CG-Inserts (Computer Graphics) sind alle grafischen Einblendungen im TV-Bild – von Namensunterschriften und Titelzeilen über Nachrichtenticker bis hin zu Wahlergebniskarten und Sportstatistiken.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Broadcast & TV · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Grafik-Einblendungen, CG-Grafiken, On-Screen-Graphics, Broadcast-Design, Schrifteinblendungen
Was sind CG-Inserts?
CG-Inserts (Computer-Generated Inserts) sind die grafischen Informationselemente, die über das laufende TV-Bild gelegt werden. Sie informieren Zuschauer über Gesprächspartner, aktuelle Nachrichten, Spielstände, Wahlergebnisse oder Programmhinweise, ohne das Videobild selbst zu verändern. Technisch werden sie als Key-Fill-Paar über den Bildmischer (Downstream-Keyer) über das Sendesignal gelegt.
Erklärung
Typen von CG-Inserts
Lower Third (Bauchbinde) Die untere Drittelzone des Bildes enthält Name und Funktion einer Person, z. B. „Prof. Dr. Anna Müller – Politikwissenschaftlerin, Universität Köln". Das „Lower Third" ist der universelle Begriff für diese Position. Gestaltungselemente: Schriftart, Hintergrundbalken, Senderlogo-Branding. Animationsdauer: typischerweise 0,5–1 Sekunde Ein-/Ausblenden.
Ticker / Crawl / Laufschrift Ein horizontaler Textstreifen, der von rechts nach links über den unteren Bildbereich scrollt. Eingesetzt für Eilmeldungen (Breaking News Ticker), Börsenkurse, Sportergebnisse. Geschwindigkeit: ca. 3–5 Zeichen pro Sekunde.
Bug / Sendungssymbol Das permanent eingeblendete Senderlogo, meist oben rechts oder links. Auch als „DOG" (Digital On-screen Graphic) bezeichnet. Im europäischen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk teils transparent, teils mit Sender-Branding.
Fullscreen-Grafiken Vollbildige Grafiken für Wahlergebnisse, Wetterkarten, Infografiken, Produktpräsentationen. Werden als separater Videokanal über den Playout-Server oder das CG-System bereitgestellt.
Squeeze-Back Das Bild wird komprimiert (rechts oder links verschoben), um Platz für eine Ankündigung der nächsten Sendung oder Werbung zu schaffen. Typisch bei amerikanischen Nachrichtensendern.
Countdowns und Clocks Echtzeituhren, Countdowns bis zu Events (z. B. Wahlabend) und Live-Dauer-Anzeigen werden direkt im CG-System berechnet und müssen synchron zum Timecode laufen.
CG-Systeme: Wichtige Hersteller
Vizrt (Viz Trio / Viz Engine / Viz Mosart) Vizrt ist der Marktführer für professionelle Broadcast-Grafiken, besonders bei Nachrichten- und Sportsendungen. Viz Engine rendert 3D-Animationen in Echtzeit. Viz Trio ist die Redaktionskontrolle für Grafiken: Redakteure können Texte (Namen, Nachrichten) in Templates einfüllen, ohne Design-Kenntnisse. Viz Mosart integriert Grafik und Sendeautomation.
Chyron (PRIME, CAMIO) Chyron ist ein US-amerikanischer Hersteller mit starker Präsenz in nordamerikanischem Broadcast. ChyronHego PRIME ermöglicht Echtzeit-Rendering von 3D-Grafiken. Die Cloud-Plattform CAMIO erlaubt zentral verwaltete Grafik-Workflows auch in Remote-Produktionen.
Ross Video XPression XPression ist ein leistungsstarkes Grafik-Rendering-System, das eng mit Ross-Bildmischern integriert ist. Bekannt für schnelle Template-Erstellung und robuste Live-Sport-Grafiken. XPression unterstützt auch Datenbankanbindungen für automatische Daten-Feeds (Ergebnisdienste, Börse).
Wasp3D Indischer Hersteller mit wachsender Präsenz in asiatischen und europäischen Märkten; bekannt für kostengünstige, templatebasierte CG-Lösungen.
