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Uhren-Fotografie ist ein hochspezialisiertes Segment der Produktfotografie, das mit präziser Reflexionskontrolle, maßgeschneiderter Ausleuchtung für Metall und Glas sowie akkuraten Stilkonventionen (z. B. Zeitstellung 10:10) professionelle Bilder von Arm- und Taschenuhren erzeugt.

Rubrik: Fotografie · Unterrubrik: Produktfotografie · Niveau: Einsteiger


Was ist Uhren-Fotografie?

Armbanduhren gehören zu den anspruchsvollsten Produkten in der Fotografie. Kleine Abmessungen, Zifferblätter aus Glas, glänzende Metallgehäuse, polierte und gebürstete Flächen im selben Stück — jede Oberfläche braucht eine eigene Licht-Antwort. Kein Wunder, dass Rolex, Omega und Patek Philippe jeweils eigene Fotostudios und spezialisierte Fotografen beauftragen.

Doch auch für kleinere Marken und E-Commerce-Anbieter gelten die Grundprinzipien: Reflexionskontrolle, die richtige Zeitstellung, ein ausdrucksstarkes Zifferblatt und scharfe Details machen den Unterschied zwischen einem überzeugenden und einem lauen Produktbild.


Erklärung

Die Zeitstellung: 10:10 Uhr

Eine ungeschriebene Konvention in der professionellen Uhren-Fotografie: Zeiger immer auf 10:10 Uhr stellen. Der Grund:

  • Das V-förmige Muster der Zeiger rahmt das Zifferblatt ästhetisch ein
  • Das Marken-Logo (typisch oben mittig) wird nicht verdeckt
  • Es wirkt symmetrisch und offen
  • 10:10 erinnert visuell an ein Lächeln — positiv konnotiert

Alternativ wird manchmal 1:50 Uhr verwendet — die gespiegelte Variante. Bestimmte Marken haben eigene Zeitstellungs-Traditionen.

Licht-Setup für Uhren

Uhren kombinieren problematisch: glänzendes Metall (reflektiert alles), gewölbtes Saphirglas (reflektiert und doppelt), gebürstete Flächen (richtungsabhängige Reflexe) und das Zifferblatt (oft dunkel, schlecht lesbar ohne Licht).

Zelttechnik (Zeltbau): Die Zelttechnik ist die Standardmethode für Metallprodukte und besonders für Uhren geeignet:

  1. Weißen Diffusstoff oder Karton zu einem Zelt um die Uhr bauen
  2. Licht von oben durch eine runde oder rechteckige Öffnung
  3. Optional: kleine schwarze Karten einsetzen für dunkle Reflexlinien, die die Form der Uhr definieren

Setup mit Striplights:

  • Schmale Striplights links und rechts erzeugen elegante Kanten-Highlights am Gehäuse
  • Ein weiteres Licht von oben beleuchtet das Zifferblatt
  • Winkel der Striplights variieren, bis die Reflexion ästhetisch ist

Polarisationsfilter: Kombination aus zirkularem Polarisationsfilter am Objektiv und lineare Polarisationsfilter auf den Lichtquellen eliminiert die meisten Glasreflexionen (Saphirglas). Das Zifferblatt wird lesbar, ohne direkte Reflexionen.

Details zum allgemeinen Licht: Licht-Setup für Produktfotografie

Reflexionskontrolle bei Uhren

Uhr-Gehäuse aus Stahl oder Gold reflektieren ihre Umgebung. Wenn keine Kontrollmaßnahmen getroffen werden, sieht man Kamera, Fotograf und Studio im Gehäuse.

Methoden:

  1. Schwarze Karten: Schwarze Kartonstreifen neben der Uhr platzieren — sie erzeugen dunkle, definierte Reflexzonen die das Metall strukturieren
  2. Weiße Karten: Entsprechend helle Zonen für Highlights
  3. Zelttechnik (s.o.)
  4. Mattierspray: Nur als letztes Mittel — kann Oberflächen beschädigen
  5. Retusche: Ungewollte Reflexionen können in Photoshop retuschiert werden (aufwändig)

Details: Reflexionen kontrollieren & vermeiden

Requisiten und Präsentation

Uhren ohne Träger:

  • Auf Uhrenpolster (oft mitgeliefertes Kissen der Marke)
  • Auf aufgestelltem Armband (Uhr steht aufrecht, Armband gefaltet)
  • Auf transparentem Acrylständer

Uhren am Handgelenk (lifestyle):

