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Pull Quotes sind aus dem Fließtext herausgezogene und typografisch hervorgehobene Zitate, die als Blickfang, Leseranreiz und gestalterisches Gliederungsmittel im Magazin-Layout dienen.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Editorial Design · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Zitatkästen, Breakout Quotes, Pull-Zitate, Callout Quotes

Was ist Pull Quotes?

Ein Pull Quote (dt. herausgezogenes Zitat) ist ein kurzes, prägnantes Zitat oder eine Kernaussage aus dem Artikeltext, die typografisch hervorgehoben und als eigenständiges gestalterisches Element auf der Seite platziert wird. Der Begriff „Pull" bezieht sich darauf, dass das Zitat buchstäblich aus dem Fließtext „herausgezogen" wird, um es an einer anderen Stelle sichtbarer zu machen. Pull Quotes erfüllen im Magazin-Layout mehrere Funktionen gleichzeitig.

Erklärung

Funktionen von Pull Quotes:

Leseranreiz und Scanning: Leser, die eine Seite zuerst „scannen" (überfliegen), bevor sie entscheiden, ob sie einen Artikel lesen, stoßen auf Pull Quotes als erstes. Ein gut gewähltes Pull Quote kann den Entschluss auslösen, den Artikel tatsächlich zu lesen. Daher werden die stärksten, provokantesten oder interessantesten Sätze eines Textes als Pull Quotes gewählt.

Gestalterische Gliederung: Auf langen Textseiten unterbrechen Pull Quotes den Graublock und strukturieren die Seite visuell. Sie schaffen visuelle Abwechslung ohne zusätzliche Bilder und verbessern die Lesbarkeit durch rhythmische Unterbrechung.

Typografisches Akzentelement: Pull Quotes sind ein wichtiges Mittel, um die typografische Hierarchie einer Seite zu bereichern. Zwischen den Ebenen Überschrift, Vorspann und Fließtext positioniert, erweitern sie das Spektrum an Lesbarkeitsebenen.

Typografische Gestaltung:

Pull Quotes werden typisch in einer deutlich größeren Schriftgröße als der Fließtext gesetzt (18–36 pt, je nach Seitenformat und Layout). Schriftschnitt: oft kursiv oder halbfett. Schriftart: kann dieselbe sein wie der Fließtext oder eine kontrastierende Akzentschrift. Farbe: Häufig in der Akzentfarbe des Magazins oder einer Hausfarbe, die den Pull Quote von normalen Textelementen unterscheidet.

Typische Elemente, die Pull Quotes begleiten:

  • Zitatzeichen: Große, dekorative Anführungszeichen ober- oder unterhalb des Zitats
  • Trennlinien: Horizontale Linien ober- und unterhalb, die den Pull Quote rahmen
  • Farbblock: Ein farbiger Hintergrundblock unter dem Zitat
  • Leerraum: Großzügiger Weißraum um den Pull Quote herum

Platzbedarf und Platzierung:

Pull Quotes können eine, zwei oder alle Spalten überspannen. Sie unterbrechen den Textfluss – der Fließtext fließt um sie herum oder wird durch sie in zwei Textblöcke aufgeteilt. Die Platzierung sollte gestalterisch begründet sein: Zu viele Pull Quotes auf einer Seite verwässern ihre Wirkung (Faustregel: maximal 1–2 pro Seite).

Auswahl des richtigen Zitats:

Ein Pull Quote muss aus sich heraus verständlich sein und Neugier wecken, ohne zu viel vorwegzunehmen. Ideale Pull Quotes sind prägnant (1–2 Sätze), überraschend oder provokant, emotional ansprechend oder essentiell für das Thema. Sie dürfen nicht täuschen – das Zitat muss so im Artikel vorkommen und darf nicht aus dem Kontext gerissen Bedeutungen erzeugen, die der Text nicht intendiert.

Beispiele

  1. Der Spiegel: Pull Quotes in der typischen Spiegel-Akzentfarbe Rot, gerahmt von feinen Linien, konsistent über alle Reportageseiten.
  2. The New Yorker: Dezente Pull Quotes in kursiver Schrift ohne farbige Akzente – dem zurückhaltenden Gesamtdesign angepasst.
  3. GQ: Große, boldschriftliche Pull Quotes die fast Plakatformat erreichen – imageorientierter Stil.
  4. Zeit Magazin: Elegante Pull Quotes mit großem Weißraum, oft einfarbig und minimalistisch.
  5. Wired: Technoid wirkende Pull Quotes mit Monospace-Fonts und eckigen Rahmungen – zur redaktionellen Haltung passend.

In der Praxis

In InDesign werden Pull Quotes als eigenständige Textrahmen angelegt, die im Textfluss verankert sind (verankerte Objekte) oder frei auf der Seite positioniert werden. Für konsistente Gestaltung alle Pull-Quote-Textelemente als Absatzformat anlegen. Zitatzeichen können als eigenes Zeichenformat definiert und als OpenType-Ornamente eingesetzt werden.

Tipp: Pull-Quote-Textrahmen mit dem Fließtext verankern (Objekt → Verankertes Objekt → Einfügen), damit sie beim Umfließen des Textes automatisch an der richtigen Stelle bleiben.

Fallstrick: Zitats, die aus dem Kontext gerissen missverständlich wirken oder den Gesamttenor des Artikels verfälschen, sollten nicht als Pull Quote eingesetzt werden. Immer Redakteur um Freigabe bitten.

Vergleich & Abgrenzung

Pull Quotes unterscheiden sich von Infoboxen/Callouts dadurch, dass sie ausschließlich aus dem Fließtext selbst stammen – sie fügen keine neuen Informationen hinzu. Eine Infobox kann ergänzende Fakten oder Hintergrundinformationen enthalten, die nicht im Haupttext stehen. Drop Caps (Initialen) sind typografische Elemente am Textanfang, keine Zitate.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie setzt man Pull Quotes in InDesign um? Lege einen Textrahmen an, definiere Schriftgröße, -schnitt und -farbe als Absatzformat. Für verankerte Pull Quotes: Cursor im Fließtext an die gewünschte Position setzen, dann Objekt → Verankertes Objekt → Einfügen wählen. Für Trennlinien: Im Absatzformat unter Absatzlinien obere und untere Linie definieren, oder Tabellentrick nutzen.

Was sind häufige Fehler bei Pull Quotes? Zu viele Pull Quotes pro Seite – die Auszeichnungsfunktion geht verloren. Zitate, die den Leser nicht neugierig machen, weil sie zu generisch oder zu bekannt sind. Pull Quotes, die wichtige Inhalte vorwegnehmen (Spoiler-Effekt). Inkonsistente Gestaltung, die Pull Quotes mal groß, mal klein, mal farbig erscheinen lässt.

Weiterführend

  • Bringhurst, Robert (2004): The Elements of Typographic Style. 3. Aufl., Hartley & Marks, Vancouver.
  • White, Jan V. (2003): Editing by Design. Allworth Press, New York.
  • Müller, Lars (2015): Josef Müller-Brockmann: Pioneer of Swiss Graphic Design. Lars Müller Publishers, Zürich.
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