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Timecode ist ein standardisiertes Zeitstempel-System, das jedem Bild (Frame) eines Video- oder Audiosignals eine eindeutige Adresse aus Stunden, Minuten, Sekunden und Frames zuweist und damit die Synchronisation komplexer Mehrkanal-Produktionen ermöglicht.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Broadcast & TV · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: SMPTE-Timecode, EBU-Timecode, Zeitstempel, TC

Was ist Timecode?

Timecode ist die Sprache, in der Broadcast-Systeme miteinander kommunizieren. Ohne Timecode wäre eine präzise Synchronisation zwischen Kameras, Tonrekordern, Schnittcomputern und Playout-Servern nicht möglich. Das Format wurde von der Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) in den 1960er-Jahren entwickelt und ist heute als SMPTE 12M standardisiert.

Erklärung

Das Timecode-Format

Ein Timecode-Wert hat die Form HH:MM:SS:FF (Stunden : Minuten : Sekunden : Frames). Bei einem 25-fps-Signal (PAL-Standard in Europa) zählen die Frames von 00 bis 24. Beispiel: 01:23:45:12 = 1 Stunde, 23 Minuten, 45 Sekunden, 12. Frame.

Drop-Frame-Timecode (DF) ist eine Besonderheit des amerikanischen NTSC-Systems (29,97 fps statt 30 fps): Um die Differenz zwischen echter Zeit und Timecode zu kompensieren, werden bestimmte Frame-Nummern „übersprungen" (gedroppt). Erkennbar an Semikolon statt Doppelpunkt: 01:23:45;12. Im europäischen PAL-Raum (25 fps exakt) wird kein Drop-Frame benötigt.

LTC – Longitudinal Timecode

LTC (Longitudinal Timecode, auch SMPTE-Timecode) ist ein Audio-Timecode, der auf einer Audiospur aufgezeichnet wird. Er kodiert den Zeitwert als biphasisch moduliertes Audiosignal und kann auf Tonband, VTR oder in einer DAW-Audiospur mitgeführt werden. LTC ist lesbar bei normaler Wiedergabegeschwindigkeit und bei Spulen, nicht aber bei Einzelbild-Stillstand.

Einsatz:

  • Synchronisation zwischen Bild- und Tonrekorder
  • Zeitreferenz für Schnittcomputer
  • Archivierung: Jedes aufgezeichnete Band trägt einen eindeutigen TC-Wert

VITC – Vertical Interval Timecode

VITC (Vertical Interval Timecode) ist im vertikalen Austastintervall des Videosignals eingebettet. Dieser Bereich zwischen zwei Bildfeldern enthält keine Bildinformation und eignet sich als Trägerfläche für Metadaten. VITC ist auch bei Einzelbild-Stillstand auslesbar, da er im Bild selbst kodiert ist – ein Vorteil gegenüber LTC.

In HD-Produktionen (HD-SDI) wurde VITC durch ATC (Ancillary Timecode) ersetzt.

ATC – Ancillary Timecode

ATC (Ancillary Timecode, SMPTE 12M-2) ist das Äquivalent von VITC für digitale SDI-Signale (HD-SDI, 3G-SDI). ATC wird als Hilfsdaten-Paket (Ancillary Data) im Blanking-Bereich des SDI-Signaldatenstroms transportiert. Moderne Kameras, Mischer und Server unterstützen ATC standardmäßig und können den Timecode automatisch durchleiten und regenerieren.

Genlock und Black-Burst

Genlock (Generator Lock) bezeichnet die Synchronisation mehrerer Videogeräte auf ein gemeinsames Synchronsignal. Wenn in einem Studio mehrere Kameras, Server und Mischer laufen, müssen sie exakt zum selben Zeitpunkt ihren Bildanfang haben (vertikale Synchronisation, V-Sync), sonst entstehen beim Umschneiden unschöne Sprünge (Sync-Abriss).

Black-Burst (Composite Black, auch House Sync) ist das klassische Synchronisierungssignal für SD-Anlagen. Es ist ein composites Videosignal ohne Bildinformation – nur Synchronpulse und Burst-Signal – das alle Geräte im Sendebetrieb auf dieselbe Phasenlage zwingt.

