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Deliverables sind die finalen, plattformspezifischen Abgabedateien einer Videoproduktion, die exakt den technischen Anforderungen des jeweiligen Distributors oder Ausstrahlungskanals entsprechen müssen.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Postproduktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Abgabeformate, Submission Files, Master-Deliverables, Tech-Specs

Was sind Deliverables?

Jede Plattform, jedes Sendeunternehmen und jeder Distributor hat eigene technische Anforderungen an das abzugebende Videomaterial. Diese Deliverable-Spezifikationen (kurz: Specs) regeln Bildauflösung, Codec, Datenrate, Farbtiefe, Farbraum, Audioformat, Lautheit, Untertitelformate und Metadaten. Eine Abgabe, die nicht den Specs entspricht, wird vom Qualitätskontroll-System (QC) abgelehnt und muss nachgeliefert werden, was im Produktionsalltag Zeit und Kosten kostet.

Das Wissen über plattformspezifische Deliverables ist daher eine der zentralen praktischen Kompetenzen in der Postproduktion. Es verbindet den Film-Mastering: Qualitätskontrolle und Deliverables-Prozess mit der tatsächlichen Distribution.

Erklärung

Netflix

Netflix veröffentlicht detaillierte Partner-Spezifikationen im Netflix Partner Help Center (partner.netflix.com). Die wichtigsten Anforderungen für Originalproduktionen (Netflix Originals):

Bildformat:

  • Auflösung: 4K UHD (3840×2160) bevorzugt, 2K/HD (1920×1080) akzeptiert
  • Codec: Apple ProRes 4444 oder ProRes 422 HQ (für Mastering), JPEG2000 im IMF-Paket für finale Abgabe
  • Farbraum: Rec. 709 (SDR) oder Rec. 2020/PQ (HDR, Dolby Vision)
  • Farbtiefe: 10 Bit (bei HDR zwingend)

Audio:

  • Format: 24 Bit PCM, 48 kHz
  • Konfiguration: 5.1 Surround oder 7.1; Stereo-Downmix beilegen
  • Lautheit: -24 LUFS (integriert), True Peak -2 dBTP
  • Für Atmos: zusätzliche IMF-IAB-Spur

Untertitel:

  • Format: Netflix Timed Text (NFLX-TT), basierend auf TTML/IMSC1
  • Separat pro Sprache abzuliefern

Abgabeformat:

  • Interoperable Master Format (IMF) mit OPL (Output Profile List), eine strukturierte XML-basierte Abgabe mit separaten Bild-, Ton- und Untertitel-Tracks

ARD/ZDF (Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk Deutschland)

Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen folgen dem DPP UK-Standard und dem AS-11 MXF-Profil:

Bildformat:

  • Auflösung: HD 1920×1080, 25 fps (progressiv oder interlaced)
  • Codec: DNxHD 120/145 oder XDCAM HD422 (50 Mbit/s, 4:2:2)
  • Farbraum: Rec. 709

Audio:

  • 24 Bit PCM, 48 kHz
  • Lautheit nach EBU R128: -23 LUFS (integriert), True Peak -1 dBTP
  • Stereo oder 5.1; R128-Gate-Messung

Dateiformat:

  • MXF OP-1a (XDCAM-kompatibel)
  • Metadaten: EBU Core/AS-11 DPP Metadata gemäß DPP Compliance Sheet

Besonderheiten:

  • Textless Material (titelfreie Version) bei Eigenproduktionen oft erforderlich
  • Timecode: 25 fps, Non-Drop, Start 10:00:00:00

Apple TV+

Apple TV+ folgt ähnlichen Anforderungen wie Netflix, betont aber ProRes-native-Workflows und Dolby Vision noch stärker:

  • Bildformat: 4K UHD, ProRes 4444 XQ oder ARRIRAW
  • Farbraum: Dolby Vision Mastering, HDR10-Fallback
  • Audio: Dolby Atmos bevorzugt, alternativ 5.1 PCM
  • Lautheit: -24 LUFS (integriert), True Peak -2 dBTP
  • Abgabeformat: IMF-Paket via Apple iTunes Connect

YouTube

YouTube bietet relativ liberale technische Anforderungen, da die Plattform Material serverseitig neu kodiert:

Empfohlene Upload-Einstellungen:

  • Auflösung: bis 8K (4320p); 4K (2160p) empfohlen
  • Codec: H.264 oder H.265; YouTube empfiehlt ProRes, DNxHR oder HEVC als Master für Upload
  • Bitrate (Empfehlung): 35 bis 45 Mbit/s bei 1080p60, 53 bis 68 Mbit/s bei 4K60
  • Farbraum: Rec. 709 (SDR) oder Rec. 2020/HLG oder PQ (HDR)
  • Container: MP4 mit H.264/H.265 oder MOV (ProRes)

Audio:

  • Format: AAC-LC, 320 kbps Stereo (empfohlen), oder PCM im MOV-Container
  • Sample Rate: 48 kHz oder 96 kHz

Besonderheiten:

  • YouTube re-encodes alles; Original-Qualität wird im Archiv gespeichert (VP9 bei Auslieferung)
  • HDR-Uploads werden als HDR10 oder HLG verarbeitet
  • Chapters via Beschreibung (00:00 Format)

