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Proxy-Workflow bezeichnet die Methode, hochauflösende oder rechenintensive Original-Kameradateien durch leichtgewichtige Proxy-Versionen für den Offline-Schnitt zu ersetzen und nach dem Schnitt automatisch auf die Originale umzuverlinken (Relink).

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Postproduktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Proxy Edit, Offline/Online Workflow, Low-Res Proxy Edit


Was ist ein Proxy-Workflow?

Mit der Verbreitung von 4K-, 6K- und RAW-Kameraformaten wurde es für normale Laptops und Schnittcomputer zunehmend schwieriger, das Original-Kameramaterial in Echtzeit abzuspielen, geschweige denn zu schneiden. Die Lösung: Proxys.

Proxys sind technisch reduzierte Versionen des Original-Kameramaterials – gleiche Laufzeit, gleicher Timecode, aber deutlich kleinere Dateigröße und einfacherer Codec. Der Cutter schneidet komfortabel mit Proxys, ohne auf leistungsstarke Hardware oder teure SAN-Infrastruktur angewiesen zu sein. Nach dem Schnitt wird die Schnittstruktur via Relink auf die Originaldateien übertragen.


Erklärung

Proxy-Codecs: Welches Format für welchen Zweck?

Die Wahl des Proxy-Codecs hängt von NLE, Zielsystem und Anforderungen ab:

Apple ProRes Proxy:

  • Bitrate: ca. 45 Mbit/s bei 1080p25
  • Qualität: ausreichend für Schnitt (deutlich besser als H.264 bei niedriger Bitrate)
  • Vorteile: I-Frame-only (kein GOP), direkter Zugriff auf jeden Frame, timeline-safe
  • Nachteile: Mac-bevorzugt (auf Windows ohne QuickTime-Komponenten problematisch)
  • Einsatz: Avid, Final Cut Pro X, DaVinci Resolve auf Mac

Apple ProRes 422 LT:

  • Bitrate: ca. 100 Mbit/s bei 1080p25
  • Qualität: für kritischere Vorschauen; zwischen Proxy und 422
  • Einsatz: wenn ProRes Proxy zu komprimiert wirkt

Avid DNxHD LB (Low Bandwidth):

  • Bitrate: 36 Mbit/s bei 1080p25
  • Vorteile: Avid-native, plattformübergreifend (Windows + Mac), I-Frame-only
  • Einsatz: Avid Media Composer, plattformübergreifende Teams

H.264 LT (Long GOP):

  • Bitrate: 12–25 Mbit/s
  • Vorteile: sehr kleine Dateien, auf jedem System abspielbar
  • Nachteile: Long-GOP-Codec → bei Scrubbing und Frame-Seeking langsamer als I-Frame-Codecs; Dekompression benötigt mehr CPU
  • Einsatz: wenn Speicherplatz kritisch ist; Web-basierte Review-Plattformen

Vergleich:

CodecBitrate 1080pDateigröße/StundeI-FramePlattform
ProRes Proxy45 Mbit/s~20 GBjaMac bevorzugt
ProRes 422 LT100 Mbit/s~45 GBjaMac bevorzugt
DNxHD LB36 Mbit/s~16 GBjaWin + Mac
H.264 (LT)12–25 Mbit/s~5–11 GBneinAlle
H.265 (HEVC)8–15 Mbit/s~3–7 GBneinAlle

Proxy-Erstellung: Tools und Methoden

Am Set / DIT-Workflow:

  • Pomfort Silverstack XT: Ingest-Tool mit integrierter Proxy-Erstellung; speichert Proxys parallel zur Primärkopie
  • Assimilate SCRATCH: Proxy-Erstellung mit LUT-Einbrennung (für Monitor-korrekte Vorschau)
  • ARRI ALEXA Workflow Terminal: ARRI-eigenes Tool für ARRI-RAW-Proxys

In der Post:

