Die Amerikanische Einstellung zeigt eine Figur von etwa der Mitte des Oberschenkels bis über den Kopf hinaus und wurde im Western-Genre etabliert, weil so Pistolenscheide und Gesicht gleichzeitig im Bild sichtbar bleiben.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Kamerasprache · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: American Shot, Cowboy Shot, Plan Américain (frz.), Dreivierteleinstellung
Was ist die Amerikanische Einstellung?
Die Amerikanische Einstellung ist eine Einstellungsgröße zwischen der Halbtotale / Medium Long Shot und der Halbnahe Einstellung / Medium Shot. Sie zeigt eine Figur von etwa der Mitte des Oberschenkels bis über den Scheitel. Der Name verweist auf das amerikanische Western-Genre, das diese Kadrage popularisierte und ihr ihre charakteristische dramaturgische Bedeutung gab. Im internationalen Produktionsalltag sind die Begriffe American Shot und Cowboy Shot gleichermaßen gebräuchlich.
Im deutschsprachigen Raum wird die Amerikanische Einstellung gelegentlich als Dreivierteleinstellung bezeichnet, weil sie etwa drei Viertel des Körpers erfasst. Das Stufensystem der Einstellungsgrößen ordnet sie zwischen die weiteren (Halbtotale, Totale) und die engeren Formate (Halbnahe, Nahe, Großaufnahme) ein.
Erklärung
Der Ursprung der Amerikanischen Einstellung liegt im Western-Genre der 1940er und 1950er Jahre. Duelltszenen erforderten, dass Revolverheld und Pistolenscheide am Oberschenkel gleichzeitig im Bild zu sehen waren. Eine engere Einstellung hätte den Holster abgeschnitten; eine weitere hätte die Mimik verunklart. Die Amerikanische Einstellung löste dieses dramaturgische Problem präzise.
Regisseure wie John Ford und Sergio Leone etablierten diesen Ausschnitt als Standard, der über das Western-Genre hinaus Bestand hatte. Heute ist sie eine der universellsten Einstellungsgrößen des narrativen Kinos.
Dramaturgisch kommuniziert die Amerikanische Einstellung Handlungsbereitschaft. Die Figur steht aufrecht, Hände und Gürtelbereich sind sichtbar: Das Gehirn des Zuschauers registriert unbewusst, dass die Figur jederzeit handeln kann. Gleichzeitig bleibt das Gesicht groß genug, um Emotionen präzise zu lesen. Das Ergebnis ist eine erhöhte Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung.
In Dialogszenen erlaubt die Amerikanische Einstellung, dass eine Figur ein Glas greift, einen Brief aus der Tasche zieht oder sich in Bewegung setzt, alles ohne Schnitt. Das spart Schnittarbeit und bewahrt die Kontinuität der Aktion.
Technisch entspricht die Amerikanische Einstellung einer Normalbrennweite (35 bis 50 mm auf Vollformat) aus mittlerem Abstand. Weitwinkelobjektive unter 28 mm verzerren Körperverhältnisse bei dieser Einstellungsgröße unangenehm (Mercado, 2011).
Beispiele
- Spiel mir das Lied vom Tod (Sergio Leone, 1968): Die ikonischen Duell-Momente zeigen die Schützen in klassischer Amerikanischer Einstellung. Gesicht und Schusshand liegen im selben Frame, die Spannung entsteht aus der Kombination von Mimik und Körperverfassung.
- Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994): Tarantino nutzt die Amerikanische Einstellung in Dialogszenen, um gleichzeitig Mimik und Handpositionen der Figuren zu zeigen. Die Einstellung gehört zur bewussten Hommage an das Genre-Kino.
- No Country for Old Men (Joel und Ethan Coen, 2007): Anton Chigurh wird konsequent in Amerikanischer Einstellung gezeigt, Gesichtsausdruck und Hände mit seinem Bolzenschussgerät sind immer gleichzeitig sichtbar.
- Deadpool (Tim Miller, 2016): Action-Comedy-Szenen nutzen die Amerikanische Einstellung, um Deadpools charakteristische Körpersprache und Waffenträgerei sichtbar zu machen, während sein Gesicht für Mimik und Komik präsent bleibt.
