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Bildredaktion ist die journalistische und gestalterische Aufgabe, aus vorhandenem Bildmaterial die inhaltlich und ästhetisch geeignetsten Bilder für eine Publikation auszuwählen, auszuschneiden und zu platzieren.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Editorial Design · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Bildauswahl, Photo Editing, Bildredakteur, Photo Desk


Was ist Bildredaktion?

Bildredaktion ist die Schnittstelle zwischen Journalismus, Fotografie und Editorial Design. Der Bildredakteur (auch: Photo Editor) entscheidet, welche Bilder in einer Publikation erscheinen und wie sie eingesetzt werden. Er trifft inhaltliche Entscheidungen (welches Bild erzählt die Geschichte am besten?), ästhetische Entscheidungen (welches Bild passt zum Layout?) und rechtliche Entscheidungen (haben wir die Nutzungsrechte?).

In größeren Redaktionen (Spiegel, Zeit, FAZ) ist Bildredaktion ein eigener Berufszweig. In kleineren Redaktionen übernehmen Layouter und Art Direktoren diese Aufgabe mit.


Erklärung

Bildauswahl: Kriterien

Inhaltliche Qualität:

  • Trifft das Bild den Inhalt des Artikels?
  • Zeigt es das Wesentliche, nicht das Nebensächliche?
  • Ist es aktuell und korrekt kontextualisiert?

Bildqualität:

  • Ausreichende Auflösung für den geplanten Druckabzug (300 dpi beim Ausgabemaß)
  • Schärfe am entscheidenden Punkt (Fokus auf Augen bei Portraits)
  • Belichtung: weder ausgebrannt noch zu dunkel

Gestalterische Eignung:

  • Passt das Bild in das vorgesehene Formatfeld?
  • Gibt es einen geeigneten Bildausschnitt?
  • Harmoniert die Farbstimmung mit dem Layout?
  • Ist Weißraum vorhanden, in dem Überschriften platziert werden können?

Emotionale Wirkung:

  • Erzeugt das Bild die gewünschte Reaktion (Empathie, Neugier, Schock, Freude)?
  • Ist es einprägsam?

Bildausschnitt (Cropping)

Der Bildausschnitt ist eine der wichtigsten gestalterischen Entscheidungen in der Bildredaktion. Durch Cropping wird:

  • Der Fokus auf das Wesentliche gelenkt
  • Das Verhältnis zwischen Bildinhalt und Rahmenformat angepasst
  • Störende Elemente entfernt
  • Spannung oder Ruhe erzeugt

Regel der Drittel: Der Bildinhalt wird nicht im Zentrum, sondern an einem der vier Schnittpunkte eines 3×3-Rasters platziert. Dieses Prinzip erzeugt dynamischere Kompositionen.

Bundberücksichtigung: Bei Bildern, die nahe am Bund platziert werden, muss der Ausschnitt berücksichtigen, dass im Bund ca. 5–10 mm verloren gehen.

Bildplatzierung im Layout

Ankerfunktion: Bilder sind die stärksten visuellen Anker auf einer Seite. Das dominanteste Bild auf einem Spread bestimmt, wo das Auge des Lesers zuerst hingeht.

Bildgröße und Hierarchie: Nicht alle Bilder sind gleich – eine inhaltliche Hierarchie entscheidet, welches Bild groß und welches kleiner platziert wird. Größe = Wichtigkeit.

Skalierungsverhältnis: Bilder auf einer Seite sollten sich in ihrer Größe klar unterscheiden. Annähernd gleich große Bilder nebeneinander erzeugen visuelle Konkurrenz ohne Hierarchie.

Blickrichtung beachten: Personen und Tiere auf Fotos haben eine implizite Blickrichtung. Diese sollte ins Zentrum der Seite zeigen, nicht nach außen – sonst wirkt das Layout wie wegblickend.

