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Großformatdruck bezeichnet Tintenstrahldruck-Verfahren für Formate ab etwa 150 cm Breite, die Werbemittel, Messegrafiken, Dekoration und Beschilderung für Außen- und Innenanwendungen produzieren.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Large Format Printing (LFP), Wide Format Printing, Großformat-Digitaldruck, Plotterdruck, Grand Format


Was ist Großformatdruck?

Großformatdruck (englisch: Large Format Printing, LFP) bezeichnet Druckverfahren, bei denen Tintenstrahltechnologie für Formate eingesetzt wird, die über das klassische Bogenformat hinausgehen. In der Praxis bezeichnet man Druckbreiten ab ca. 60–150 cm als Wide-Format; ab 3 m Breite spricht man von Grand Format. Typische Produkte sind Bannerbahnen, Messewände, Plakate, Fahrzeugfolien, POS-Displays, Hintergrunddrucke (Backdrops) und Bodenbeklebungen.

Großformatdrucker arbeiten überwiegend mit Tintenstrahl-Druckköpfen (Piezo oder Thermal). Unterschieden wird nach Substrat (flexibel/starr) und Tintentyp.


Erklärung

Drucker- und Systemtypen

Rollendrucker (Roll-to-Roll) Rollenbasierende Drucker verarbeiten aufgerollte Medien (Folien, Bannerstoffe, Papierrollen). Das bedruckte Material wird nach dem Druck wieder aufgerollt. Maximale Druckbreiten: 1,6 m (Standard Wide-Format), 2,5 m, 3,2 m, bis über 5 m (Grand Format). Anwendungen: Bannerbahnen, Fahrzeugfolien, Posterseries, Tapeten, Textildrucke.

UV-Flatbeds Flatbed-Drucker drucken auf starren Platten, die auf einem Vakuumtisch fixiert werden. Der Druckkopf bewegt sich über die liegende Platte. UV-Tinten härten unmittelbar durch integrierte UV-LED-Lampen aus. Keine Trockenwartzeiten; stapelbar. Einsatzbereich: Schilder, Acrylglas, Holzplatten, Aluminium-Verbundplatten (Dibond), PVC-Hartschaumplatten (Kapa, Forex), Glas, Fliesen, Leder.

Hybridmaschinen Können sowohl Rollenmaterial als auch Platten verarbeiten. Beispiele: EFI H5, Swissqprint Nyala, Durst P10.

Textiledrucker Sublimations- oder Direkttextildrucker in Wide-Format für Soft-Signage (Stoffe): Messe-Spannrahmen, Fahnen, Textilbanner. Beispiele: MS Printing Solutions, Durst Rho, Mimaki Tiger.

Tintentypen

Eco-Solvent-Tinten (Ökobased): Lösemittelhaltig, aber deutlich weniger aggressiv als klassische Solvent-Tinten. Geeignet für Innen- und eingeschränkt Außenbereich. Trocknen durch Lösemittelverdunstung; günstig, breite Substratkompatibilität.

Solvent-Tinten (Hard-Solvent): Aggressiver, höhere Außenbeständigkeit (5–7 Jahre ungeschützt), aber höhere Anforderungen an Belüftung und Druckkopfpflege. Industrie-Außenwerbung.

UV-Tinten (UV-härtend): Aushärtung durch UV-LED sofort nach Auftrag. Keine flüchtigen Lösemittel, daher indoor-sicher ohne Sonderbelüftung. Sehr gute Haftung auf nahezu allen Substraten, auch nicht-saugenden. Schlagfest, kratzfest. Standard für Flatbed-Druck.

Wasserbasierte Tinten (Latex / Aqueous): Latex-Tinten (HP Latex, Roland EC-UV) sind wässrig und aushärtend. Geruchsneutral, geeignet für Innengrafiken, Tapeten, Softdecken. Breite Substratkompatibilität. Etwas eingeschränkte Outdoor-Beständigkeit ohne Laminierung.

Sublimationstinten: Nur auf Polyester-Substraten oder sublimationsbeschichteten Materialien. Für Soft-Signage, Sportbekleidung, Fahnen.

