Die Totale ist eine Einstellungsgröße, bei der eine Figur vollständig von Kopf bis Fuß im Bild zu sehen ist, während die Umgebung noch einen erkennbaren Teil des Bildrahmens einnimmt und den Kontext der Handlung verdeutlicht.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Kamerasprache · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Full Shot, Full Body Shot, FS, Ganzkörpereinstellung
Was ist die Totale?
Die Totale, im Englischen Full Shot oder Full Body Shot, ist eine der grundlegenden Einstellungsgrößen der Filmsprache. Sie zeigt eine Person vollständig: von der Schuhsohle bis zum Scheitel. Die Figur ist deutlich erkennbar und nimmt einen wesentlichen Teil des Bildes ein, ohne dass die Umgebung vollständig in den Hintergrund tritt.
In der Hierarchie der Einstellungsgrößen liegt die Totale zwischen der weiteren Weiteinstellung (in der Figuren sehr klein oder kaum sichtbar sind) und der Halbtotale / Medium Long Shot (die ab den Knien schneidet). Die Totale ist die engste Einstellung, die den gesamten Körper zeigt.
Erklärung
Die Totale erfüllt im Filmnarrativ mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie stellt die Figur im Raum vor: Das Publikum sieht, wer die Person ist, wie sie gekleidet ist, wie sie steht, welche Körperhaltung sie einnimmt. Gleichzeitig ist der Ort der Handlung noch erkennbar, ob es sich um eine Straße, einen Innenraum oder eine Landschaft handelt, bleibt sichtbar.
Die körperliche Sprache einer Figur kann in der Totalen vollständig gelesen werden. Wie jemand geht, steht, gestikuliert oder sich durch den Raum bewegt: All das ist nur in der Totalen und den weiteren Einstellungen vollständig sichtbar. Für Tanzfilme, Action-Choreografien oder Musicals ist die Totale daher unverzichtbar: Der gesamte Körper muss im Bild sein, damit die Bewegung ihre Wirkung entfalten kann.
Dramaturgisch platziert man die Totale häufig am Beginn einer Szene, um Figur und Kontext gleichzeitig einzuführen, oder nach langen Dialogsequenzen, um den räumlichen Zusammenhang wiederherzustellen. Sie dient auch als Orientierungseinstellung innerhalb einer Szene, bevor in engere Ausschnitte gewechselt wird.
In den frühen Jahren des Kinos war die Totale die Standardeinstellung, weil Theaterstücke ebenfalls den gesamten Körper der Schauspieler zeigten: Das Filmtheater orientierte sich an der Bühne. Erst mit der Entwicklung der eigenständigen Filmsprache wurden Nahaufnahmen und Großaufnahmen als eigene Ausdrucksmittel eingeführt. Diese Entwicklung ist paradoxerweise keine Abkehr von der Totalen, sondern eine Erweiterung: Die Totale ist seitdem die Folie, vor der engere Einstellungen ihre Wirkung entfalten (Arijon, 1991).
Technisch unterscheidet man zwischen einer statischen Totalen und einer dynamischen Totalen, bei der die Kamera mitbewegt wird. Eine Verfolgungsfahrt in der Totalen zeigt eine laufende Figur vollständig und vermittelt dabei gleichzeitig Tempo und Raum.
Beispiele
- Singin' in the Rain (Stanley Donen und Gene Kelly, 1952): Die Tanznummern werden konsequent in der Totalen gezeigt, damit Gene Kellys gesamter Körper sichtbar ist. Jede Bewegung von den Füßen bis zu den Armen ist Teil der Choreografie: Ein Close-Up würde die Kunst zerstören.
- The Good, the Bad and the Ugly (Sergio Leone, 1966): Leone verwendet die Totale, um die drei Protagonisten in der Wüstenlandschaft zu zeigen, bevor er in extreme Großaufnahmen wechselt. Der Kontrast zwischen Totale und Close-Up ist dramaturgisches Stilmittel.