Bildrechte

Bildredaktion schließt immer die Prüfung der Nutzungsrechte ein:

  • Eigenproduktion: Fotos des eigenen Fotografen – Nutzungsrecht liegt beim Auftraggeber
  • Agenturbild: Lizenzpflichtig (Getty, dpa, Reuters, Alamy) – Nutzungsrechte meist für bestimmte Auflagen, Regionen und Verwendungszwecke
  • Archivbild: Historische Fotos können Urheberrechte haben (70 Jahre nach Tod des Fotografen)
  • Social-Media-Bilder: Ohne explizite Lizenzvereinbarung NICHT verwendbar, auch wenn öffentlich sichtbar

Beispiele

Magnum Photos: Die renommierte Fotografen-Kooperative ist ein Archiv von Weltrang. Bildredakteure greifen bei historischen Reportagen oft auf Magnum-Material zurück.

Agenturfotos in Tageszeitungen: Die Bildredaktion einer Tageszeitung erhält täglich hunderte Bildvorschläge von dpa, Reuters und AP – die Auswahl der drei bis vier Bilder für die Titelseite ist eine redaktionelle Entscheidung mit politischer Tragweite.


In der Praxis

Workflow:

  1. Bildanforderung: Art Director oder Redakteur definiert, was gebraucht wird
  2. Bildrecherche: In eigenem Archiv, Bildagenturen, Produktionsbild
  3. Vorauswahl: 5–20 Bilder in die engere Wahl
  4. Bildbearbeitung: Grundlegende Korrekturen in Adobe Photoshop (Belichtung, Weißabgleich, Kontrast) – aber: keine inhaltliche Manipulation
  5. Freigabe und Rechtsprüfung
  6. Übergabe ans Layout mit Angaben zu gewünschtem Ausschnitt und Bildgröße

Technische Anforderungen:

  • Auflösung: Mindestens 300 dpi bei der Ausgabegröße (Bitmap)
  • Farbraum: CMYK für Druck, RGB für digital (Conversion beim Export)
  • Dateiformat: TIFF (verlustfrei) oder JPEG (für Web und manche Druckereien)
  • Eingebettetes Profil: ISO Coated v2 (300%) für European Offset Print

[Bildunterschriften](/wiki/grafik-kommunikationsdesign/editorial/caption-bildunterschrift/) sind Bestandteil der Bildredaktion: Sie liefern den inhaltlichen Kontext und nennen Fotograf und ggf. Agentur.


Vergleich & Abgrenzung

RolleAufgabeHauptwerkzeug
BildredakteurAuswahl, Rechte, FreigabeBildarchiv, Agentur-Portale
Art DirectorPlatzierung, Größe, AusschnittInDesign
FotografAufnahme, NachbearbeitungKamera, Photoshop, Lightroom
RetuscheurTechnische BildbearbeitungPhotoshop

Häufige Fragen (FAQ)

Darf ein Bild nachträglich stark verändert werden (z. B. Personen entfernen)? Für Nachrichtenbilder gilt das Manipulationsverbot: Inhaltsverändernde Eingriffe sind verboten und verstoßen gegen journalistische Ethikregeln. Kosmetische Korrekturen (Belichtung, Kontrast) sind zulässig; Bildagenturen haben klare Richtlinien.

Was ist der Unterschied zwischen Bildredaktion und Bildbearbeitung? Bildredaktion ist die redaktionelle Entscheidung (Was zeigen wir?), Bildbearbeitung ist die technische/ästhetische Optimierung (Wie sieht es aus?). Oft liegt beides beim gleichen Mitarbeiter, konzeptionell sind es getrennte Aufgaben.

Wie viele Bilder brauche ich pro Magazinseite? Das hängt vom Konzept ab. Ein bildstarkes Lifestyle-Magazin hat oft 1 dominantes Bild + 1–2 kleinere pro Seite. Reportagen können 4–6 Bilder pro Spread haben. Textlastige Seiten kommen mit einem Bild oder keinem aus.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kobre, Kenneth (2008): Photojournalism: The Professionals' Approach. 6. Aufl. Focal Press, Oxford.
  • Newton, Julianne H. (2001): The Burden of Visual Truth: The Role of Photojournalism in Mediating Reality. Lawrence Erlbaum, Mahwah.
  • Schreiber, Ulrich & Schmitt, Andreas (2014): Bildrechte für Designer. Rheinwerk Design, Bonn.
  • Möhring, Wiebke & Schlütz, Daniela (2010): Die Befragung in der Kommunikationswissenschaft. VS Verlag, Wiesbaden.
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