Substrate im Überblick

Flexible Substrate:

  • PVC-Bannerbahnen (340–550 g/m², 300–1000 DEN Fadenzug)
  • Mesh-Fahnen (für Windlast an Gebäuden)
  • PP-Folien (Postsleeve, Verbundplakate)
  • Textilbanner (Polyester, Satin, Mesh)
  • Rückprojektionsfolien, Fensterfolien

Starre Substrate:

  • Aluminium-Dibond: leicht, formstabil, Außen- und Messeeinsatz
  • Acrylglas (PMMA): hochwertige Optik, Hintergrundbeleuchtung möglich
  • PVC-Hartschaum (Forex, Kapa): leicht, günstig, nur Innen
  • MDF, Sperrholz: Ladenbau, Dekoration
  • Keramikfliesen, Glas: UV-Flatbed, Spezialbeschichtung nötig
  • HPL-Schichtstoff: langlebige Beschilderung

Beispiele

  • Messewand 3 × 3 m: UV-Flatbed auf Aluminium-Dibond 3 mm, Klotzbefestigung auf Messestand
  • Rollup-Banner: Eco-Solvent auf PP-Folie 200 g/m², 85 × 200 cm, Rollup-Gestell
  • Fahrzeugfolierung: Laminierte Eco-Solvent-Folie, gegossene PVC-Folie für 3D-Konturen
  • Shopfensterbeklebung: Perforierte Fensterfolie (60/40 Lochanteil), innen-, außenseitig sichtbar
  • Softbox-Banner Messe: Textildruck Sublimation auf Polyester-Satin, Spannrahmen-Lichtkastenformat
  • Bodenkleber Instore: UV-Druck auf anti-rutsch-beschichteter Bodenfolie (PVC, R9 oder R10)

In der Praxis

Datenspezifikation für Großformat: Bilddateien werden für den Großformatdruck in deutlich niedrigerer Auflösung benötigt als im Offsetdruck. Faustformeln:

  • Außenplakat (> 3 m Betrachtungsabstand): 25–50 dpi bei Originalgröße
  • Messegrafik (1–3 m Abstand): 72–100 dpi bei Originalgröße
  • POS-Aufsteller (< 1 m Abstand): 100–150 dpi bei Originalgröße

Dateiformate: PDF/X-1a oder PDF/X-4 (empfohlen), TIFF (RGB oder CMYK). Farbprofil je nach Drucksystem; große Anbieter nutzen eigene ICC-Profile.

Laminierung und Veredelung: Viele Großformatdrucke werden nach dem Druck laminiert (schutzlaminat, anti-fingerprint) oder mit Schutzlack behandelt. Fahrzeugfolien erhalten stets ein Laminat für UV- und Kratzschutz.

Finishing und Konfektionierung: Nach dem Druck folgen oft: Schneiden, Verschweißen oder Versäumen (für Banner), Ösen stanzen, Klettverschlüsse aufnähen (Spannrahmen), Kaschieren auf Träger.


Vergleich & Abgrenzung

SystemSubstratTinteIndoor/OutdoorBesonderheit
Roll-to-Roll SolventflexibelSolvent/EcoSolbeidesgünstig, vielseitig
UV-FlatbedstarrUVbeidesdirekt auf Platte
Latex-RollflexibelLatexeher innengeruchslos
SublimationPolyesterSublimationinnenSoft-Signage

Abgrenzung zum Großformatplottern (CAD/GIS): Technisch ähnlich, aber primär für Linienzeichnungen, Pläne und Karten ohne Farbfoto-Qualität; häufig mit Stift oder Tintenstrahl monochrom.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange halten Außenbanner ohne Laminierung? Solvent-Drucke halten ungeschützt 3–5 Jahre; UV-Drucke auf Outdoor-Substraten je nach Tintentyp 2–7 Jahre. Laminierung verlängert die Lebensdauer deutlich.

Was ist der Unterschied zwischen Dibond und Forex? Dibond (Aluminium-Verbundplatte) ist steifer, schwerer und wetterfest – für Außenanwendungen geeignet. Forex (PVC-Hartschaum) ist leichter, günstiger, aber nur für den Innenbereich empfohlen.

Kann man Großformatdrucke auf gebogene Flächen aufbringen? Nur gegossene Folien (im Gegensatz zu gecasteten/calandered Folien) sind ausreichend dehnbar für Überwölbungen und tiefe Prägungen. Für Standardkurven (Fahrzeugsäulen) werden spezielle Applikationstechniken und Heißluftfön eingesetzt.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kaplinsky, Robert: Wide Format Printing Technology, Infotrends Research, 2021
  • FESPA (Hrsg.): Wide Format Printing Buyer's Guide, FESPA Publications, 2023
  • Bundesverband Druck und Medien (bvdm): Digitaldruck im Großformat, Leitfaden, 2020
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