckenden. Farbe wird auf die Erhebungen aufgerollt; beim Druckkontakt überträgt sich die Farbe auf das Substrat. Der charakteristische „Kiss Cut" moderner Letterpress geht darüber hinaus: Die Druckform wird mit hohem Druck ins Papier gepresst, sodass eine sichtbare und tastbare Einprägung entsteht.

Historischer Bleisatz: Einzelne Metallbuchstaben (Typen) werden von Hand in Setzstäben kombiniert. Schriftgröße in Punkt (1 Punkt = 0,376 mm im Didot-System). Satzart: Zeilen werden im Winkelhaken gesetzt, dann in einen Setzrahmen (Schiff) gelegt und mit Stegen fixiert. Dieser Prozess ist zeitaufwändig, aber authentisch und von Sammlern geschätzt.

Photopolymerplatten (moderne Letterpress): Flexible Kunststoffplatten (z. B. KF95, Deep Relief von BASF oder Toyobo) werden mit UV-Licht durch ein Negativ belichtet. Unbelichtete Bereiche werden ausgewaschen, belichtete bleiben stehen – das erhabene Druckbild. Diese Methode ermöglicht die Nutzung moderner Grafikdesign-Software und ist der Standard im zeitgenössischen Letterpress.

Klischees: Zinkklichees (chemisch geätzt) oder Magnesiumklischees (elektrochemisch gefräst) für Bildmotive. Heute zunehmend durch Photopolymer verdrängt.

Druckmaschinen

Tiegeldruckmaschinen: Klassiker der Letterpress. Plano-Pressen wie die Heidelberg Tiegel (Windmill) sind die begehrtesten Letterpress-Maschinen weltweit. Der Drucktisch (Tiegel) klappt auf die stehende Form auf – wie zwei Hände beim Klatschen. Sehr präzise, langlebig, heute noch in Produktion (Neumaschinen von KLUGE in USA).

Zylinderpressen (Platten-Zylinder-Maschinen): Typisch in älteren Druckereien. Ein Zylinder rollt über die liegende Druckform. Größere Formate möglich.

Plano- und Tischpressen: Kleinere Handpressen für Hobbyisten und Kunstdrucke (Adana, Chandler & Price, Sigwalt). Keine Automatisierung, rein manuell.

Vandercook-Proof-Pressen: Ursprünglich als Korrekturabzugspressen für Setzer entwickelt; heute von Letterpress-Künstlern sehr geschätzt.

Materialien und Substrate

Das Substrat ist entscheidend für die Qualität der Letterpress-Prägung:

Baumwollpapier: 100 % Baumwollfasern, frei von Holzschliff. Weich, langlebig, nimmt Prägungen sehr tief an. Standardsubstrat für hochwertige Letterpress. Marken: Crane Lettra (USA), Gmund Cotton (Deutschland), Zerkall (Deutschland).

Büttenpapier: Traditionelles Handschöpfpapier. Unregelmäßige Oberfläche, rustikaler Charakter. Sehr beliebt für Einladungen und Kunstdrucke.

Naturpapier, ungestrichen: Gute Haptik, mittlere Prägungstiefe. Hammermill, Munken Lynx.

Nicht geeignet: gestrichene Papiere (Kunstdruckpapier), dünne Papiere < 200 g/m² (reißen bei tiefer Prägung).

Farben im Letterpress

Letterpress-Farben sind ölbasiert und pastöser als Offsetfarben. Sie trocknen durch Oxidation (langsamer als UV-Farben). Besonderheiten:

  • Sehr satte Farbaufträge möglich (hohe Schichtdicke)
  • Sonderfarben: PANTONE, HKS, RAL (Pantone-Sonderfarben) können exakt gemischt werden
  • Metallic-Farben (Gold, Silber, Kupfer) in ölbasierter Formulierung besonders effektvoll
  • Neon-Farben für Kontrast auf dunklen Papieren

