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Sonderfarben (Schmuckfarben, Spot Colors) sind Druckfarben, die außerhalb des CMYK-Vierfarbdrucks als separat gemischte, normierte Farbtöne eingesetzt werden und eine genauere, konsistentere Farbreproduktion als CMYK-Farbaufbauten ermöglichen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Spezialverfahren · Niveau: Fortgeschritten

Was sind Sonderfarben?

Im konventionellen Vierfarbdruck (CMYK) werden alle Farben durch überlagerte Raster aus Cyan, Magenta, Yellow und Black simuliert. Dieses Verfahren ist wirtschaftlich und vielseitig, hat aber eine Einschränkung: Der CMYK-Farbraum ist begrenzt. Bestimmte intensive, satte oder leuchtende Farbtöne – tiefes Orange, kräftiges Violett, metallisches Gold – lassen sich im CMYK-Druck nicht exakt reproduzieren.

Sonderfarben lösen dieses Problem: Sie sind fertig gemischte Pigmentfarben, die aus einem normierten Farbsystem entnommen oder nach Rezeptur angemischt werden. Jede Sonderfarbe druckt in einem eigenen Druckwerk als geschlossene Farbschicht – keine Rasterung, kein Mischungsverfahren. Das Ergebnis: präzise, reproduzierbare Farben, die im Drucksaal weltweit identisch gedruckt werden können.

Sonderfarben sind das Rückgrat des Corporate Designs: Marken wie Coca-Cola (spezifisches Rot), Tiffany & Co. (Robin Egg Blue), UPS (Brown 4625) oder Deutsche Post (Gelb 116) sind exakt definiert und müssen auf Druckerzeugnissen weltweit konsistent reproduziert werden.

Erklärung

Das PANTONE-System

PANTONE (Pantone LLC, seit 1962) ist das weltweit meistgenutzte Farbkommunikationssystem für Design und Druck. Das PANTONE Matching System (PMS) umfasst heute über 2.000 normierte Farbtöne, die in Fächern (Color Guides) auf verschiedenen Papiersubstraten gezeigt werden.

PANTONE-Kennzeichnung:

  • Coated (C): Auf gestrichenem (coated) Papier – kräftiger, glänzender
  • Uncoated (U): Auf ungestrichenem Papier – abweichender, oft matterer Eindruck
  • Matte (M): Auf mattem gestrichenem Papier

Beispiele: PANTONE 485 C (Rot), PANTONE 294 C (Dunkelblau), PANTONE 877 C (Silber).

PANTONE Formula Guide: Spiralgebundenes Fächerbuch mit Druckfarbenrezepturen (Anteile von PANTONE-Basisfarben). Unverzichtbares Werkzeug in jeder Druckvorstufe und Druckerei.

PANTONE Solid vs. PANTONE Process:

  • Solid: Sonderfarbe, als eigenes Druckwerk
  • Process: PANTONE-Annäherung in CMYK (weniger präzise, ohne Extra-Druckwerk)

PANTONE Extended Gamut (XG): Erweitert CMYK um Orange, Green und Violet (CMYK + OGV = 7-Farb-Druck) – deckt ca. 85 % des PANTONE-Farbraums ab, ohne Sonderfarb-Druckwerke.

PANTONE Colour of the Year: Marketingstrategie von PANTONE, die jährlich eine „Trendfarbe" kürt (z. B. 2024: Peach Fuzz 13-1023).

Das HKS-System

HKS (Hostmann-Steinberg / K+E / Schmincke, seit 1930er-Jahre) ist das in Deutschland und Europa weit verbreitete Sonderfarbsystem. Es umfasst 88 Grundfarben in vier Varianten:

  • HKS K (Kunstdruckpapier / gestrichenes Papier)
  • HKS N (Naturpapier / ungestrichenes Papier)
  • HKS E (Endlosdruck, für Endlospapier und Formulare)
  • HKS Z (Zeitungsdruck)

HKS-Farben sind in Deutschland besonders stark in der Verpackungsindustrie und im Buchdruck verbreitet. Ihre Rezepturen basieren auf spezifischen Druckfarbenformulierungen europäischer Hersteller (Hostmann-Steinberg, K+E Druckfarben – heute DIC/Sun Chemical).

Unterschied PANTONE vs. HKS: PANTONE ist weltweit die Standardsprache; HKS in Deutschland und Zentraleuropa historisch stark verankert. Viele Design-Software-Programme (InDesign, Illustrator) unterstützen beide Systeme. Farbkonvertierungen zwischen HKS und PANTONE sind möglich, aber nicht pixelgenau (kleine Abweichungen unvermeidbar).

Das RAL-System

RAL (Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen, 1927 gegründet, heute RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V.) ist ursprünglich kein Druckfarbsystem, sondern ein Industrienormsystem für Beschichtungsfarben (Lacke, Pulverbeschichtungen, Emaille). Es umfasst:

  • RAL Classic: 215 Farbtöne (RAL 1000–9999)
  • RAL Design System+: 1.825 Farbtöne
  • RAL Effect: Metallicfarben und Sondereffekte

Im Druckbereich ist RAL relevant für:

  • Werbetechnik (Fahrzeuglackierungen, Beschilderungen müssen mit RAL-Farben übereinstimmen)
  • Siebdruck auf Metall und Kunststoff
  • Pulver- und Sprühlackierungen in der Produktgestaltung

RAL-Farben und Digitaldruck: RAL-Farben lassen sich im Digitaldruck nur annäherungsweise darstellen (RGB- oder CMYK-Näherungswerte im RAL-Fächer). Für exaktes Matching ist immer ein Proofabzug erforderlich.