  • DaVinci Resolve: Via Media Pool → rechtsklick → "Generate Proxy Media"; wählbarer Format und Auflösung; automatisches Re-linking in der Timeline
  • Adobe Premiere Pro: Project > Proxy > Create Proxies; Adobe Media Encoder läuft im Hintergrund; automatisches Umschalten via Toggle-Button in der Timeline
  • Avid Media Composer: AMA-verlinkte Medien können als Avid-DNxHD-Medien transcodiert werden (Media > Consolidate/Transcode)

Relinking: Das Herzstück des Proxy-Workflows

Relinking ist der Prozess, bei dem ein NLE nach dem Offline-Schnitt die Proxy-Clips durch die Original-Kameradateien ersetzt. Die Bedingung: Proxy und Original müssen denselben Source-Timecode aufweisen.

Relink-Mechanismus:

  1. NLE liest die TC-Informationen aus dem Proxy-Clip-Metadaten
  2. Es durchsucht die verlinkten Ordner nach einer Datei mit identischem TC
  3. Bei Übereinstimmung: der Clip in der Timeline wird durch das Original ersetzt
  4. Das Schnittbild bleibt identisch; lediglich die Quelldatei ändert sich

Wichtig: Relink funktioniert NICHT, wenn:

  • Proxys ohne TC oder mit falschem TC erstellt wurden
  • Original und Proxy unterschiedliche Frame Rates haben
  • Clip-Namen nicht konsistent sind und TC-Übereinstimmung unklar ist

NLE-spezifisches Relink:

  • Premiere: Toggle-Proxy-Button in der Timeline (schaltet zwischen Proxy und Original)
  • DaVinci Resolve: Proxy-Ordner im Media Pool → automatisches Re-linking bei vorhandenem TC
  • Avid: Media Manager oder Media > Relink für AAF/Bins

Offline-Media-Probleme vermeiden

Das häufigste Problem im Proxy-Workflow: Clips erscheinen als "offline" (fehlend). Ursachen und Lösungen:

Ursache 1: Festplatte nicht verbunden oder Pfad geändert

  • Lösung: NLE auf neuen Pfad verlinken (Premiere: Projekt → Link Media; Avid: Media > Relink)

Ursache 2: Proxy-Dateien fehlen oder wurden gelöscht

  • Lösung: Proxys neu erstellen (Transcode); Proxys niemals löschen, solange Projekt aktiv

Ursache 3: Timecode-Mismatch

  • Kamera hatte TC-Reset oder Lücken → Proxy hat anderen TC als Original
  • Lösung: Manuelles Relink via Clip-Name + Reel-Nummer; TC-Offset in NLE-Einstellungen

Ursache 4: Inkonsistente Dateinamen

  • Wenn Clip-Namen zwischen Proxy und Original verschieden sind und TC nicht eindeutig
  • Lösung: Strikte Namenskonventionen schon bei Proxy-Erstellung

Ursache 5: Medienverwaltungs-Konfiguration falsch

  • In Premiere: Proxy-Dateien nicht im richtigen Proxies-Ordner abgelegt
  • In Avid: MediaFiles-Ordner nicht im Suchpfad

Proxy-Workflow in DaVinci Resolve

Resolve bietet den ausgereiftesten integrierten Proxy-Workflow:

  1. Schritt 1: Original-Medien in den Media Pool importieren
  2. Schritt 2: Clips selektieren → Rechtsklick → "Generate Proxy Media"
  3. Schritt 3: Proxy-Format wählen (ProRes Proxy, DNxHR LB, H.264)
  4. Schritt 4: Proxys werden background-rendered und im Proxy-Ordner gespeichert
  5. Schritt 5: Im Playback-Menü: "Use Proxy if Available" aktivieren
  6. Schritt 6: Timeline nutzt automatisch Proxy für Playback; Original für Grading
  7. Schritt 7: Vor der finalen Auslieferung: Proxys deaktivieren → Render aus Original

