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Licht-Setup bezeichnet in der Produktfotografie die bewusste Planung, Positionierung und Steuerung aller Lichtquellen, um Form, Textur, Farbe und Qualität eines Produkts optimal abzubilden.

Rubrik: Fotografie · Unterrubrik: Produktfotografie · Niveau: Einsteiger


Was ist ein Licht-Setup?

Ein Licht-Setup ist die Gesamtheit aller Entscheidungen rund um Beleuchtung: Welche Lichtquellen werden eingesetzt? Wo stehen sie? Wie groß sind sie? Wie stark sind sie? Was für Lichtformer kommen zum Einsatz? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen maßgeblich, wie ein Produkt im Bild wirkt. Licht ist das wichtigste Handwerkzeug in der Produktfotografie: Basics & Einsatzbereiche.


Erklärung

Die drei Grundrollen des Lichts

1. Key Light (Hauptlicht) Das Key Light ist die stärkste Lichtquelle und definiert die primäre Beleuchtungsrichtung. Es modelliert die Form des Objekts und erzeugt Schatten, die Tiefe und Dreidimensionalität vermitteln. Für Produktfotografie wird das Key Light meist seitlich von vorne (45°) positioniert.

2. Fill Light (Fülllicht) Das Fülllicht befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Key Lights und reduziert die Schattentiefe. Es verhindert, dass Schatten vollständig schwarz werden und Details verloren gehen. Häufig wird kein separates Fülllicht eingesetzt — stattdessen genügt ein Reflektor (weiße Pappe, Styropor) auf der Schattenseite.

3. Hintergrundlicht (Background Light) Das Hintergrundlicht beleuchtet den Hintergrund unabhängig vom Produkt. Bei Weißer Hintergrund: Pure White & Freisteller-Fotografie ist es unerlässlich, um Reinweiß (255,255,255) zu erreichen. Bei dunklen Hintergründen wird es weggelassen oder minimiert.

Lichtformer und ihre Wirkung

LichtformerLichtwirkungEinsatz
Große Softbox (60×90 cm+)Weiches, gleichmäßiges LichtAllgemeine Produktfotos
Kleine Softbox (30×50 cm)Weicher, aber direkterSchmuck, Detail
StriplightLanges, schmales LichtSeitliche Modellierung
OctaboxGleichmäßig, runder ReflexBeauty, Flüssigkeiten
Beauty DishHalbweich mit PunchMetall, Lacke
SnootSehr gebündeltes LichtSpot-Beleuchtung
Reflektor (bare)Hartes, direktes LichtSelten bei Produkten

Faustregel: Je größer die Lichtquelle relativ zum Motiv, desto weicher das Licht. Eine große Softbox nah am kleinen Produkt erzeugt extrem weiches Licht.

Blitz vs. Dauerlicht

Blitzlicht (Studioblitz, Speedlite):

  • Vorteile: Sehr hohe Lichtleistung, kühle Farbtemperatur (~5500 K), kein Wärmeaufbau, einfrieren von Bewegung
  • Nachteile: Man sieht das Ergebnis erst nach dem Auslösen (obwohl Pilotlicht hilft)
  • Empfehlung: Standard für Studioarbeit

Dauerlicht (LED-Panel, HMI):

  • Vorteile: What-you-see-is-what-you-get, gut für Video, einfache Einschätzung
  • Nachteile: Geringere Leistung, mehr Wärme, teurer bei gleichwertiger Lichtleistung
  • Empfehlung: Gut für Einsteiger und Hybrid Foto/Video

Praktische Licht-Setups

Setup 1: Ein-Licht-Setup (Einsteiger)

  • 1 Softbox seitlich vorne rechts (45°), 60×90 cm
  • Weißer Reflektor links
  • Ergebnis: Natürliche Modellierung, weiche Schatten
  • Ideal für: Allgemeine Produktfotos, Einsteiger

Setup 2: Zwei-Licht-Setup (Standard)

  • Key Light rechts, 45° vorne
  • Fill Light links, schwächer (½ bis ¼ Leistung)
  • Ergebnis: Gleichmäßige Ausleuchtung mit dezenter Tiefe
  • Ideal für: E-Commerce, Katalog

Setup 3: Drei-Licht-Setup (Profi)