  • Modell-Handgelenk oder Dummy-Handgelenk (Kunststoff)
  • Uhr am echten Handgelenk — natürlichste Wirkung, schwerer zu kontrollieren
  • Armband muss glatt sitzen, keine Falten

Hintergrundwahl:

  • Schwarz: Unterstreicht Luxus, Metall leuchtet
  • Weiß/Hellgrau: E-Commerce-Standard, clean
  • Texturiert (Holz, Leder, Stein): Lifestyle-Kontext, Markenästhetik

Technische Ausrüstung

  • Objektiv: 100mm Makro (Vollformat) für naheste Detailaufnahmen; 50mm für Gesamtansichten
  • Kamera: Vollformat für maximale Dynamik; RAW-Aufnahme Pflicht
  • Stativ: Obligatorisch bei Makro
  • Focus Stacking: Oft nötig für vollständige Schärfe bei sehr nahen Aufnahmen

Beispiele

Luxusuhr (E-Commerce, weiß): Uhr liegend auf weißem Hintergrund, Zeiger auf 10:10. Zelttechnik, Licht von oben, zwei schwarze Karten seitlich für Gehäuse-Kontur. Polarisationsfilter gegen Glasreflexion. Ergebnis: sauberes, lesbare Zifferblatt, Gehäuse klar strukturiert.

Taucheruhr (Lifestyle): Uhr auf dunklem Schiefer-Hintergrund, seitliche Beleuchtung für metallischen Glanz, kleine tropfen auf dem Glas (Assoziation: Wasser, Tauchen). Manuell platzierte Wassertropfen mit Pipette.

Detail-Aufnahme Uhrwerk: Rückseitig offene Uhr (Sichtboden), Licht von der Seite für Modellierung der Zahnräder, f/11 oder Focus Stack für vollständige Schärfe der Mechanik.


In der Praxis

Workflow Uhren-Shooting

  1. Uhr reinigen: Mikrofasertuch, ggf. Uhrenreiniger für Armband
  2. Zeiger auf 10:10 stellen (Krone herausziehen, Zeiger positionieren, Krone zurückschieben)
  3. Set aufbauen: Hintergrund, Stativ, Kamera, Licht
  4. Zeltbau oder Striplights positionieren
  5. Kamera-Position: Meist leicht schräg von vorne (15–30°), nicht frontal-flach
  6. Reflexionen checken: Kamera aus Bild der Uhr entfernt?
  7. Testaufnahmen, Licht feinabstimmen
  8. Aufnahmen in RAW, mehrere Perspektiven
  9. Retusche: Reflexionen korrigieren, Schmutz entfernen

Post-Processing

  • Staubflecken entfernen (bei Macro extrem sichtbar!)
  • Zifferblatt: Kontrast und Lesbarkeit optimieren
  • Metallgehäuse: Highlights und Schatten für Materialcharakter
  • Unerwünschte Reflexionen: In Photoshop mit Stempel oder Healing Brush
  • Hintergrund bereinigen: ggf. Clipping Path & Freistellung in Photoshop

Vergleich & Abgrenzung

Uhren-FotografieSchmuck-Fotografie
HauptmaterialStahl, Glas, LederGold, Silber, Steine
ReflexionsproblemSehr hoch (Gehäuse + Glas)Sehr hoch (Metall)
Zeitkonvention10:10 UhrKeine
Typische VergrößerungMakro bis 1:2Makro bis 1:1+
Focus StackingOft nötigFast immer nötig

Häufige Fragen (FAQ)

Warum steht der Zeiger immer auf 10:10? Ästhetische Konvention: Das V-Muster der Zeiger rahmt das Zifferblatt stimmig ein, verdeckt kein Logo und wirkt offen-einladend. Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber Branchenstandard.

Wie entferne ich Reflexionen von der Kamera selbst? Kamera weit vom Motiv entfernt positionieren (Telebrennweite erlaubt größeren Abstand), dunkle Kleidung tragen, schwarze Karten vor der Kamera. Oder: Retusche in Post.

Kann ich eine Uhr auf Karton oder weißem Papier fotografieren? Ja, als Einsteigerlösung gut. Für professionelle Ergebnisse sind dedizierte Uhrenpolster oder Acrylständer besser, da sie die Uhr korrekt präsentieren.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light — Science and Magic. Focal Press, 2015.
  • Präkel, David: Lighting. Basics of Photography. AVA Publishing, 2007.
  • Freeman, Michael: Close-Up Photography. Ilex Press, 2010.
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