Beispiele

  1. MacBook-Cutter mit ARRI RAW: Kameramann dreht in ARRIRAW. DIT erstellt ProRes-Proxy auf Set (1080p, ProRes Proxy). Cutter schneidet auf MacBook Pro. Für Finishing werden Proxys in DaVinci Resolve deaktiviert, Original ARRI RAW wird für Grading verwendet.
  2. Remote-Cutter: Cutter arbeitet von Zuhause aus. Proxys (H.264, 25 Mbit/s) werden via Frame.io Camera to Cloud hochgeladen; Cutter lädt H.264-Proxys herunter und schneidet in Premiere. Nach Schnitt: Relink auf lokale High-Res-Kopien, die der DIT schickt.
  3. Werbefirma: Sony VENICE-Aufnahmen in X-OCN. Post-House transcodiert zu DNxHD LB für Avid. Cutter schneidet, exportiert AAF. Colorist relinkt auf Originale in DaVinci Resolve.
  4. YouTube-Creator: GH6 mit H.265 4K. Premiere-Proxy-Workflow: Proxys als H.264 1080p im Hintergrund; Timeline läuft flüssig auf dem Laptop. Bei Export: automatisch auf 4K-Originale umgeschalten.
  5. Hochschulproduktion: Studierendengruppe dreht in 6K BRAW auf Blackmagic Pocket 6K. DaVinci Resolve erstellt automatisch ProRes-Proxy beim Import. Schnitt auf iMac mit M2; Grading auf Original BRAW.

In der Praxis

Proxy-Ordnerstruktur

Eine klare Trennung von Original und Proxy ist essentiell: `` PROJEKT/ ├── 01_ORIGINAL/ │ └── CAM_A/ ├── 03_PROXIES/ │ └── CAM_A/ ← gleichnamige Dateinamen wie Original, aber Proxy-Codec ``

Niemals Proxys und Originale im selben Ordner speichern!

Proxy-Qualität und Grading

Proxys sind für Schnitt gedacht, nicht für Grading. Ein Colorist, der mit Proxys anstatt Originalen graded, erhält suboptimale Ergebnisse (reduzierter Dynamikumfang, eingeschränkte Bit-Tiefe). Daher: immer auf Originale re-linken vor dem Grading.


Vergleich & Abgrenzung

AnsatzProxyOriginal-DirectTranscode
Performancesehr gutHW-abhängiggut
Speicherbedarfgering + Originalnur OriginalOriginal + Transcode
Qualität im Schnittausreichendoptimalsehr gut
Relink-Aufwandbei Conformentfälltentfällt
Empfehlung4K+ RAW, Remotemit Echtzeit-HWAvid-Workflow

Häufige Fragen (FAQ)

Verliere ich Qualität durch den Proxy-Workflow beim finalen Export? Nein – sofern für den endgültigen Export/Grading auf die Originaldateien re-gelinkt wurde. Proxys werden nur für das Schnitt-Vorschau-Bild verwendet; die finale Render-Pipeline nutzt immer die Originale.

Kann ich H.264 als Proxy-Format verwenden, obwohl es Long-GOP ist? Ja, H.264 funktioniert als Proxy-Format, hat aber einen Nachteil beim Frame-genauen Scrubbing: Da Long-GOP-Codecs keine I-Frames für jeden Frame haben, muss beim Rückwärtsscrubben das nächste I-Frame gesucht werden, was zu Latenz führt. Für schnelles Scrubbing sind I-Frame-Codecs (ProRes, DNxHD) immer vorzuziehen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • ARRI: ARRI Workflow Guide: Proxy and Offline Editing. Arnold & Richter Cine Technik, 2022.
  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve Manual – Proxy Media. Blackmagic Design, 2024.
  • Pomfort: Silverstack User Manual – Proxy Creation. Pomfort GmbH, 2024.
  • Apple: Final Cut Pro User Guide – Proxy Media. Apple Inc., 2024.
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