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Der Szenen-Kopf (englisch: Scene Heading oder Slug Line) ist die technische Kopfzeile jeder Szene im Drehbuch: Er gibt an, ob die Szene in einem Innen- oder Außenraum stattfindet, benennt den Ort und die Tageszeit.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Dramaturgie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Slug Line, Szenenkopf, Szenenbezeichnung, Scene Header


Was ist ein Szenen-Kopf?

Der Szenen-Kopf ist das erste Element jeder neuen Szene im standardisierten Drehbuchformat. Er ist in Großbuchstaben geschrieben und folgt einer präzisen, konventionalisierten Struktur. Seine Funktion ist nicht nur formal-ästhetisch, sondern praktisch-produktionstechnisch: Aus den Szenen-Köpfen generiert eine Produktionssoftware automatisch Drehlisten, Motivlisten und Kostenpläne.

Jede Änderung des Schauplatzes oder der Tageszeit erfordert einen neuen Szenen-Kopf. Auch wenn eine Szene direkt in der nächsten fortgesetzt wird, aber an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit – neuer Szenen-Kopf.


Erklärung

Die Struktur des Szenen-Kopfs

INT. oder EXT.

  • INT. = Interior (Innenraum): Jede Szene, die in einem geschlossenen Raum spielt – Wohnungen, Büros, Fahrzeuginneres, Höhlen.
  • EXT. = Exterior (Außenraum): Jede Szene im Freien – Straßen, Wälder, Dächer.
  • INT./EXT. = Kombination: Wenn eine Szene zwischen Innen und Außen wechselt, ohne dass ein neuer Szenen-Kopf gerechtfertigt wäre (z. B. eine Figur lehnt im Türrahmen und spricht mit jemandem draußen). Wird sparsam eingesetzt.

Ort Direkt nach INT. oder EXT. folgt eine kurze, klare Ortsangabe. Konvention: So spezifisch wie nötig, so knapp wie möglich.

Beispiele:

  • INT. WOHNZIMMER – NACHT
  • EXT. BERLINER INNENSTADT – TAG
  • INT. POLIZEI – VERHÖRRAUM – TAG
  • EXT. DACH DES HOCHHAUSES – DÄMMERUNG

Tageszeit Der dritte Teil des Szenen-Kopfs gibt die Tageszeit an. Standardangaben:

  • TAG (oder DAY)
  • NACHT (oder NIGHT)
  • DÄMMERUNG (DAWN / DUSK) – für spezifische Lichtstimmungen
  • SPÄTER (LATER) – wenn die Tageszeit gleich bleibt, aber Zeit vergangen ist
  • KONTINUIERLICH (CONTINUOUS) – wenn die Handlung ohne Zeitsprung direkt weiterläuft

Formatierungsregeln

Im internationalen Standard (und in deutschen Drehbüchern, die an Hollywood-Normen angelehnt sind) gelten:

  • Schriftart: Courier New, 12pt
  • Szenen-Kopf: GROSSBUCHSTABEN, kein Fettdruck, keine Unterstreichung
  • Einzug: linksbündig (kein Einzug)
  • Abstand: Leerzeile vor dem Szenen-Kopf (nach der vorherigen Szene)

Beispiel im korrekten Format: ``` INT. KÜCHE – NACHT

Maria steht am Herd. Die Pfanne raucht. Sie dreht sich um. ```

Szenen-Nummern

In einem Produktionsdrehbuch (das für die eigentliche Produktion verwendet wird, nicht das Entwicklungsdrehbuch) erhält jeder Szenen-Kopf eine Szenennummer. Diese erscheint links und rechts neben dem Szenen-Kopf:

`` 1 INT. KÜCHE – NACHT 1 ``

Szenennummern werden erst beim sogenannten "Lock" des Drehbuchs vergeben – wenn das Skript für die Produktion finalisiert ist. Vor diesem Zeitpunkt sollte das Drehbuch keine Szenennummern enthalten, da jede Revision die Nummernfolge durcheinanderbringt.

Was in den Szenen-Kopf nicht gehört

  • Kamera-Anweisungen (keine: "CLOSE-UP – WOHNZIMMER")
  • Stimmungsangaben (keine: "INT. DÜSTERES WOHNZIMMER – NACHT")
  • Produktionstechnische Hinweise (keine: "Studio-Set")
  • Personennamen (keine: "INT. MARIAS WOHNZIMMER")

Alle diese Elemente gehören entweder in die Szenenanweisung (Action Line) oder sind Aufgabe von Regie und Produktion.

