Eine Scene Heading (auch: Slugline) ist die standardisierte Szenenüberschrift im Drehbuch, die in Großbuchstaben den Schauplatz einer Szene durch drei Angaben definiert: Innen (INT.) oder Außen (EXT.), den genauen Ort und die Tageszeit.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Konzept · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Slugline, Szenenüberschrift, Master Scene Heading, Scene Header
Was ist eine Scene Heading / Slugline?
Die Scene Heading ist das erste Element jeder neuen Szene im Drehbuch. Sie gibt der Produktion auf einen Blick alle wesentlichen Informationen, die für den Drehplan relevant sind: Wird drinnen oder draußen gedreht? An welchem Schauplatz? Zu welcher Tageszeit? Diese drei Angaben sind keine literarische Entscheidung, sondern eine produktionstechnische Notwendigkeit – sie bestimmen maßgeblich Licht-Setup, Location-Buchung und Crew-Planung.
Erklärung
Aufbau einer Scene Heading:
`` INT. KÜCHE – TAG ``
- INT. = Interior (drinnen) bzw. EXT. = Exterior (draußen)
- Ortsbezeichnung = so präzise wie nötig, so kurz wie möglich
- Tageszeit = TAG, NACHT, MORGEN, ABEND, DÄMMERUNG, SPÄTER (o. ä.)
- Trennzeichen: In amerikanischen Drehbüchern oft ein Gedankenstrich (–), in deutschen Drehbüchern ebenfalls üblich
Varianten:
INT./EXT. AUTO – TAG(Szene im Auto, halb drinnen, halb draußen)INT. POLIZEIPRÄSIDIUM – VERHÖRRAUM – NACHT(Sublokalität)EXT. STADTPARK – SONNENUNTERGANG(spezifische Tageszeit)INT. SUPERMARKT – KASSENBREICH – WEITERoderKONTINUIERLICH(unmittelbar anschließend)
Nummerierung: In Produktions-Drehbüchern (Production Draft) werden Szenen mit Nummern versehen (1., 2., 3. etc.), die im Drehplan verwendet werden. Im Autoren-Drehbuch (Spec Script) werden Szenennummern in der Regel weggelassen.
Szenennummern und Farben: Im Produktionsprozess werden Drehbuch-Überarbeitungen durch verschiedene Papierfarben gekennzeichnet (Weißdruck, Blaudruck, Pinkdruck etc.), damit alle Beteiligten wissen, welche Version aktuell ist. Die Scene Headings bleiben auch bei Revisionen nummeriert.
Die Scene Heading ist das primäre Such- und Sortierelement in professioneller Drehbuchsoftware: Final Draft und andere Tools erlauben es, alle Szenen an einem bestimmten Schauplatz automatisch zu listen – eine essentielle Funktion für das Breakdown beim Regisseur und beim Aufnahmeleiter.
Inhaltlich sollte die Scene Heading so präzise wie nötig sein. „INT. GEBÄUDE" ist zu unspezifisch. „INT. UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK – LESESAAL – TAG" gibt Produktionsinformationen präzise wieder. Andererseits: „INT. ANNAS JUGENDZIMMER MIT DEM POSTER VON DAVID BOWIE ÜBER DEM BETT – NACHT" ist zu lang und gehört in die Action Line.
Beispiele
- Standardszene:
INT. WOHNZIMMER – TAG– die häufigste Form, präzise und knapp. - Außenszene Nacht:
EXT. PARKPLATZ – NACHT– kommuniziert sofort: Kunstlicht nötig, Nightshoot. - Fahrzeuginnen:
INT. TAXI – FAHRT – TAG– „FAHRT" signalisiert, dass die Szene während einer Fahrt stattfindet, was Spezialequipment (Fahrzeughalterung) erfordert. - Zeitsprung:
INT. ANNA WOHNUNG – KÜCHE – ZWEI JAHRE SPÄTER– ein Zeitsprung wird direkt in der Scene Heading kommuniziert, um Verwirrung in der Action Line zu vermeiden. - Schreibübung: Schreiben Sie fünf Scene Headings für fünf verschiedene Schauplätze Ihres Projekts. Überprüfen Sie: Sind sie in Großbuchstaben? Enthalten sie alle drei Angaben? Sind sie präzise genug für ein Produktionsteam?
In der Praxis
Verwenden Sie Drehbuchsoftware, die die Scene Heading automatisch formatiert. In Final Draft drücken Sie Enter nach dem letzten Dialog, dann Tab um das Element zu wechseln, und wählen „Scene Heading" – die Software setzt automatisch die Großbuchstaben und den richtigen Einzug. Halten Sie Scene Headings konsistent: Wenn der Schauplatz „KÜCHE" ist, schreiben Sie ihn überall gleich – das ermöglicht automatische Reports über alle Szenen an diesem Schauplatz.
Vergleich & Abgrenzung
Die Action Line folgt unmittelbar nach der Scene Heading und beschreibt das visuelle Geschehen in der Szene. Die Scene Heading ist immer ein eigenständiges Element und steht nie in der Action Line. Im Storyboard entspricht jede Scene Heading einem Abschnitt, der durch Bilder visualisiert wird. Im Drehplan (Stripboard) ist jede Scene Heading ein Streifen (Strip), der nach Schauplatz, Tageszeit und Besetzung sortiert werden kann.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich für jede Einstellung eine neue Scene Heading? Nein. Scene Headings markieren Szenen, nicht einzelne Kameraeinstellungen. Eine Szene kann viele Einstellungen umfassen. Die Szene wechselt, wenn sich Ort oder Zeit ändert. Die Kameraeinstellungen werden im Shotlist vom Regisseur festgelegt, nicht im Drehbuch des Autors.
Was bedeutet „CONTINUOUS" oder „WEITER" in der Scene Heading? Diese Angabe zeigt, dass die Handlung unmittelbar anschließt, ohne Zeitsprung. Beispiel: Figur geht durch eine Tür im Flur (Szene 1), betritt das Zimmer (Szene 2 mit „WEITER") – es gibt keine erzählerische Zeitlücke zwischen beiden Szenen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Trottier, David (2014): The Screenwriter's Bible. 6. Aufl. Silman-James Press.
- Field, Syd (1979): Screenplay. The Foundations of Screenwriting. Delta Trade Paperbacks.
- Hant, Peter (1999): Das Drehbuch. Praktische Filmdramaturgie. Zweitausendeins.
- Online: Final Draft Handbuch – www.finaldraft.com/learn