- Home Alone (Chris Columbus, 1990): Die slapstick-artigen Fallensequenzen werden bewusst in der Totalen gezeigt, damit der gesamte Körper von Macaulay Culkin und der Räuber im Bild ist. Comedy braucht die Totale, um physische Komik zu entfalten.
- The Revenant (Alejandro G. Iñárritu, 2015): Weite Totalen zeigen Hugh Glass in der Winterlandschaft und machen seine körperliche Erschöpfung durch Körperhaltung und Bewegung erfahrbar: Eine Nahaufnahme hätte diese Dimension nicht gehabt.
- La La Land (Damien Chazelle, 2016): Die Eröffnungs-Tanzsequenz auf dem Freeway nutzt Totalen konsequent, um Gruppen von Tänzern in voller Körperlänge zu zeigen. Die Kamera kreist um sie herum, bleibt aber in der Totalen, um die Choreografie vollständig zu präsentieren.
In der Praxis
Kopfraum: Zwischen dem Scheitel der Figur und dem oberen Bildrand sollte ein kleiner, aber spürbarer Abstand bleiben. Zu wenig wirkt beengend, zu viel wirkt verloren.
Fußraum: Der untere Bildrand sollte die Schuhe vollständig zeigen und darunter noch minimal Raum lassen. Wird der Fuß abgeschnitten, wirkt die Figur wurzellos.
Hintergrundgestaltung: In der Totalen ist der Hintergrund stark präsent. Er muss zur Szene passen und darf nicht von der Figur ablenken. Tiefenschärfe kann helfen, die Figur optisch vom Hintergrund zu trennen.
Kostüme und Requisiten: Für Kostümfilme und Period-Dramen ist die Totale besonders wertvoll, weil Kostüme und Requisiten nur im gesamten Körperbild ihre volle Wirkung entfalten. Ein aufwändig gefertigtes Kostüm, das nur im Brustbereich zu sehen ist, verschwendet das Budget (Brown, 2012).
Anweisung am Set: „Totale ab den Schuhen, alle brauchen Luft oben und unten. Hintergrund: ich will die Straße sehen, aber nicht zu viel."
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Bildinhalt | Figur | Funktion |
|---|---|---|---|
| Weiteinstellung | Landschaft, Ort | kaum sichtbar | Orientierung |
| Totale | Figur und Kontext | ganz (Kopf bis Fuß) | Figur im Raum |
| Halbtotale | Figur ab Knie | ab Knie sichtbar | Aktion, Bewegung |
Die [Weiteinstellung](/wiki/film-mediendesign/kamerasprache/weit/) zeigt mehr Raum und weniger Figur. Die [Halbtotale / Medium Long Shot](/wiki/film-mediendesign/kamerasprache/halbtotale/) schneidet bereits bei den Knien ab und betont mehr die Handlung der Figur. Die Totale ist der goldene Mittelweg: Figur vollständig sichtbar, Kontext noch erkennbar.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum schneiden Regisseure selten genau am Knöchel? Das Abschneiden am Gelenk (Knöchel, Knie oder Handgelenk) wirkt visuell unangenehm, weil es den Körper an einem anatomisch bedeutsamen Punkt trennt. Die gängige Faustregel lautet: zwischen den Gelenken schneiden, also entweder oberhalb des Knies oder deutlich unterhalb davon. Die Totale zeigt die Figur vollständig und umgeht dieses Problem (Arijon, 1991).
Ist die Totale und der Full Shot dasselbe? Im Wesentlichen ja. Der Full Shot ist die englische Bezeichnung für die Totale und meint ebenfalls die vollständige Sichtbarkeit der Figur von Kopf bis Fuß. In manchen Lehrbüchern gibt es leichte Nuancierungen, aber im praktischen Filmset werden beide Begriffe synonym verwendet.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Mercado, G. (2011). The Filmmaker's Eye: Learning (and Breaking) the Rules of Cinematic Composition. Focal Press.
- Arijon, D. (1991). Grammar of the Film Language. Silman-James Press.
- Brown, B. (2012). Cinematography: Theory and Practice. Focal Press.