  • Key Light rechts vorne
  • Fill Light links
  • Hintergrundlicht separat auf Hintergrund
  • Ergebnis: Sauberes Weiß, gleichmäßige Ausleuchtung
  • Ideal für: Packshot-Fotografie: E-Commerce-Standard, E-Commerce-Standard

Setup 4: Durchlicht (Transluzenz)

Lichtverhältnis (Lighting Ratio)

Das Verhältnis von Key Light zu Fill Light bestimmt den Kontrasteindruck:

  • 1:1 (Ratio 1:1): Flach, schattenlos — gut für technische Dokufotografie
  • 2:1 (1 Blende Unterschied): Leichte Modellierung — E-Commerce-Standard
  • 4:1 (2 Blenden): Deutliche Schatten — Lifestyle, dramatisch
  • 8:1+ (3+ Blenden): Harte Schatten, hoher Kontrast — kreativ, selten bei Produkten

Licht und Materialien

Verschiedene Produktmaterialien erfordern unterschiedliche Lichtansätze:

  • Matt/Texturiert (Holz, Stoff, Karton): Seitliches Licht akzentuiert Textur
  • Glänzend/Lackiert: Große, weiche Lichtquellen vermeiden Hotspots; Zelt-Beleuchtung
  • Transparent (Glas, Flüssigkeiten): Hinterleuchtung, Gegenlicht
  • Metall/Chrom: Softbox-Reflexionen gezielt platzieren; dunkle Umgebung für schwarze Highlights
  • Schmuck: Kleine, präzise Lichtquellen; Lumiquest, Snoot

Details zu Reflexionen: Reflexionen kontrollieren & vermeiden


Beispiele

Weinflasche (Glas/Flüssigkeit): Licht von hinten durch eine weiße Plexiglasplatte, Striplight seitlich für Kantenzeichnung, kein Frontlicht. Ergebnis: Durchleuchtet, leuchtend, tiefe Farben.

Lederbörse (matt): Großes Key Light von vorne links, kleiner Reflektor rechts, leichtes Streiflicht von der Seite für Lederstruktur. Keine separate Hintergrundbeleuchtung nötig.

Armbanduhr (Metall/Glas): Zeltbau aus weißem Karton, Licht nur von oben durch Loch, Spiegel unten als Reflektor. Ergebnis: Gleichmäßige Reflexionen, kein Hotspot.


In der Praxis

Checkliste Licht-Setup

  • [ ] Hintergrundlicht separat von Produktlicht kontrollierbar?
  • [ ] Keine ungewollten Schatten im Hintergrund?
  • [ ] Reflexionen im Produkt kontrolliert? (→ Reflexionen kontrollieren & vermeiden)
  • [ ] Farbtemperatur einheitlich (nicht gemischt Tageslicht/Kunstlicht)?
  • [ ] Belichtung korrekt → Histogramm prüfen
  • [ ] Grauwert-Referenz aufgenommen (für Weißabgleich)?

Vergleich & Abgrenzung

Soft LightHard Light
LichtquelleGroß, nahKlein, weit
SchattenWeiche ÜbergängeHarte Kanten
TexturMinimal betontStark betont
StimmungNeutral, kommerziellDramatisch
Typisch fürE-CommerceKreativkampagnen

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich mit natürlichem Tageslicht gute Produktfotos machen? Ja, besonders an einem bewölkten Tag (Wolken wirken wie eine riesige Softbox). Probleme: fehlende Konstanz, Richtungswechsel, keine Kontrolle über Intensität.

Wie viele Lichtquellen brauche ich minimal? Ein einziges Licht mit einem weißen Reflektor auf der Gegenseite reicht für viele Produkte aus. Das Ergebnis ist deutlich besser als gar keine Lichtplanung.

Welche Farbtemperatur ist ideal? 5000–5500 K (Tagweißlicht) ist Standard. Wichtig: alle Lichtquellen sollten dieselbe Farbtemperatur haben, um Farbstiche zu vermeiden.

Was kostet ein einfaches Blitz-Set für Einsteiger? Einsteigersets (2 Blitzköpfe, 2 Softboxen, Stative) sind ab ca. 200–400 € erhältlich. Empfehlenswert: Godox, Neewer.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Präkel, David: Lighting. Basics of Photography. AVA Publishing, 2007.
  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light — Science and Magic. Focal Press, 2015.
  • Kelby, Scott: Studio Lighting for Photographers. Peachpit Press, 2012.
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