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Das Drehbuch ist das schriftliche Grundlagendokument eines Films oder einer audiovisuellen Produktion, das Handlung, Dialoge, Szenen und technische Anweisungen in einem normierten Format festhält.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Scriptwriting · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Skript, Screenplay, Script


Was ist ein Drehbuch?

Ein Drehbuch ist weit mehr als eine Geschichte in Textform. Es ist ein Produktionsdokument, das allen Beteiligten einer Filmproduktion – Regisseur, Schauspieler, Kameramann, Produktionsdesigner – als verbindliche Arbeitsgrundlage dient. Die Form folgt dabei einer strengen Konvention, die sich über Jahrzehnte in der amerikanischen Filmbranche entwickelt hat und heute international als Standard gilt.

Das professionelle Drehbuchformat wurde in den 1930er und 1940er Jahren in Hollywood standardisiert und basiert auf einer einfachen Faustregel: Eine Drehbuchseite entspricht in der Regel einer Minute Laufzeit. Ein 90-minütiger Film wird demnach aus etwa 90 Seiten Drehbuch gedreht. Diese Entsprechung ist keine Magie, sondern das Ergebnis der definierten Schriftgröße (12 Punkt Courier), der Seitenränder und der festgelegten Abstände zwischen den Elementen.


Erklärung: Die wichtigsten Elemente

Ein Drehbuch besteht aus standardisierten Elementen, die jeweils eine feste Position auf der Seite haben:

Scene Heading (Szenenüberschrift)

Die Szenenüberschrift steht linksbündig in Großbuchstaben und gibt an, ob eine Szene innen oder außen spielt (INT. oder EXT.), den Schauplatz und die Tageszeit (TAG, NACHT, DÄMMERUNG). Beispiel: INT. KÜCHE – TAG

Action Lines (Handlungsbeschreibung)

In den Action Lines wird beschrieben, was im Bild zu sehen ist. Kein Innenleben von Figuren, keine Kameraanweisungen – nur das Beobachtbare.

Charaktername

Steht zentriert, vor einem Dialog, immer in Großbuchstaben.

Parenthetical (Regieanweisung)

Eine kurze, in Klammern gesetzte Anweisung zur Sprechweise oder Aktion, direkt unter dem Charakternamen. Sparsam einzusetzen.

Dialog

Der gesprochene Text, eingerückt und zentriert unter dem Charakternamen.

Transition

Übergänge wie SCHNITT AUF: oder ABBLENDE: stehen rechtsbündig. Im modernen Drehbuch werden sie kaum noch verwendet, da Regisseure den Schnitt selbst bestimmen.


Beispiele

Ein typisches Drehbuchfragment:

``` INT. ALTES ARCHIV – NACHT

Staubige Regale, Kartons stapeln sich bis zur Decke. MARA (40), Augen müde, aber wach, durchsucht mit einer Taschenlampe eine vergilbte Akte.

MARA (flüsternd) Das kann nicht sein.

Sie lässt die Akte fallen. Ein Foto gleitet zu Boden. ```

Dieses Fragment zeigt alle Kernelemente: Scene Heading, Action Line, Charaktername mit Parenthetical und Dialog.


In der Praxis

In der professionellen Praxis werden Drehbücher fast ausschließlich mit Spezialsoftware geschrieben, die das Format automatisch korrekt setzt – darunter Final Draft, Celtx oder WriterDuet (siehe Drehbuch-Software: Final Draft, Celtx, WriterDuet). Diese Programme erkennen den Kontext und formatieren automatisch, sobald man Enter drückt.

Seitenlänge und Lesbarkeit: Ein Kinofilm hat typischerweise 90 bis 120 Seiten. Minisserien oder Serienfolgen (60 Minuten) liegen bei 45 bis 60 Seiten; eine Halbstundenserie bei 25 bis 35 Seiten.

Kursivschrift und Fettschrift sind im klassischen Drehbuchformat nicht vorgesehen. Alles geschieht durch GROSSBUCHSTABEN (erste Nennung einer Figur, Soundeffekte) oder durch Satzzeichen.

Neue Figuren werden bei ihrer ersten Erwähnung in den Action Lines in Großbuchstaben geschrieben, damit Casting-Abteilungen sie schnell identifizieren können.


Vergleich & Abgrenzung

DokumentFunktion
Das Treatment: Zwischen Idee und DrehbuchProsahafte Zusammenfassung vor dem eigentlichen Drehbuch
Die Synopsis schreibenKurze Inhaltsangabe (1–5 Seiten)
Die Logline: Das Pitch-WerkzeugEin-Satz-Pitch der Geschichte
DrehbuchVollständiges Produktionsdokument
Shooting ScriptDrehbuch nach Produktionsfreigabe, mit Szenen- und Einstellungsnummern

Häufige Fragen (FAQ)

Warum muss ich das Format so genau einhalten? Das Format ist eine Sprache. Produzenten und Agenten sehen auf den ersten Blick, ob ein Drehbuch professionell ist. Formatfehler signalisieren Unerfahrenheit und führen dazu, dass Skripte ungelesen aussortiert werden.

Kann ich Kameraeinstellungen vorschreiben? Nein – zumindest nicht im Spec-Script (unverlangtes Drehbuch). Kameraanweisungen wie NAHAUFNAHME AUF: gelten als unprofessionell, da sie die Arbeit des Regisseurs vorwegnehmen. Ausnahmen gibt es bei Autor-Regisseuren oder im technischen Shooting Script.

Wie lang sollte mein erstes Drehbuch sein? Für einen Kurzfilm: 5–15 Seiten. Für einen Spielfilm: 90–110 Seiten. Länger ist selten besser.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Field, Syd (2007): Das Drehbuch. Die Grundlagen des Screenwritings. Zweitausendeins, Frankfurt.
  • McKee, Robert (2014): Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Alexander Verlag, Berlin.
  • Fuxjäger, Anton (2007): Drehbuch schreiben. Facultas WUV, Wien.
  • Writers Guild of America (WGA): Format Guidelines for Screenwriters. wga.org
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