Beispiele

  • Hochzeitseinladungen: Der Kernmarkt des Letterpress-Revivals. Tiefgeprägte Texte auf Crane Lettra 300 g, kombiniert mit Goldfolienprägung (Heißfolienprägung: Gold, Silber, Hologramm).
  • Premium-Visitenkarten: Kleinstauflagen (50–250 Stück) für Designer, Anwälte, Kunstgalerien.
  • Kunstdrucke / Poster: Letterpress-Ateliers wie Hatch Show Print (Nashville), die druckwerkstatt (Berlin) oder Hamilton Wood Type (Wisconsin) produzieren Sammlerstücke.
  • Grußkarten: Weihnachts- und Geburtstagskarten mit handgemachtem Charakter.
  • Buchstaben-Prints: Typografische Kunstposter mit Bleisatz-Schriften.

In der Praxis

Ateliers und Community

Das Letterpress-Revival wird getragen von:

  • Kleinen Werkstätten und Ateliers (oft im urbanen Umfeld)
  • Maker-Spaces mit Letterpress-Equipment
  • Internationaler Community (Letterpress Exchange, Type & Press-Community)
  • Lehrprogrammen an Kunst- und Designhochschulen

In Deutschland sind Ateliers wie die Druckwerkstatt Berlin, Typostudio Schubiger (Schweiz) und das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (Leipzig) wichtige Bezugspunkte.

Preisgestaltung

Letterpress ist deutlich teurer als Digitaldruck oder Offsetdruck. Typische Preise (2024):

  • 100 Visitenkarten (2-farbig, Baumwollpapier, 1-seitig): 150–300 €
  • 50 Hochzeitseinladungen (Einzelkarte, 1-farbig): 200–400 €

Die Preiskalkulation berücksichtigt: Plattenfertigung, Rüstzeit, Maschinenstundenkosten, Papierpreis (Baumwollpapier: 3–8 €/Bogen) und Nachbearbeitung.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalLetterpressRisograph – Siebdruck-ähnliches DruckverfahrenOffsetdruck
PrägungTaktile VertiefungKeineKeine
Auflage50–50050–5.000≥ 500
ÄsthetikHandwerklich, edelRetro, körnigPräzise, clean
Kosten/StückSehr hochMittelNiedrig (Großauflage)
DIY-fähigBegrenztGutNein

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist Letterpress so viel teurer als Digitaldruck? Letterpress erfordert aufwändige Druckformherstellung, zeitintensiven manuellen Einrichtungsprozess und teure Spezialpapiere. Die Maschinen sind selten und wartungsintensiv. Die hohen Kosten spiegeln echte handwerkliche Arbeit wider.

Kann man Letterpress in modernen Designprogrammen vorbereiten? Ja. Photopolymerplatten werden aus digitalen Vektordaten (PDF, AI) belichtet. Das macht den Übergang zwischen Digital-Design und Letterpress-Druck reibungslos.

Was ist der Unterschied zwischen historischem Letterpress und modernem Letterpress? Historisch: Bleisatz, tiefes Einprägen war ein Fehler. Modern: tiefe Prägung ist gewünschtes Qualitätsmerkmal. Historisch: Massenproduktion. Modern: Kleinstauflagen als Premiumprodukt.

Ist Letterpress nachhaltig? Ölbasierte Farben und Papierverbrauch sind Kritikpunkte. Andererseits: Baumwollpapiere sind FSC-zertifizierbar, Maschinen haben 60–100 Jahre Lebensdauer, kein Folien- oder Kunststoffeinsatz.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Heller, Steven; Chwast, Seymour: Graphic Style: From Victorian to New Century. Abrams, New York 2001.
  • MacPherson, Amos: The Letterpress Handbook. University of Washington Press, Seattle 2012.
  • Jaspert, W. Pincus; Berry, W. Turner; Johnson, A. F.: Encyclopaedia of Typefaces. Blandford Press, London 1970.
  • Lupton, Ellen: Thinking with Type. Princeton Architectural Press, New York 2004.
  • Winship, Michael: American Literary Publishing in the Mid-Nineteenth Century: The Business of Ticknor and Fields. Cambridge University Press, Cambridge 1995.
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