- Star Wars: A New Hope (George Lucas, 1977): Die Duelle zwischen Han Solo und seinen Gegnern zitieren bewusst die Cowboy-Shot-Ästhetik des Westerns, Science-Fiction als modernes Western-Epos.
In der Praxis
Kameraposition: Augenhöhe der Schauspieler oder minimal darunter. Abstand je nach Objektiv zwischen zwei und fünf Metern.
Linsenempfehlung: 35 mm bis 50 mm auf Vollformat. Kürzere Brennweiten verzerren Körperverhältnisse; längere Brennweiten können verwendet werden, wenn mehr Abstand zur Figur möglich ist.
Anweisung am Set: „Amerikanische, wir wollen den Gürtel sehen. Kinn unten offen, Kopf hat oben zwei Finger Luft." Alternativ: „Cowboy Shot, Oberschenkel, Mitte."
Typische Fehler:
- Untere Bildkante direkt am Knie: wirkt unbequem; Oberschenkel freilassen ist die richtige Schnittlinie
- Zu wenig Kopfraum: Figur wirkt erdrückt
- Kamera zu tief gesetzt: erzeugt unbeabsichtigte Froschperspektive
- Weitwinkel unter 28 mm: Körper wirkt verzerrt
Flexibilität im Schnitt: Die Amerikanische Einstellung lässt sich gut mit Halbtotalen (weiter) und Halbnahen (enger) kombinieren. Übergänge wirken fließend. In Interview- und Dokumentarformaten ist sie beliebt, weil sie Interviewpartner solide und handlungsfähig zeigt.
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Schnittlinie | Herkunft/Funktion |
|---|---|---|
| Totale | Kopf bis Fuß | Figur vollständig, Kontext |
| Halbtotale | ab Knie | Aktion, Gruppenszene |
| Amerikanische Einstellung | ab Oberschenkel-Mitte | Holster sichtbar, Handlungsbereitschaft |
| Halbnahe | ab Hüfte | Dialog, emotionale Nähe |
Die [Halbtotale / Medium Long Shot](/wiki/film-mediendesign/kamerasprache/halbtotale/) zeigt etwas mehr Bein und gibt dem Bild mehr Raum. Die [Halbnahe Einstellung / Medium Shot](/wiki/film-mediendesign/kamerasprache/halbnahe/) beginnt erst bei der Hüfte und betont den Oberkörper stärker. Die Amerikanische Einstellung liegt exakt zwischen diesen beiden und hat ihren eigenen dramaturgischen Rhythmus.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum heißt die Einstellung „amerikanisch" und nicht „Western-Einstellung"? Der Begriff Plan Américain stammt aus dem französischen Filmkritik-Diskurs. Europäische Filmkritiker sahen diese Kadrage als Charakteristikum des Hollywood-Stils und identifizierten sie als nationales Merkmal des amerikanischen Kinos. Im amerikanischen Produktionsalltag selbst spricht man eher vom Cowboy Shot.
Wann setzt man die Amerikanische Einstellung in modernen Produktionen ein? Überall, wo eine Figur sowohl emotional lesbar als auch körperlich handlungsbereit gezeigt werden soll: Konfrontationen, Übergaben von Objekten, Momente vor einer Entscheidung. Besonders in Action, Thriller und Drama ist sie der Standard für Spannungsmomente. Auch für Interviews und Social-Media-Formate im Hochformat hat sie sich bewährt, weil sie Körper und Gesicht gleichzeitig präsentiert.
Verwandte Einträge
- Halbtotale / Medium Long Shot
- Halbnahe Einstellung / Medium Shot
- Nahe Einstellung / Medium Close-Up
- Totale / Full Shot
Weiterführend
- Mercado, G. (2011). The Filmmaker's Eye: Learning (and Breaking) the Rules of Cinematic Composition. Focal Press.
- Arijon, D. (1991). Grammar of the Film Language. Silman-James Press.
- Brown, B. (2012). Cinematography: Theory and Practice. Focal Press.