Software-Konventionen

Final Draft (Industriestandard):

  • Automatische Großschreibung des Szenen-Kopfs
  • Autocomplete für bekannte Ortsbezeichnungen (nach der ersten Eingabe werden Orte für spätere Szenen vorgeschlagen)
  • Szenennavigation über das Scene Panel

Celtx (kostenlos/freemium):

  • Ähnliche Automatisierungen
  • Integriert mit Produktionsplanung (Casting, Locations, Breakdown)

WriterDuet (kollaborativ):

  • Echtzeit-Kollaboration (mehrere Nutzer schreiben gleichzeitig)
  • Automatische Szenen-Kopf-Formatierung
  • Cloud-basiert

Fountain (offenes Markup-Format):

  • Szenen-Köpfe werden durch vorangestelltes # oder durch INT./EXT. automatisch erkannt
  • Kann in jedem Texteditor geschrieben und in PDF konvertiert werden

Beispiele

Szenen-Köpfe aus bekannten Drehbüchern (als Illustration):

  1. The Shawshank Redemption (Frank Darabont): Drehbuch enthält spezifische Ortsbezeichnungen wie INT. SHAWSHANK PRISON – CELLBLOCK – NIGHT, die die Atmosphäre des Gefängnisses bereits im Szenen-Kopf transportieren.
  2. Chinatown (Robert Towne, 1974): Gilt als eines der technisch perfektesten Drehbücher. Szenen-Köpfe wie EXT. FARMER'S MARKET – DAY sind knapp und präzise – keine Stimmungsangaben, nur was für die Produktion relevant ist.
  3. Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994): Tarantinos Drehbücher weichen leicht von der Norm ab – er nutzt manchmal unkonventionelle Schreibweise in den Action Lines, hält aber die Szenen-Kopf-Struktur ein.
  4. Parasite (Bong Joon-ho, 2019): Das internationale Drehbuch (Übersetzung) zeigt den Standard: INT. KI-택 HOME – SEMI-BASEMENT – DAY – Ort hierarchisch spezifiziert (Haus > Keller).
  5. Get Out (Jordan Peele, 2017): INT. ARMITAGE HOUSE – NIGHT – knapp, klar. Die Atmosphäre kommt aus der Action Line, nicht aus dem Szenen-Kopf.

In der Praxis

Konsistenz ist entscheidend: Ein Ort muss in jedem Szenen-Kopf identisch geschrieben sein – sonst liest die Produktionssoftware ihn als verschiedene Orte und erstellt falsche Drehlisten. INT. KÜCHE – NACHT und INT. DIE KÜCHE – NACHT sind für die Software zwei verschiedene Orte.

Szenen-Köpfe als Navigations-Tool: In langen Drehbüchern helfen klare Szenen-Köpfe beim schnellen Lesen. Produzenten und Regisseure lesen oft zuerst nur die Szenen-Köpfe, um die Struktur des Films zu erfassen.


Vergleich & Abgrenzung

Der Szenen-Kopf unterscheidet sich von der Action Line (Szenenanweisung): Die Action Line beschreibt, was in der Szene passiert und wie sie aussieht. Der Szenen-Kopf sagt nur, wo und wann.

Er unterscheidet sich auch von einer Transition (z. B. SCHNITT:, ÜBERBLENDE:): Transitionen stehen am Ende einer Szene, vor dem nächsten Szenen-Kopf, und beschreiben den Übergang – aber sie werden im modernen Drehbuch selten verwendet, da Übergänge Regie-Entscheidungen sind.


Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen einem Szenen-Kopf und einer Slug Line? "Slug Line" ist der englische Fachbegriff für denselben Bestandteil. Im Deutschen sagt man "Szenen-Kopf" oder "Szenenkopf". In der Produktion werden beide Begriffe synonym verwendet.

Muss ich INT. oder EXT. immer in Großbuchstaben schreiben? Ja, das ist Teil des Standards. Formatierungs-Software macht das automatisch. Im manuellen Schreiben ist es wichtig, den Standard einzuhalten – besonders wenn das Drehbuch professionell eingereicht wird. Abweichungen von der Norm erwecken den Eindruck mangelnder Erfahrung.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Field, Syd (2007): Das Handbuch zum Drehbuch. Zweitausendeins, Frankfurt am Main.
  • Trottier, David (1998): The Screenwriter's Bible. A Complete Guide to Writing, Formatting, and Selling Your Script. Silman-James Press, Los Angeles.
  • Snyder, Blake (2005): Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need. Michael Wiese Productions, Studio City.
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