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RPG Maker ist eine Spieleentwicklungssoftware von Kadokawa, die ohne Programmierkenntnisse die Erstellung von Rollenspielen ermöglicht und durch eine umfangreiche Asset-Community sowie flexible kommerzielle Nutzungsbedingungen gekennzeichnet ist.

Rubrik: Game Design & Interactive Media · Unterrubrik: Game Engines · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: RM, RPG Maker MZ, RPG Maker MV, RPG Tsukuru (japanisch)


Was ist RPG Maker?

RPG Maker ist eine Reihe von Spieleentwicklungswerkzeugen, die ursprünglich 1988 in Japan von ASCII Corporation (später Enterbrain, heute Kadokawa) entwickelt wurden. Das Ziel war von Anfang an, Menschen ohne Programmierkenntnisse die Erstellung von Rollenspielen zu ermöglichen – ein visionäres Konzept, das Jahrzehnte vor dem modernen No-Code-Trend entstand.

Die bekanntesten westlich veröffentlichten Versionen sind RPG Maker XP (2004), VX (2007), VX Ace (2012), MV (2015) und MZ (2020). Jede Version erweiterte die Möglichkeiten: von reinen Top-Down-JRPG-Tools hin zu flexibleren Plattformen, die auch andere Genres unterstützen.

RPG Maker hat trotz seiner Nische eine bemerkenswert aktive Community hervorgebracht und ist die Heimat einiger der einflussreichsten Indie-Horrorspiele der 2000er und 2010er Jahre.


Erklärung

Kernkonzept: Ereignisbasiertes Entwickeln

RPG Maker arbeitet mit einem Ereignissystem (Event System). Jede interaktive Funktion im Spiel – ein NPC-Gespräch, eine Schatztruhe, ein Türmechanismus, ein Bosskampf-Trigger – ist ein Event auf der Karte (Map). Events werden über ein grafisches Interface ohne Textcode definiert: Man wählt aus einer Liste von Befehlen (Zeige Nachricht, Bewege Charakter, Abspielen Sound, Bedingungsverzweigung) und setzt sie in einer Sequenz zusammen.

Dieses System macht RPG Maker extrem zugänglich: Innerhalb weniger Stunden kann ein funktionierendes Kampfsystem, eine begehbare Welt und Dialoge ohne eine Zeile Code entstehen.

Standardsysteme

RPG Maker bringt vollständige Spielsysteme mit:

  • Rundenbasiertes Kampfsystem: Seitenansicht oder Front-View-Kämpfe, vollständig konfigurierbar.
  • Datenbank: Alle Werte des Spiels – Charaktere, Klassen, Skills, Items, Monster, Zustände – werden in einer Datenbank verwaltet.
  • Map-Editor: Tile-basierter Editor mit Tileset-Layering.
  • Charakter-Generator: Einfache Charaktersprite-Generierung aus vorgefertigten Bauteilen.
  • Menu-System: Standard-RPG-Menüs (Item, Ausrüstung, Fähigkeiten, Speichern) inklusive.

JavaScript und Plugins (MV/MZ)

Ab RPG Maker MV (2015) ist die Engine vollständig auf JavaScript/HTML5 aufgebaut. Das bedeutet:

  1. Spiele können als Web-Anwendungen exportiert werden.
  2. Erfahrene Entwickler können das Kernsystem durch JavaScript-Plugins erweitern.
  3. Eine riesige Plugin-Community hat Hunderte kostenloser und kostenpflichtiger Erweiterungen geschrieben – von animierten Kämpfen über Quest-Systeme bis hin zu Day-Night-Zyklen.

Assets und Lizenzen

RPG Maker enthält umfangreiche vorgefertigte Assets: Tilesets, Charaktersprites, Musikstücke, Soundeffekte – alles im klassischen Pixel-Art-JRPG-Stil. Diese Assets sind für kommerzielle Nutzung in mit RPG Maker erstellten Spielen freigegeben.

Wichtig: Die mitgelieferten Assets dürfen in den meisten Fällen nur in RPG-Maker-Projekten verwendet werden, nicht in anderen Programmen oder anderen Engines. Third-Party-Asset-Pakete (über den RPG Maker Web Store oder itch.io) haben eigene Lizenzbedingungen.