Spezial-Sonderfarben

Neben Vollton-Sonderfarben existieren Sonderfarben für Spezialeffekte:

Metallicfarben: Echte Metallicpigmente (Aluminium für Silber; Bronze für Gold, Kupfer). Im Offsetdruck als Sonderfarbe; im Siebdruck: Alle Varianten & Spezialfarben besonders intensiv.

Neon-/Fluoreszenzfarben: Leuchtend helle Farben, die UV-Licht in sichtbares Licht umwandeln. PANTONE neon (z. B. PANTONE 803 C Gelb, 806 C Pink). Besondere Wirkung unter Tageslicht und UV-Schwarzlicht.

Pearlescent / Iriodin: Perlglanz-Pigmente (Glimmer + Titandioxid). Schimmernder Effekt je nach Betrachtungswinkel. PANTONE Pastel & Neon enthält einige Perlglanz-Varianten.

Weißdruck: Technisch eine Sonderfarbe. Im Offsetdruck auf farbigen oder dunklen Papieren als deckende Unterlegung oder eigenständiges Druckbild.

UV-fluoreszierende Sicherheitsfarben: Unsichtbar unter Tageslicht, sichtbar unter UV-Licht. Einsatz bei Sicherheitsdruck (Ausweise, Briefmarken, Banknoten).

Beispiele

  • Corporate Design-Umsetzung: VW Konzernblau = PANTONE 293 C / HKS 41. Alle Druckmaterialien weltweit müssen diesen Ton exakt treffen.
  • Etiketten-Sonderdruck: Bieretiketten mit PANTONE 877 C (Silber) für metallischen Schriftzug.
  • Stadtmarketing: Stadtlogo in PANTONE-Sonderfarbe auf Beschilderungen, Broschüren, Fahrzeugen.
  • Sicherheitsdruck: EURO-Banknoten enthalten UV-fluoreszierende Sonderfarben (nicht öffentlich spezifiziert).
  • Automobilzubehör: RAL 5010 (Enzianblau) für Straßenschilder in Deutschland (DIN 67520).

In der Praxis

Sonderfarben in der Druckvorstufe

In Adobe InDesign und Illustrator werden Sonderfarben als „Volltonfarben" (Spot Colors) angelegt:

  • PANTONE-Bibliotheken sind in die Programme integriert
  • HKS-Bibliotheken verfügbar (als separate Bibliotheksdatei)
  • PDF-Export: Sonderfarben als eigene Separation; nicht in CMYK konvertieren lassen (Qualitätsverlust)

Farbprobleme vermeiden:

  • Sonderfarben immer aus der aktuellen Bibliothek beziehen (PANTONE aktualisiert Werte)
  • Nie Sonderfarbe am Bildschirm „nach Augenmaß" angleichen – den physischen Farbfächer nutzen
  • Farbänderungen durch Papieroberfläche einkalkulieren (Coated ≠ Uncoated)

Drucktechnische Anforderungen

Jede Sonderfarbe benötigt ein eigenes Druckwerk in der Offsetmaschine. Für ein 4-farbiges CMYK-Produkt mit zwei Sonderfarben = 6-Farb-Druckmaschine. Kosten steigen mit der Farbzahl, da:

  • Mehr Druckfarbe gemischt werden muss
  • Jedes Druckwerk eingerichtet und gereinigt werden muss
  • Auflagenlänge für Wirtschaftlichkeit steigt

Farbfächerpflege

PANTONE und HKS empfehlen den Austausch der Farbfächer alle 12–18 Monate. Druckfarbe auf dem Fächerpapier verändert sich durch Licht, Luft und Oxidation. Veraltete Fächer führen zu Fehlfreigaben und Reklamationen.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalPANTONEHKSRAL
EinsatzbereichWeltweit, Druck & DesignD/Europa, DruckIndustrie, Lack, Beschichtung
Farbanzahl> 2.00088 × 4 Varianten215–1.825
Software-IntegrationSehr gutGutBegrenzt
Für DigitaldruckPANTONE Process möglichCMYK-UmsetzungNäherungswerte

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man PANTONE-Farben im Digitaldruck exakt reproduzieren? Nur annäherungsweise. HP Indigo und Konica Minolta AccurioPress unterstützen inzwischen PANTONE-zertifizierte Digitaldruckprofile. Für kritische Corporate-Design-Anwendungen bleibt der Offsetdruck mit echter Sonderfarbe das zuverlässigste Verfahren.

Warum weicht eine PANTONE-Farbe auf Uncoated-Papier ab? Das Papier saugt die Farbe unterschiedlich auf. Ungestrichene Papiere lassen mehr Farbe ins Fasergeflecht eindringen; die Farbe wirkt matter und weniger gesättigt. PANTONE publiziert deshalb separate Coated- und Uncoated-Werte.

Wann ist RAL im Druck relevant? Wenn gedruckte Produkte (Beschilderungen, Fahrzeugbeschriftungen) mit Lackoberflächen übereinstimmen müssen. Dann ist ein Proof auf dem Endsubstrat unerlässlich.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • PANTONE LLC: Pantone Color Guide – Formula Guide Solid Coated & Uncoated. Carlstadt, NJ (jährlich aktualisiert).
  • Küppers, Harald: Farbe: Ursprung, Systematik, Anwendung. Callwey, München 2005.
  • Kipphan, Helmut (Hrsg.): Handbuch der Printmedien. Springer, Heidelberg 2000. S. 141–180.
  • RAL Deutsches Institut für Gütesicherung: RAL Classic Farbsystem: Kurzübersicht und Anwendung. RAL, Sankt Augustin 2020.
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