Template-Workflow: Vom Design zur Sendung
- Design: Ein Motion-Designer erstellt in der CG-Software (Viz, Chyron oder After Effects + Plugin) ein Template mit Platzhaltern für variable Inhalte (Namen, Zahlen, Bilder).
- Template-Ablage: Das fertige Template wird im CG-System registriert.
- Redaktionelle Befüllung: Ein Redakteur öffnet das Template in der Redaktionsoberfläche (z. B. Viz Trio) und füllt die Variablen-Felder.
- Vorschau: Die Grafikregie prüft die Einblendung im Vorschaumonitor.
- On-Air: Per Tastendruck oder automatisch via Sendebetriebssystem wird die Grafik auf den Downstream-Keyer des Bildmischers geladen und eingeblendet.
Typografie und Lesbarkeit
Für CG-Inserts gelten besondere typografische Regeln:
- Schriftgröße: Mindestens 28–32 pt für Namen; Ticker mindestens 24 pt. Lesbarkeit auf kleinen TV-Geräten berücksichtigen.
- Kontrast: Heller Text auf dunklem Hintergrund oder umgekehrt; niemals Text direkt auf wechselndem Videobild ohne Hintergrundbalken.
- Safe Area: Text innerhalb der 90-%-Safe-Zone platzieren (Overscan auf älteren TV-Geräten).
- Schriftarten: Klare, serifenlose Schriften (Corporate Fonts des Senders). Exotische Schriften mit dünnen Linien wirken auf CRT-Monitoren und bei geringer Auflösung schlecht.
Beispiele
- ARD Tagesschau nutzt Vizrt-Templates für alle Name-Adressen, die von Redakteuren in Echtzeit befüllt werden.
- Sky Sport setzt Ross XPression für vollautomatische Spielstand-Overlays ein, die per Datenfeed aus einer Ergebnis-API gespeist werden.
- RTL Aktuell Breaking News Ticker ist eine Laufschrift, die über das gesamte Nachrichtenprogramm eingeblendet wird und live durch die Online-Redaktion aktualisiert wird.
In der Praxis
CG-Inserts sind ein oft unterschätzter aber hochsichtbarer Teil einer Sendung. Fehler in Namensschreibungen, falsche Berufsbezeichnungen oder technische Ausfälle des CG-Systems sind sofort für alle Zuschauer sichtbar. Regelmäßige Drills für den CG-Ausfall (Backup-Grafiken, manuelle Einblendungen) sind daher Standard in professionellen Sendeanstalten.
Vergleich & Abgrenzung
| System | Stärke | Schwäche | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|
| Vizrt Trio | Marktstandard, 3D | Teuer, komplexe Infrastruktur | > 50.000 € |
| Chyron PRIME | Stark in USA | Weniger verbreitet in DE | > 30.000 € |
| Ross XPression | Ross-Integration | Lernkurve | 20.000–80.000 € |
| CasparCG | Open Source, flexibel | Kein Support | Kostenlos |
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich Broadcast-Grafiken auch mit After Effects erstellen? Für Offline-Produktionen ja. Für Live-Einblendungen braucht man ein Echtzeit-CG-System. Es gibt jedoch Plugins (z. B. Vizrt Plugin for After Effects, Singular Live), die After-Effects-Templates in Live-CG-Systeme portieren.
Was ist „Safe Area" im Broadcast-Design? Die Safe Area definiert den Teil des Bildes, der auf allen TV-Geräten sicher sichtbar ist. Die Action Safe Area (90 %) und Title Safe Area (80 %) sind Standards für die Platzierung von Text und wichtigen grafischen Elementen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Millerson, Gerald: Lighting for TV and Film. 3. Aufl., Focal Press, 2009.
- Vizrt: Viz Trio Operator Manual. Vizrt, 2023.
- Ross Video: XPression User Guide. Ross Video, 2023.
- EBU: R95 – Safe areas for 16:9 TV production. EBU, 2005 (rev. 2020).