Kommerzielle Nutzung

RPG Maker ist auf Steam erhältlich (Preise je nach Version ca. 70–80 EUR). Die Lizenz erlaubt:

  • Kommerzielle Veröffentlichung von Spielen ohne Umsatzbeteiligung.
  • Steam-Veröffentlichung, itch.io-Veröffentlichung, physische Verkäufe.
  • Keine versteckten Gebühren pro Kopie oder Umsatz.

Spiele müssen nicht als „in RPG Maker gemacht" erkennbar sein – das Splash-Screen-Logo kann entfernt werden.


Beispiele

  • Yume Nikki (Kikiyama, 2004) – einflussreiches Traum-Erkundungs-Spiel, das den Stil psychologischer RPG-Maker-Horrorspiele begründete.
  • Ib (kouri, 2012) – atmosphärisches Horrorspiel in einem Kunstmuseum.
  • Mad Father (Sen, 2012) – beliebtes Horror-RPG mit kommerziell verfügbarer Version auf Steam.
  • To the Moon (Freebird Games, 2011) – emotional preisgekröntes Narrative-Game, das RPG Maker als Storytelling-Medium neu definierte.
  • Omori (OMOCAT, 2020) – aufwändig produziertes Psychological-Horror-RPG mit originellen Assets, das auf Kickstarter finanziert wurde und über eine Million Einheiten verkaufte.

In der Praxis

RPG Maker ist ideal als erster Einstieg ins Spieleentwickeln, weil die Lernkurve flach und die Erfolgserlebnisse früh einsetzen. In wenigen Stunden kann man ein begehbares Dungeon mit Kämpfen und Dialogen erstellen.

Grenzen zeigen sich, wenn man stark vom JRPG-Format abweichen will: Ein Jump-and-Run, ein Echtzeit-Actioner oder ein komplexes Wirtschafts-Simulationsspiel sind in RPG Maker schwierig umzusetzen und erfordern viel Plugin-Recherche oder JavaScript-Kenntnisse.

Für Storytelling, Visual-Novel-Elemente und Narrative Games ist RPG Maker nach wie vor einer der zugänglichsten Workflow.


Vergleich & Abgrenzung

AspektRPG Maker MZGameMakerGodot
ZielgenreJRPG, Narrative2D allgemein2D + 3D
ProgrammierungNicht nötigGML / Drag & DropGDScript / C#
Vorgefertigte SystemeVollständigWenigWenig
FlexibilitätBegrenztMittelHoch
Preis~70–80 EUR (einmalig)Freemium/AboKostenlos

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man mit RPG Maker wirklich ohne Programmierung ein Spiel veröffentlichen? Ja. Omori und To the Moon beweisen es: Vollständige kommerzielle Spiele entstanden im Wesentlichen ohne tiefe Programmierkenntnisse. Für komplexe Systeme helfen Plugins.

Ist RPG Maker nur für RPGs geeignet? Der Name ist irreführend. Mit Plugins lassen sich Horror-Adventures, Visual Novels, Puzzle-Spiele und sogar rudimentäre Action-Spiele bauen. Für Genres abseits des Rundenrollen- und Adventure-Bereichs stoßen Entwickler jedoch schnell an systemische Grenzen.

Lohnt sich RPG Maker MZ gegenüber MV? MZ (2020) bietet verbesserten Plugin-Support, bessere Plug-in-Verwaltung, angepasste Layer-Steuerung und modernisiertes Code-Fundament. Für Neuprojekte empfiehlt sich MZ; bestehende MV-Projekte müssen nicht migriert werden.

Kann ich fremde Grafiken in RPG Maker verwenden? Ja, solange man die Lizenz der verwendeten Assets einhält. Die mitgelieferten RTP-Assets sind engine-lizenziert, Third-Party-Assets haben eigene Regelungen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Perez, Lucas: RPG Maker MV/MZ: Spieleentwicklung für Einsteiger. Rheinwerk Computing, 2021.
  • OMOCAT: Behind Omori – Entwicklungs-Postmortem. GDC Talk, 2022.
  • Freebird Games (Kan Gao): To the Moon – Making of. Gamasutra-Interview, 2011.
  • Kadokawa: RPG Maker MZ Official Help Documentation. rpgmakerweb.com, 2020–2024.
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