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DCP ist das standardisierte digitale Kinopaket auf Basis von JPEG2000-Bildkompression und MXF-Container-Format, das weltweit in professionellen Kinoservern für die Filmvorführung eingesetzt wird.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Postproduktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Digital Cinema Package, Kinopakeт, DCI-DCP


Was ist DCP?

Ein DCP (Digital Cinema Package) ist das normierte Dateiformat für die digitale Kinodistribution. Es löste ab Mitte der 2000er-Jahre den 35-mm-Film als primären Vertriebsweg für Spielfilme ab. Ein DCP ist keine einzelne Videodatei, sondern ein Ordner mit mehreren MXF-Dateien (Material Exchange Format) sowie einer XML-basierten Kompositionsliste (Composition Playlist, CPL), einem Paketliste (PKL) und einer Asset-Map.

Die technischen Standards werden durch die Digital Cinema Initiatives (DCI), ein Konsortium der großen Filmstudios, definiert und liegen in der aktuellen SMPTE-Norm DCI Specification 1.3 (2018) fest.


Erklärung

Bildkompression: JPEG2000

Im Gegensatz zu gängigen Videocodecs wie H.264 oder H.265 verwendet das DCP-Format JPEG2000 (ISO/IEC 15444-1) für die Bildkompression. JPEG2000 arbeitet framebasiert (jedes Bild wird einzeln komprimiert, kein Inter-Frame-Prediction wie bei MPEG-Codecs) und bietet verlustfreie sowie verlustbehaftete Kompression. Die maximale Bitrate beträgt:

  • 2K DCP: bis zu 250 Mbit/s
  • 4K DCP: bis zu 500 Mbit/s

Die unterstützten Bildformate sind:

FormatAuflösungSeitenverhältnis
Flat (1.85:1)1998 × 1080 (2K)Flat
Scope (2.39:1)2048 × 858 (2K)CinemaScope
Full Container (1.90:1)2048 × 1080 (2K)Überformat
4K Flat3996 × 2160Flat
4K Scope4096 × 1716Scope

Audio: PCM unkomprimiert

Der Ton im DCP wird als unkomprimiertes PCM-Audio gespeichert, mit 24 Bit Wortbreite und 48 kHz oder 96 kHz Abtastrate. Das Channel-Layout folgt dem SMPTE 428M Standard:

  • 5.1 Surround (Standard)
  • 7.1 Surround
  • Atmos (als zusätzliche Beilagen-Spur möglich)
  • HI/VI: Hörgeschädigten-/Visually Impaired-Spur

Container: MXF (Material Exchange Format)

MXF (SMPTE 377M) ist ein professionelles Container-Format für Bild und Ton, das Metadaten, Timecode, Reel-Informationen und die eigentlichen Mediendaten vereint. Im DCP werden Bild und Ton in der Regel in getrennten MXF-Dateien gespeichert (Picture Track File, Sound Track File). Bei mehrteiligen Filmen können mehrere sogenannte Reels existieren.

Struktur eines DCP-Ordners

`` FILMTITEL_FTR_F_DE-XX_DE_51_2K_20240101_IOP/ ├── ASSETMAP.xml ├── VOLINDEX.xml ├── PKL_xxxxxxxx-xxxx.xml ← Paketliste mit Prüfsummen ├── CPL_xxxxxxxx-xxxx.xml ← Composition Playlist ├── j2c_xxxxxxxx-xxxx.mxf ← Bild (JPEG2000) └── pcm_xxxxxxxx-xxxx.mxf ← Ton (PCM) ``

Verschlüsselung: KDM

Für den Kopierschutz können DCPs mit AES-128-Verschlüsselung gesichert werden. Der Entschlüsselungsschlüssel wird als KDM (Key Delivery Message) ausgeliefert – eine XML-Datei, die auf den spezifischen Kinoserver (über dessen Zertifikat) und auf ein bestimmtes Zeitfenster ausgestellt ist. Ohne gültige KDM lässt sich ein verschlüsseltes DCP nicht abspielen.

