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Offline-Online Schnitt ist ein zweiphasiger Postproduktions-Workflow: Im Offline-Schnitt wird die Montage mit Proxy-Material (niedrige Auflösung, kleine Dateigröße) entwickelt; im Online-Schnitt wird die Montage auf die hochauflösenden Originaldateien "konformiert" (Conform), um die finale Qualität für Grading und Mastering zu erhalten.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Postproduktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Offline/Online, Offline Editing, Online Editing, Conform

Was ist der Offline/Online Schnitt?

Der Offline/Online-Workflow entstand in der analogen Filmwelt: "Offline" bezeichnete die Arbeit mit Arbeitskopien (oft 16mm-Kopien eines 35mm-Films); "Online" die Arbeit mit dem teuren Originalmaterial in spezialisierten, teuren Schnittsuiten. Heute beschreibt das Konzept die Trennung zwischen der kreativen Schnittphase (flexibel, günstig, mit Proxy-Material) und der technischen Online-Phase (qualitätskritisch, mit Originaldateien).

Beide Phasen stehen in engem Zusammenhang mit dem Proxy-Workflow: Offline-Schnitt mit Proxy-Dateien und führen zum Picture Lock: Meilenstein im Postproduktions-Workflow, der Entscheidung "der Schnitt ist final". Das Austauschformat zwischen den Phasen ist typischerweise ein EDL (Edit Decision List): Schnittdaten im CMX-3600-Format oder OMF und AAF: Austauschformate zwischen NLE und DAW.

Erklärung

Phase 1: Offline-Schnitt

Der Offline-Schnitt (auch: Rough Cut, Offline Editing) ist die Phase, in der alle kreativen Entscheidungen über Montage, Szenenreihenfolge, Timing und Story-Struktur getroffen werden.

Merkmale:

  • Arbeit mit Proxy-Dateien (niedrige Auflösung: 1/4 der Originalgröße oder weniger)
  • Oft auf einem Standard-Laptop, nicht auf einer High-End-Workstation
  • Direktes Feedback möglich: Der Cutter ändert, zeigt, korrigiert in Echtzeit
  • Keine Echtzeit-Anforderung an die Hardware
  • Mehrere Versionen (Director Cut, Producers Cut) können schnell erstellt werden

Ablauf:

  1. Ingest: Proxy-Dateien aus Originalmaterial konvertieren (via Proxy-Workflow: Offline-Schnitt mit Proxy-Dateien)
  2. Logging: Clips benennen, bewerten, mit Metadaten versehen
  3. Grobe Montage (Assembly Cut): alle verwendbaren Takes in Reihenfolge
  4. Rohschnitt (Rough Cut): erste vollständige Version
  5. Feinschnitt (Fine Cut): rhythmisch und dramaturgisch verfeinert
  6. Picture Lock: Meilenstein im Postproduktions-Workflow: Freigabe der finalen Schnittliste

Phase 2: Conform (Online-Schnitt)

Der Conform (oder Online-Conform) ist der Prozess, bei dem die im Offline-Schnitt erstellte Schnittliste mit den hochauflösenden Originaldateien verknüpft wird.

Relink-Prozess: Das NLE-System identifiziert jeden Clip aus dem Offline-Schnitt und verlinkt ihn auf das entsprechende Originalmaterial. Dies geschieht via Clip-Metadaten: Kameraname, Szene/Take-Nummer oder Timecode (der im Originalclip und im Proxy-Clip identisch sein muss).

Offline-Medium vs. Online-Medium:

EigenschaftOffline-ProxyOnline-Original
CodecH.264, ProRes ProxyARRI RAW, ProRes 4444, REDCODE
Auflösung1280×720 bis 1920×10804K bis 8K
Dateigröße2 bis 8 MB/Sek.50 bis 500 MB/Sek.
Platzbedarfgering (SSD/HDD)hoch (SAN/RAID)
Echtzeitfähigkeitsehr guterfordert dedizierte Hardware

Conform-Tools:

  • DaVinci Resolve 21 (Standard für modernes Conform): importiert XML, EDL oder AAF, verlinkt automatisch auf Quellmaterial
  • Avid Media Composer 2026.x: importiert eigene Bins, AAF-Exchange mit Resolve
  • Adobe Premiere (Version 26.3, 2026): "Relink Media"-Dialog, alternativ via XML

Conform-Workflow in DaVinci Resolve:

`` Offline NLE (Premiere/Avid) → Export: AAF oder XML + Proxy-Medienpfade → DaVinci Resolve: Media Pool → Importiere AAF/XML → Timeline erscheint mit Proxies → Relink: Rechtsklick → wähle Ordner mit Originalmaterial → Alle Clips werden auf Originalmaterial verlinkt → Grading und Finishing auf Original-Auflösung ``

Häufige Conform-Probleme:

ProblemUrsacheLösung
"Media Offline" nach RelinkTC-Inkonsistenz, falscher CodecProxies mit identischem TC erstellt?
Reel-Name fehltAAF ohne Reel-Name exportiertAAF-Export-Einstellungen prüfen
Clips verlinken auf falsches MaterialDoppelte Clip-NamenEindeutige Clip-Namen beim Ingest
Audio-Sync verlorenTC-Unterbrechungen im OriginalTC-Durchlauf im Kameramaterial prüfen

Austauschformate für Conform

Für den Datentransfer zwischen Offline und Online werden standardisierte Austauschformate verwendet:

Proxy und Conform in DaVinci Resolve (integriert)

DaVinci Resolve 21 bietet einen integrierten Proxy-Workflow, der den Unterschied zwischen Offline und Online verwischt:

  1. Originalmaterial importieren
  2. Optimized Media oder Proxy Media generieren lassen
  3. Im Color-Modul: Grading auf Originalmaterial (Proxies nur für Playback-Performance)
  4. Beim Export: automatisch auf Originalmaterial rendern

Im "Proxy Mode" im Playback-Menü schaltet Resolve zwischen Remote (Proxy) und Local (Original) um. Der Colorist sieht Proxies für Echtzeit-Playback, rendert aber mit Originalmaterial.

