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Amerikanische Einstellung ist eine Einstellungsgröße, bei der Personen vom Oberschenkel (ca. Höhe der Pistolenscheide) bis über den Kopf hinaus im Bild zu sehen sind.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Kamerasprache · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Medium Shot (MS), Cowboy Shot, Dreivierteleinstellung

Was ist die Amerikanische Einstellung?

Die Amerikanische Einstellung zeigt eine Person von etwa der Oberschenkelmitte bis über den Scheitel hinaus. Sie entstand im klassischen Hollywood-Western, weil Schauspieler ihre Pistole am Gürtel tragen mussten – beides sollte gleichzeitig sichtbar sein. Heute ist sie eine der am häufigsten eingesetzten Einstellungsgrößen im narrativen Kino.

Erklärung

Der Name „Amerikanische Einstellung" verweist direkt auf ihre Entstehungsgeschichte: Im Westernfilm der 1940er und 1950er Jahre war es erzählerisch notwendig, sowohl das Gesicht des Schauspielers als auch die Pistolenscheide am Gürtel im selben Frame zu zeigen. Regisseure wie John Ford etablierten diesen Ausschnitt als Standard – und er blieb es bis heute.

Technisch gesehen liegt die untere Bildgrenze bei circa Oberschenkelmitte. Der Kopf hat oben etwas Luft, die Schultern sind vollständig zu sehen. Das Ergebnis: Die Figur wirkt präsent und körperlich real, ohne dass der Raum um sie herum dominiert. Gesichtsausdruck und Körperhaltung sind gleich gut ablesbar, was Emotionen und Handlungsbereitschaft kombiniert vermittelt.

Dramaturgisch ist die Amerikanische Einstellung die bevorzugte Größe für Szenen mit Spannung und potenziellem körperlichen Handeln. Sie gibt Raum für Gestik, lässt aber die Mimik gut erkennbar. Dialoge, bei denen die Handlungen der Figuren genauso wichtig sind wie ihre Worte, profitieren von diesem Ausschnitt.

Im Gegensatz zur Halbnahen (Brust aufwärts) ermöglicht die Amerikanische Einstellung, dass eine Figur eine Waffe zieht, ein Glas greift, ein Objekt aufnimmt oder sich in Bewegung setzt – alles im selben Shot ohne Schnitt. Das spart Schnittarbeit und hält die Kontinuität der Aktion.

Für Nachrichtensendungen und Talkshows ist ein verwandter Ausschnitt üblich, der aber etwas höher liegt. Im Spielfilm bleibt die Amerikanische Einstellung das Arbeitspferd des Actiongenres, des Thrillers und des Dramas gleichermaßen.

Beispiele

  1. Spiel mir das Lied vom Tod (Sergio Leone, 1968) – Die ikonischen Duell-Momente zeigen Schützen in klassischer Amerikanischer Einstellung: Gesicht und Schusshand im gleichen Frame, maximale Spannung durch minimale Bewegung.
  2. Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) – Tarantino nutzt die Amerikanische Einstellung extensiv in Dialogszenen, etwa im Diner-Opening, um gleichzeitig Mimik und die Waffe auf dem Tisch sichtbar zu halten.
  3. No Country for Old Men (Coen Brothers, 2007) – Anton Chigurh wird konsequent in Amerikanischer Einstellung gezeigt: Die Bedrohung entsteht aus der Kombination von Gesichtsausdruck und den Händen, die sein Bolzenschussgerät halten.
  4. Mad Max: Fury Road (George Miller, 2015) – In den kurzen Ruhemomenten zwischen Actionszenen setzt Miller die Amerikanische Einstellung ein, um Furiosa und Max gleichzeitig als handlungsbereit und emotional lesbar zu zeigen.
  5. Der Pate (Francis Ford Coppola, 1972) – Michael Corleones Transformation wird visuell durch zunehmend engere Einstellungen begleitet, wobei die Amerikanische Einstellung ihn in Schlüsselmomenten als Macher zeigt – Hände und Gesicht gleich präsent.

In der Praxis

Kameraposition: Die Kamera befindet sich auf Augenhöhe der Schauspieler oder minimal darunter. Der Abstand zur Schauspielperson beträgt je nach verwendetem Objektiv zwischen zwei und fünf Metern.

Linsenempfehlung: Ein 35-mm- oder 50-mm-Objektiv auf einer Vollformatkamera (oder äquivalent) ist ideal. Weitwinkelobjektive unter 28 mm verzerren Körperverhältnisse bei dieser Einstellungsgröße unangenehm.

Anweisung an den Kameramann: „Amerikanische – wir wollen den Gürtel sehen, Kopf hat oben zwei Finger Luft." Alternativ: „Cowboy Shot, Oberschenkel offen."

Typische Fehler:

  • Untere Bildkante direkt am Knie: wirkt unbequem, besser Oberschenkel freistellen
  • Zu wenig Kopfraum: Figur wirkt erdrückt
  • Standpunkt zu tief: entsteht unbeabsichtigte Froschperspektive
  • Randverzerrung durch zu kurze Brennweite: Körper wirkt verzerrt

Vergleich & Abgrenzung

Die Halbtotale (Long Shot) zeigt die Figur von Kopf bis Fuß mit sichtbarem Umgebungsraum – sie betont den Raum stärker als die Person. Die Amerikanische Einstellung schneidet den Bodenbereich ab und fokussiert stärker auf die Handlungsbereitschaft der Figur.

Die Halbnahe (Medium Close-Up) beginnt bei der Brust oder Schulter und schließt die Hände und den Gürtel aus. Sie betont Mimik und Dialog, verzichtet aber auf die körperliche Aktionsebene.

Die Amerikanische Einstellung ist das Bindeglied: Sie vereint Handlung und Emotion in einem Ausschnitt.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann setzt man die Amerikanische Einstellung ein? Sie ist ideal für Szenen, in denen eine Figur sowohl emotional lesbar sein als auch körperlich handeln soll – Duelle, Konfrontationen, Übergaben von Objekten, Momente kurz vor einer Entscheidung. Besonders im Action- und Thrillerkino ist sie der Standard für Spannungsmomente.

Welchen emotionalen Effekt hat die Amerikanische Einstellung? Sie erzeugt Handlungsbereitschaft und Spannung, weil die Hände im Bild sind. Das Gehirn des Zuschauers registriert unbewusst, dass die Figur jederzeit agieren kann. Gleichzeitig bleibt das Gesicht groß genug für emotionale Lesbarkeit. Das Ergebnis ist eine erhöhte Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung.

Weiterführend

  • Arijon, Daniel: Grammar of the Film Language. Silman-James Press, 1991.
  • Brown, Blain: Cinematography: Theory and Practice. Focal Press, 2016.
  • Katz, Steven D.: Shot by Shot – Die Filmsprache des Regisseurs. Zweitausendeins, 2000.
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