Interop vs. SMPTE DCP

Es existieren zwei technische Standards:

  • Interop DCP (IOP): älteres Format, breiter kompatibel mit älteren Servern
  • SMPTE DCP: neuerer, offizieller Standard, erforderlich für 4K, HFR (High Frame Rate), 3D mit mehr als 48 fps

Beispiele

  1. Spielfilm im Kino: Ein Hollywood-Blockbuster wird als 4K-Scope DCP mit 7.1-Ton ausgeliefert. Der Kinoserver entschlüsselt via KDM und spielt über den Digitaldiaprojektor ab.
  2. Kurzfilm beim Filmfestival: Festivaleinreichungen erfordern oft ein unkryptiertes 2K-DCP (Flat oder Scope), das auf einem DCI-kompatiblen Server läuft – etwa Doremi, Dolby IMS3000 oder Barco Alchemy.
  3. Fremdsprachige Version: Ein DCP kann eine OV-Version (Originalversion) und eine DF-Version (Deutschfassung) enthalten, die über unterschiedliche CPLs angesteuert werden.
  4. 3D-Film: 3D-DCPs enthalten zwei JPEG2000-Streams (linkes/rechtes Auge), die synchron abgespielt und per Polarisations- oder Aktiv-Shutter-System getrennt werden.
  5. Werbung/Trailer: Auch Kinowerbeträger und Trailer werden als DCP geliefert. Hier sind kurze, unkryptierte DCPs mit eigenem CPL üblich.

In der Praxis

Erstellung mit DCP-o-matic

DCP-o-matic ist eine freie, plattformübergreifende Open-Source-Software zur DCP-Erstellung. Sie unterstützt sowohl Interop- als auch SMPTE-DCPs, kann Video aus nahezu allen Formaten importieren und ermöglicht die Konfiguration von:

  • Bildformat (Flat/Scope/Full)
  • Bitrate (maximal 250 oder 500 Mbit/s)
  • Audio-Kanäle und -Zuordnung
  • Untertitel (eingebrannt oder als separate XML-Bahn)
  • Verschlüsselung (mit eigenem KDM-Generator)

Für professionelle Produktionen kommen auch kommerzielle Tools wie Fraunhofer easyDCP, Colorfront On-Set Dailies oder Module in DaVinci Resolve Studio zum Einsatz.

Kinoserver und Playback

Gängige Kinoserver-Systeme sind:

  • Barco Alchemy und Doremi DCP-2000 (in Deutschland weit verbreitet)
  • Dolby IMS3000
  • GDC Technology SX-3000

Diese Server lesen den DCP-Ordner aus, verifizieren Prüfsummen (via SHA256 im PKL) und spielen synchron über DCI-konforme Projektoren ab (z. B. Barco DP4K, Christie CP4325, NEC NC3541L).

Qualitätskontrolle

Vor der Auslieferung sollte ein DCP mit einem Tool wie ClairMeta oder Clipster DCP-Check validiert werden. Geprüft werden: Dateivollständigkeit, Prüfsummen, Metadaten-Konsistenz und Normkonformität.


Vergleich & Abgrenzung

EigenschaftDCPProRes 4444H.264 (YouTube)
BildcodecJPEG2000ProResH.264/AVC
Bitratebis 500 Mbit/sca. 330 Mbit/s35–68 Mbit/s
AudioPCM unkomprimiertPCMAAC komprimiert
ZielplattformKinoserverPost-/EditingStreaming
VerschlüsselungAES-128 + KDMneinnein
Interaktivitätneinneinnein

DCP ist ausschließlich für die Kinoauswertung konzipiert. Für Streaming, Broadcast oder Home-Video sind andere Formate vorgesehen (siehe Deliverables je Plattform).


Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich ein DCP auf einem normalen PC abspielen? Mit spezieller Software ist das möglich. DCP-o-matic enthält einen DCP-Player, ebenso gibt es MPlay und kommerzielle Lösungen. Für echte DCI-Wiedergabe (mit Hardware-Entschlüsselung und DCI-Projektor) ist ein zertifizierter Kinoserver notwendig.

Muss ein DCP immer verschlüsselt sein? Nein. Unkryptierte DCPs (auch „open" oder „clear" DCPs genannt) können ohne KDM auf jedem DCI-Server abgespielt werden und sind insbesondere bei Festivals und eigenen Produktionen üblich. Für kommerzielle Kinoauswertungen mit Kopierschutz wird Verschlüsselung empfohlen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Digital Cinema Initiatives (DCI): DCI Specification Version 1.3. Digital Cinema Initiatives LLC, 2018.
  • SMPTE ST 428-1:2019: D-Cinema Distribution Master — Image Characteristic. SMPTE, 2019.
  • Swartz, Charles S.: Understanding Digital Cinema: A Professional Handbook. Focal Press, 2005.
  • Luff, Patrick: Digital Cinema — A Practical Guide for Technicians and Filmmakers. Routledge, 2017.
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