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Timecode-Synchronisation ist das Verfahren, bei dem alle Kameras und Audiogeräte in einer Produktion einen gemeinsamen, präzisen Zeitstempel (Timecode) erhalten, um in der Postproduktion einfach synchronisieren zu können.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik Fortgeschritten · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: TC-Sync, Timecode Jam, Free Run Timecode


Was ist Timecode-Synchronisation?

Bei Produktionen mit mehreren Kameras und Tongeräten entsteht ohne Synchronisation ein erheblicher Mehraufwand beim Editing. Wurde der Ton getrennt von den Kameras aufgenommen, muss jede Spur manuell gesynct werden – oft per Klatsche (Slate) oder Wellenformvergleich.

Timecode-Synchronisation löst dieses Problem: Alle beteiligten Geräte erhalten denselben präzisen Zeitstempel. In der Postproduktion kann die NLE (z. B. DaVinci Resolve oder Premiere Pro) alle Spuren automatisch nach Timecode synchronisieren – die Klatschen-Erkennung ist nur noch als Backup nötig.


Erklärung

Was ist SMPTE-Timecode?

SMPTE-Timecode (Society of Motion Picture and Television Engineers) ist ein standardisierter Zeitcode, der Zeit in Stunden, Minuten, Sekunden und Frames angibt: HH:MM:SS:FF. Bei 25fps würde Frame 15 einer Sekunde als 00:00:01:15 geschrieben.

Timecode-Formate:

  • Drop Frame (DF): Für NTSC-Systeme (29,97fps), kompensiert für die nicht ganzzahlige Framerate
  • Non Drop Frame (NDF): Für PAL-Systeme (25fps) und andere ganzzahlige Frameraten
  • Free Run: Läuft kontinuierlich, unabhängig von der Aufnahme
  • Record Run: Zählt nur während der Aufnahme hoch

LTC und MTC

  • LTC (Linear Time Code / Longitudinal Time Code): Analoges Audiosignal, das über eine Audiobuchse übertragen wird. Günstig, weit verbreitet, funktioniert über lange Kabelwege.
  • MTC (MIDI Time Code): Timecode über MIDI-Protokoll. Relevant für Musikproduktionen.
  • VITC (Vertical Interval Time Code): In das Videosignal eingebettet, nicht mehr Standard.

Timecode-Geräte für Kamerasets

Spezialisierte Timecode-Sender/-Empfänger wurden für kleine und große Filmproduktionen entwickelt:

  • Tentacle Sync E/TRACK E: Kleiner Bluetooth-Timecode-Generator, der per LTC-Signal an Kamera-Audio-Eingang angeschlossen wird. Master-Slave-Betrieb über Bluetooth.
  • Ambient Clockit (ACL): Professionelle Lösung für Broadcast und Filmproduktion
  • Atomos Sync Box: Für Atomos-Recorder-Ökosystem
  • Sound Devices MixPre mit Timecode: Audiomixer mit TC-Ausgang

Jam Sync

"Jam Sync" bedeutet, alle Geräte kurz miteinander zu verbinden (synchronisieren), danach laufen sie unabhängig weiter, aber mit identischem Zeitstempel. Qualitäts-Timecode-Generatoren driften weniger als 1 Frame pro Stunde.


Beispiele

Multi-Kamera-Setup bei einem Interview

Szenario: Drei Kameras (Haupt, Schuss-Gegenschuss), separates Ton-Recording.

Setup:

  1. Tentacle Sync E als Master an Hauptkamera (Kameraaudio)
  2. Zwei weitere Tentacle Sync E als Slaves – per Bluetooth synchronisieren
  3. Tentacle Sync E an Tongerät (Sound Devices MixPre)
  4. Alle Slaves empfangen Timecode der gleichen Stunde

Ergebnis: In DaVinci Resolve oder Premiere Pro kann der Multi-Cam-Clip per Timecode automatisch synchronisiert werden.

Live-Event-Produktion

Bei Konzertaufnahmen mit 10+ Kameras ist genaue TC-Synchronisation unerlässlich. Professionelle Broadcast-Setups nutzen ein zentrales Timecode-Mastergerät (z. B. ESE TC-89), das alle Kameras und den Regie-Mixer per LTC synchronisiert.


In der Praxis

Drift und Qualität

Günstige Timecode-Generatoren können im Laufe eines langen Drehtages driften. Für Langzeit-Aufnahmen (über 2 Stunden) regelmäßig neu synchronisieren ("re-jam"). Qualitätsgeräte wie Ambient Clockit driften weniger als 1 Frame pro 24 Stunden.

Bluetooth vs. Kabelanschluss

Tentacle Sync und ähnliche Geräte verbinden sich per Bluetooth untereinander für die initiale Synchronisation. Die eigentliche Timecode-Übertragung an die Kamera erfolgt per LTC-Audiokabel (3,5-mm-Klinke). Das ist zuverlässiger als drahtlose LTC-Übertragung.

NLE-Unterstützung

DaVinci Resolve und Premiere Pro synchronisieren Multi-Cam-Clips automatisch nach SMPTE-Timecode. Final Cut Pro X nutzt das "Synchronisieren"-Feature, das ebenfalls Timecode auswertet. Avid Media Composer hat ebenfalls native TC-Sync-Unterstützung.


Vergleich & Abgrenzung

MethodeGenauigkeitAufwandKosten
Manuelle Sync via KlatscheFrame-genau (manuell)HochGering
Audio-Wellenform-SyncFrame-genau (auto)MittelGering
Timecode (LTC)Frame-genau (auto)GeringMittel
GenlockSub-FrameSehr geringHoch

Für professionelle Produktionen ab 3+ Kameras ist Timecode der Standard. Genlock bietet noch präzisere Sub-Frame-Synchronisation für Broadcast, ist aber teurer und komplexer.


Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn Timecodes nicht synchron sind? Die NLE kann Clips nicht automatisch synchronisieren. Man muss manuell per Audio-Wellenform oder Klatsche synchen – bei vielen Kameras extrem zeitaufwendig.

Brauche ich für eine 2-Kamera-Produktion Timecode? Nicht unbedingt. Bei kurzen Drehs mit Klatsche reicht Audio-Wellenform-Sync aus. Ab 3 Kameras oder bei schnellem Editing lohnt sich Timecode.

Kann ich Timecode drahtlos übertragen? Einige Systeme (z. B. Timecode Systems UltraSync ONE) bieten drahtlose LTC-Übertragung per Funksignal. Das ist teurer, aber kabellos und für große Sets praktisch.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • SMPTE (2015): ST 12-1: Time and Control Code. Society of Motion Picture and Television Engineers, White Plains, NY.
  • Tentacle Sync (2023): Tentacle Sync E User Manual. Tentacle Sync GmbH, München.
  • Holman, Tomlinson (2010): Sound for Film and Television. 3. Aufl. Focal Press, Burlington, MA.
  • Elkins, David E. (2019): The Camera Assistant's Manual. 6. Aufl. Focal Press, New York.
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