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Interne ND-Filter sind in die Kamera eingebaute Neutraldichtefilter, die den Lichteinfall auf den Sensor reduzieren, ohne externe Filteraufsätze zu benötigen, und besonders für Videoaufnahmen eine schnelle und komfortable Belichtungssteuerung bieten.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik Fortgeschritten · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Variable Internal ND, Elektronischer ND, IRND (Infrared ND)


Was sind interne ND-Filter?

Ein Neutraldichtefilter (ND-Filter) reduziert die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, ohne die Farbwiedergabe zu beeinflussen. Im professionellen Videobereich sind ND-Filter unverzichtbar, da Videoaufnahmen typischerweise mit einer bestimmten Belichtungszeit gedreht werden (bei 25fps: 1/50s, die "180-Grad-Shutter-Regel"), die sich nicht frei variieren lässt.

Externe ND-Filter (als Schraubfilter oder Mattebox-Filter) sind weit verbreitet, haben aber Nachteile: Filterwechsel dauert; bei variablem ND entstehen durch Kreuzkristallisation Farbverfälschungen und Qualitätsverluste bei bestimmten Stärken.

Interne ND-Filter, die direkt in die Kamera integriert sind, lösen viele dieser Probleme.


Erklärung

Arten interner ND-Filter

Mechanisch-optischer ND: Physische Grauglas-Scheiben werden motorisiert vor den Sensor geschwenkt. Die Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K Pro und viele Sony Cinema-Line-Kameras (FX3 hat keinen internen ND, FX6 schon) nutzen dieses Verfahren.

Elektronisch-variabler ND: Liquid-Crystal-basierte Filter, deren Dichte durch anlegen einer Spannung elektronisch variiert wird. Kein bewegliches Teil, stufenlos einstellbar. Oft als "Variable ND" bezeichnet.

Vorteile interner ND-Filter

  • Schnelles Anpassen: Bei wechselnden Lichtbedingungen kann die ND-Stärke per Tastenbefehl oder Dial geändert werden.
  • Kein Wechsel von Frontgewinde-Filtern: Besonders bei Zoom-Objektiven mit wechselndem Filtergewinde praktisch.
  • Keine Vignettierung durch Filterrahmen: Kein Rand im Bild durch falsch eingeschraubten Filter.
  • Infrarot-Kontrolle: Professionelle interne NDs sind IRND (Infrared Neutral Density) und blockieren auch IR-Licht, das bei günstigen ND-Filtern zu unerwünschten Farbcasts (v. a. Rot-Magenta-Tinting in schwarzem Stoff) führt.

ND-Stärken

ND-Filter werden in verschiedenen Notationen angegeben:

BezeichnungLichtreduktionBlendenstufen
ND 0.3 / ND250 %1 Stop
ND 0.6 / ND475 %2 Stops
ND 0.9 / ND887,5 %3 Stops
ND 1.2 / ND1693,75 %4 Stops
ND 1.8 / ND6498,44 %6 Stops
ND 2.1 / ND12899,2 %7 Stops

Beispiele

Kameras mit internem ND-Filter

Sony Cinema Line:

  • Sony FX6: Interner variabler ND (1/4 bis 1/128, ca. 2–7 Stops)
  • Sony FX9: Interner variabler ND (1/4 bis 1/128)
  • Sony Venice 2: Interner variabler ND (1/4 bis 1/128)
  • Sony FX3: Kein interner ND (Einstiegsmodell der Cinema Line)

Blackmagic Design:

  • BMPCC 6K Pro: Variabler interner ND (2–6 Stops)
  • URSA Mini Pro 4.6K G2: Physischer ND-Filter-Slot (ND 0.3, ND 0.6, ND 1.2)

Panasonic:

  • AU-EVA1: Kein interner ND
  • Varicam 35: Optionaler interner ND-Filter-Slot

Canon Cinema EOS:

  • EOS C70: Variabler interner ND (2 bis 10 Stops)
  • EOS C300 Mark III / C500 Mark II: Variabler ND (2 bis 10 Stops)

In der Praxis

Die 180-Grad-Shutter-Regel

In der Videografie gilt als Faustregel: Die Belichtungszeit soll dem doppelten Wert der Framerate entsprechen. Bei 25fps: 1/50s, bei 50fps: 1/100s. Diese Belichtungszeit erzeugt eine natürliche Bewegungsunschärfe.

Draußen bei Sonnenschein ist 1/50s aber viel zu lang – das Bild wäre bei Blende 5.6 und ISO 800 massiv überbelichtet. Ein ND-Filter reduziert das Licht, ohne die Belichtungszeit oder ISO ändern zu müssen. Interner ND macht das schnell und ohne Schrauben.

Automodus (Auto ND)

Sony FX6 und Canon EOS C70 bieten einen "Auto ND"-Modus: Die Kamera stellt die ND-Stärke automatisch so ein, dass eine definierte Belichtungszeit (z. B. 1/50s) gehalten wird. Das ist für Dokumentar- und Eventfotografie revolutionär, da man sich auf Komposition und Fokus konzentrieren kann.

Infrarot-Cast bei günstigen ND-Filtern

Standard-ND-Filter aus günstigem Glas blockieren das sichtbare Licht, aber nicht Infrarotlicht. Da digitale Sensoren für IR empfindlich sind, entsteht ein rötlicher/violetter Stich in schwarzem oder dunkelblauem Stoff. Professionelle NDs (IRND) blockieren auch IR und vermeiden dieses Problem.


Vergleich & Abgrenzung

TypQualitätKostenKomfortFlexibilität
Interner ND (mechanisch)Sehr hoch (IRND)Im KamerapreisSehr hochMittel (feste Stufen)
Interner variabler NDSehr hochIm KamerapreisSehr hochHoch (stufenlos)
Externer Schraubfilter NDHochMittelNiedrigMittel
Externer variabler NDMittelMittelMittelHoch
Elektronischer ND externHochHochHochHoch

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich bei einem internen ND zusätzlich einen externen ND verwenden? Ja. Beide können kombiniert werden, wenn noch mehr Lichtreduktion nötig ist (z. B. für extrem helle Außenszenen mit Offenblende).

Verschlechtert ein interner ND die Bildqualität? Hochwertige interne NDs (z. B. Sony Venice 2) zeigen keine messbare Qualitätsminderung. Günstigere Variable-ND-Systeme können bei mittleren Stärken (wegen Kreuzkristallisation) leicht an Schärfe verlieren.

Brauche ich als Fotograf einen internen ND? Für Fotografie kaum. Für Video (auch an Systemkameras) kann ein interner ND ein großer Komfortgewinn sein.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Ray, Sidney F. (2002): Applied Photographic Optics. 3. Aufl. Focal Press, Oxford.
  • Sony Professional (2023): FX6 Operating Instructions. Sony Corporation, Tokyo.
  • Blackmagic Design (2022): Pocket Cinema Camera 6K Pro User Manual. Blackmagic Design, Melbourne.
  • Canon (2022): EOS C70 Advanced User Guide. Canon Inc., Tokyo.
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