Instagram (Meta)

Instagram hat strikte Beschränkungen, die sich regelmäßig ändern:

Reels und Feed-Videos:

  • Seitenverhältnis: 9:16 (Reels), 1:1 oder 4:5 (Feed), 16:9 (lange Videos)
  • Auflösung: max. 1080×1920 px
  • Codec: H.264
  • Maximale Dateigröße: 650 MB (Reels), 100 MB (Feed-Video bis 60 Sek.)
  • Maximale Länge: 90 Sek. (Reels), 60 Min. (lange Videos)
  • Frame Rate: 23 bis 60 fps

Audio:

  • Format: AAC, 128 bis 320 kbps
  • Stereo empfohlen

Besonderheiten:

  • Instagram re-encodes auf 30 fps max für Reels in bestimmten Märkten
  • Farbprofil: sRGB dringend empfohlen (Rec. 709-Äquivalent)
  • Keine HDR-Unterstützung

Beispiele

  1. Dokumentarfilm für Netflix: 4K-HDR-Masterfile als ProRes 4444 XQ, IMF-Paket mit Dolby-Vision-Metadaten, Netflix-Timed-Text-Untertitel in sechs Sprachen.
  2. TV-Reportage für Das Erste: XDCAM HD422 MXF OP-1a, 1080i50, -23 LUFS, mit AS-11-Metadaten und Compliance Sheet.
  3. YouTube-Dokumentation: ProRes 422 HQ-Master, Export als H.264 MP4 mit 50 Mbit/s, 4K, sRGB-Farbprofil, AAC 320 kbps Stereo.
  4. Instagram-Reel: Quadratischer Schnitt 1080×1080, H.264, 30 fps, max. 650 MB, AAC, optimiert für vertikale Betrachtung.
  5. Kinodokumentarfilm: DCP (Scope 2.39:1, 2K, JPEG2000, PCM 5.1) plus Broadcast-Master (1080p, ProRes) plus Web-Version (H.264 MP4).

In der Praxis

Deliverable-Matrix

Professionelle Produktionen erstellen bereits in der Pre-Production eine Deliverable-Matrix: eine Tabelle aller geforderten Abgaben mit Specs, Deadlines und Verantwortlichkeiten. Diese wird mit dem Auftraggeber abgestimmt und als Grundlage für die Post-Budgetierung genutzt.

Versionierung und Benennung

Jede Deliverable-Datei erhält eine eindeutige Benennung nach einem festgelegten Schema: `` FILMTITEL_FTR_F_DE-XX_51_1080p_20240315_v01.mov `` Bestandteile: Titel, Typ (Feature = FTR), Sprachfassung, Tonkonfiguration, Auflösung, Datum, Version.

Automatisierte QC

Tools wie Vidchecker, Baton (Interra Systems) oder Pulsar (Venera Technologies) führen automatisierte QC-Checks durch, die Specs gegen das gelieferte Material prüfen. Der QC-Prozess ist Teil des Finishing: letzter Schritt vor der Auslieferung-Workflows.

Vergleich & Abgrenzung

PlattformPrimärformatLautheitFarbraumBesonderheit
NetflixIMF/ProRes-24 LUFSRec. 709/Rec. 2020HDR Dolby Vision
Apple TV+IMF/ProRes-24 LUFSDolby VisionProRes-native
ARD/ZDFMXF OP-1a-23 LUFSRec. 709AS-11 Metadaten
YouTubeH.264/ProReskeine PflichtsRGB/Rec. 709Re-encoding VP9
InstagramH.264keine PflichtsRGBGrößenbeschränkung
Kino (DCP)JPEG2000/MXF-27 LKFSP3 D65KDM-Verschlüsselung

Häufige Fragen (FAQ)

Welches Format sollte ich für den Master wählen, wenn ich nicht weiß, für welche Plattform der Film gezeigt wird? Als universeller Master empfiehlt sich ProRes 422 HQ (für SDR) oder ProRes 4444 (für HDR/VFX) in 4K, 25 fps, Rec. 709, mit unkomprimiertem PCM-Audio (24 Bit, 48 kHz, 5.1 plus Stereo-Downmix). Von diesem Master lassen sich alle plattformspezifischen Deliverables ableiten.

Warum klingen Videos auf Instagram immer schlechter als das Original? Instagram komprimiert Audio auf niedrige Bitraten (teilweise unter 128 kbps AAC) und normalisiert Lautstärke. Zudem wird Video re-encoded, was bei bereits komprimiertem H.264-Material zu sichtbaren Artefakten führt. Abhilfe: hochwertigen Master hochladen, sRGB sicherstellen, nicht vorab komprimieren.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Netflix Partner Help Center: Netflix Delivery Specifications. Netflix Inc., laufend aktualisiert.
  • EBU: EBU R128: Loudness Normalisation and Permitted Maximum Level of Audio Signals. EBU, 2020.
  • DPP: AS-11 UK DPP SD Shim Specification. Digital Production Partnership, 2018.
  • Google: YouTube Help: Recommended upload encoding settings. Google LLC, 2024.
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