Beispiele

  1. Kinofilm: Kameraassistent erstellt täglich BRAW-Footage (8K). DIT konvertiert zu ProRes Proxy 1080p am Set. Cutter arbeitet auf MacBook Pro im Offline-Schnitt (Adobe Premiere, Version 26.3, 2026) mit Proxies für 6 Wochen bis Picture Lock. Conform in DaVinci Resolve mit Original-BRAW-Material für Grading.
  2. TV-Serie: 10 Episoden, 5 Cutter arbeiten parallel auf AVID NEXIS mit DNxHD LB Proxies. Nach Picture Lock jeder Episode: AAF-Export aus Avid Media Composer 2026.x, Import in DaVinci Resolve für Grading auf Originalmaterial (ARRI MXF).
  3. Dokumentarfilm: Einzelner Cutter auf MacBook Pro. iPhone-Footage, DSLR-Material, Archivmaterial zusammen. ProRes LT als interner Proxy in DaVinci Resolve, alles im selben System, kein expliziter Offline/Online-Bruch nötig.
  4. Remote-Post: Cutter in München, Colorist in Hamburg. Proxies über Frame.io für Review und Genehmigung. Nach Picture Lock: Transfer via Signiant Media Shuttle des AAF und Originalmaterial für Colorist.
  5. Musikvideo: 2 Drehtage mit Sony FX3, 4K/120fps. Proxy-Workflow in Adobe Premiere (Version 26.3, 2026), Farbkorrektur in Lumetri-Farbe, da Premieres Proxy-Integration direkt auf Original rendert.

In der Praxis

Proxy-Erstellung im DIT-Workflow

Am Drehtag erstellt der DIT täglich Proxies aus dem Kameramaterial. Wichtig dabei:

  • Timecode übernehmen: Proxy muss denselben Source-Timecode wie das Original haben
  • Metadaten beibehalten: Kameraname, Clip-Name, Reel-Nummer
  • Codec-Wahl: ProRes Proxy (Apple) oder DNxHD LB (Avid), je nach NLE

Tools: ARRI Workflow Terminal, DaVinci Resolve Studio (automatische Proxy-Erstellung via Media Management), Pomfort Silverstack XT.

Wann brauche ich keinen Offline/Online-Workflow?

Für kleinere Projekte (YouTube, Social Media, Kurzfilm) ist ein expliziter Offline/Online-Workflow oft überflüssig:

  • Material nicht so umfangreich (< 500 GB)
  • Hardware kann auch Originalmaterial editieren (Apple Silicon, High-End PC)
  • Ein einzelner Cutter bearbeitet alles selbst

Der Workflow wird wichtig bei: großen Datenmengen, mehreren parallelen Cuttern, Remote-Workflows, Übergabe an Grading/Online nach Picture Lock.

Vergleich & Abgrenzung

AnsatzBeschreibungVorteilNachteil
Reiner Offline-Proxy-WorkflowSchnitt in Proxy, Conform in anderem SystemFlexibel, kostengünstigZwei Software/Systeme, Conform-Aufwand
Direktschnitt in OriginalKein Proxy, direkt in 4KEinfacher WorkflowBenötigt leistungsstarke Hardware
Integrierter Resolve-WorkflowProxy-Erstellung und Conform in ResolveEin Tool für allesWeniger Features als Avid/Premiere

Häufige Fragen (FAQ)

Ab welcher Projektgröße lohnt sich der Offline/Online-Workflow? Bei Projekten in 4K oder höher, bei denen das Schnittsystem keinen Echtzeitworkflow mit dem Original-Codec erlaubt, oder wenn Cutter und Colorist/VFX-Artist an verschiedenen Standorten oder in verschiedenen Tools arbeiten. Für kleinere Web-Produktionen unter 1 Stunde kann der Direktschnitt in 4K auf einem modernen Laptop ausreichen.

Warum schlägt der Conform manchmal fehl? Die häufigste Ursache ist ein Timecode-Mismatch: Die Proxies wurden nicht mit dem exakt gleichen Timecode wie das Originalmaterial erstellt (z. B. wurde der TC beim Proxy-Export zurückgesetzt). Daher müssen Proxies so erstellt werden, dass der Timecode aus dem Original übernommen wird.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kauffmann, Sam: Avid Editing: A Guide for Beginning and Intermediate Users. 6. Aufl. Routledge, 2016.
  • Murch, Walter: In the Blink of an Eye. 2. Aufl. Silman-James Press, 2001.
  • Hullfish, Steve: The Art and Technique of Digital Color Correction. 2. Aufl. Focal Press, 2012.
  • ARRI: ARRI Workflow Guide, Offline and Online Workflows. Arnold & Richter Cine Technik, 2022.
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