Tri-Level Sync ist das Äquivalent für HD-Anlagen. Es ist ein einfaches Rechtecksignal, das keine Bildinformation enthält, aber die HD-Synchronisationsfrequenz (z. B. 1080i/50: 25 Hz Vollbilder) vorgibt.

In modernen IP-basierten Broadcast-Umgebungen (ST 2110) übernimmt PTP (Precision Time Protocol, IEEE 1588) die Synchronisationsaufgabe. Ein PTP-Grandmaster-Server verteilt eine Zeitbasis mit Nanosekundengenauigkeit über das Netzwerk.

Timecode in der Produktion: Praktischer Workflow

  1. House-Sync aufbauen: Zentraler Sync-Generator gibt Black-Burst (SD) oder Tri-Level Sync (HD) an alle Geräte.
  2. TC-Generator setzen: Haupttimecode-Generator (meist im Bildmischer integriert) gibt LTC/ATC aus.
  3. Kameras einlockern: Jede Kamera wird mit dem House-Sync genlocked und empfängt den Timecode via SDI oder separaten TC-Eingang.
  4. Tongeräte synchronisieren: Audiomischer und Recorder empfangen LTC und laufen synchron zum Bild.
  5. Logging: Jede Aufzeichnungseinheit schreibt den Timecode auf das Band/die Datei – so lassen sich in der Postproduktion alle Takes exakt wiederfinden.

Beispiele

  • In einer mehrkameraproduzierten Talkshow laufen 5 Kameras alle auf Genlock, damit der Sendemisc (Live-Bildmischer) ohne Bildstörungen umschalten kann.
  • Bei einer Außenproduktion mit einem drahtlosen Tonrekorder (z. B. Sound Devices 788T) wird ein LTC-Jam-Sync vom Kamera-TC auf den Rekorder übertragen, sodass Bild und Ton im Schnitt automatisch synchron sind.
  • Playout-Server (siehe Playout-Server) nutzen ATC, um die Sendeminute exakt zu bestimmen und Werbepausen sekundengenau zu triggern.

In der Praxis

Timecode-Probleme sind eine häufige Quelle für Stress in der Postproduktion. Häufige Fehler:

  • TC-Unterbrechung (Discontinuity): Ein neuer TC-Wert beginnt mitten im Band
  • Falsche Frame-Rate: Kamera war auf 29,97, Schnitt erwartet 25 fps
  • Fehlender Genlock: Kamera 2 läuft 3 Frames vor Kamera 1

Präventiv: Immer vor der Produktion alle Geräte auf Sync und TC prüfen (Jam-Sync-Protokoll).

Vergleich & Abgrenzung

FormatMediumAuslesbar bei StillstandEinsatz
LTCAudiospurNeinSD/HD Aufzeichnung, Legacy
VITCVideosignal SDJaSD-Video (veraltet)
ATCSDI AncillaryJaHD/4K SDI (aktuell)
PTPNetzwerkN/AIP-Broadcast (ST 2110)

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gibt es Drop-Frame-Timecode? NTSC-Farbfernsehen läuft nicht exakt mit 30, sondern mit 29,97 fps. Über eine Stunde entsteht eine Differenz von etwa 3,6 Sekunden zwischen Timecode und echter Uhrzeit – für Sendezeitplanung problematisch. Drop-Frame kompensiert dies durch Auslassen bestimmter Frame-Nummern.

Muss ich Timecode bei YouTube-Videos verwenden? Nein. Timecode ist ein Broadcast-Produktionswerkzeug. Für einfache Online-Produktionen ist er nicht erforderlich.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • SMPTE: SMPTE ST 12-1: Time and Control Code. SMPTE, 2014.
  • Pohlmann, Ken C.: Principles of Digital Audio. 6. Aufl., McGraw-Hill, 2010.
  • Watkinson, John: The Art of Digital Video. 4. Aufl., Focal Press, 2008.
  • EBU: EBU Tech 3097 – Time and Control Codes for Television. EBU, 1992 (rev. 2012).
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